Testspiel: FC Basel vs. RB Leipzig 3:2

Zweites Testspiel der Saison. Und RB Leipzig verliert gegen einen um diverse Stammkräfte reduzierten Champions-League-Teilnehmer knapp mit 2:3. Nichts besonderes insgesamt und doch etwas, was in die Geschichtsbücher von RB Leipzig eingehen wird. Weil es in der Amtszeit von Alexander Zorniger, die vor einem knappen Jahr begann die allererste Niederlage im 57.(!) Spiel war. 56 mal war man zuvor nie als Verlierer vom Platz gegangen. Und auch gegen den FC Basel hätte es genaugenommen nicht sein müssen, denn bis kurz vor dem Ende stand es auch hier noch 2:2 und der Gegentreffer hätte nicht fallen müssen.

Nach dem Spiel wurde allseits ein wenig gewitzelt – auch von Vereinsseite – ob der Trainer denn noch die Mannschaft erreiche und ob diese Niederlage und die Anzahl der Gegentore denn hinnehmbar seien. Das war natürlich witzig gemeint und tatsächlich sogar witzig. Trotzdem lauert dahinter die ernstere Frage, wieviel Freunde ein Alexander Zorniger wohl noch hat, wenn sein Team mal zwei, drei Pflichtspiele am Stück verliert. Die Antwort auf diese Frage darf man durchaus interessant finden. Aber mit der Antwort kann man sich auch gerne noch Zeit lassen.

Viel unangenehmer als die Niederlage ist die Tatsache, dass die Vorbereitung bisher von diversen Ausfällen geprägt ist. Gegen Grimma fehlten die Neuzugänge Jung und Willers verletzungsbedingt. Papadimitriou hatte noch keinen Vertrag. Und Coltorti und Rockenbach kamen verabredungsgemäß zu spät aus dem Urlaub. Davon ab waren und sind zwei weitere Kaderplätze noch nicht vergeben.

Im Spiel gegen Basel feierte immerhin Anthony Jung sein (überzeugendes) Vereinscomeback. Und Rockenbach stand auch wieder auf dem Platz. Dafür fehlten weiterhin Coltorti, Willers und Papadimitriou. Und dazu dann neu Judt und Domaschke (beide verletzt). Und zu allem Überfluss zog sich Fabian Franke mit der letzten Aktion des Spiels auch noch eine Verletzung am rechten Sprunggelenk zu und fällt mindestens ein paar Tage aus. So richtig optimal läuft die Vorbereitung personell also nicht. Denn jeder fehlende Tag Training fehlt eben auch in Richtung Saisonstart.

Gegen den FC Basel mussten wegen der Personallage gleich vier Spieler über 90 Minuten durchspielen. Benjamin Bellot gab den Alleinunterhalter im Tor. Sebastian Heidinger spielte je 45 Minuten auf einer der beiden Außenverteidigerpositionen. Tim Sebastian überspielte die Lücke auf der Innenverteidigerposition. Und Dominik Kaiser überzeugte als Mittelfeldmotor. Lediglich im Sturm konnte man dank vierer einsatzfähiger Spieler zur Halbzeit komplett wechseln.

Wie sich das ganze bei RB Leipzig taktisch auf den Rasen zauberte, ist aus der Entfernung schwerlich zu sagen. Folgt man dem Livetwitter-Ticker des Vereins soll es zumindest in der ersten Halbzeit eine Raute gewesen sein. Vermutlich eine, bei der die Verwandschaft zum 4-3-1-2 mit eine Dreierkette im Mittelfeld deutlich zu sehen war. Aber genauso gut ist mit dem jeweiligen Personal ein 4-4-2 mit Doppelsechs (Schulz/ Kaiser bzw. Ernst/ Kaiser) bzw. ein Wechsel im Spiel zwischen den System denkbar. Letztlich kristallisieren sich diese zwei Varianten wie schon in der letzten Rückrunde als gleichberechtigte Alternativen heraus.

Der FC Basel trat seinerseits gegen RB Leipzig mit einer geschwächten Profitruppe und diversen Nachwuchsergänzungen an. Für die Klasse, die das Team definitv hatte, stehen die Degen-Brüder, Marco Streller im Sturm und der ehemalige Gladbacher Raúl Bobadilla. Neben diesen standen in der ersten Halbzeit noch einige andere Spieler auf dem Platz, die in der letzten Saison mehr oder minder umfangreich zur Meisterschaft des FC Basel in der Schweiz beigetragen hatten. Dass RB Leipzig diesem Team, das wohl auch in Deutschland irgendwo als schlechterer Erstligist durchgehen würde, weitestgehend ebenbürtig war, kann man durchaus positiv mitnehmen.

In der zweiten Halbzeit spielten dann auf Baseler Seite (es wurde fast komplett durchgewechselt) vornehmlich Nachwuchsspieler, wie beispielsweise das erst 16jährige Top-Talent Albian Ajeti (eingewechselt nach 65 Minuten), der schließlich auch für das 3:2 verantwortlich zeichnete. Quasi als eine kleine Leistungsschau für Coach Murat Yakin, an die der sich vielleicht auch dann noch erinnert, wenn die aktuell noch fehlenden 10 bis 11 (National-)Spieler wieder zum Team dazukommen. Dass RB Leipzig gegen dieses Team letztlich noch verlor, mag als Makel durchgehen, aber auch nicht wirklich. In jedem Fall kann es sich der B-Kader vom FC Basel auf die Fahnen schreiben, den Rückstand nach einer Freistoß-Variante mit einem abschließenden Frahn noch in einen Sieg umgewandelt zu haben.

Auf Leipziger Seite zeigten sich die Neuzugänge auf der linken Seite Anthony Jung (als Verteidiger) und André Luge (holte den Elfmeter zum 1:1 heraus) und Mittelfeldmotor Dominik Kaiser sehr auffällig. Und Bastian Schulz zeigte, dass er gewillt ist, noch mehr Verantwortung zu übernehmen und versenkte den Foulstrafstoß nach einer reichlichen halben Stunde.

Fazit: Dass die Ungeschlagen-Serie nun schon zu Beginn der Vorbereitung geknackt wurde, ist sicherlich absolut zu verschmerzen. Es bleibt nun zwar immer noch eine Ungeschlagen-Serie in Pflichtspielen, die seit dem April letzten Jahres andauert und die sicherlich noch diverse Male bemüht werden wird, wenn es in die neue Saison geht, aber das ganz große, manchmal etwas nervende Thema ist Geschichte. Ansonsten bleibt ein Testspiel bei dem sich RB Leipzig gut präsentiert und unglücklich verloren hat. Was gegen den FC Basel absolut vertretbar ist. Eine kleine Sorgenfalte gilt dagegen und ausschließlich den relativ vielen Ausfällen auf RB-Seite. Bleibt zu hoffen, dass das nicht unbedingt stilbildend für die Saison wird.

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Tore: 1:0 Streller (9.), 1:1 Schulz (31./ FE), 1:2 Frahn (68.), 2:2 Andrist (71.), 3:2 Ajeti (85.)

Aufstellung 1. Halbzeit: Bellot – Heidinger, Hoheneder, Sebastian, Jung – Schulz, Kaiser, Luge – Fandrich – Kammlott, Morys

Aufstellung 2. Halbzeit: Bellot – Müller, Sebastian, Franke, Heidinger – Röttger, Ernst, Kaiser – Rockenbach – Thomalla, Frahn

Zuschauer: 200 (in Rottach-Egern, wo der FC Basel sein Trainingslager abhält)

Links: RBL-Bericht [broken Link], FCB-Bericht [broken Link]

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Ein Gedanke zu „Testspiel: FC Basel vs. RB Leipzig 3:2“

  1. Eine Woche konnte ich mir in der wunderbaren Alpenwelt des Schweizer Kantons Wallis, hoch über Sion, die bekannten, interessanten und ungewöhnlichen Geschichten aus den letzten Jahren des sehr aufregenden, umstrittenen sowie schwer reichen Bauunternehmer, Architekt und Fußballpräsidenten des FC Sion, C. Constantin, aus erster Hand berichten lassen. Bekanntlich ließ dieser „Herrscher“ mit fast diktatorischen Ansätzen fast mehr Trainer (unter ihnen auch U.Stielicke, der von seinem „Schleudersitz“ ebenfalls vorzeitig abheben musste) als Spieler rotieren und hatte gefühlt häufiger Gerichtstermine als Stadionbesuche aufzuweisen. Seine juristischen Gegner waren und sind meistens die übergeordneten Fachverbände. Nach gerichtlichen Niederlagen zieht er fast hobbymäßig zur nächsten Instanz.
    Mit einer selten erlebten Demonstration haben die dortigen Fans nun von den Allüren seiner Alleinherrschaft dieses meist nur als CC genannten Besitzers die Nase voll und wollen sich endlich dagegen wehren, indem sie die Heimspiele der kommenden Saison nur noch von außen besuchen wollen und damit für den gesamten Kanton mit der Aktion:“genug ist genug“ ein Zeichen setzen möchten, gegen die schon sehr lange anhaltenden unnormale Geltungssucht einer einzelnen Person entsprechend vorzugehen!
    Ich wollte das einmal erzählen, wie es in anderen Ländern zugehen kann, wenn man von einer Person abhängig ist….

    Auf der Rückfahrt war das Stadion des FC Basel als letzte Station meines Schweizaufenthaltes fast zum Greifen nah. Diese Mannschaft wird erneut um die Landesmeisterschaft in der kommenden Saison kämpfen. Zuhause angekommen, erfuhr ich auf dieser Seite, dass Euer neuer Drittligist gegen die (abgespeckte) junge Truppe des FC B noch kurz vor Schluss verlor, was nur der guten Statistik, doch weniger die Laune der hoffnungsvollen Spieler geschadet hat. Fast wäre ich der vieleicht einzigste Gastzuschauer gewesen, wenn das Treffen auch in Basel stattgefunden hätte……..

    Meinerseits wird vermutet, dass Ihr eine gute Rolle in der nächsten Saison der 3. Bundesliga spielen könntet!

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