Regionalliga: RB Leipzig vs. VFC Plauen 2:2

Das ist schon manchmal komisch. Da ist eigentlich alles bereit für einen guten Fußballnachmittag. Die Sonne erwärmt das Stadion erstmals in diesem Jahr auf Temperaturen deutlich oberhalb der 0 Grad. Die Fans sind sehr gut gelaunt und sorgen von Anfang an für ein lautstarkes Umfeld. Das Spiel läuft eigentlich ganz im eigenen Sinne an und findet seinen ersten richtigen Höhepunkt im 1:0 für RB Leipzig. Also alles in allem eine perfekte Situation. Dass der Nachmittag dann so kippt, wie er es beim 2:2 von RB Leipzig gegen den VFC Plauen tat und die RasenBallsportler nur mit viel Glück und einem Treffer durch Fußballgott Fabian Franke zum Ausgleich kamen, ist eigentlich nur schwerlich zu erklären.

Begonnen hatte Alexander Zorniger diesmal überraschend ohne Thiago Rockenbach, für den Clemens Fandrich in die Spielmacherrolle schlüpfte (wobei auf dem Platz diese feste Positionszuordnung so nicht zu erkennen war). Umut Kocin durfte noch mal auf links und Juri Judt auf rechts hinten ran, weil Tim Sebastian und Christian Müller weiterhin ausfielen. Im Mittelfeld war Dominik Kaiser zurück und spielte rechts neben bzw. leicht rechts vor Jeremy Karikari im Mittelfeld. Links durfte diesmal Timo Röttger von Beginn an sein Können zeigen. Und im Sturm war an der Seite von Daniel Frahn wieder die Zeit reif für Matthias Morys.

Das klingt nach sehr viel Bewegung im Kader und an verschiedenen Stellen wird dieser ‚Rotation‘ die Schuld an den durchwachsenen Rückrundenleistungen gegeben. Das kann man bewerten wie man will. Fakt ist, dass die Bank von RB Leipzig individuell bis runter zur 20 oder 22 sehr gut besetzt ist und es nicht schaden kann, wenn man so ziemlich alle Spieler auch jenseits der ersten 14 ins Pflichtspiel-Team integriert und sie somit je nach Erfordernis, die aus dem Gegner resultiert, einsetzen kann. Dass da in Sachen Spielverständnis akutell manches ein wenig auf der Strecke bleiben kann, sollte man da in Kauf nehmen. Wann, wenn nicht jetzt kann man diese Tests verschiedener Aufstellungen unter Realbedingungen durchführen.

Zudem sollte man auch mal festhalten, dass einige Umstellungen und Neuformierungen schlicht auch Ausfällen geschuldet sind. Kaiser gegen Union raus und nun wieder rein wäre ohne leichter Verletzung nie passiert. Und dass in der Abwehrreihe nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Niklas Hoheneder kurz vor der Halbzeit (für ihn kam Henrik Ernst) kein einziger Spieler mehr die Position bekleidete, die er bisher in größeren Teilen der Rückrunde inne hatte und mit Ernst und Kocin gleich zwei Spieler spielten, die in dieser Saison nur sehr wenig Einsatzzeiten bekamen, ist in einem sehr sensiblen Bereich dann doch eine erhebliche Belastung. Wie gesagt, gar nicht so sehr individuell, aber im Zusammenspiel und im spielerischen Verständnis für den Nachbarn.

Grundsätzlich war die Startformation von RB Leipzig gegen den VFC Plauen völlig nachvollziehbar und unter den Gegebenheiten der Ausfälle von Müller und Sebastian eine gute. Sehr spannend auch zu sehen, wie fluide die Offensivspieler Fandrich, Röttger und Kaiser ihre Positionen interpretierten und immer wieder zwischen den einzelnen Positionen rochierten oder wahlweise sich gen Karikari als Anspielstation zur Verfügung stellten (Daniel Frahns häufiges Abkippen Richtung Mittelfeld scheint mir dagegen nicht sonderlich gewinnbringend). Die mit der Aufstellung verfolgte Idee, einen sehr hoch agierenden Rechtsverteidiger zu haben und ansonsten im Spiel mit dem Ball viel Bewegung zu generieren, war absolut in Ordnung.

Alexander Zorniger war nach dem Spiel der Meinung, dass die Leistung auf dem Platz und die Bereitschaft, das eigene Spiel durch entsprechende Laufwege mit Leben zu erfüllen, bereits von Anbeginn an nicht gestimmt hätten. So weit würde ich nicht gehen, denn bis zum 1:0 hat man mit der beschriebenen Spielidee einige Chancen kreiert und das Spiel ziemlich deutlich im Griff gehabt. Vor allem hat man etwas gesehen, was in den letzten Spielen – wegen des Bodens und/ oder wegen der Anwesenheit von Kopfballspieler Stefan Kutschke – ziemlich verloren gegangen war, nämlich die Aufgaben, die die gegnerische Abwehrreihe einem stellt, spielerisch zu lösen.

Mit dieser insbesondere in der Hinrunde gepflegten Qualität, (bis zum Zwickau-Spiel) so ziemlich jede Abwehr mit einem spielerischen Versuch nach dem anderen zu zermürben, ist auch die Leichtigkeit verloren gegangen, sich gegen jeden Gegner Torchancen und mithin Tore zu erarbeiten. Wovon auch die Rückrundentorbilanz zeugt. Auch gegen Plauen fand man ab der 30. Minute eigentlich kaum noch eine Lücke, um in aussichtsreiche Schussposition zu kommen. Das Mittel der gepflegten Flanke aus dem Halbfeld gehört jedenfalls eigentlich nicht dazu.

Allerdings haben die ersten 30 Minuten auch gezeigt, dass man bei halbwegs konsequenter Anwendung der eigenen Talente auch das Potenzial hätte, die gefühlte Leichtigkeit wieder zu reaktivieren. Weswegen man bei allem kritischen Blicken auf die Situation auch nicht in Weltuntergangsstimmung verfallen muss. Dass man spätestens nach 30 Minuten einen Gang zurückschaltet und aus diesem Gemütlichkeitsmodus anschließend nicht mehr herauskommt, scheint mir jedenfalls eher ein Frage des Wollens zu sein und nicht des Könnens.

Was vielleicht auch ganz nachvollziehbar ist. Da geht man als Tabellenführer mit 22 Punkten Vorsprung auf Platz 2 in diesen Spieltag, an dem es gegen den VFC Plauen geht, der bei allem Respekt eher Abstiegskandidat ist als ein Gegner, von dem man schon Tage zuvor träumt. Auch die Spieler werden nicht intensiv davon geträumt haben, wie sie in einem atemberaubenden Fight gegen Plauen den Vorsprung in der Tabelle nach dem samstäglichen Jena-Patzer auf 24 Punkte ausbauen. Und bei schönem Frühlingswetter führen die RasenBallsportler nach 30 Minuten mit nicht ganz 100% und ziemlich routiniert 1:0 und glauben, dass der Rest von selbst geht.

Gesichter voller Ratlosigkeit nach dem Spiel von RB Leipzig gegen den VFC Plauen - Daniel Frahn und Jeremy Karikari | GEPA-Pictures - Sven Sonntag

Psychologisch ist die ganze Sache nachvollziehbar. Fußballerisch bräuchte man in der Situation trotzdem die Mittel und sehr viel sportliche Routine und Abgeklärtheit, um das 1:0 dann eben einfach über die Zeit zu schaukeln. Und vor allem eine gute Arbeit gegen den Ball und eine sichere Defensive, wenn man denn schon in der Offensive nicht alle Wege geht. Und da fangen die Probleme schon an. Denn schon in der ersten Halbzeit hätte genaugenommen der Ausgleich für Plauen fallen müssen.

Hatten die Gäste anfangs in einigen Situationen gezeigt, dass sie in der Lage und gewillt sind, bei Ballbesitz schnell und effektiv gen Coltorti-Tor zu spielen, waren aber noch an der Verteidigungskette der RasenBallsportler gescheitert, klatschte der Ball spät in der ersten Hälfte an den rechten Innenpfosten, als die Vogtländer nach einem Abschlag(!) wie in einem Konter über den rechten Flügel durchbrachen und in der Mitte Juri Judt(!) gleich zwei(!) Plauener verteidigen musste und sich für den entschied, der dann den Ball wegen einer Kopfballverlängerung nicht bekam. Schon zur Halbzeit wusste man also (bzw. hatte Alexander Zorniger ja schon vor dem Spiel gewarnt), dass man sich vor dem schnellen, schnörkellosen Konterspiel (auch in Nicht-Kontersituationen) in Acht nehmen muss.

Wobei das 1:1 ‚witziger’weise und untypisch nach einem ruhenden Ball fällt, als nach einem Eckball ein Plauener ohne größere Störung den Ball vor das Tor spitzeln kann und dieser dort in größerem Durcheinander versenkt wird. Sollte nicht passieren, passiert aber eben manchmal.

Das 1:2 dann aber lässt sich nur durch Unaufmerksamkeit gepaart mit schlechter Abstimmung erklären. Beim eigenen(!) Einwurf 10 Meter Mitte der eigenen Hälfte ausgekontert zu werden, darf schlicht nicht passieren. Oder wie es Fabian Franke nach dem Spiel sinngemäß sagte: Wenn du solche Fehler machst, kassierst du auch in der Regionalliga Tore. Und der Fehler besteht darin, dass in der Mittelfeldzentrale komplett der Zugriff auf den nach Einwurf sofort verloren gegangenen Ball fehlt und dann anschließend Ernst und Judt beide den Schritt Richtung Ball machen, ohne eine Chance zu haben, den Pass zu verhindern und Ernst dann dem Pass und dem eigentlichen Gegenspieler Kai Zimmermann nur noch hinterhergucken kann. Dieses Gegentor ist in letzter Konsequenz ein halbes Eigentor, wie man es in der unabgestimmten Form schon lange nicht mehr gesehen hat.

Dass Plauen kurz danach fast das 3:1 erzielt hätte, hätte vielleicht nicht unbedingt den Spielanteilen als ganzem entsprochen, aber es wäre zumindest der speziellen Logik des Spiels gefolgt. Denn auch dieses Tor wäre eine direkte Folge individueller Fehler und Abstimmungsprobleme gewesen. Nach einer Mittelfeldtändelei spielt nämlich Ernst dem Gegner die Ball an der Mittellinie in die Füße und heftet noch eine Kontereinladung mit dran. Dass Ernst den Ball anschließend eigentlich schon fast wieder klärt, bevor er von einem Plauener im Liegen(!) in die Mitte gepasst wird, mag dann Pech sein. Dass dort Umut Kocin zuguckt, wie sein Gegenspieler einläuft und Fabian Franke nicht mehr schnell genug übernehmen kann, ist dann wiederum eine Frage der Abstimmung einer völlig neu zusammengeworfenen Abwehrkette.

Wenn man sich die vier krassen Tormöglichkeiten der Plauener, aus denen zwei Tore entstehen, noch mal anguckt, dann waren die Ausgangspunkte ein Abschlag des Gästekeepers, eine Ecke, ein eigener Einwurf und ein eklatanter Fehlpass an der Mittellinie in der Vorwärtsbewegung. Und wenn ich da etwas hinein interpretieren möchte, dann nur, dass weder Konzentration noch Feinabstimmung in diesen Situationen für die Regionalliga gereicht haben. Weswegen man eben auch nicht wie zuletzt in der Lage war, den Vorsprung mitzunehmen und über die Zeit zu retten.

Es ist nicht so, dass Plauen ein überragendes Spiel gemacht hat. Sie waren von Anfang an sehr gut eingestellt und wussten genau, was sie mit welchen Mitteln erreichen wollten. Eher tief am Strafraum stehen, mit einer Dreierkette in der Abwehr (zumindest in der zweiten Hälfte, in der ersten hatte ich darauf noch nicht geachtet) modern verteidigen und bei Ballgewinn mit viel Geschwindigkeit gen Tor spielen. Das klappte mit freundlicher Gegnerunterstützung zwei-, dreimal und das reichte an diesem Tag, um nicht zu verlieren.

Dass der VFC Plauen an diesem Tag nicht gewann, lag daran, dass die RasenBallsportler nach dem Rückstand zehn Minuten vor dem Schluss auf Dreierkette umschalteten und auf Inanspruchnahme von Brachialspiel und Glück setzten. Mit Kutschke und Franke hatte man am Ende zwei ganz große Türme in die vorderste Reihe geschoben und beide waren nach einem langen Kocin-Ball auch am Ausgleich in der Nachspielzeit beteiligt. Kutschke mit der Verlängerung per Kopf  und Franke mit dem Volley ins lange Eck und in den wohl einzigen unumschränkt glücklichen Moment des Spiels.

Es interessiert letztlich in einer Woche niemanden mehr, wie man zu diesem Punkt kam, aber es bliebt auffällig, wieviel Glück RB Leipzig in den letzten Spielen strapazieren musste, um zu Punkten zu kommen. In Meuselwitz kann man sich nicht beschweren, wenn der Schiedsrichter in den Schlussminuten einen Elfer gegen Coltorti pfeift und der eine Punkt auch noch flöten geht. In Berlin hätte man sich nicht beschweren dürfen, wenn der Schiedsrichter in der Schlussminute keinen Elfmeter für RB Leipzig gibt und man mit nur einem Punkt nach Hause fährt. Und gegen Plauen wäre eine Niederlage durchaus verdient gewesen. Ich weiß, hätte hätte, Fahradkette. Aber wenn es ohne Glück läuft, hätte man aus den letzten drei Partien statt fünf gerade mal einen Punkt mitgenommen. Ich denke, das sollte (auch angesichts nicht unbedingt überragender Gegner) ausreichen, um  eine Idee davon zu bekommen, dass gerade etwas nicht stimmt.

Fazit: Gegen Plauen in diesem Spiel noch einen Punkt mitzunehmen, war aus Sicht von RB Leipzig sehr glücklich. Zu unkonzentriert agierte man über mindestens 60 Minuten und zu viele individuelle und mannschaftliche Patzer pflasterten den Weg. Die psychologischen Aspekte mögen in der aktuellen Tabellensituation nicht dazu angetan sein, die absoluten Höchstleistungen abzuliefern, aber ein bisschen mehr an Routine und ein bisschen mehr an funktionierenden Abläufen und Automatismen sollte man jenseits zur von Zorniger angemahnten Bereitschaft, die notwendigen Laufwege zu nehmen, doch erwarten können. Gerade gegen Gegner wie Union II oder Plauen. Die Wochen der Wahrheit rücken näher und so langsam sollte sich gerade in Hinblick auf das sehr wichtige Spiel am 24.04. in Neugersdorf und die darauf folgenden ein wenig der Trend umkehren.

Randbemerkung 1: Alexander Zorniger war nach dem Spiel ziemlich angefressen. Das bekam stellvertretend Clemens Fandrich ab, den Zorniger nach 41 Minuten vom Platz nahm und sich in der Pressekonferenz dazu ziemlich in Rage redete und in deutlicher Wortwahl dessen fehlende Bereitschaft im Spiel anprangerte, um damit zu enden, dass er Fandrich für einen sehr guten Fußballer halte, aber er ihn auch zukünftig bei solchen Darbietungen vom Platz nehmen werde. Solange, bis Fandrich gelernt habe, was es heiße, ein Fußballer zu sein. Zorniger schränkte aber später immerhin ein, dass seine Kritik eigentlich der Einsatzbereitschaft aller Feldspieler gelte. Was insofern Sinn macht, als dass auch Dominik Kaiser beispielsweise einen gebrauchten Tag erwischte. Was erst recht für den für Fandrich eingewechselten Rockenbach galt, der 48 Minuten lang komplett neben den Schuhen zu stehen schien und letztlich gar keinen Einfluss auf das Spiel nahm. Während Fandrich sich immerhin einen Assist genehmigte.

Randbemerkung 2: Den Assist in Form eines recht gelungenen Passes in die Tiefe veredelte Matthias Morys zum 1:0, der bei einem auch dank Körpereinsatz gewonnenen Sprintduell und anschließendem Torwarttunnel zeigte, dass man auch einfach seine individuelle Klasse einsetzen kann, um einen Gegner wie Plauen zu besiegen. Für Morys war es das erste Tor im Dress von RB Leipzig, was insofern gut ist, dass dieses Thema (der ehemalige Torjäger von Großaspach immer noch ohne Tor) nun vom Tisch ist. Glückwunsch.

Randbemerkung 3: Dass Dominik Kaiser nicht sonderlich und wenn nicht unbedingt positiv in Erscheinung trat, liegt eventuell auch an der Besetzung des Mittelfelds. Denn auf der Sechs darf seit der Winterpause und seit der damaligen Verletzung von Dominik Kaiser Jeremy Karikari spielen. Um das klar zu stellen, ich mag Karikaris ruhige und nüchterne Art zu spielen und ich denke auch, dass er im aktuellen Spielsystem, in dem er oft alleiniger Abfangjäger im defensiv-zentralen Mittelfeld ist, sehr gut besetzt ist. Aber letztlich ist er eben doch kein Kaiser, was Spielübersicht und Ballsicherheit und somit Einfluss auf das Spiel in die Tiefe angeht. Das zusätzliche Problem ist, dass auch Kaiser kein Kaiser mehr ist, wenn er auf der halbrechten oder halblinken Position spielen muss, weil ihm dort die Qualitäten hinsichtlich Spielübersicht und Spiel in die Tiefe etwas verloren gehen. Sprich, man hat eigentlich, wenn Karikari und Kaiser zusammen spielen, gleich zwei nicht ganz perfekt besetzte Positionen im Mittelfeld. So leid mir das für Jeremy Karikari tut, aber eigentlich spricht aktuell vieles dafür, Kaiser auf die zentrale Sechs zu setzen und die zwei Positionen daneben mit Heidinger, Röttger, Fandrich, Schulz, Kammlott, Mory, Rockenbach oder auch Schinke zu besetzen. Ist ja nicht so, dass es da kein Angebot gäbe..

Randbemerkung 4: Daniel Frahn war nach dem Spiel der Meinung, dass ja klar sei, dass man nicht mehr fünf Tore im Spiel erzielen könne, weil die Gegner tief stehen würden und sich so keine Möglichkeiten ergeben würden. Mal zweierlei dazu gesagt. Erstens hat sich RB Leipzig noch in der Hinrunde auch gegen tief verteidigende Teams ausreichend Chancen erspielt, um mit normaler Chancenverwertung eine ausreichende Anzahl an Toren zu schießen. Und zweitens ist Fußball nun mal ein Ergebnisspiel. Und wenn man sich eventuell wegen der Gegebenheiten des Gegners auf dem Platz nicht so viele Chancen erarbeiten kann, dann muss man eben auch mal in der Lage sein, ein 1:0 zu verwalten und vielleicht durch einen späten Konter zum 2:0 zu veredeln. Auch so etwas hat man im Saisonverlauf schon recht überzeugend hingekriegt. Wenn man sich jedenfalls beschwert, dass man wegen dem Gegner nicht so spielen könne, wie man wolle, dann steht man am Ende der Saison eventuell da und guckt einem Chelsea der Regionalliga zu, wie die tief verteidigend aufsteigen. Oder anders gesagt, zu jeder Gegnertaktik braucht man auch einen Schlüssel. Und in diesem Punkt sei Daniel Frahn zugestimmt, letztlich ist es egal, ob man 5:0 oder 1:0 gewinnt, es geht einzig und allein darum zu gewinnen.

Randbemerkung 5: Einen Nachteil hat das Tor in der Nachspielzeit von Fabian Franke. Es wird nun weiter von der Ungeschlagen-Serie geredet und dass man diese gerettet habe. Das ist natürlich gleichermaßen schön und richtig, aber letztlich schießt man sich da auch auf etwas ein, für das es in dieser Saison nichts zu kaufen gibt. Und was auch ein wenig über die bisherige Rückrunde hinwegtäuscht. Mir ist diese Serie jedenfalls wurscht und ich finde sie kontraproduktiv, wenn sie immer dann als Argument herhalten muss, wenn man ein mieses Spiel doch nicht verloren hat. In diesem Sinne wäre es fast schon begrüßenswert gewesen, man hätte dieses Thema ein für allemal abhaken und sich den wirklich wichtigen Fußballdingen der Rückrunde widmen können. Aber wenn es so weitergeht wie in den letzten drei Spielen, wird es dann doch bald so weit sein.

Randbemerkung 6: Die Situation rund um die Pausengestaltung war hier ja schon desöfteren Thema. Eine Zeitlang versuchte man es wenigstens mit Interviews (in der Halbzeitpause genauso wie vor dem Spiel), was dann vor geraumer Zeit komplett eingestellt wurde. Inzwischen ist die einzige Halbzeitgestaltung das Einblenden von Toren auf der Anzeigetafel. Zudem bekommt man es weiterhin nicht hin, in der Halbzeitpause zwei, drei Minuten dem eigenen Verein zu widmen und kurz den Stand bei den wichtigsten Nachwuchsteams durchzugeben. Stattdessen war man sich in der Pause des Spiels gegen Plauen nicht zu blöd, sich aus der Menge der Nachwuchsspiele ausgerechnet das 17:0 der U16 herauszupicken. Eine Information, bei der es nicht mehr um Information, sondern um auf Lacher abzielenden Schwanzvergleich geht. Wenn man es nicht hinkriegt, gleichzeitig die (vorliegenden) Ergebnisse der anderen Teams (insbesondere U19 und U17 und bei Vorliegen U23) durchzusagen, kann man es besser auch gleich lassen.

Randbemerkung 7: Ein Lob mal wieder an den Sektor B, der sehr lautstark in das Spiel startete und nach dem Rückstand die negativ kippende Stimmung im Stadion mit Anfeuerung zurückkippte. Und damit vielleicht auch einen kleinen Anteil hatte am Ausgleich in letzter Sekunde. Zumindest darf man sich in Sektor B ein wenig als Gewinner des Tages feiern lassen.

Lichtblicke: Ach, lassen wir das im Zusammenhang mit diesem Spiel besser. (Wenn man mich mit der Pistole zwingen würde, jemanden zu nennen, dann wäre dies Fabian Franke, der defensiv doch einiges wegfischte.)

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Tore: 1:0 Morys (27.), 1:1 K. Zimmermann (56.), 1:2 M.-P. Zimmermann (69.), 2:2 Franke (90.)

Aufstellung: Coltorti – Judt, Hoheneder (42. Ernst), Franke, Kocin – Kaiser, Karikari, Röttger (71. Kutschke) – Fandrich (42. Rockenbach) – Morys, Frahn

Zuschauer: 5.269 (davon 50-100 Plauener)

Links: RBL-Bericht [broken Link], RBL-Liveticker [broken Link], RB-Fans-Bericht, MDR-Bericht [broken Link], VFC-Bericht [broken Link]

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Bild: © GEPA pictures/ Sven Sonntag

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2 Gedanken zu „Regionalliga: RB Leipzig vs. VFC Plauen 2:2“

  1. Danke für die Analyse.
    Wo ist die Selbstkritik vom Kapitän, bei einem Heimspiel keine 100% gebracht zu haben?
    Spiel ich nur für die Tabelle oder auch für die zahlenden Zuschauer?
    Möchte ich als Fußballer jedes Spiel gewinnen?
    Ist das ein Bauchgefühl oder liege ich falsch, dass der Zuschauerschnitt sinkt, trotz besserem Wetter?
    Ist Kritik bei soooo einem Vorsprung berechtigt?
    Unsere Jungs sollten sich daran gewöhnen, dass schöne Spielzüge und Kampf, auch bei vielleicht verlorenen Spiel ein positives Fanecho findet. Genauso wenn Nichtwollen und das Wetter-Gegner-Nichtreflektor-Syndrom vom gemeinem Fan entsprechend kommentiert wird.
    Auf nach Berlin! Aber Achtung, der Gegner könnte tief stehen! 🙂

  2. Danke für die passgenaue Analyse 🙂 Das sich der Trainer nach dem Spiel auch selbst hinterfragte, empfand ich als Einsicht im vielleicht richtigen Moment. Du hast sicher recht in dem du schreibst, dass es gut sei, jedem Spieler Praxis zu ermöglichen, dennoch wär mir persönlich zum jetzigen Zeitpunkt eine ausgewogene oder besser abgestimmte Stammelf lieber. Die Wochen der Wahrheit beginnen und ich hoffe das ein „hallo wach“ Effekt in der Manschaft Einzug hält und sich jeder Spieler sagt…..ich will niemehr in Plauen, Torgelow und erst recht nicht bei der zweiten von Union auf Kunstrasen antreten,…..NIEMEHR…… als Motivation genügen sollte.

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