Relegationsgipfeltreffen

Wenn die Minuten im Schneckentempo und die Tage viel zu langsam vergehen, steht – zumindest wenn man in Fußballdimensionen denkt – ein wichtiges, ein entscheidendes Spiel an. Im Falle von RB Leipzig ist es das erste von zwei Relegationsspielen gegen die Sportfreunde Lotte, in denen es um den Aufstieg in die dritte Liga geht. Hin- und Rückspiel, Europacupmodus. 180 Minuten plus mögliche Zugabe und dann wird eines der beiden besten Regionalligateams jubeln und das andere wegen der irrsinnigen Aufstiegsregel Tränen vergießen.

Wohl kaum ein Duell könnte die Unsinnigkeit der Regionalligareform, mit der die vierte Liga endgültig von der dritten Liga, also der Amateurfußball vom Profifußball, abgekoppelt wurde, mehr verdeutlichen als das Duell zwischen RB Leipzig und den Sportfreunden Lotte. 2,4 Punkte im Schnitt in 30 Spielen und ungeschlagen vs. 2,5 Punkte im Schnitt in den letzten 27 Spielen. Auf der einen Seite ein Team, das in jedem Spiel die Widerstände brechen musste, die ihnen Red Bull als Finanzier, das viele Geld und die sportliche Klasse gemeinhin beim Gegner einbringen. Auf der anderen Seite das Team, das sich in beeindruckender Art und Weise in einer in der sportlichen Breite hochklassigen Liga nach schwachem Saisonstart und gegen alle sportlichen Widerstände und Konkurrenten durchgesetzt hat.

Es werden die beiden Mannschaften mit den besten Saisonbilanzen aufeinandertreffen, aber nur eines der beiden Teams wird den Lohn in Form der dritten Liga mitnehmen können. Es ist und bleibt eine ausgemachte Frechheit – und auch fast drei Jahre nachdem der Beschluss gefasst wurde, kriege ich da erhöhten Puls – was da zwischen DFB und DFL unter heftigster Lobbyarbeit des Bayerischen Fußball-Verbandes in Form des DFB-Vize Rainer Koch als Regionalliga-Reform beschlossen wurde. Und es ist zu hoffen, dass diese Ungerechtigkeit behoben wird. Und zwar so behoben wird, dass sie nicht durch die nächste Ungerechtigkeit, wie sie NOFV-Chef Milkoreit vorschlug (zwei Dreierstaffeln spielen drei bis vier Aufsteiger aus), ersetzt wird.

Ein Verein wie RB Leipzig, in dem Geld auf der aktuellen Ligenstufe nicht das zentrale Kriterium ist, kann sich das zumindest wirtschaftlich leisten. Womit man definitiv die absolute Ausnahme ist. Wenn Jena den Aufstieg anpeilt und dafür ein bisschen mehr Geld als sonst in die Hand nimmt (und nehmen muss, wenn man nach dem Profifußball schielt), dann tut ihnen das Scheitern in der Relegation extrem weh. Unter Umständen sogar zu weh. Es ginge in Jena (und in Chemnitz und Halle war das in den letzten zwei Jahren – wenn auch nicht ganz so extrem – auch ohne Relegation schon so) beim Kampf um den Profifußball auch immer darum, an die Grenzen der wirtschaftlichen Belastbarkeit oder auch mal ein paar Zentimeter darüber hinaus zu gehen. Dafür von der Regionalliga-Reform mit der Unplanbarkeit einer Relegation bestraft zu werden, ist ziemlich hart.

Aber lassen wir das Abschweifen in den Untiefen deutscher Fußball-Verbandslogik und geben denen die Ehre, den Ehre gebührt. Nämlich den für Regionalligaverhältnisse großartigen Teams aus Leipzig und Lotte, die im Hinspiel mit 25.000 Zuschauern plus X und im Rückspiel mit ca. 7.000 Zuschauern (davon wahrscheinlich 2.000 Gäste) großartige Rahmenbedingungen vorfinden werden für zwei Spiele, die für den einen oder anderen Spieler eventuell Karriere-Highlights werden könnten. Bzw. die Chance bieten, zum Helden zu werden.

Die Unterschiede zwischen beiden Teams könnten trotz sportlicher Augenhöhe nicht größer sein. Die 500.000-Einwohnerstadt Leipzig (neben Essen die einzige Stadt in Deutschland mit mehr als 500.000 Einwohnern ohne Profifußball) auf der einen Seite, die 14.000-Einwohner-Gemeinde Lotte, von Osnabrück nur durch die Autobahn und die niedersächsische Landesgrenze getrennt, auf der anderen Seite.

Eine Stadt, zu deren Geschichte auch viele Fußballgeschichten gehören und deren Gegenwart (bei mehr als 7.500 Zuschauern im Schnitt) vor allem durch enormen Fußballhunger auffällt vs. eine Gemeinde, die in den letzten Jahren immer wieder an der dritten Liga kratzte, aber trotzdem vor nicht einmal 1.000 Zuschauern im Schnitt spielt.

Eine Stadt mit großem Druck aus Medien und (Fan-)Öffentlichkeit, in der es zwischen den Extremen kompletter Begeisterung und scharfer Kritik wenig gibt (und das nicht erst seitdem es RB Leipzig gibt) und in der nach zwei, drei nicht gewonnenen Spielen am Stück sofort Unruhe ausbricht gegen eine Gemeinde, in der selbst dann in Ruhe weitergearbeitet wird und werden kann, wenn man nach 10 Spieltagen mit acht Punkten Rückstand auf den Tabellenführer zurückliegt und der Trainer derweil in der Hälfte der Woche seinen Fußballlehrer-Schein macht (fast undenkbar, dass das in Leipzig möglich gewesen wäre).

Auf der einen Seite ein extrem üppiger Etat (auf geschätztem mittleren Zweitliganiveau) und entsprechende Kader- und Nachwuchsarbeitsmöglichkeiten, der hauptsächlich durch einen Finanzier gestellt wird, auf der anderen Seite ein Verein, der zwar bis vor einigen Jahren stärker, inzwischen schwächer mit dem Retorten-Image leben musste und mit dem sogenannten „Fußballomann“ Manfred Wilke auch einen Geldgeber hatte und hat, aber sich insgesamt trotzdem eine extrem vielseitige Finanzierungsgrundlage auf geringem (bzw. regionalligatypischen) Niveau aufgebaut hat (wobei ich nicht glaube, dass der von der BILD kürzlich genannte Etat von 1,4 Millionen Euro stimmt, denn das wäre noch unter Lok-Niveau; außer es sind die puren Kosten für die Männermannschaft).

Es ist also ein Duell der vielbschworenen Gegensätze und doch sind die Chancen inetwa 50:50 verteilt, vielleicht auch 52:48 für RB Leipzig. Letzteres würde zumindest mit dem zusammenpassen, was Alexander Zorniger auf der Pressekonferenz zum Relegationshinspiel verlauten ließ, dass sein Team gewinnen werde, wenn in dem Duell beide Seiten 100% geben würden. Vielleicht kann man es tatsächlich so sehen, dass RB Leipzig vom mannschaftlichen Gesamtzustand her leicht die Nase vorn hat. Was wohl vor allem der individuellen Besetzung geschuldet sein dürfte. Spieltaktisch dürften sich die Teams tatsächlich nichts nehmen.

Interessant dürfte diesbezüglich sein, inwieweit sich RB Leipzig und die Sportfreunde Lotte spielerisch neutralisieren werden. Da beide Mannschaften eher das hohe Angreifen und Pressing präferieren, könnte es auch passieren, das letztlich kein geordnetes Spiel zustande kommt und man stattdessen den langen Ball als Dauerstilmittel etabliert, auf den man dann in der Vorwärtsbewegung pressen kann. Wenn man zwei gute Teams mit sehr gutem Pressing und sehr guter Raumorganisation hat (RB Leipzig und Lotte werden möglicherweise beide im 4-4-2 mit Doppelsechs antreten), dann bleibt eigentlich fast nur noch der lange Ball, wenn man denn nicht extrem gut im Spiel mit dem Ball ist. Und bei allem Lob, was man über die RasenBallsportler ausschütten kann, spielen sie dann doch nur Regionalliga- bis Drittliga-Fußball und kriegen nicht immer so viel Platz zum sicheren Kombinieren wie gegen den Chemnitzer FC.

Wobei hier auch zum Tragen kommen wird, dass es sich um ein völlig anderes, viel sachlicheres Spiel handelt, als bei einem KO-Pokalspiel. Scheiterst du gegen den Chemnitzer FC, weil der dich in deiner Drangperiode nach dem 1:2 auskontert, wird sich keiner beschweren. Kontern dich die Sportfreunde Lotte aus, weil du nach einem Rückstand alles gut machen willst, hast du alles falsch gemacht. Weswegen es wohl für RB Leipzig auch einen Tick darauf ankommen wird, den nüchternen Stil, den die Sportfreunde pflegen und der wohl ganz gut zu Relegationsspielen passt, anzunehmen und zu einem Spielstil zu finden, wie er ganz nüchtern vor allem in der Hinrunde in der Folge des 4:3-Abwehrdesaster-Spektakels in Auerbach beispielsweise gegen Meuselwitz gespielt wurde.

Es ist das Hinspiel in einem zweiteiligen Finale und es lässt sich letztlich mit sehr vielen Ergebnissen halbwegs guter Hoffnung nach Lotte fahren, außer wenn man deutlich ausgekontert wurde. Es ist deswegen und angesichts eines defensivstarken Gegners, der in 17 Rückrundenspielen 10mal zu Null spielte (zuletzt dreimal in Folge 1:0), ein Geduldsspiel zu erwarten, in dem nicht viele Tore fallen werden (alles über 3 würde ich für ein Wunder halten), weswegen Präzision und Fehlerlosigkeit wichtige Faktoren sein werden. Weswegen (wie oben schon erwähnt) auch der lange Ball zu einem fehlervermeidenden und offensivpressinganregenden Stilmittel werden dürfte.

Eine spannende Frage dabei könnte werden, wie das Publikum mit einem vielleicht nicht ganz so offenen, eher taktisch geprägten Spiel, das zu erwarten ist, umgehen wird. Zwar wurden bis Dienstag Mittag reichlich 20.000 Tickets verkauft und man kann letztlich mit 25.000 Zuschauern plus X rechnen, aber die Frage ist, inwiefern ein solches Publikum, von denen eben locker 10.000 nicht regelmäßig zum Fußball bei RB gehen, auch dann zu einem Faktor wird, wenn es unten auf dem Rasen sehr lange 0:0 steht oder man sogar in Rückstand gerät und anschließend eben trotzdem nicht auf Teufel komm raus angreift. In Do-or-Die-Spielen gegen höherklassige Gegner (Chemnitz, Wolfsburg, Augsburg) hat das Publikum schon desöfteren seine Klasse bewiesen. Wie das aussieht, wenn man gegen einen ligengleichen Gegner nur an den Aufstieg denkt und findet, dass ein 0:0 zu wenig ist, wird sich zeigen..

Interessanterweise beschäftigt man sich auch in Lotte nicht mit einer Niederlage in der Red Bull Arena, wie ein ausführliches TV-Interview mit Trainer und Kapitän [broken Link] beweist. Mindestens ein Auswärtstor ist das Ziel, ein Sieg wäre schön, ein Unentschieden gerade noch eben akzeptabel, so die zugespitzten Stimmen der Gäste. Es gibt bei beiden Teams ein ausgeprägtes Selbstvertrauen, dass man den Aufstieg schaffen werde. Ich würde es nicht Unterschätzung des jeweils anderen nennen, denn ich glaube schon, dass man beiderseits sehr wohl um die besonderen Qualitäten des anderen Teams weiß. Aber man ist offenbar in seinem Alltag in den unterschiedlichen Regionalligen einigermaßen voneinander entfernt, sodass das Bild des jeweils anderen doch leicht verzerrt ist.

Was auf der anderen Seite auch nicht ganz unverständlich ist, denn beide Mannschaften arbeiten nach – auf ihre jeweilige Art – großartigen Spielzeiten im Hier-komm-ich-Modus, in dem man die Serien des anderen Teams irgendwie relativieren muss. Erstaunlich finde ich trotzdem schon seit längerem, dass es in der Regionalliga West allgemein (und zuletzt auch vom Lotter Kapitän Willers wiederholt) die Auffassung zu geben scheint, dass RB Leipzig in seiner Liga wenig Gegenwind habe spüren müssen. In Willers Worten hieß das, dass RB wohl eher durchgewinkt worden sei, während man selbst hart habe kämpfen müssen. Und genau da liegt das Missverständnis. RB Leipzig mag nicht in der stärksten Liga gespielt haben, aber immer gegen zu mindestens 100% motivierte Gegner. Jedes Spiel hatte seine Geschichte, in dem man den besonderen Willen des Gegners, der wahlweise das Prinzip Red Bull oder den sportlichen Krösus die (erste) Niederlage beibringen wollte, brechen musste. Und wenn es mal leicht aussah, wie in Cottbus, dann einfach, weil die sportlichen Unterschiede zu groß waren, als dass sie sich nur ansatzweise durch höhere Motivation hätten ausgleichen lassen.

Daraus folgt aber auch, dass bei großer Motivation seitens der RasenBallsportler diese die Widerstände auch dann brechen konnten, wenn es drauf ankam und in diesen Spielen nicht etwa gewannen, weil sie durchgewinkt wurden. In der Rückrunde war das Spiel bei der Hertha der Wendepunkt, als es erstmals um etwas ging und Fokus und Konzentration wieder da waren (im Gegensatz zu einigen Spielen zuvor). Seitdem ging beides angesichts diverser hochmotivierter Gegner (jedes Duell gegen einen der vielzitierten ostdeutschen Traditionsclubs ist eine Herausforderung) und/ oder umkämpfter Duelle (Magdeburg, Lok, Zwickau, Chemnitz, Jena) nicht mehr so richtig verloren. Falls man in Lotte also darauf spekuliert, auf einen Gegner zu treffen, der erstmals in dieser Saison so richtig gefordert werden wird, werden sie sich verspekulieren, denn im Freizeitmodus war die Regionalliga Nordost für einen Verein wie RB Leipzig nun ganz und gar nicht zu gewinnen.

Wobei die sportliche Herausforderung für RB gegen die Sportfreunde natürlich bestehen bleibt, denn man spielt nun mal nicht jeden Tag gegen ein solches Team (gilt aber für Lotte genauso). Und auf diese sportliche Herausforderung muss man sich einstellen und über 180 Minuten Mittel finden. Dabei wird es gar nicht so sehr darauf ankommen, ein oder zwei spezielle Spieler auszuschalten, denn die Mannschaft ist insgesamt auf allen Positionen sehr ausgeglichen besetzt und dürfte ihre ganz große Stärke darin haben, dass sie bei einem Durchschnittsalter der Kernelf von etwa 27 Jahren noch nicht zu alt ist, aber trotzdem über einiges an wertvoller Erfahrung verfügt. Eine Mannschaft im besten Fußballalter sozusagen, die schon einiges erlebt hat. Wovon auch die höherklassigen Einsätze diverser Spieler im Team erzählen können.

Wobei es auch insgesamt nicht unbedingt viele Geschichten vom ganz großen höherklassigen Erfolg gibt, aber das Team scheint eine gute Mischung zu sein zwischen Spielern, die Erfahrungen mitbringen und Spielern, die noch ihre Erfahrungen machen wollen. Herauszuheben ist vielleicht trotzdem Amir Shapourzadeh, der in Rostock einige Erst- und Zweitligaspiele absolvierte und in Lotte eine Topsaison spielt. In Lotte ist der Iraner mit 18 Vorlagen und 7 Toren der alles überragende Scorer. Der Linksverteidiger bei RB Leipzig kann sich schon mal über eine ordentliche Aufgabe freuen. Da Juri Judt für die Position eventuell ausfällt, dürfte es auf Heidinger (oder Kocin oder sogar Schinke) hinauslaufen. Klingt erst mal nach einem Missmatch zugunsten von Lotte. Aber das dachten die Chemnitzer wahrscheinlich auch (bereiteten aber im Sachsenpokal-Finale tatsächlich auch ein Tor über die Heidinger-Seite vor).

Guckt man weiter über den Kader fallen die Stürmer ins Auge. Prokoph, Kotuljac und Joker Schmidt kommen zusammen auf ordentliche 24 Tore. Rechts und links wirbeln der schon erwähnte Amir Shapourzadeh und der in der Winterpause aus Burghausen gekommene Kevin Freiberger (fünf Tore, zwei Vorlagen). Im zentralen Mittelfeld werden sich wohl Gorschlüter (2010 mal bei RB im Gespräch), Wingeter und der noch aus Kiel bekannte Chahed um zwei freie Plätze streiten. Im Defensivverbund dürften von links angefangen Hohnstedt, Nauber und Willers feststehen und als Rechtsverteidiger bliebe noch Danijel Gataric oder Timo Kunert. Und im Tor komplettiert der regionalligaerfahrene David Buchholz die Mannschaft. Ein kleines Fragezeichen steht vielleicht noch hinter dem 20jährigen Julian Büscher, der zuletzt vermutlich eher als hängende Spitze neben oder hinter Prokoph anstelle von Kotuljac agierte.

Insgesamt haben die Sportfreunde Lotte im Spiel nach vorn einige eingespielte Qualität, die man über 90 bzw. 180 Minuten auch erst mal kontrollieren muss. Und defensiv leben sie sicherlich sehr stark von einem starken System, verknüpft mit robusten Innenverteidigern und im Umkehrspiel starken zentralen Mittelfeldspielern. Zudem sollte man sich in Acht nehmen vor den Standards der Sportfreunde, sprich unnötige Fouls in Strafraumnähe vermeiden, denn in dieser Beziehung hat der Meister der Regionalliga West, wie man auch an den acht Toren von Innenverteidiger Willers sieht, einige Qualität. Man darf vor dem Gesamtpaket Sportfreunde Lotte durchaus großen Respekt haben, weil sie ein unangenehm zu bespielendes Team sind, das einige unscheinbare, aber dafür umso wichtigere Stärken hat.

Nicht vergessen darf der Trainer Maik Walpurgis werden. Der arbeitet bereits seit knapp fünf Jahren bei den Sportfreunden Lotte und übernahm die Mannschaft im ersten Regionalligajahr. Unter seiner Führung konnte sich der Verein dort etablieren und schon in der zweiten Saison auf Platz 2 klettern (allerdings mit relativ großem Abstand auf Platz 1). Im folgenden Jahr wurde man Dritter, bevor man im vergangenen Jahr mit einem Punkt im Aufstiegskampf an Borussia Dortmund II gescheitert war. Eine deswegen pikante Konstellation, weil zuvor bei einem 4:0 der Dortmunder in Essen Spieler des Gastgebers gegen ihr eigenes Team gewettet hatten (aber eine Einflussnahme auf den Spielverlauf von sich wiesen). Lotte hatte daraufhin beantragt, als zusätzliches Team in die dritte Liga aufzusteigen, was vom DFB aber abgelehnt wurde.

Erstaunlich, dass man nach dieser Erfahrung in diesem Jahr noch einmal stärker zurückkam. Erstaunlich auch deshalb, weil Coach Walpurgis im vergangenen Sommer mit einem Kurs zum Erwerb der Fußballlehrer-Lizenz beim DFB begann, der bis in den März des aktuellen Jahres andauerte. Sprich, der Verein überstand eine Konstellation, an denen in anderen Vereinen die Trainer auch schon mal scheiterten. Eine Situation, die bedeutet, dass der Trainer die Hälfte der Woche nicht da ist. Gerade zu Beginn der Saison, als es nicht so gut lief, eine schwierige Situation. In Lotte begründet man den trotzdem eintretenden Erfolg damit, dass man eben habe als Mannschaft mehr Verantwortung tragen müssen und so als Gemeinschaft enger zusammengerückt sei. Wenn Lotte denn tatsächlich aufsteigen sollte, dann weiß man schon ungefähr, was Teil der Geschichtsschreibung sein wird..

Dass Maik Walpurgis an sein Team glaubt, beweist auch die Tatsache, dass er höherklassige Angebote, die es in der jüngeren Vergangenheit gab, ablehnte und bei seinen Sportfreunden blieb. Wobei es als ziemlich wahrscheinlich erscheint, dass Walpurgis irgendwann im höherklassigen Fußball arbeitet, denn bei seiner ruhigen, sachlichen und fachlich hochklassigen Arbeit wird der nächste Schritt irgendwann ganz sicher kommen. Ob mit oder ohne Lotte spielt da gar keine Rolle. Der VfL Osnabrück böte sich da natürlich aus nachbarschaftlicher Perspektive an.

Auf der anderen Seite im Relegationsduells, bei RB Leipzig wird Kollege Alexander Zorniger (der auch ziemlich sicher mal höherklassig trainieren wird) hinsichtlich der Aufstellung gegenüber den Spielen gegen Chemnitz und in Jena nicht allzu viel verändern. Wobei das auch von der Verletztensituation abhängt. Denn ob Zorniger auf Frahn und Judt setzen kann, ist derzeit nicht sicher und hätte entsprechend Einfluss auf die Aufstellung. Ich persönlich glaube weiterhin nicht an einen Frahn in der Startelf am Mittwoch, weswegen Kutschke und Kammlott den K&K-Sturm bilden werden. Dahinter kann man mit einem Vierermittelfeld mit Röttger, Schulz, Kaiser und Rockenbach rechnen, das natürlich jederzeit auf eine Dreierkette mit einem Zehner Rockenbach umgestellt werden kann. Und hinten drin werden Müller, Hoheneder, Franke und eben Judt oder Heidinger (Kocin/ Schinke) vor Coltorti hoffentlich das meiste abräumen.

Wenn man Prognosen aufstellen will, dann wird RB Leipzig insgesamt, gerade aus dem Mittelfeld heraus, die feinere Klinge schlagen, während die Sportfreunde Lotte für nüchtern-sachlichen, hocheffektiven und robusten Regionalligafußball stehen werden. Ein bisschen sollte sich RB Leipzig an die nüchterne Robustheit annähern, ohne dabei die Lust aufs Spielen und das Besondere zu verlieren. Und falls sie wirklich mit der Vehemenz wie gegen Magdeburg oder Chemnitz auf den Platz gehen, dann werden sie auch die Sportfreunde Lotte beeindrucken können. Die Frage ist, ob die Sportfreunde dann nur wanken oder auch fallen. Und ein entscheidender Punkt bei der Beantwortung dieser Frage dürfte sein, ob RB bei aller Vehemenz mit genügend Sachlichkeit spielt, um die Stärken des Gastes zu beherrschen. Kleinere Unaufmerksamkeiten wie gegen Chemnitz kann man sich über 180 Minuten nicht viele leisten..

Fazit: Mit dem Spiel RB Leipzig gegen die Sportfreunde Lotte steht ein sportlich herausragender Tag und das Gipfeltreffen der Regionalligen an. Wenn es im ersten Duell der beiden Mannschaften nicht um den Aufstieg, sondern nur um irgendeinen Pokal wie die Amateurmeisterschaft ginge, wäre es zwar besser, aber da man am System der Relegation kurz vor dem Spiel nicht mehr vorbeikommt, muss man damit leben und das beste daraus machen. Und das beste daraus zu machen, heißt Aufstieg. Der wird zwar ganz sicher nicht in Leipzig entschieden, aber im Hinspiel einen Sieg (auch einen knappen) mitzunehmen, wäre zumindest schon mal ein Anfang und ein Zeichen, dass RB Leipzig die Qualitäten der Sportfreunde ausschalten kann. Der Anpfiff jedenfalls darf dann bald kommen, angesichts eines schon weit vor Spielbeginn erhöhten Ruhepulses.

Wahrscheinliche Aufstellungen:

  • RB Leipzig: Coltorti – Müller, Hoheneder, Franke, Judt/ Heidinger/ (Kocin, Schinke) – Röttger, Schulz, Kaiser, Rockenbach – Kammlott (Frahn), Kutschke.
  • Sportfreunde Lotte: Buchholz – Hohnstedt, Nauber, Willers, Gataric (Kunert) – Freiberger, Gorschlüter, Wingerter (Chahed), Shapourzadeh – Kotuljac (Büscher), Prokoph

(Wer das Relegationsspiel RB Leipzig gegen die Sportfreunde Lotte nicht vor Ort verfolgen kann und trotzdem dabei sein will, nutze am 29.05.2013, ab 17.30 Uhr die üblichen Kanäle, also Liveticker [broken Link] und Fanradio. Zudem wird der MDR das Spiel ab 17.15 Uhr im TV übertragen.)

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5 Gedanken zu „Relegationsgipfeltreffen“

  1. Ja wie soll eigentlich eine von allen akzeptierte Aufstiegsregelung aussehen ?
    Ein direkter Aufstieg ohne Relegation ist nur vorstellbar, wenn es entweder 3 Regionalligen oder 2 Staffeln 3. Liga gibt.
    Alle anderen Lösungen bedürfen einer Auslosung. Eine zielorientierte und wirtschaftliche Arbeitsweise aufstiegswilliger Regioteams wird dadurch zum Glücksspiel.
    Die Reform muss revidiert werden

  2. „….verkauft und man kann letztlich mit 25.000 Zuschauern plus X rechnen,….“

    Frage: ist die Relegation ein Viertligaspiel und wäre das dann Rekordbesuch? Ich glaube mich an 24k beim vorletzten Derby zu erinnern….

    2.Frage: Wo steht diese Marke in der 3. Liga…? 🙂

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