Rückrundenkaderunruhe

Ergänzend noch zur gestrigen These, dass es bei RB Leipzig zwar nie so etwas wie eine Rotation gab, sondern nur situationsbedingte, wenig extreme Aufstellungsschwankungen, aber nun trotzdem die Zeit reif ist, für eine sich herausschälende Stammelf, ein paar Zahlen zu den Einsatzzeiten bei RB Leipzig. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund interessant, dass in den letzten zwei Regionalligajahren jeweils die Mannschaft aufstieg, die über eine klare Stammelf mit hohen durchschnittlichen Einsatzzeiten der meisteingesetzten Spieler verfügte.

21 Spieler sind 2012/2013 bisher für RB Leipzig aufgelaufen. In den 14 Spielen bis zur Winterpause setzte Alexander Zorniger insgesamt 18 Spieler ein. In den acht Spielen seit der Winterpause erhöhte sich die Zahl der eingesetzten Spieler auf 20. Paul Schinke ist dabei der einzige Spieler, der im vergangenen Jahr von August bis Dezember auf (reichlich) Einsätze kam, in diesem Jahr aber überhaupt noch keine Regionalliga-Minute vorweisen kann. Dafür kamen der gefühlte Neuzugang Umut Kocin und die tatsächlichen Neuzugänge Clemens Fandrich und Matthias Morys zu Regionalliga-Premieren.

Von den Spielern, die vor der Winterpause zu den 11 meisteingesetzten Spielern gehörten, gehören inzwischen drei Spieler nicht mehr zu dieser Gruppe. Wegen einer Grippe rutschte Christian Müller knapp aus dieser Gruppe (genaugenommen teilt er sich den letzten Platz mit Dominik Kaiser), gehört aber bei entsprechender Gesundheit wie in der Hinrunde sicherlich an die Spitze der Einsatzzeitentabelle. Dazu traf es Stefan Kutschke, der in den ersten 14 Spielen noch die achtmeisten Einsatzminuten bei RB Leipzig bekam, inzwischen aber auf Platz 16 abgerutscht ist. Was vor allem der sehr guten Vorbereitungsform von Carsten Kammlott und der Neuverpflichtung von Matthias Morys geschuldet ist.

Auch aus den Top11 der Einsatzzeiten gerutscht, ist Timo Röttger, der zwar über die Saison gesehen in nur einem Spiel nicht auflief, aber auch nur einmal durchspielte und 15mal eingewechselt wurde. Stand er schon in der Hinrunde am Ende der Top11, ist er inzwischen knapp herausgerutscht. An seiner Rolle hat sich aber eigentlich nichts geändert. Nur noch knapp in der Top11 steht Dominik Kaiser, der bis zum Winter insgesamt nur 13 Minuten verpasste, seitdem aber gleich in vier Spielen verletzungsbedingt passen musste.

GesamtHinrundeRückrunde
Fabio Coltorti19801260720
Daniel Frahn19711251720
Fabian Franke18901260630
Niklas Hoheneder17731101672
Thiago Rockenbach16801172508
Dominik Kaiser16071247360
Christian Müller15751215360
Juri Judt1334945389
Stefan Kutschke12861017269
Bastian Schulz1186797389
Timo Röttger824547277
Carsten Kammlott725433292
Tim Sebastian709169540
Jeremy Karikari7079698
Sebastian Heidinger54051327
Paul Schinke5385380
Matthias Morys4090409
Henrik Ernst38430282
Clemens Fandrich3150315
Umut Kocin1800180
Patrick Koronkiewicz1286761

Gewinner der Rückrunde ist Jeremy Karikari, der in den ersten 14 Spielen gerade mal 9 Minuten bestritt und in der Winterpause für den verletzten Dominik Kaiser in die Mannschaft rutschte und seitdem immer von Beginn an auflief und die drittmeisten Einsatzminuten verbuchte. Auch dauerhaft in die Mannschaft und somit in die Top11 rutschte Tim Sebastian, der bis zu seiner Verletzung sechs Spiele über die volle Spielzeit absolvierte. Fehlt als letzter neuer Top11-Spieler noch Neuzugang Matthias Morys, über dessen weitere Perspektiven an dieser Stelle nur spekuliert werden könnte.

Nimmt man die Gesatmstatistik und die elf meisteingesetzten Spieler über die gesamte Saison hinweg, dann hätte man als 4-3-1-2-Formation: Coltorti – Müller, Hoheneder, Franke, Judt – Röttger, Kaiser, Schulz – Rockenbach – Kutschke, Frahn. Nimmt man aktuelle Erwägungen dazu, könnte man überlegen, ob Matthias Morys dauerhaft Stefan Kutschke ersetzen, wer statt Timo Röttger (den Zorniger im Normalfall lieber als Joker zieht) im Mittelfeld auflaufen und ob Juri Judt weiter Fabian Franke (bzw. Tim Sebastian) und einer Dreierkette zum Opfer fallen sollte. Ansonsten böte es sich an – vorausgesetzt die Ausfallsituation lässt dies zu – den Rest der Mannschaft als gesetzt zu sehen.

Das wäre vor allem deswegen von Vorteil, weil man eigentlich aus den letzten zwei Jahren weiß, dass zum Schluss jene Mannschaften aufgestiegen sind, die über die Saison gesehen mit einer klaren Stammelf gespielt haben. Im letzten Jahr fehlten RB Leipzig unter anderem deswegen ein paar Prozent an Leistung, weil Peter Pacult in der Rückrunde ein wenig die Kaderruhe, die ihn in der Hinrunde noch auszeichnete, verlor und teilweise erhebliche, nicht immer nachvollziehbare oder durch äußere Faktoren legitimierte Wechsel vornahm.

Betrachtet man, wieviele Minuten die elf meisteingesetzten Spieler von RB Leipzig in dieser Saison auf dem Spielfeld verbrachten, dann waren dies im Schnitt pro Person 70,7 Minuten. Das entspricht ungefähr dem Wert, den Chemnitz in seiner Aufstiegssaison verbuchte und liegt eine reichliche Minute unter dem, was der Hallesche FC in der vergangenen Spielzeit als in dieser und der sportlichen Kategorie beste Mannschaft aufwies. Nimmt man Eingespieltheit als Indiz für die Aufstiegschancen, dann liegt RB Leipzig über die gesamte Saison gesehen offenbar ganz gut im Rennen.

Auch im Vergleich mit den letzten beiden Spielzeiten zeigen sich da deutliche Fortschritte, denn unter Tomas Oral kamen die elf meisteingesetzten Spieler im Saison-Durchschnitt lediglich auf 59(!) Minuten Einsatzzeit. Was auch der Tatsache geschuldet war, dass Oral nach praktisch verpasstem Aufstieg in der Rückrunde seine Formation noch mal ordentlich umschmiss (unter anderem Laas und Franke statt Baier und Hertzsch). Und auch im letzten Jahr verbuchte man unter Pacult bis Ende April gerade einmal rund 68 Minuten im Schnitt der Top11.

Allerdings muss man einschränkend anfügen, dass der aktuelle Schnitt vor allem ein Resultat der Zeit vor der Winterpause ist, denn in diesen 14 Spielen standen die 11 meisteingesetzten Spieler durchschnittlich knapp 77 Minuten auf dem Feld. In der Rückrunde ist dieser Wert auf gerade einmal knapp 69 Minuten gefallen. Die 11 meisteingesetzten Spieler der Hinrunde, also jene Spieler, die damals im Schnitt knapp 77 Minuten zusammen auf dem Platz standen, kommen in der Rückrunde gar nur noch auf 60 gemeinsame Spielminuten.

Was alles in allem heißt, dass man wie schon im letzten Jahr unter Pacult, nur aber aus anderen Gründen (Verletzungen, Winter, Neuzugänge), eine deutliche Unruhe in der Besetzung der Mannschaft bemerkt, eine Unruhe, die offenbar nicht dazu angetan ist, zu optimalen Ergebnissen zu führen. Allerdings dürften die dauerhaft zurückkehrenden Kaiser und Müller die Zahlen und mit ihnen eventuell ja auch den sportlichen Output wieder enorm nach oben treiben. Wichtiger dürfte es aber sein, in der Besetzung der vier für den Spielfluss extrem wichtigen Mittelfeldpositionen zu einem stabilen und auch dauerhaft tragfähigen Ergebnis zu kommen.

Im Gegensatz zur vergangenen Saison kann man sich die Kaderunruhe zum aktuelle Zeitpunkt sogar leisten, denn bei im schlimmsten Fall nachholespielbereinigt sieben Punkten Vorsprung auf Jena fallen ein paar weniger überzeugende Spiele nicht unbedingt auf (Jena im übrigen im Saisonverlauf mit im Schnitt glatt 71 Minuten, die ihre Top 11 auf dem Feld verbrachten, also ziemlich identisch zu RB). Aber in Hinblick auf das Ende der Saison und die Relegation sollte man sich langsam wieder ein wenig enger in einer Stammformation einfinden.

Fazit: Der Eindruck, dass die Rückrunde in Sachen Eingespieltheit und Feinabstimmung bisher suboptimal verläuft, täuscht nicht, wie die Zahlen belegen. Allerdings muss man die besonderen Umstände bedenken, unter denen die Rückrunde in Bezug auf die Bodenverhältnisse, die immer wieder andere Spielertypen erforderten, die Verletzungsausfälle und die Integration der Neuzugänge verlief. So langsam sollte sich allerdings wieder eine harter Kaderkern herausschälen und wenn man Statistik und Logik zusammenführt, könnte das Team weitestgehend so aussehen: Coltorti – Müller, Hoheneder, Franke, Judt/Sebastian – ???, Kaiser, Schulz – Rockenbach – ???, Frahn. Was doch insgesamt ganz gut passen dürfte.

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