Testspiel: FC Grimma vs. RB Leipzig 0:8

Und da ist er schon wieder, der Fußball. Keine drei Wochen, nachdem das Relegationsrückspiel in Lotte ein Wechselbad der Gefühle bescherte und letztlich in einem emotionalen Overflow endete, stand RB Leipzig gestern schon wieder auf dem Platz, um ein erstes Testspiel in Vorbereitung auf die kommende Drittligasaison, dieses große Abenteuer, das auf alle Beteiligten wartet, zu bestreiten. Das Testspiel wurde als Benefizspiel für den heimischen FC Grimma bestritten, dessen Sportanlagen im Hochwasser vor gerade einmal reichlich zwei Wochen erheblich in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die ordentliche Kulisse von 1.250 Zuschauern (noch ein paar mehr als beim letzten Benefizspiel in Grimma vor knapp zwei Jahren) leistete mit dem Eintrittsgeld einen kleinen Beitrag zur Beseitigung der Schäden.

Sportlich war das Spiel für RB Leipzig nicht viel mehr als ein lockerer Aufgalopp in die neue Spielzeit. Dazwischen geschoben zwischen das Lauftrainingslager in Bad Blankenburg und das am morgigen Montag startende Trainingslager in Österreich ging es wohl vor allem darum, dass alle Spieler mal ein bisschen Bewegung mit dem Ball bekommen und gegen einen unterklassigen Gegner ein wenig am Spielverständnis schnuppern. Und insgesamt war es für den Zeitpunkt der Vorbereitung und angesichts der Strapazen der vergangenen Tage eine alles in allem sehr ordentliche Vorstellung, vor allem im Hinblick auf das Engagement. Auch wenn Alexander Zorniger naturgemäß immer mal wieder Positionsarbeit und Laufeinsatz einfordern musste. Aber insgesamt gab es da eigentlich wenig zu mäkeln.

Von bisher vier Neuzugängen auf Seiten von RB Leipzig konnten sich in Grimma nur zwei präsentieren, da Tobias Willers und Anthony Jung verletzt ausfielen. Sowohl Denis Thomalla, als auch André Luge wussten dabei zu gefallen. Thomalla wurde in der ersten Halbzeit auf der 10 getestet, ging dort aber etwas unter. Trotzdem schoss er mit dem 3:o nach großartiger Vorarbeit von Frahn, der den Ball in die Spitze gelupft hatte, das schönste Tor des Tages, als er den Ball direkt und trocken im kurzen Eck versenkte. In der zweiten Hälfte agierte Thomalla dann als Stürmer und zeigte sich dort technisch versiert und zielstrebig gen Tor. Diese Leistung als Maßstab (was zu diesem frühen Zeitpunkt natürlich wenig zu sagen hat) kann man sich durchaus vorstellen, dass er sich gen Saisonstart in die Mannschaft spielen kann. Dasselbe gilt für Luge, der links außen einige gute Aktionen hatte, ein Tor schoss und sich gut ins Team einpasste.

Taktisch war es bei RB Leipzig in der ersten Halbzeit ein 4-3-1-2, gelegentlich eher gen Raute verschoben (also 4-1-2-1-2), in der zweiten Halbzeit wurde dann auf ein 4-4-2 mit (sehr offensiv agierender) Doppelsechs umgestellt. Nach Juri Judts Verletzung (ohne Gegnereinwirkung umgeknickt, hoffentlich nichts schlimmeres) wurde daraus dann ein 3-4-2-Unterzahlsystem. Wobei die taktischen Beobachtungen auch zumeist obsolet waren, denn weite Teile des Spieles erinnerten eher an Handball. Oft waren alle Spieler bis auf den RB-Keeper in der Grimmaer Hälfte, wo der Ball auf der Suche nach den Lücken um den Strafraum herumgepasst wurde. Erstaunlicherweise fanden die RasenBallsportler in diesem Gewusel auch oft die entsprechenden Lücken. Gegen Ende des Spiels agierte dann Niklas Hoheneder als eine Art Libero, dessen Aufgabe darin bestand, den Ball, wenn er denn mal von der Grimmaer Abwehr nach vorne geschlagen wurde, wieder ins Spiel, sprich zu den Nebenleuten zu bringen, die dann den nächsten Angriffsversuch starteten.

Lange stand sie nicht die Null auf der Anzeigetafel - RB Leipzig vor dem ersten Testspiel 2013/2014 | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Aufstellungstechnisch gab es wenig überraschendes. Was auch daran lag, dass neben Willers und Jung auch Rockenbach (hatte zuletzt noch Sonderurlaub), Coltorti, der immer noch nicht fix verpflichtete Papadimitriou und die zwei weiteren noch nicht verpflichteten unbekannten Spieler der Profikaders und somit die Alternativen fehlten. Sodass überwiegend ein Revival der Saison 2012/2013 zu beobachten war. Was eventuell zur Spielfreude des Teams positiv beitrug. Im Tor durften sich entsprechend der sehr sicher wirkende Domaschke und Bellot die Spielzeit teilen. Sebastian Heidinger gab den Rechtsverteidiger, der er nach aktuellem Kaderstand als Backup vielleicht auch längerfristig wäre. Thomalla – wie schon erwähnt – mit einem Testlauf auf der Zehn. Und alles andere kannte man schon so aus der vergangenen Saison oder war zu erwarten (Luge links außen).

Insgesamt darf man sich auch schon mal die Systemfrage stellen. Denn mit André Luge hat RB Leipzig eine sehr gute Linksfußoption im 4-4-2 mit Doppelsechs. Ob er gleichermaßen in ein 4-3-1-2 passen würde, muss die Zukunft erst zeigen. Wenn man Luge aber in einem 4-4-2 auf links setzen würde, stellt sich sofort die Frage, was dann aus Thiago Rockenbach würde, der zuletzt diese Position in diesem System bekleidete. Da es im 4-4-2 ja auch keinen Zehner gibt, hätte man ein kleines Luxusproblem. Aber angesichts der Tatsache, dass der Kader aktuell sowieso nur wenige potenzielle Ergänzungsspieler kennt, kommen diesbezüglich im Saisonverlauf sicherlich noch ein paar Problemchen zusammen. Aufgrund der vielen Spiele vor allem bis zur Winterpause in drei Wettbewerben dürften aber wiederum auch alle Spieler auf Einsatzzeiten kommen.

Gegen Grimma lief der Ball bei RB Leipzig jedenfalls und insbesondere in der zweiten Halbzeit schon ganz gut. Mit viel Spaß an der Freude erspielte man sich diverse Einschussmöglichkeiten, sodass die acht Treffer völlig in Ordnung gingen und der Gastgeber froh sein konnte, dass es nicht noch zweistellig wurde. Letztlich drückten sich die drei Spielklassen Differenz und somit auch die Differenz zwischen Profi- und reinem Amateursport ziemlich exakt und treffend im Ergebnis aus. Zumal der FC Grimma aktuell eigentlich noch in der Sommerpause steckt. In der ersten Halbzeit und in den letzten Minuten der Partie war der FC Grimma je zweimal mehr oder weniger dicht am Ehrentreffer dran. Aber insgesamt kam eigentlich fast nichts ernstes auf das Tor von RB Leipzig. Wobei auch dies angesichts der nominellen und auch faktischen sportlichen Unterschiede nicht sonderlich aussagekräftig war.

Fazit: Es war ein lockerer Aufgalopp in die Saison, der sportlich und spieltaktisch wenig aussagekräftig war und trotzdem Spaß gemacht hat. Weil RB Leipzig nach der ersten harten Vorbereitungswoche viel Energie in das Spiel steckte und spielerisch einige passable Momente präsentierte, die schließlich auch in Toren mündeten. Weil auch der FC Grimma im Rahmen der begrenzten Möglichkeiten immer versuchte dagegenzuhalten und den einen oder anderen Konter zu setzen. Weil das Wetter schön war. Und nicht zuletzt auch weil das ganze Umfeld angenehm freundschaftlich und entspannt war. Als erstes Testspiel und erstes Hineinschnuppern in die neue Saison war es – abgesehen von den noch fehlenden Spielern – ziemlich perfekt. Darf gern so weitergehen.

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Tore: 0:1 Morys (3.), 0:2 Frahn (10.), 0:3 Thomalla (26.), 0:4 Luge (51.), 0:5 Kammlott (56.), 0:6 Schulz (70.), 0:7 Kammlott (72.), 0:8 Thomalla (73.)

Aufstellung 1. Halbzeit: Domaschke – Heidinger, Sebastian, Franke, Judt – Röttger, Kaiser, Fandrich – Thomalla – Morys, Frahn

Aufstellung 2.Halbzeit: Bellot – Müller, Hoheneder, Franke, Judt (verletzt ausgeschieden nach 75 Minuten) – Fandrich, Schulz, Ernst, Luge – Thomalla, Kammlott

Zuschauer: 1.250 (davon 700 Leipziger)

Links: RBL-Bericht [broken Link], RB-Fans-Bericht

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

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