Gegenattacke

Eine meiner eindrücklichsten jugendlichen Erinnerungen an Fußball jenseits der damaligen deutsch-deutschen Landesgrenzen und jenseits spätabendlicher Europapokalübertragungen im Radio war eine Schalker Fankurve, die via TV ein lautstarkes „Wir sind Schalker und ihr nicht“ intonierte. Ob man gerade abstiegsgefährdet oder bereits abgestiegen war, weiß ich nicht mehr, nur noch an diese lautstarke Unmutsäußerung als letztes Mittel, sich von den eigentlichen Fußballhelden zu distanzieren und sich selbst zum Herzen des Vereins zu machen, erinnere ich mich. Auf der einen Seite also jene, die jenseits des Rasens dem Verein so etwas wie ein Aussehen und eine Identität geben und auf der anderen Seite die, die aus dieser Idenitätskonstruktion (vorübergehend) ausgeschlossen werden, weil man ihnen unterstellt, sich auf dem Rasen nicht dem Verein angemessen zu verhalten.

In jenen Tagen, als von der Veltins-Arena noch nicht mal Visionen existierten, erschienen mir diese Unmutsäußerungen absolut nachvollziebar und völlig plausibel. Heute würde ich vermutlich, falls dies neben mir im Stadion gerufen werden, emotional entweder mit lautem Lachen oder nicht ganz so lautem, dafür umso heftigerem Kopfschütteln reagieren, aber damals passte dies auch noch zu meiner eigenen Identität als Fußballanhänger.

Zur Identität des Schalker Fußballs gehörte für mich solange ich denken kann auch der Attacke-Ruf, der einem Trompetensignal folgt. Mitte der 80er wurde dieses Signal in einer Kneipe vom als „Trompeten-Willy“ zur Legende gewordenen Schalker Wilhelm Plenkers quasi erfunden und erprobt. Später setzte sich die Attacke nach und nach im Stadion durch, nicht unter Plenkers, aber unter einem anderen Trompeter. Seit Anfang der 90er trompetet Plenkers wieder selbst und ist damit so wie  seine kurze Tonfolge mit anschließendem Ruf fester Bestandteil der Schalke-Identität.

Viele Legenden ranken sich um „Trompeten-Willy“. Sie drehen sich um so etwas, was man als Schalker Lebensgefühl bezeichnen könnte, um persönliche Anrufe von Assauer bspw., der ihm unter anderem mal nach der Verpflichtung von Andi Möller in dessen Schalke-Trikot gesteckt und auf die Straße geschickt haben soll, um den Fans den neuen, ungeliebten Spieler näher zu bringen. Auch ein Brief an Felix Magath, in dem Plenkers seine Hilfe bei der Überbrückung der Differenzen zwischen Verein und Anhängern anbot, gehört zu den Geschichten, die das Internet wohl nicht mehr vergessen wird.

Fakt ist, die Trompete und ihr Träger gehören zur Schalker Identität unablösbar dazu. Noch viel mehr aber und über bestimmte Personen hinaus gilt dies für das Signal zur Attacke und den anschließenden Ruf, den wohl so ziemlich jeder Anhänger des Geschehens in der Bundesliga sofort mit Schalke verbinden wird. Hört man aus welchem Empfangsgerät auch immer das Attacke-Signal, dann kennt man zumindest eines der beiden beteiligten Teams sofort. Quasi als gewordenes Markenzeichen.

Rund um RB Leipzig ist derweil Fanidentität noch ein recht junges Pflänzchen. Als ich nach dem Magdeburg-Spiel über ein Foto vom Fanblock [broken Link] vor dem Spiel mit dem Spruchband „Rot wie die Liebe, bunt wie unsere Kurve.“ stolperte und meinen Blick über Doppelhalter und Menschenmenge schweifen ließ, dachte ich mehr oder minder erstaunt, dass es tatsächlich recht hübsch ist, was sich die Mädchen und Jungs, Frauen und Männer, Mütter und Väter da in den letzten knapp vier Jahren bei allen Streits, die es in der Zeit auch angesichts eines tatsächlich sehr bunten Fangemischs gab, in ihrem Block gebaut haben. Eine (gar nicht so) kleine, feine Kurve, die schon ein ganzes Stück eine ganz eigene Identität gewonnen hat.

Eine Identität, die sich auch weiterhin natürlich sehr darüber baut, dass einen viele andere Vereine nicht leiden können. Aber eine Identität auch, der die verkrampfte Coolness, die einem anderenorts (in der Außenwahrnehmung zumindest) begegnet, glücklicherweise fehlt. Eine Identität auch, der die Einheitlichkeit im Auftreten, die bei den besser organisierten Fangruppen manchmal schon militärisch wirkt, (aus meiner Sicht positiverweise) fehlt.

Auf der anderen Seite ist es durchaus richtig, dass sich jenseit dessen in Bezug auf alles was akustisch wahrnehmbar ist, sicherlich noch kein unverwechselbares Merkmal der RB-Fankultur entwickelt hat. So etwas wie die Chemie-Rufe, die das ganze Stadion ergriffen, wenn die Grün-Weißen (zu Zeiten als sie noch größere Relevanz hatten) eine Druckphase hatten und einen Eckball bekamen oder irgendetwas aussichtsreiches passierte, ist rund um den RasenBallsport aktuell noch nicht vorhanden.

Was dagegen vorhanden ist, ist neuerdings eine Trompete. Und diese wird auch eingesezt. Was auch grundsätzlich völlig ok ist. Allerdings wird die Trompete momentan u.a. dazu genutzt, das Attacke-Signal (in einer im Vergleich zu Schalke leicht abgewandelten Version) zu intonieren, woraufhin der altbekannte Attacke-Ruf von einer doch beachtlichen Anzahl an Leuten hinterhergeschickt wird.

Ich bin ja grundsätzlich komplett entspannt, was die Weiterverwendung von akustischen Fangeschichten, die in anderen Vereinen entstanden sind, angeht. Dieser moderne Ultra-Ethos, das einzigartig-unverwechselbare Programm mit oberkreativen Dauergesangseinlagen aufzulegen, ist mir extrem fremd und die ‚Uncoolness‘, mit diesem Kreativitäts- und Einzigartigkeitszwang (der letztlich aber doch wieder nur auf Gleichförmigkeit im Codex hinausläuft) zu brechen, für mich völlig undramatisch. Wenn der Vorwurf geäußert wird, dass der akustische Ausdruck der RB-Fans ja nur eine Kopie verschiedener allseits verwendeter Geschichten sei, dann stimmt es natürlich nicht zu 100% und es entlockt mir zusätzlich nur ein müdes Lächeln, weil dieser Schwanzvergleich nicht zu meiner Welt gehört.

Eine unsichtbare Grenze in Fragen des Stils ist allerdings selbst bei mir überschritten, wenn es um die Kopie der Schalker Attacke geht, denn ein derart einzigartig besetztes und verwendetes Signal einfach aus dem identitären Kontext zu reißen und neu zu besetzen, ist dann doch einfach zu viel des Guten. Und manchmal wird zu viel des Guten (man kennt das von Alkohol zum Beispiel) auch zu etwas schlechtem.

Die Attacke-Trompete, so meine eingangs beschriebene Erfahrung und so sicherlich auch die Wahrnehmung in weiten Teilen Fußballdeutschlands ist durch und durch Schalke. Weswegen sie auch dahin gehört und nirgendwo anders hin. Sie woanders in Kopie zu verwenden, wird nicht dazu führen, dass man vom Entstehungsglanz des Signals etwas abkriegt, sondern es führt nur dazu, dass es sich falsch anfühlt und vermutlich auch von außen als falsch wahrgenommen wird.

Doch damit nicht genug, vermutlich viel essenzieller ist dann wieder mal die Frage, wie die eigene Identität der Anhängerschaft eines Vereins wie RB Leipzig aussehen soll. Was sind die Sachen, die diesen Verein nach innen und in der Außenwahrnehmung ausdrücken? Und da stellt sich dann die Frage, ob man sich selbst wirklich über den Schlachtruf von Schalke 04 definieren oder nicht doch lieber irgendwelche eigenen Formen des Ausdrucks finden will. Um nicht falsch verstehen zu werden, ich habe gar nichts gegen die Trompete (bzw. nicht mehr als ich generell gegend dieses Musikinstrument aus ganz subjektiver Sicht vorbringen könnte) und finde es völlig ok, diese zu verwenden, aber eben nicht für das Attacke-Signal.

Ich für meinen Teil bin kein Schalker, ich werde wohl auch nie Schalker und ich gehe auch nicht auf Schalke zum Fußball. Und ich vermute, das gilt für den Großteil der regelmäßigen Besucher von RB-Spielern gleichermaßen. Weswegen es eben auch RB-Spiele und nicht Schalke-Spiele sind. Und weswegen ich es ziemlich absurd finde, sich mit einem festen Bestandteil Schalker Fußballkultur zu schmücken und damit im Stadion hausieren zu gehen. Bekanntere Gesänge im eigenen Sinne und mit RB-bezogenen Vokabular zu adaptieren, ist völlig ok (mal abgesehen davon, dass nicht jedem im Stadion alles gefallen muss), aber Dinge zu verwenden, bei denen die eigene Identität nur noch ein Abklatsch einer anderen ist, hat dann doch zu wenig Stil und macht keinen Spaß. Also mir zumindest nicht. Oder anders gesagt: Man kann gerne klauen, aber dann bitte mit etwas mehr Stil und Charme.

[Update 02.05.2013: Was ich aus vielerlei Kommentaren hier, bei Facebook und anderswo gelernt habe, ist, dass meine subjektiv sehr stark empfundene Verknüpfung des Attacke-Signals mit Schalke offenbar weithin unbekannt war, also viele gar nicht wussten, dass Schalke so etwas hat. Das erstaunt mich zwar, aber das muss man als Fakt auch zu Kenntnis nehmen, denn es führt direkt zu der Frage, ob das was ich als sehr einzigartige Verknüpfung wahrnehme, vielleicht jenseits von RB in anderen Teilen Fußballdeutschlands auch gar nicht als so einzigartig Schalke wahrgenommen wird. Das würde mich zwar erstaunen, aber das wäre zumindest denkbar.]

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29 Gedanken zu „Gegenattacke“

  1. Belächelt mich, doch vom Schalker-Ur-Trompeter wusste ich bis dato nichts.
    Hat es der RB-Trompeter gewusst?
    Wenn ja, was wird vom Fanblock noch kopiert?
    Wer wusste von den ca. 7.500 davon?
    Also Aufruf an den Fanblock! Keine Kopien, wir wollen Eigenkreationen hören und sehen!
    Uups, jetzt merke ich, dass ich die ganze Zeit beim schreiben lächeln musste.;-)

  2. Als einer der mit Schalke gar nichts am Hut hat, habe ich erst vor kurzem durch Dich vom Ursprung dieser Trompeten-Attacke erfahren. Danke dass Du das hier vertiefst. Nun kann ich zwar mit der auf Schalke besonders ausgeprägten Fussballfolklore wenig anfangen, das ist aber nicht der Grund, warum es auch mir unpassend erscheint, sich mit einer Kopie zu schmücken. Ich hoffe nur, dass der Fanblock Einsicht und Wille entwickelt, daraus etwas eigenes zu schaffen. Kreatives Potential ist genug vorhanden. Und sicher werden auch die Zuschauer in Sektor A nach einer kurzen Eingewöhnungszeit den neuen Schlachtruf dankbar aufnehmen.

  3. Mir war das mit Schalke ebenfalls nicht bekannt, aber: wir wollen schliesslich irgendwann in der Zukunft 1. Bundesliga spielen und es waere sehr makaber und auch daemlich wenn wir gegen Schalke spielen und beide Fankurven das Gleiche rufen. Wie peinlich und viel zu viel Oel ins Feuer der Anderen. Danke fuer die Aufklaerung. Hoffentlich lesen das Viele von Sektor B, so dass nicht mehr Attacke gerufen wird.

  4. Die Schalker haben das maximal hier in Deutschland etabliert bzw. eingeführt. M.E. gibts das schon viel länger im amerikanischen Raum (Trumpet „Charge!“, gerüchtehalber seit 1946). Ich würde bei unserer Kurve sogar nicht mal ausschließen, dass dies teil der Genese der Trompetenattake ist.
    Daher und eigentlich auch abgesehen davon stimme ich nicht mir dir überein, dass man die Trompete überdenken sollte.

    1. Es bleibt ein seltsames Gefühl.
      Schade, ich dachte welch geniale Idee.
      Ich muss erstmal darüber nachdenken, …

  5. Dann denkt euch doch was kreatives aus und tragt es in die Kurve, anstatt zu meckern, dass andere Leute etwas veruschen…nicht jammern sondern anpacken 😉

  6. Vielen Dank für all die Rückmeldungen..

    @Anja: Es spricht ja auch nichts gegen den Klangkörper. 😉

    @Rumpel: Du kannst natürlich die ‚Attacke‘ verteidigen, aber der Verweis auf den amerikanischen Raum scheint mir etwas schräg zu sein, da es hier explizit um eine einzigartige Anwendung mit Fußballbezug geht und nebenher natürlich klar ist, dass jede Lautäußerung als Teil der menschlichen Kultur in irgeneiner Form nur ein neu zusammengesetztes Zitat ist. Aber das wäre mir in dem Zusammenhang zu tautologisch..

    @Jayne: Eine Meinungsäußerung, die etwas bestehendes kritisiert und versucht dies mit Argumenten zu unterfüttern, ist also Meckern? Interessante Ansicht. Aber vielleicht meinst du es ja auch anders.

    1. Wie gesagt, die Trompete klingt nicht wie auf Schalke und wie jetzt zu lesen ist (Forum) stammt das Ganze aus dem Eishockey. Die Wurzeln liegen also nicht auf Schalke, wie du mithin in diesem Artikel konstruierst. Mir ist die Grenze eben auch ganz abgesehen davon viel zu willkürlich gezogen. Attacke geht nicht, andere Kopien schon. Wieso?
      Ich sehe zudem auch keinen Beweis, dass die Schalker Attacke nicht in irgendeiner Form sogar auf die Charge zurückgeht, die grundsätzlichen Ähnlichkeiten sind ja schon frappierend.
      Das es hier explizit um eine Anwendung mit Fußballbezug geht, ist letztlich eine Verengung der Diskussiongrundlage deinerseits. Ich erweitere einfach auf fanunterstützte Mannschaftssportart und da gibts die Charge eben weitläufig in Amerika genauso wie hier (Attacke) im Eishockey und wer weiß wo noch.
      Ich finde die Diskussion absolut müßig, wenn es die Fans annehmen (wonach es aussieht), dann wird es sich auch durchsetzen. Daran wird auch eine konstruierte Genese nichts ändern, die es offensichtlich so gar nicht gibt und das ist auch gut so.

  7. @Rumpelstilzchen: Eigentlich ist es gleich, ob übernommen oder selbstentwickelt. Es wird somit immer einen faden Geschmack der Kopie behalten. Wie Du schon sagst, es hat sich in Schalke etabliert. Egal, wie es bei RB entstanden ist, man wird immer vermuten, es ist billig kopiert. In den höheren Ligen wird von Jahr zu Jahr die Medienwelt Dinge suchen, über die sie sich auslassen kann. Ob es denn nun stimmt oder nicht. Und nein, mir ist es nicht gleich, wie das Ansehen von RB Leipzig und deren Anhänger in Deutschland ist. Auch ich möchte gerne in ein auswärtiges Stadion gehen und dabei nicht erst vor Scham drinnen meinen Fanschal umbinden.
    Bis ich erfuhr, das diese „Atacke“ schon als einzigartig bei Schalke gab, fand ich sie genial. Nun jedoch hat sie für mich nur den Geschmack der Kopie.

    @jaynesabbath: Es ist auch wichtig, über diskussionswürdige Dinge zu streiten, anstatt alles nur hinzunehmen. Das ist m.E. ein wichtiger Teil der Selbstfindung der jungen Fanszene. Gerade durch die besonderen Umstände bei RB. Als Meckern würde ich dies nicht bezeichnen. 🙂

    1. Ist letztlich genauso gedacht wie beim beim „Block 28 Banner“, es könnte missverstanden werden und deswegen scheidet es aus? Attacke ist eben nicht so einzigartig, wie uns der Blogger glauben machen will. Dazu muss man eben das Betrachtungsfeld auf Fußball in Deutschland verengen und dies ist bei der Genese vieler Fankurvenaktionen/-lieder nicht zwingend angebracht, da dort auch viel aus dem Eishockey kommt.
      Ich wüsste jedenfalls nicht, warum ich ausgerechnet bei diesem Thema anfangen sollte, mir Gedanken über die Gedanken der anderen zu machen.

  8. also so ein blödsinn….. sollen wir das klatschen auch demnächst einstellen ? weil in anderen stadien das auch gemacht wird…. von mir aus können wir im b block soviel gesänge kopieren bzw auf rb umändern sollange mal alle im b block mitmachen würden!!!

  9. @matze Könnte ja sein, dass noch weniger mitmachen, wenn man etwas macht, was nicht Konsens ist. 😉

    @Rumpel Einer so hochgradig künstlichen Konstruktion wie dem Fandasein und deren Ausdrucksformen nun plötzlich eine Art natürlich-ontogenetische Analyse der Entstehung eines Trompetensignals entgegen setzen zu wollen, macht doch keinen Sinn. Klar geht es um einen bestimmten Bezugsrahmen, nämlich um den Fußball, denn in dem agiert RB Leipzig nun mal. Und klar nimmt der Fußball Anleihen von überall auf, aber es dürfte doch ein enormer Unterschied sein, gegen Schalke zu spielen und deren Attacke-Signal zu bringen oder im selben Spiel irgendeinen verrückten Chor des HCL zu intonieren. Von daher enge ich den Fokus der Diskussion natürlich künstlich ein, aber sehe dies durchaus als ziemlich sinnvoll an..

    Ansonsten gilt natürlich das, was ich drüben bei euch im Forum schon geschrieben habe (schwierig auf zwei Plattformen zu diskutieren):

    Letztlich ist es tatsächlich die Frage, ob man als RB-Anhänger kein Problem hätte, alles, aber wirklich alles zu kopieren (und dass die Melodie des Leipziger Attacke-Signals eine andere ist als in Schalke zählt für mich nicht wirklich als relevante Abwandlung) oder eben nicht und wenn nicht, wo denn dann die Grenzen liegen und warum. Das ist bei jedem einzelnen vermutlich so unterschiedlich, dass er/ sie das von Fall zu Fall entscheidet. Und letztlich daraus ein Gesamtbild entsteht. Und mit dem Gesamtbild kann man sich dann eher anfreunden oder eben nicht.

    1. Wir bringen aber nicht deren Attackesignal, zumal es nicht mal deren Signal ist. Ich sehe den Unterschied in der Melodie (gerade bei einer so geringen Grundlage: ein Wort + Melodie) durchaus als relevante Abwandlung, wobei es sich nicht um eine ABwandlung handelt, wie die Genese nahelegt.
      Den Bezugsrahmen auf Fußball zu verengen, wobei es feststeht, dass wir einen Haufen Anleihen aus dem Eishockey übernommen haben, macht eben keinen Sinn, es verkennt nur die Realitäten. Wobei ich mir darüber hinau recht sicher bin, dass die Attacke bei Schlake auch nur entlehnt ist. Diesen Weg haben wir nun unahängig davon auch gewählt.
      Ich denke nicht, dass wir alle hierbei auf einen Nenner kommen werden, halte aber die Basis der Fragestellung trotzdem für falsch, da sie in Sachen Genese der Schalker Melodie eine aktuell nicht zu beweisende Behauptung aufstellt (Erfunden und Erprobt) und unsere Genese fälschlich mit der Schalker Attacke in Verbindung bringt. Das mag eine Wahrnehmungsmöglichkeit sein und uns ggf. später auch vorgehalten werden, entspricht aber nicht der Wahrheit und das ist m.E. das, was zählt.

  10. Oh mein Gott! Anstatt sich darüber zu pickieren das es stillos ist ne Attacke zu klauen, sollte mann sich doch freuen, dass es gut ankommen muss, wenn es sogar schon andere benutzen. Ich hab mit Fußball nichts am Hut. Ich bin Capo beim Eishockey. Was Stadiongesänge angehet wird doch überall nur geklaut. Natürlich gibt es einzelne Typisch Vereinsbezogene Sachen wo mann sich auch mal fragen kann, war das jetzt wirklich nötig. Aber einer Fankurve vor zu werfen, sie wolle sich mit dem Schalker Flair schmücken finde ich e bissl lachhaft. Gebrüllt wird doch was gefällt und nich was einem gut da stehen lässt.
    Also nich weinen sondern einfach Spaß haben.

  11. Ich für meinen Teil wusste darüber schon lange Bescheid, da ich Dortmund-Fan bin. Mir persönlich wird daher dieser Attacke-Ruf nie über die Lippen gehen, das gleiche gilt auch bei „R B L – 0 9“.

  12. @Rumpel Du argumentierst weiter über die Entstehungsgeschichte und ich über die Verwendungsrealität. Mal ein fiktives Bundesligaszenario genommen bliebe runtergebrochen und jenseits tonaler Spitzfindigkeiten der Fakt, dass es mit Schalke und RB nur zwei Vereine gäbe, die einem kürzeren Trompetensignal den „Attacke“-Schlachtruf folgen lassen. Und einer der beiden Vereine macht das seit etwa 25 Jahren und der andere seit ein paar Monaten. Das kann man entweder komisch finden oder eben sagen, dass einem das völlig wurscht ist, dass man hier als einziger Verein etwas bestehendes in seiner grundsätzlichen Art kopiert (ich hab ja auch im Text oben nicht behauptet, dass dieselbe Melodie verwendet wird; trotzdem sind die beiden Geschichten in ihrer Verwendungslogik praktisch identisch). Und ich schlage mich halt der ersteren Variante zu, weil die Kopie für mich keinen besonderen Charme hat..

    @Andi Zwischen deinen Sätzen „sollte mann sich doch freuen, dass es gut ankommen muss, wenn es sogar schon andere benutzen.“ und „Was Stadiongesänge angehet wird doch überall nur geklaut. Natürlich gibt es einzelne Typisch Vereinsbezogene Sachen wo mann sich auch mal fragen kann, war das jetzt wirklich nötig.“ liegt das Spannungsfeld, in dem wir gerade diskutieren. Du findest es also einerseits verwunderlich, dass über die Kopie diskutiert wird und sagst doch selber, dass es Situationen geben könne, in der man über Kopien diskutieren kann..

    1. Ich argumentiere zur Entstehungsgeschichte, weil sie m.E: nicht aus der Diskussion ausgeklammert werden sollte. Wenn du natürlich nur die Verwendungsrealität eines fiktiven Bundeligaszenarios im Blick haben möchtest, erübrigt sich eine weitere Diskussion dazu. Die echte derzeit gegebene Verwendungsrealität zeigt nämlich, dass Trompetenattacken nicht nur in anderen Sportarten verbreitet sind, sondern auch im Fußball nicht singulär auf Schalke anzutreffen sind. Auch unterklassig oder bspw. in Österreich (Austria z.B.) gibt es sowas, auch wir sind derzeit unterklassig und haben es nun und es wird im Block sehr gut angenommen. Gleiches gilt für den Ruf „Attacke“. Überhaupt ein Umstand, der in der Diskussion bisher kaum eine Rolle gespielt hat, denn genau solche eingängigen Sachen braucht man, um im Block ein Wir-Gefühl zu erzeugen.

      Das die Attacke dich an Schalke erinnert sei dir selbstredend unbenommen, aber so klar stellt sich dies im Querschnitt (siehe die Diskussionen allerortens) nicht dar.

      Übrigens denke ich nicht, dass unterschiedliche Musikstücke eines Trompetensignals eine tonale Spitzfindigkeit darstellen. Mir ist schon klar, dass du oben nicht von einer melodischen Übereinsstimmung gesprochen hast, nur ist es auch keine „Abwandlung“. Schon dieser Einschub erweckt ja einen gänzlich falschen Eindruck. Ihn dann im Nachgang als Spitzfindigkeit quasi von der Diskussion auszunehmen, finde ich nicht gerade gelungen.

      Gleiches gilt für die Schwarz/Weiß Bewertung des Umstands, wie man dazu stehen soll (komisch oder Wurscht). Diese Diskussion zeigt doch, dass es auch dazwischen eine Bewertung geben kann, nämlich die, die Attacke nicht als singuläres Schalker Phänomen wahrzunehmen.

      In Bezug auf die Verwendungslogik sind auch die oben von dir nicht einbezogenen Kopien von Fangesängen und anderem Drumherum identisch. Hier ist die Musik anders, der Text gleich, bei vielen Liedern ist es andersrum, dazu gibt es noch welche, wo beides gleich ist.

      Ich sage es nochmal: Verengt an die Diskussionsgrundlage künstlich:

      Melodie irrelevant
      andere Sportarten irrelevant
      Fußball maximal in den höchsten deutschen Spielklassen
      Genese irrelevant

      Dann kann man natürlich zu deiner Schlussfolgerung kommen. Ich für meinen Teil will mich da nicht so beschränken und habe auch final keine Angst davor, sollte es irgendwann einmal zu einem Trompetenduell kommen.

  13. @Rumpel: Das fiktive Bundesligaszenario soll nur den Punkt verdeutlichen. Mir geht es nicht primär um die Bundesliga. Vll. gibt es ja in den ersten vier deutschen Ligen noch andere Beispiele und ich kenne sie nicht, dann sorry, aber auch da sollte das Ergebnis nicht anders ausfallen. Und ja ich halte die Beschränkung auf Fußball weiterhin für relevant, weil man mit anderen Sportarten doch seltener die Klingen kreuzt.

  14. Ich halte es da mit dem rotebrauseblogger und kann seine Argumentation sehr gut nachvollziehen. bei Rumpel…. hört man fast nur frustration raus…. ich werde es weiterhin unterlassen Attacke zu schreien oder auch so arogantes sprachgut wie „du kriegst heut die Bude voll“ oder „nie wieder magdeburg“ zu singen. Das bringt uns keine sympathien … zumal magdeburg recht faire Fans uns gegenüber besitzt.

  15. Es ist nur die Frage wie sehr eine „Attacke“ mit Schalke verbunden ist. Wenn das tatsächlich eine überall in der BL bekannte Sache ist, und nur die Leipziger (als Fußball-Provinz) davon nichts wussten, dann wäre es tatsächlich peinlich. Dann sieht das wie ein T-Shirt mit drei Streifen aber nicht von Adidas aus. Ansonsten … nur zu. Denn „Attacke“ finde ich auch gut. Gut finde ich auch, dass der Rbblogger solche Sachen anspricht. Denn seine Anwende kann man akzeptieren oder nicht. Nachvollziehbar und diskussionswürdig sind diese aber schon.

  16. Was ich aus vielerlei Kommentaren hier, bei Facebook und anderswo gelernt habe, ist, dass meine subjektiv sehr starke Verknüpfung des Attacke-Signals mit Schalke offenbar weithin unbekannt war. Das erstaunt mich zwar, aber das muss man als Fakt auch zu Kenntnis nehmen, denn es führt direkt zu der Frage, ob das was ich als sehr einzigartige Verknüpfung wahrnehme, vielleicht jenseits von RB in anderen Teilen Fußballdeutschlands auch gar nicht als so einzigartig Schalke wahrgenommen wird. Das würde mich zwar erstaunen, aber das wäre zumindest denkbar.

    Davon ab wollte ich noch mal anmerken, dass ich Diskussionen wie die mit Rumpel, die scharf in der Sache sind, aber ohne persönliche Angriffe auskommen, sehr zu schätzen weiß (auch wenn wir im konkreten Fall unsere jeweiligen Argumente vielleicht nicht sonderlich nachvollziehbar finden). Sowieso respektiere ich jede Ansicht, die sich von meiner (auch deutlich) unterscheidet.

    Wie hieß es in einem der frühen Kommentare unter diesem Artikel so schön? „Ich muss erst mal darüber nachdenken.“ Großartige Reaktion. Und wenn man danach zu dem Urteil kommt, dass das was im Artikel steht Quatsch ist, dann ist es eben so. Aber man sollte es zumindest sacken lassen und dem jeweiligen Gegenüber Meinung und Argumentation zugestehen.

    1. Servus,

      also ich muss dir hier vollkommen beipflichten.

      Als ich in nem MDR-Beitrag die Trompete das erste Mal hörte, dachte ich erst, die hätten ausversehen n Audiosignal von Schalke reingelegt. Die Tromperte ist super, aber anstatt Attacke würde ich was anderes rufen lassen, da das auch für mich eindeutig Schaaaaaaaaalke ist.

  17. Erstmal: Top Beitrag. 🙂
    Also ich find immer egal ob Stadion oder Fanradio. Den wechselgesang RBL am eindrucksvollsten.

  18. Ich war bereits einige Male auf Schalke, mein erstes Bundesligaspie war S04 gg. Bochum. Das „Attacke“ und der Wechselgesang „Schalke 04“ noch im alten Stadion haben Gänsehaut erzeugt.

    Persönlich bin ich gegen die Kopie „Attacke“ in unserer Arena, rein vom Bauchgefühl. Wir werden als Konstrukt wahrgenommen, und solche speziellen geklauten Aktionen untermauern dies.

    Die Trompete ist gut, das Signal auch, anstelle dessen könnte aber ein „RBL RBL“ o.ä. aus dem ganzen Stadion erschallen.

  19. Das Konstrukt Klischee werden wir so schnell nicht ablegen können.
    Nachhaltige Nachwuchsarbeit, bodenständige Profis, ansehnlichen Fußball, Überraschungssiege gegen Favoriten, kritikfähige Fans und Verantwortliche, soziale Ader ohne organisierte PR, einige Merkmale womit wir in Zukunft Sympathie für den Verein entwickeln können. Wir sind auf einem langen Weg, doch dieser ist hochspannend!

  20. Ich möchte an der Stelle den „rotebrauseblogger“ auch mal in Schutz nehmen, weil ich es ihm sehr hoch anrechne, dass er von Anfang an mit sehr viel Hingabe nicht nur n paar Statistiken oder Spielberichte blogged sondern aben auch sehr interessant in alle Himmelsrichtungen schaut…! Wohlwissend, dass er den Schutz natürlich gar nicht nötig hat… 😉

    Mich regt sein Artikel mit dem dazu gewonnenen Hintergrundwissen tatsächlich zum Nachdenken an und er schärft MINDESTENS die Sinne!

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