Gegen den minimalistischen Trend?

Das schöne an englischen Wochen ist, dass man sich nicht übermäßig mit Fußballnebengeräuschen beschäftigen muss, sondern eng an dem bleiben kann, worum es im Kern ja auch geht. Nämlich um die 90 Minuten auf dem Platz. Zudem bietet sich die Chance, sich nicht allzu lange an irgendwelchen Unzufriedenheiten über welche Teilaspekte des jeweils vergangenen Spiels auch immer aufzuhalten, sondern frohen Mutes nach vorne zu blicken und sich auf das nächste Spiel zu freuen.

Das gilt auch für RB Leipzig nach dem insgesamt wenig beeindruckenden Ausflug mit Happy End zur U23 von Union Berlin. Denn mit dem Spiel gegen den VFC Plauen wartet bereits der nächste Test der Motivation und der Konzentrationsfähigkeit der RasenBallsportler in einem Spiel gegen ein robustes Team aus der unteren Tabellenhälfte. Typischer Regionalligafußball eben.

Dass der VFC Plauen ziemlich tief im Tabellenschlamassel steckt und als 11. das Feld der direkten Abstiegskandidaten (zumindest wenn am Ende der Saison wirklich zwei Teams absteigen) anführt und bei zwei Spielen mehr als die Konkurrenz noch lange nicht gesichert ist, konnte man vor der Saison nicht erwarten. Doch die Unruhe im Verein, die in der Hinrunde durch finanzielle Schwierigkeiten und mannschaftsinterne Streitereien entstand, kostete dem Verein einiges an sportlicher Stärke.

Eine zentrale Rolle spielte Coach Dirk Berger, der Anfang Januar den Verein wegen fehlender wirtschaftlicher Perspektive verließ. Denn zwischen Berger, Präsidium, Mannschaft und Ex-Coach Thomas Hoßmang knirschte es doch einige Male gewaltig. Man sollte aus der Entfernung mit Einschätzungen immer vorsichtig sein, aber aus der Ferne schien es, als wäre das konfrontative Auftreten Bergers bei gleichzeitig fehlendem sportlichen Erfolg zu einem nicht kleinen Teil für die Misere verantwortlich. Wie lange es sich das Präsidium angeguckt hat, dass es sich vom Trainer öffentlich sagen lassen musste, wie es zu arbeiten habe, hat mich jedenfalls erstaunt.

12 Punkte holte der VFC Plauen in der Hinrunde bei 12:18 Toren in 13 Spielen. Seit Beginn der Rückrunde bestritten die Vogtländer immerhin schon sechs Spiele (Spitzenreiter in dieser Kategorie ist RB Leipzig mit sieben Spielen) und waren in den letzten zwei Wochen dreimal im Einsatz. Was dafür spricht, dass sie im spielerischen Saft stehen. Die lediglich 5 Punkte aus diesen sechs Partien wirken überschaubar (zumal sich Glück und Pech die Waage hielten und man die Punkteausbeute als den Leistungen entsprechend bezeichnen könnte). Aber die Torausbeute spricht bei 12:12 Toren doch für deutlich verbesserte Offensivabläufe.

Dass man nach der Winterpause mit leicht verbesserten Leistungen bei ähnlicher Punkteausbeute auftritt, konnte man vor ein paar Wochen noch nicht unbedingt erwarten. Denn gleich sechs Abgänge, unter ihnen die zumindest guten Regionalliga-Akteure Kousal, Unversucht, Six und (Martin) Hoßmang ließen doch befürchten, dass es in Plauen weiter bergab gehen könnte.

Doch unter dem neuen Trainer Michael Hiemisch, der zuvor die zweite Mannschaft des Vereins betreut hatte, scheint man auch ohne namhafte Neuzugänge (mit Nolde, Schuster und Frisch kamen eher Ergänzungsspieler) wieder ein bisschen zu sich selbst und zu größerer Einigkeit im Team gefunden zu haben, sodass man ohne größere Träumereien von mittelfristigem Wachstum als des Vogtlands Nummer 1 hin zur dritten Liga am Tagesgeschäft arbeitet. Das wohl auch perspektivisch aus Regionalliga Nordost und dem Kampf mit dem VfB Auerbach um die Vorherrschaft im Vogtland bestehen wird. Das sind nicht die ganz großen Träume, aber wohl das was aktuell finanziell machbar ist.

Man darf sich also am Sonntag auf ein neu formiertes Team aus Plauen freuen, das sich dem schnellen, offensiven Ball verschrieben hat und relativ schnörkellos agiert. Ein Team allerdings, das bei zwei Gegentreffern pro Spiel auch noch ein Baustelle hat. Das Pflicht-3:0 gegen den überforderten Tabellenletzten aus Torgelow kurz vor Ostern sollte man dahingehend nicht allzu hoch hängen, da dies für die Greifen das erste(!) Spiel nach der Winterpause war. Schon aussagekräftiger das Spiel am Mittwoch bei Hertha BSC II, als man 2:3 verlor, stark kämpfte, aber auch viele Chancen zuließ.

Möchte man es aus der Ferne analysieren, dann scheint der VFC Plauen anfällig für Kombinationsfußball der schnelleren Sorte mit hohen Pressinganteilen. Was ja egentlich wie gemalt wäre für RB Leipzig, zumindest wenn man deren spielerisches Selbstverständnis an dem sie arbeiten als Maßstab heranzieht. Und nimmt man noch die den Zahlen nach wenig anfällige RB-Defensive (zwei Gegentore in sieben Rückrundenspielen), dann kann ja fast nichts schief gehen.

Aber so einfach ist es im Fußball meist nicht. Das hat RB Leipzig bereits im Hinspiel erfahren, als man sich mit einem schwer erkämpften und verdienten 1:1 bei einem Gegner, der sich in jenen Tagen schon fast nur mit internen Streits beschäftigte, begnügen musste. Und auch das Spiel Anfang November 2011 ist dem einen oder anderen sicher noch in (negativer) Erinnerung, als RB Leipzig gegen chancenlose Gäste nach der Halbzeit fünf Minuten lang pennte, ein Gegentor kassierte und sich zum Schluss wegen fehlender Konsequenz vor dem Tor auch mit einem Punkt begnügen musste. Aber diese Blicke in die Vergangenheit sind natürlich immer auch ein bisschen relativ, denn weder der VFC Plauen noch RB Leipzig haben noch viel mit den Teams aus dem Herbst 2011 gemein.

Trotzdem spielt die Vergangenheit im nun schon sechsten Duell der beiden Mannschaften immer auch eine kleine Rolle, denn sowohl ein (übertriebener) Security-Einsatz gegen die VFC-Fans in der Red-Bull-Arena, als auch der wenig RB-freundliche VFC-Präsident Wilfried Hub haben die Atmosphäre zwischen den Vereinen nachhaltig geprägt. Sodass schon im Hinspiel die Atmosphäre ziemlich giftig war und dies wohl auch im Rückspiel am Sonntag in abgeschwächter Form so sein dürfte.

Auf Seiten von RB Leipzig stellt sich am Sonntag wieder einmal die Frage, wie man denn personell und taktisch auflaufen wird und inwiefern man sich einmal aus den Fesseln der zuletzt gezeigten spielerischen Glanzlosigkeit befreien kann.

Personell ist es dabei eher ein großes Rätselraten als verlässliche Analyse. Denn mit Müller, Kaiser und Sebastian fehlten zuletzt gleich drei Spieler, die bei völliger Gesundheit wohl in der Startelf stehen würden. Da man aktuell nicht weiß, ob sie einsatzfähig sind, weiß man eigentlich auch nichts über die Startelf. Zumal man jenseits dessen auch immer mal mit ein, zwei Wechseln auf anderen Positionen rechnen könnte.

Für mich jedenfalls wäre Carsten Kammlott ein ganz heißer Kandidat, um einer nicht ganz sattelfesten Plauener Abwehr mit technischen Mitteln einzuheizen. Wofür dann Kutschke als Variante für die Luft hinten runter fallen würde. Und auch Matthias Morys ist in so einem Spiel sicherlich nicht einsatzschancenlos. Und im Mittelfeld scharren auch die Herren Heidinger und Röttger mit den Hufen. Letztlich gibt es wohl bis auf Coltorti, Hoheneder, Frahn und vielleicht Franke angesicht der unklaren Ausfallsituation keine Sicherheiten. Weswegen ich mir ein Aufstellungsraten an dieser Stelle spare.

In Bezug auf die Taktik würde ich einen Rückgriff auf ein 4-3-1-2 erwarten, denn dass der VFC Plauen sehr hoch agiert und dehalb viele Räume für schnelle Flügelspieler im 4-4-2 im Rücken der Abwehr bietet, ist nicht zu erwarten (da kann ich mich aber auch täuschen, da sollte man den Augenschein abwarten). Weswegen Präsenz im zentralen Mittelfeld für das Spiel mit dem Ball doch nicht ganz unwichtig ist. Ob das Spiel mit dem Ball dann tatsächlich auch funktioniert, ist dann eine dieser offenen Fragen, die aus den Rückrundenauftritten von RB Leipzig resultiert.

Angesicht der 9:3 Tore, die RB Leipzig in den letzten neun Spielen erzielte und damit fast schon phänomenale 21 Punkte ergatterte, wird man kein Fußballfestival erwarten können. Angesichts der Stärken und Schwächen des Gegners, in dessen Spielen in der Rückrunde immer mindestens drei Tore fielen (bei RB-Beteiligung fiel pro Spiel nur reichlich ein Tor) und des generell besseren Auftretens der RasenBallsportler auf dem großen, gut gepflegten Rasen in der Red Bull Arena könnte ja aber dann doch bei prognostizierten Temperaturen von immerhin 7 Grad ein Spiel gegen den minimalistischen Trend stattfinden.

Fazit: Das Spiel gegen den VFC Plauen dürfte aufgrund der Neuformierung der Gäste ganz interessant werden. Und auch auf RB-Seite bleibt es von Interesse, wie man sich nach den Partien in Meuselwitz und Berlin auf ungeliebten Böden mit Unterstützung des eigenen Rasenteppichs präsentiert und ob man einen weiteren Schritt im Spiel auf den letzten 20 Metern vor des Gegners Tor macht. Der VFC Plauen ist dabei sicherlich kein Übergegner, aber auch einer, der sich mit seiner Mischung aus Kampf und schnörkellosem Konterspiel als sehr unangenehm erweisen kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass das dann letztlich für einen Punkt reicht, sollte aber trotzdem im Normalfall gering sein.

(In eigener Sache: Aufgrund nicht überwindbarer geographischer Differenzen zwischen mir und dem Verein gibt es heute keinen Liveticker von der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den VFC. Ich verweise an dieser Stelle auf die offiziellen Vereinskanäle, zu denen sich der geneigte Leser und die geneigte Leserin sicherlich selbst finden.)

(Wer das Spiel von RB Leipzig gegen den VFC Plauen nicht vor Ort verfolgen kann und trotzdem dabei sein will, nutze am 07.04.2013, ab 13.30 Uhr die üblichen Kanäle, also Liveticker [broken Link] und Fanradio.)

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Bisherige Spiele RB Leipzig gegen den VFC Plauen

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