Regionalliga: RB Leipzig vs. 1.FC Magdeburg 4:0

Nimmt man die bisherige Rückrunde, dann kann man sie als Maulen auf hohem Niveau abhaken. RB Leipzig fuhr viele und vor allem völlig ausreichend Punkte ein, konnte aber nur selten überzeugen, sodass im Umfeld ein wenig Unruhe ob der weiteren Saisonperspektiven aufkam. So werde das in der Relegation nichts, so der oft vernehmbare Tenor, während sich in anderen Staffeln die Aufstiegskandidaten immer wieder überraschende Punktverluste leisten.

Schon mit dem Hertha-Auswärtsspiel vor zwei Wochen, das man in einer wichtigen sportlichen Situation mit viel Herzblut gewann, war ein Wendepunkt in der Rückrunde erreicht, denn aus einer Saison, die sich nicht so richtig anfühlte wie ein Wettbewerb, weil die Konkurrenz meist dem Winter zum Opfer fiel, wurde plötzlich und auch aufgrund des näherrückenden Saisonfinales wieder eine etwas ernstere Angelegenheit.

Und dann kam gestern der 1.FC Magdeburg zu Besuch. Der ruhmreiche, bei dem immer geträumt und gearbeitet, aber vor allem auch viel gelitten wird. Ein Spiel, vor dem man – auch angesichts des etwas rumpeligen Siegs im Elfmeterschießen unter der Woche im Sachsenpokal-Halbfinale in Neugersdorf – nicht so recht wusste, was man von diesem zu erwarten habe und ob man gegen kämpferische Gäste, die zuletzt zwei emotionale Siege gegen Lok und gegen Jena einfuhren, nicht mit den Leistungen der Rückrunde einen Ergebnisrückschlag erleiden würde.

Und dann kam dieses 4:0, ein Sieg nach dem es eigentlich nichts rumzukritisieren gibt. Ein Erweckungserlebnis für die Mannschaft und für die Zuschauer, die aus ihrer Rückrundenlethargie erwachten und ihre Mannschaft von Anbeginn unterstützten. Auf und abseits des Rasens hatte man das Gefühl, dass hier ein Spiel anstünde, dass allen wichtig ist, welches man nicht mit dem klinischen Interesse einer Partie gegen VfB Auerbach oder den VFC Plauen, wo man den Eindruck hatte, der geneigte Zuschauer wolle abgeholt werden von den Akteuren auf dem Platz, betrachtet.

Es ist ja oft so, dass man am Engagement der Zuschauer und an der eigenen Kribbeligkeit ablesen kann, wieviel Motiviertheit die Spieler so für ein Spiel aufbringen können (sind ja schließlich auch nur Menschen, die wissen, gegen wen man gerade antreten muss). Und gegen den 1.FC Magdeburg war von der ersten Minute an klar, dass man auch auf den gut, aber bei weitem nicht sehr gut besetzten Traversen heiß ist und diese Partie bei aller Deutlichkeit in der Tabelle ein wichtiges ist.

Und so ging es auch auf dem Platz zu. Von der ersten Minute an wurde von allen Akteuren um dieses Spiel gekämpft, ging es in Zweikämpfen zur Sache, wurden Nettigkeiten ausgetauscht und gerieten Spieler auch mal aneinander. Von der ersten Minute an war dieses Spiel auf und abseits des Spielfeldes (von beiden Seiten!) ‚on fire‘. Fühlte man sich eine halbe Stunde vor dem Spiel schon wohl, dass nach fünf Monaten und dem Jena-Spiel mal auch aus dem Gästeblock wieder Atmosphäre kam, war es mit Spielbeginn ziemlich großartig, weil man einem Fußballspiel beiwohnte, das sich vom Regionalligaalltag der Wochen seit der Winterpause mehr als abhob. Das war zumindest 45 Minuten lang von der Intensität her auf Relegationsniveau.

Bis zum 02.06. schlägt mein Herz ausschließlich hier - Stefan Kutschke will vor seinem Abflug nach Wolfsburg unbedingt aufsteigen | GEPA Pictures - Sven Sonntag

Und auf Relegationsniveau waren auch die RasenBallsportler, die in einer beeindruckenden Vorstellung ihrem Gegner in allen Belangen den Schneid abkauften. Vor allem gegen den Ball wurde mit viel Einsatz gearbeitet, sodass die Gäste kaum Luft zum Atmen hatten und einige Bälle früh verloren oder unter Druck ins Aus spielen mussten. Doch das Spiel gegen den Ball ist die eine Seite, das darauf folgenden Spiel mit dem Ball, also das Umschalten und Nutzen der Ballgewinne die andere, ohne die die erste Seite witzlos bleibt.

Und genau in diesem Punkt erreichte das Spiel von RB Leipzig gegen den 1.FC Magdeburg eine neue Stufe, weil man mit dem Ball etwas anzufangen wusste und immer wieder äußerst flexibel über die Mitte die Bälle auch nach außen zu verteilen wusste und die Räume des Platzes auch durch ein aufwändiges Spiel ohne Ball immer wieder ausnutzte. Es war eben nicht wie in einigen Spielen zuvor nur der lange Ball auf Kutschke, der als Stilmittel nicht schlecht ist und auch gegen Magdeburg einige Male gut funktionierte, aber als alleinige Option wenig zielführend ist, sondern es waren immer präsente Flügel (Müller, Judt und die nach außen arbeitenden Stürmer) und die vielen Anspielstationen in der Mitte (Schulz, Fandrich, Rockenbach), die das Spiel flexibel, schnell und immer gefährlich machten.

Es war in allen Belangen (Spiel gegen, mit und ohne Ball) Anschauungsunterricht, was die RasenBallsportler drauf haben können und damit so etwas wie die Selbstversicherung, dass das Saisonfinale kommen kann. Weil es in den entscheidenden und umkämpften Spielen die noch kommen, im Gegensatz zu vielen bisherigen Spielen der Rückrunde, einiges zuzulegen gilt. Es war somit auch ein Volltreffer gegen die Zweifel im Umfeld und ein großartiger Auftakt in die vor der Partie ausgerufenen Wochen der Wahrheit.

Klar, Magdeburg hat nicht die Topleistung abgerufen, die man vermutlich braucht, um bei RB Leipzig bestehen zu können. Was nach den zwei aufwändigen Siegen in der Woche davor und entsprechend leereren Akkus auch nicht ganz unverständlich sein mag. Aber die Gäste traten auch wiederum weder sonderlich schlecht auf, noch fehlte ihnen der Wille, denn auch sie waren eigentlich von Beginn an voll bei der Sache und blieben es auch bis zum Schluss. Insbesondere Tobias Friebertshäuser war immer wieder dabei, wenn es darum ging, die Emotionen dieser Partie auch nach außen zu tragen und oben zu halten.

Und auch offensiv versuchten die Gäste im Rahmen der Möglichkeiten, die ihnen das Spiel gegen den Ball von RB Leipzig ließ, einen gepflegten Ball gen Coltorti zu spielen. Zwei, drei Mal gelang es ihnen in der ersten Hälfte auch hinter die RB-Verteidigungskette zu kommen, doch das Spiel in den Strafraum hinein war viel zu ungenau und ungefährlich, um größere Probleme zu produzieren. Das meist abgemeldete Talent Viteritti blieb in einer der gefährlicheren Situationen am exzellent verteidigenden Hoheneder hängen, ein anderes Mal landete eine Flanke aus völlig freier Position bei Coltorti. Christian Beck, der hochgelobte Stürmer der Magdeburger sah jedenfalls bis zu seiner Auswechslung in der 64. Minute keinen Stich. Was ein dickes Kompliment für das Defensivverhalten aller RasenBallsportler bis runter zu den Innenverteidigern ist.

Dass FCM-Coach Andreas Petersen nach diesem Spiel nicht sonderlich geknickt wirkte, konnte ich mehr als verstehen. Denn völlig richtigerweise bemerkte er, dass an diesem Tag ein Drittligateam gegen einen Viertligisten gespielt habe und RB Leipzig in dieser Konstitution einfach nicht die Kragenweite der Magdeburger ist. Womit er völlig recht hatte. Denn zwar sah seine Mannschaft bei den ersten zwei Gegentoren nicht gut aus, aber insgesamt versuchten sie ihr bestmöglichstes, ohne dass dies an diesem Tag auch nur ansatzweise hätte ausreichen können. Der FCM brachte eine halbwegs passable Viertligapartie auf den Rasen, während RB Leipzig die Kapazitäten für die Relegationsspiele testete. Wenn du in einem solchen Spiel der Viertligacoach bist, dann kannst du das eigentlich nur hinnehmen und dir sagen, dass du im nächsten Spiel wieder in deiner Liga spielst und im nächsten Jahr (wie sich Petersen wünschte) den verkappten Drittligisten hoffentlich los bist.

Alexander Zorniger zeigte sich auf der anderen Seite rundum zufrieden. Sowohl in Bezug auf die spieltaktischen Dinge, als auch in Bezug auf die Effektivität nach Standards (zwei Tore nach Freistößen plus ein direkt verwandelter von Thiago Rockenbach, den die Schiedsrichter von der Latte kommend nicht hinter der Linie sehen wollten oder konnten). Womit er absolut recht hatte, denn es schien so, als ob die Nähe zur Relegation (in viereinhalb Wochen geht es los) die Fesseln bei den RasenBallsportlern lösen würde. Wie vor dem Spiel von Zorniger vermutet, würde die Konzentration und Fokussierung mit jeder Woche, die es auf die Relegation zugehe, immer größer. Und das erste Opfer für den Beweis dieser These war der 1.FC Magdeburg.

Beeindrucken konnte im Spiel gegen den 1.FC Magdeburg auch, dass man relativ problemlos während des Spiels von einem 4-3-1-2 in ein 4-4-2 mit Doppelsechs umschalten konnte. Mit einem Thiago Rockenbach, der offensiv auch immer wieder vor die Sechser und Richtung Mitte rückte, aber defensiv dafür neben die Dreiermittelfeldkette rückte und diese zur Viererkette machte und sehr intensiv nach außen mitarbeitete, so wie es dann Clemens Fandrich auf der anderen, der Viteritti-Seite auch tat. Gab es beim Switch zwischen diesen Systemen bisher aus meiner Sicht eher Reibungsverluste (wie bspw. beim Spiel bei Union II, wo das m.M.n. eher schlecht funktionierte) zeigte man gegen Magdeburg nicht nur Lust und Engagement, sondern auch taktische Flexibilität. Auch das sicher kein unwesentlicher Baustein Richtung Relegation.

Das alles führte zusammen dazu, dass der 1.FC Magdeburg chancenlos war, chancenlos sein musste. Die gute, alte Weisheit, dass man nur so gut spielt, wie es der Gegner zulässt, sollte man in diesem Fall zugunsten der Gäste auslegen, die einem schon ein wenig leid tun konnten, dass ausgerechnet ihnen der platzende Knoten um die Ohren flog. Und mit welch lautem Knall er platzte, zeigte sich zum Beispiel beim hervorragend herauskombinierten 3:0, bei einem unter Druck herauskombinierten, aber am letzten Pass scheiternden Konter zwischen dem 1:0 und dem 2:0 und in vielen anderen Situationen, in denen die RasenBallsportler immer wieder schöne Antworten für die Aufgaben des Spiels fanden.

Ab der 60. Minute war dann etwas die Luft aus dem Spiel, die Gästeanhänger waren zu diesem Zeitpunkt schon lange komplett verstummt und in der letzten Viertelstunde konnte sich auch Fabio Coltorti noch einmal ein wenig präsentieren. Falls man ein klitzekleines Haar in der Suppe finden will, dann… Ach nee, vergessen wir das lieber an dieser Stelle.

Fazit: Dass der 1.FC Magdeburg im Gegensatz zum Hinspiel komplett chancenlos bleiben sollte, konnte man vor dem Spiel nicht unbedingt ahnen, war dann aber angesichts der Vorstellung der RasenBallsportler und der harten englischen Woche der Gäste auch nicht ganz unnachvollziehbar. Was jenseits dessen bleibt, ist ein atmosphärisch und fußballerisch perfekter Nachmittag, der quasi als Tanz in den so wichtigen Mai das fette Ausrufezeichen war, dass die Rückrunde bisher ja ganz ok war, aber der Spaß und die Saison jetzt erst so richtig los geht. Ich erwarte nicht, dass jedes der kommenden Spiele so laufen wird, aber man hat jetzt einen ziemlich guten Eindruck davon, was RB Leipzig leisten kann, wenn sie ernst machen. Ein in allen Belangen großartiger Fußballnachmittag.

Randbemerkung 1: Man konnte ein wenig enttäuscht sein von der Zuschauerzahl. Beim letzten Spiel der zwei Mannschaften gegeneinander in Leipzig im September 2011 waren noch knapp 10.000 Zuschauer bei Regen anwesend. Und in der Hinrunde waren es in Magdeburg fast 11.000 Fußballfreunde, die das Duell beobachten wollten. Von daher waren die 7.500, die diesmal Eintritt zahlten, so ziemlich die unterste Zahl, die man vor dem Spiel bei ganz passablem Frühlingswetter erwartet hätte. Sowohl vielleicht 1.000 Gästeanhänger waren deutlich weniger als die knapp 2.000 von 2011, als auch die Anhänger auf RB-Seite. Vielleicht hat man hierzulande auch ein wenig verpasst, dass jetzt die heiße Phase der Saison losgeht und der Gegner mit dem 1.FC Magdeburg ein attraktiver ist. Wobei man bei Betrachten der medialen Begleitung des Geschehens auch selten etwas von Euphorie und Aufbruchstimmung vernimmt. Weswegen die etwa 6.500 Zuschauer auf Heimseite vermutlich auch völlig in Ordnung sind.

Randbemerkung 2: Und insbesondere deswegen in Ordnung sind, weil sie von der ersten Minute an für ihr Team da waren und es unterstützt haben. Angetrieben von der Fankurve sprang der Funke durch die im Vergleich zu den letzten Spielen dichter besetzten Reihen auch oft und schnell auf die Haupttribüne über, sodass eine schicke Fußballatmosphäre entstand. Die natürlich im Laufe des Spiels und angesichts dessen, was sich auf dem Rasen abspielte immer euphorischer wurde. Wäre spannend gewesen, ob die Lust der Zuschauer auf dieses Spiel bei weniger angenehmen Spielgeschehen irgendwann umgekippt wäre. Diese Frage blieb unbeantwortet und deswegen war es 90 Minuten lang auch auf den Rängen ein absolut gelungener Relegationstest. Wobei vorher mit den Spielen gegen Lok und Chemnitz supporttechnisch noch Herausforderungen warten. In den ersten 45 Minuten trugen auch die Gästefans nicht unerheblich zum großen Rahmen für dieses Spiel bei. Dass sie in der zweiten Halbzeit nach dem frühen 3:0 die Unterstützung komplett einstellten, war schade, aber nicht zu ändern. Dürfte eine Menge Enttäuschung im Spiel gewesen sein.

Randbemerkung 3: Bitte, bitte, bitte denkt ernsthaft darüber nach, dieses unsinnige Einspielen von vermeintlicher Sieg-Feier-Musik nach dem Abpfiff spätestens zum Sachsenpokal-Finale abzustellen. Gegen Magdeburg waren 6.500 Leute da, die gut gelaunt feiern wollen, gegen Chemnitz werden es wesentlich mehr sein, die hoffentlich auch etwas zu feiern haben. Aber mit dem Schlusspfiff werden alle Gesänge und Siegesäußerungen auf den Tribünen postwendend abgetötet, indem man sie mit – nicht mal sonderlich guter – Musik (Beastie Boys) übertönt. Habe ich noch nie verstanden, verstehe ich weiterhin nicht und werde ich nie verstehen. Danke. Bitte.

Randbemerkung 4: Fünf Spiele muss RB Leipzig in der Regionalliga noch bestreiten. 18 Punkte Vorsprung hat man derzeit auf Jena. Die noch zwei Spiele mehr zu bestreiten haben. Selbst wenn Jena also die sieben restlichen Spiele gewinnt und man die zusätzlichen 19 Tore Vorsprung vergisst, braucht RB nur noch vier Punkte, um den Relegationsplatz auch für alle Theoretiker zu sichern. Lässt Jena nächste Woche gegen Hertha Federn, könnte RB schon beim Spiel in Cottbus alles klar machen. Ansonsten bliebe das Nachholespiel gegen Lok als Chance. Gefiele denen auch sicher nicht sonderlich, wenn es ausgerechnet in ihrem Spiel dazu käme.. In der Relegation warten nach aktuellem Stand sehr wahrscheinlich 1860 II, die Sportfreunde Lotte und vermutlich Holstein Kiel, Hessen Kassel und die SV Elversberg. Wer mehr dazu wissen will, schaue in die Relegationswatch-Reihe hier im Blog aus der Winterpause, in der all diese Kandidaten auch Thema waren.

Lichtblicke: Man könnte sicherlich so ziemlich jeden im Team nennen, aber ich picke mir mal vier heraus..

  • Stefan Kutschke: Also wenn sich Stefan Kutschke etwas gutes tun will, dann schickt er eine Kopie von diesem Spiel nach Wolfsburg. Denn das was er bis zur Auswechslung unter tosendem Beifall nach 71 Minuten geleistet hat, war phänomenal. In Sachen Einsatz geht er sowieso immer voran. Nicht immer mit finaler Schläue (wie in Halberstadt als er vom Platz flog und auch gestern als ein, zwei Aktionen nicht sein müssen), aber immer mit viel Herzblut. Wenn er nach dem Spiel vor der Kamera steht und zu Protokoll gibt, dass er nur an das Ziel Aufstieg denkt und das im Moment alles ist, woran er denkt, dann kauft man ihm dies zu mindestens 99,9999% ab. Kutschke war hier im Blog nie der Spieler, der es ganz leicht hatte, was aber (ich äußerte es schon einige Male) eher daran lag, dass ich einen anderen Spielertypen als Kutschke, einen der den Rest der Mannschaft nicht dazu verleitet lange, hohe Bälle zu spielen, an der Seite von Frahn präferiere. Wenn Kutschke aber so perfekt wie gestern auftritt und nicht nur als nimmermüder Fighter gegen den Ball und als Anspielstation für hohe Bälle, die dann das nachrückende Mittelfeld aufnimmt, fungiert, sondern gleichzeitig auch am Boden mitspielt, auf die Flügel ausweicht und dort für Betrieb sorgt und in der Mitte als Vollstrecker agiert (gleich drei Tore, nachdem er zuletzt Mitte November gegen Cottbus II getroffen hatte), dann müssen wir nicht mal im Ansatz darüber reden, ob ein anderer Stürmer nicht besser passen würde. Denn dann kann es schlicht keinen anderen Stürmer neben Frahn geben. Mit dieser Vorstellung hat Kutschke wieder mal gezeigt, dass er die Konkurrenz, die Jahr für Jahr vor seine Nase gesetzt wird (z.B. Frommer, Kammlott, Wallner, Morys), im Laufe der Zeit dann doch wieder aussticht. Ich war und bin hinsichtlich seines Wolfsburg-Wechsels skeptisch, aber gegen den FCM hat er zumindest gezeigt, dass das Potenzial nicht nur des Kämpfers, sondern auch des Fußballers Kutschke deutlich oberhalb der Regionalliga liegt.
  • Juri Judt: Der Linksverteidiger wird ja gern etwas kritisch gesehen, weil ihm als Rechtsfüßer sehr oft die Möglichkeiten fehlen, Bälle auf dem Flügel in offensiv aussichtsreicher Position auch vernünftig zu verarbeiten und seine Defensivarbeit nicht von allen akzeptiert wird. Gegen den 1.FC Magdeburg zeigte er aber, warum er bei RB Leipzig diese Position bekleidet, denn mit dieser Leistung ist er im Kader schlicht konkurrenzlos. Im Zweikampf gestern sehr stark bereinigte er einige gefährliche Situationen und war auch offensiv eine wichtige Pass- und Anspielstation. Flanken mit links waren zwar nicht dabei, aber trotzdem hatten viele Offensivaktionen ihren Ausgangspunkt oder ihre Zwischenstation auch bei ihm. Mich jedenfalls hat dieser Auftritt alles in allem sehr überzeugt (aber ich war auch eigentlich schon vorher überzeugt).
  • Bastian Schulz: Stellvertretend für einige Vorstellungen der letzten Wochen sei auch Bastian Schulz hier genannt, der sich als perfektes Glied in der Mittelfeldkette erwiesen hat. Er ist sicherlich nicht der überragende Fußballtechniker, aber er ist ein extrem vielseitiger Mittelfeldspieler, der eigentlich keine Schwäche hat. Zweikämpfe in der Luft und am Boden sind gleichermaßen sein Metier. Stark im Spiel gegen den Ball steht er auch in der Offensivbewegung immer als Anspielstation zur Verfügung und findet dort Lücken und Räume. Schulz steht nicht so perfekt antizipierend im Raum wie Karikari, er hat nicht die Spielübersicht und den Fuß für die Pässe in die Tiefe wie Kaiser, er ist kein Techniker wie Fandrich, kein Dribbelkönig wie Röttger oder Kammlott und kein Pfeil wie Heidinger oder Morys. Er hat aber von allem einen ausreichend großen Teil. Und diese Ausgewogenheit auf sehr hohem Niveau macht ihn im Moment so unverzichtbar im Mittelfeld.
  • Niklas Hoheneder: Dass Christian Beck durchgängig abgemeldet war, lag auch an Niklas Hoheneder, der unter Zorniger von Monat zu Monat weiter aufgeblüht ist. Ruhige, sachliche Vorstellung mit viel Zweikampfstärke sei es in der Luft gegen Beck oder am Boden in der brenzligsten Situation gegen Viteritti. Dazu ein sehr ballsicherer Verteidiger im Spielaufbau (trotz eines Katastrophenpasses in der ersten Halbzeit in der Vorwärtsbewegung an der Mittellinie). Ein Hoheneder in der Form der letzten Wochen lässt sich nur schwerlich ersetzen. Dass er aktuell immer mal wieder Probleme mit dem Schambein hat, sind da eher schlechte Nachrichten.

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Tore: 1:0 Kutschke (18.), 2:0 Kutschke (25.), 3:0 Kutschke (48.), 4:0 Frahn (90.)

Aufstellung: Coltorti – Müller, Hoheneder, Franke, Judt – Fandrich (60. Röttger), Kaiser, Schulz – Rockenbach (79. Kammlott) – Kutschke (71. Karikari), Frahn

Zuschauer: 7.432 (davon 800 Magdeburger)

Links: RBL-Bericht [broken Link], RBL-Liveticker [broken Link], RB-Fans-Bericht, MDR-Bericht [broken Link], FCM-Bericht [broken Link]

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12 Gedanken zu „Regionalliga: RB Leipzig vs. 1.FC Magdeburg 4:0“

  1. „Falls man ein klitzekleines Haar in der Suppe finden will, dann… Ach nee, vergessen wir das lieber an dieser Stelle.“

    also das würde mich ja dann doch interessieren

  2. „…was RB Leipzig leisten kann, wenn sie ernst machen.“ …. genauso sehe ich es auch…. und ich glaube, die nächsten Wochen werden sehr ernst genommen… 🙂

    Danke wie immer für den prima Spielbericht – dein Blog ist ja schon immer Erstliga reif… (Erstligareif? Erst Liga reif? erste Liga reif? reif für die erste Liga?) 😉

  3. Bastian Schulz liest das Spiel hervorragend. Er ahnt was kommt und begibt sich in die gefährlichen Räume. Seine Tore haben alle diese Vorgeschichte. Auch das macht ihn besonders wertvoll.

  4. Schöner Bericht. Danke.

    Kurze Ergänzung:

    Judt und Müller haben sensationell gespielt. Beide passen perfekt ins System und spielen immer besser…

  5. Danke für den sehr optimistischen Spielbericht, 1860 II in der Reli, das geht doch regeltechnisch gar nicht, wird wohl der FCB II werden, somit dann doch volle Hütte…

    1. Was bedeutet „unkritisches Hinterherlaufen“?
      Es sind auch schon einige Fußballer von Traditionsvereinen gestorben, weil sie nicht auf das Auflaufen trotz gesundheitlicher Probleme verzichten wollten…

    2. Diskussion gut und schön, aber was hast Dein Link mit o.g. Thema zu tun? Meines Erachtens völlig OFFTOPIC!

  6. @Henne Doch, 1860 II kann in der Relegation auflaufen und auch aufsteigen. Es gibt für Zweitligavereine keine Regel, dass ihre zweite Mannschaft mindestens zwei Ligen darunter spielen muss.

    @Alex: Ich werde mich von einer suggestiven Kindergarten-Ideologie-Dokumentation, die nichts erhellt, weil sie nichts wissen, sondern nur mal eben ein bisschen Meinung präsentieren will und ganz investigativ Todesfälle in Zeitlupe präsentiert, tatsächlich nicht in meinem mal mehr mal weniger kritischen Zugang zur Welt stören lassen. Danke für den Vorschlag..

  7. Suggestiv? Sprechen wir von der gleichen Reportage? Die Redakteure haben schlicht die Akteure, Freunde und Hinterbliebene wirken lassen. Was sollen sie auch anderes machen, wenn sie vom Marketingkonzenn nichts als Interviewabsagen per E-Mail, vor die Kamera gehaltene Hände und Drohungen mit der Polizei bekommen?

    Es geht doch auch nicht um die ausgewählten Todesfälle. Wer gefährliche Dinge tut, der kann dabei sterben. Wenn diese Todesfälle aber weiterhin auf der RB-Internetseite und ab Herbst sogar als Kinofilm vermarktet werden, widerspricht das meinem Wertesystem erheblich. Aber offensichtlich gehört es zum RB-System, für den Vermarktungserfolg Werte über Bord zu werfen.

  8. Ich hätte es wissen müssen. Fußball ist Ideologie! Da wir gerade bei ethischen Verhalten sind, wann hat jemand seine letzten asiatisch produzierten Klamotten gekauft? Denkt dran, da klebt Blut dran, von Menschen denen diese Diskussion kein Stück hilft. Ich bete den Fußballgott an, dass hoffentlich alle Traditionsverein jegliche Zusammenarbeit mit unethischen Sponsoren sofort einstellen. Bis zum nächsten Grabenkampf, Euer unethischer Konsument!

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