Testspiel: RB Leipzig vs. TSV Havelse 2:0

Zwei Wochen vor dem Saisonstart und mit einem bis auf Christos Papadimitriou, der vorerst nur als Gastspieler mitwirken kann, kompletten Kader geht es nun bei RB Leipzig um die Feinarbeit Richtung erstem Spiel in Halle. Der Testspiel-Doubleheader am Cottaweg vom Wochenende war mit seinen diversen Aufstellungsvariationen in diesem Sinne sicherlich eine gute Sache, um sich näher an die mögliche Kernformation (von der ich mit Coltorti, Müller, Hoheneder, Jung, Kaiser und Frahn sechs schon als ziemlich sicher gesetzt sehen würde) heranzutasten.

Im gestrigen Spiel gegen den TSV Havelse fehlten neben den verletzten Matthias Morys, Joshua Kimmich und Fabian Franke auch Fabio Coltorti und Tobias Willers, die am Vortag im Test gegen Vikoria Köln 90 Minuten hatten durchspielen müssen. Und auch ansonsten wurde darauf geachtet, dass alle verfügbaren Spieler ähnliche Einsatzzeiten erhalten, sprich Spieler, die gegen Köln länger auf dem Platz standen gegen Havelse etwas weniger spielten und andersherum.

Coach Alexander Zorniger setzte diesmal auf das vertraute 4-3-1-2, mit dem RB Leipzig zumindest in den ersten 45 Minuten komplett überlegen war. Auch wenn nicht alles optimal lief, erarbeiteten sich die Test-RasenBallsportler einige Großchancen, während man andersherum gegen den Ball und im Rückwärtsgang so konzentriert zugriff, dass die Gäste bis auf ein, zwei im Ansatz gefährliche Situation nicht viel zu bieten hatten.

In der zweiten Halbzeit sah das dann schon wesentlich anders aus, denn der nach Trainerwechsel und Spielerabgängen runderneurte Regionalligist konnte nun einige Male davon profitieren, dass die RasenBallsportler im Mittelfeld Bälle verloren oder nicht den rechten Zugriff im Spiel gegen den Ball fanden oder offensiv zu ungenau und schlampig spielten. Insgesamt keine schlimme Sache, aber irgendwie gewann man im Laufe der Partie das Gefühl, dass sich die Mannschaft noch finden muss. Was insofern erstaunlich ist, dass ab der 60. Minute nur noch ein Neuzugang bei RB Leipzig auf dem Platz stand und zumindest darin nicht das Problem bestanden haben kann.

Bei brütender Sonne muss man andererseits aber auch die Kirche im Dorf lassen. Denn im zweiten Testspiel binnen zwei Tagen geht dann vielleicht doch nicht jeder immer den allerletzten Meter. Was bei einem Spielsystem, das auf Balleroberung und Aggressivität/ Aktivität setzt, eben noch mehr auffällt, als bei einem tief stehend verteidigenden System. Von der Seite her war gerade die Anfälligkeit für schnelle Gegenstöße in den zweiten 45 Minuten eigentlich wenig überraschend.

Gerade in den ersten 45 Minuten hatte man dagegen gesehen, wie gut es manchmal bereits aussehen kann, wenn die RasenBallsportler mit ihrem Pressing Erfolg haben und dann schnell und direkt umschalten. Auch beim Führungstreffer war dies der Fall, als Neuzugang Poulsen den sehr auffälligen André Luge bediente und der mit einer Eingabe Tobias Holm zu einem Eigentor zwang.

In der zweiten Halbzeit sah man dies seltener, aber auch hier wurde in einigen Highlights gezeigt, wie es gehen kann. Hoheneder zeigte in einer Situation mit einem Klassepass nach Balleroberung von der Strafraumgrenze an die Mittellinie, wie ein Innenverteidiger eine Spielsituation komplett öffnen und eine Pressingwelle überspielen kann. Ein schneller Pass und Kaiser hatte an der Mittellinie eine ziemlich offene gegnerische Hälfte vor sich.

Kaiser zeigte später etwas ähnliches eben ein Stück weiter vorn. Ein schneller Pass aus dem Fußgelenk von der Mittellinie an den Strafraum und der Druck auf den Ball durch den Gegner wird ausgehebelt. In dem Fall wurde leider abseits gewunken (auch wenn der Linienrichter, der das entschied, meist und auch in diesem Fall 10 Meter links von der imaginären Abseitslinie entfernt und so eben auch schlecht stand).

Das 2:0 machte Daniel Frahn schließlich mit all seiner Torjäger-Routine als er schön freigespielt noch in aller Ruhe den Keeper ausspielt und dann ins leere Tor einschiebt. Man konnte seine Abgeklärtheit in dieser Situation richtiggehend greifen.

Individuell wusste auf Seiten von RB Leipzig André Luge sehr zu gefallen. In dem, was man bisher in der Vorbereitung von ihm sehen durfte, ist er ein absoluter Gewinn für das Team und aktuell mit seiner Schnelligkeit und Ballsicherheit im Eins gegen Eins nur schwerlich aus der Kernelf wegzudenken. Neben ihm gefiel mir ganz subjektiv auch Denis Thomalla sehr gut, der im Sturm immer mit Zug zum Tor und einiger Klasse agiert. Vielleicht fehlt ihm in mancher Situation noch Ruhe und Glück, aber als Spielertyp macht er bisher viel Spaß.

Das größte Problem von Denis Thomalla heißt seit letzte Woche Yussuf Poulsen (der gegen Havelse ein, zwei Glanzlichter setzte, ansonsten aber blass und zeitweise komplett unbeteiligt blieb), denn egal wie sehr das Leistungsprinzip zählt, ist Poulsen aktuell der Königstransfer und wird wohl auf jeden Fall in besonderem Maße an das Team herangeführt werden. Und ist dort, wenn er seine Klasse bestätigt wohl schwerlich zu verdrängen. Nimmt man daneben noch Daniel Frahn, dann wird es eng im Sturm. Und für einen Dreiersturm, wie er im Spiel gegen Köln getestet wurde, könnte Thomalla nicht ganz der perfekte Typ sein. Da hätten dann Kammlott und Morys ihre Vorteile.

Auffällig auch die enorme Laufbereitschaft eines Timo Röttgers, der 90 Minuten lang Lust auf Fußball versprühte. Niklas Hoheneder stark wie eh und je. Erik Domaschke die extrem sichere Nummer 2 im Tor, um die man sich keinerlei Sorgen machen muss.

Auf der anderen Seite konnte einen der Auftritt von Thiago Rockenbach etwas ratlos zurücklassen. Zumindest gestern schien er wie aus einer vergangenen Epoche. Immer wieder zurückfallend versuchte er sich als der althergebrachte Regisseur und Ballverteiler, den es bei RB Leipzig in der Form ja im Normalfall gar nicht mehr gibt. Man kann sich da auch gut täuschen und vielleicht war dies gegen Havelse die ihm zugeteilte Rolle, aber für einen Außenstehenden wirkte es eher so, als hätte es Rockenbach mit dieser Art Fußball schwer, in der kommenden Saison dauerhaft im Team zu stehen. Im 4-4-2 mit Doppelsechs gibt es für ihn nicht wirklich eine Position und im 4-3-3 (wenn es sich um eine Variante des 4-2-3-1 handelt) und im 4-3-1-2 hat er mit Fandrich ernstzunehmende Konkurrenz.

Etwas angesteckt davon wirkte auch Carsten Kammlott, der es nach den Verpflichtungen von Poulsen und Thomalla in der kommenden Saison noch schwerer haben wird als bisher. Denn bei den immer wieder – auch von einem tief agierenden Rockenbach – lang geschlagenen Bällen konnte Kammlott alles in allem nur schlecht aussehen. Insgesamt ein glückloser Auftritt des Stürmers, was nicht nur an ihm lag.

Fazit: Man sollte Testspiele nie überbewerten, aber die Eindrücke der ersten Halbzeit zeigten, dass die Richtung des Weges bei RB Leipzig richtig ist. Wobei man das Spiel auch deswegen etwas nüchterner sehen muss, weil man gegen einen unterklassigen Gegner spielte, der in der Vorbereitung noch lange nicht an dem Punkt von RB ist, weil der TSV Havelse erst zwei Wochen nach RB in die Saison starten wird. Die nächsten zwei und damit auch schon letzten Testspiele von RB Leipzig gegen den dänischen Erstliga-Absteiger HB Køge und den deutschen Erstliga-Aufsteiger Hertha BSC werden letztlich deutlichere Signale senden, wo die RasenBallsportler in der Saionvorbereitung stehen. 11 Tage noch bis zum Drittligastart in Halle. Langsam kribbelt es wieder.

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Tore: 1:0 Holm (38./ ET), 2:0 Frahn (70.)

Aufstellung: Domaschke – Müller, Hoheneder, Sebastian, Judt – Röttger, Ernst, Luge – Fandrich – Thomalla, Poulsen

Aufstellung 2.Halbzeit: Bellot – Müller, Hoheneder, Sebastian, Papadimitriou – Röttger, Ernst, Luge – Fandrich – Thomalla, Frahn

Aufstellung ab der 60 Minute:  Bellot – Heidinger, Hoheneder, Sebastian, Papadimitriou – Röttger, Kaiser, Schulz – Rockenbach – Kammlott, Frahn

Zuschauer: handgeschätzt locker 1.000

Links: RBL-Bericht [broken Link], RB-Fans-Bericht, TSV-Bericht

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2 Gedanken zu „Testspiel: RB Leipzig vs. TSV Havelse 2:0“

  1. „… Langsam kribbelt es wieder…“
    Nein! Das kann ich so nicht bestätigen!!! 😉

    Bei mir hat es seit Lotte nicht aufgehört zu kribbeln. Ich brauchte erst mal eine Weile, um überhaupt zu begreifen, was da eigentlich passiert war. Dann die ersten Schritte bzw. Hineinlesen in die 3. Liga. Dann begannen ja schon die ersten Transfergerüchte, dazwischen die Aufregung mit den Ticketpreisen. Nun fast täglich ein neues Transfergerücht. Jeden Tag ein Bericht oder Video aus dem Trainingslager und nun die vergangenen und noch bevorstehenden Testspiele. Ich behaupte, in der Saison zwischen den Punktspielen ist es ruhiger 😉

    Nein. Mein Kribbeln hat nicht aufgehört und ich freu mich riesig auf die neue Saison.

  2. Jung vor Judt hinten links sehe ich so noch nicht. Judt hat gegen den schnellen Pagano von Viktoria in der 2. Halbzeit besser als Jung in der 1. Halbzeit gespielt. Judt hat glänzend die Räume zugestellt und damit die gefährlichen Flankenläufe ( 1. Halbzeit ) unterbunden.
    Ebenso wird auch Hoheneder um seinen Platz wohl kämpfen müssen. Sebastian habe ich am Wochenende insgesamt solider und stärker ( physisch ) gesehen.
    Mal abwarten wie der Trainer seine Anfangsaufstellung gegen die Hertha wählen wird.

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