Regionalliga: RB Leipzig vs. Berliner AK 1:0

Langsam werden die 1:0-Siege in der heimischen Red Bull Arena für RB Leipzig schon zum Standard. Schon zum dritten Mal im vierten Versuch schickte man den Gast, in diesem Fall den Berliner AK, mit dem minimalistischsten aller gewinnbringenden Ergebnisse wieder nach Hause. Und auch im vierten Heimspiel der Hinrunde wurde es ein Sieg mit nur einem Tor Unterschied. Mit 5:1 Toren sammelte man optimale 12 Punkte ein. In Sachen ergebnisbezogener Effektivität kann man den RasenBallsportlern jedenfalls keinerlei Vorwurf machen.

Man konnte vor dem Spiel gegen den Berliner AK ahnen, dass diese Aufgabe für RB Leipzig kein Spaziergang werden würde. Nur acht Gegentore hatten die Gäste zuvor in 16 Spielen kassiert und waren dabei nur einmal und in Spielen gegen die ersten 4 der Tabelle noch gar nicht mit einer Niederlage vom Platz gegangen. Eine taktisch prima geschulte Mannschaft erwartete man deshalb zum Spitzenspiel 1 gegen 5 im bitterkalten, aber in der Sonne der Red Bull Arena angenehmen Leipzig. Und genau diese Mannschaft bekam man auch zu sehen.

Dabei lief es in der ersten Halbzeit lange für RB Leipzig. Mit viel Energie bespielte man den Gast und erarbeitete sich in der Anfangsphase einige sehr gute Möglichkeiten. Frahn und Franke scheiterten mit Kopfbällen noch am stark reagierenden Gästekeeper Kisiel. Kaiser zielte dazu knapp neben das Tor. Es war nur eine Frage der Zeit, bis das 1:0 fallen sollte. Sorge dafür trug letztlich Clemens Fandrich mit seinem ersten Tor in seinem ersten Spiel für RB Leipzig von Beginn an. An der Strafraumgrenze noch bedrängt, aber nicht entscheidend gestört, bugsierte er den Ball auf phänomenale Art in den rechten Winkel. Nach dem Spiel sprach er davon, dass er nur noch habe den Fuß „ranhalten“ müssen. Wenn jeder in der Lage wäre, seinen Fuß mal eben so ranzuhalten wie Clemens Fandrich, dann wäre Fußball eine reine Zaubershow..

A new Torschütze is born - Der Mann des Spiels Clemens Fandrich jubelt zusammen mit Tim Lobinger über das 1:0 gegen den BAK | © GEPA Pictures - Roger Petzsche

Gestartet war RB Leipzig überraschend und seit dem Startspiel gegen Union Berlin II erstmalig im 4-4-2 mit zwei Sechsern und zwei klassischen Flügelspielern. Das spülte den etatmäßigen Zehner Thiago Rockenbach dahin, wo er zu RB-Zeiten in einem Regionalliga-Spiel bei Anpfiff noch nie saß, nämlich auf die Bank. Wo er auch bis zum Ende bleiben sollte (wenn man mal vom obligatorischen Aufwärmen absieht). Nachdem Rockenbach bisher eher als unersetzlich galt, darf man dies durchaus als kleines Ausrufezeichen empfinden. Ob dies noch die Nachwehen der letztwöchigen Uneinigkeit in Taktikfragen zwischen Rockenbach und Zorniger gewesen sind, wird die Zukunft zeigen. Da Alexander Zorniger dem 4-4-2 mit zwei flachen Sechsern bekanntermaßen sehr positiv gegenübersteht, könnte es auch sein, dass hier eine Systemumstellung einfach ein prominentes Opfer fordert.

Auf den Flügelpositionen liefen der bereits erwähnte Clemens Fandrich (auf rechts) und Carsten Kammlott (auf links) auf. Letzterer ‚verdrängte‘ dort Matthias Morys, den man eventuell eher auf dieser Position hätte erwarten können, da er auch zuletzt bereits auf der linken Seite in der Raute light eingesetzt wurde, in den Sturm. Zumindest kann man im Nachhinein feststellen, dass Carsten Kammlott auf links bei weitem nicht in derselben Art im Spiel war, wie er das zuletzt im Sturm gezeigt hatte. Alles in allem wirkte die Besetzung jedenfalls nicht zukunftsfähig und der vergleichsweise frühe Tausch gegen Röttger (der auf rechts ging und Fandrich dafür nach links wechselte) war durchaus folgerichtig.

Insgesamt funktionierte das Spiel von RB Leipzig im 4-4-2 in der ersten Halbzeit sehr gut. Man kann sich trefflich streiten, ob dies nun am System lag oder nicht, aber gerade das Arbeiten gegen den Ball machte einen mehr als passablen Eindruck, sodass die von Anbeginn sehr ballsicheren Gäste trotzdem kaum ins Spiel und schon gar nicht den Weg vors RB-Tor fanden. Wenn man denn mal kribblige Situationen zu überstehen hatte, dann weil man selbst durch zwei, drei Fehlpässe und Stellungsfehler dafür sorgte. Ansonsten hielt man sich die Gäste gut vom Tor weg und kreierte Richtung BAK-Tor alles in allem ausreichend Gefahr.

Dass dies spätestens mit dem Pausenpfiff wie weggeblasen war, kann man eigentlich gar nicht erklären. Denn in den zweiten 45 Minuten bekam RB Leipzig bis auf ein paar Minuten vor dem Schlusspfiff, als man diverse Konterräume bespielen konnte, keinen Fuß mehr auf den Boden. Die Präsenz der ersten Hälfte im Spiel gegen den Ball ging nun komplett verloren. Bis zum RB-Strafraum konnte der Berliner AK teilweise nach Belieben schalten und walten. Dass in diesen Situationen gerade die Außenverteidiger sehr schlecht aussehen, weil ihnen permanent die Bälle und Gegenspieler entgegenfliegen, ist da nur naheliegend.

Alexander Zorniger zeigte sich nach dem Spiel über diesen Fakt dann auch extrem angesäuert und zürnte darüber, dass man viel zu tief verteidigt habe und die Abwehrviererkette anstatt nach vorne zu schieben auch noch die Sechser mit nach hinten gezogen habe. Wodurch sich der Vorteil eines 4-4-2, nämlich ein sehr kompaktes Spielsystem zu sein, in dem es kaum Räume gibt, komplett verlor, denn gerade zwischen Stürmern und Sechsern war sehr viel Raum für Spielereien aller Art. Sinnvolle Ballgewinne (sinnvoll im Sinne einer aussichtsreichen Feldposition) waren auf diese Art jedenfalls nur schwerlich möglich. Denn wenn man einmal tief in der eigenen Hälfte den Ball holte, stand man einem hoch verteidigenden Gegner gegenüber und musste nun die Distanz zu den Stürmern mit langen, teils planlosen Bällen überbrücken. Was in Ungenauigkeit und immer wieder verlorenen Bällen endete.

Dazu kam, dass von den beiden Sechsern in der zweiten Halbzeit im Spiel mit dem Ball kaum noch etwas konstruktives kam. Diverse einfache Bälle von Jeremy Karikari und zeitweise auch Dominik Kaiser, die einfach in den Beinen des Gegners landeten. Bezeichnend ein Karikari-Querpass über 10 Meter an der Mittellinie genau in die Füße des Gegners. Aber man sollte auch nicht unfair sein gegenüber einzelnen Spielern, denn in Sachen Passgenauigkeit war die zweite Halbzeit von praktisch allen Beteiligten (außer vielleicht dem sehr engagierten Einwechsler Timo Röttger) ziemlich mau. Gelegentlich hatte man das Gefühl, dass man manchmal gar nicht um die Laufwege des anderen wissen würde und jeder Pass ein Experiment ist, genau diese zu entdecken.

Dass der Berliner AK letztlich trotzdem mit leeren Händen nach Hause fuhr, ist eigentlich nur schwerlich zu glauben, denn insgesamt drei, vier Hochkaräter vor dem Tor von Fabio Coltorti müssen genaugenommen schon vor der 80. Minute locker zum Ausgleich reichen. Aber in der letzten Aktion vor dem Tor fehlte ihnen die Abgezocktheit oder war immer noch ein RB-Abwehrbein dazwischen. Man konnte jedenfalls ahnen, warum der BAK in nun 17 Spielen erst 14 Treffer erzielen konnte. Bis zum Strafraum war es top, in den Strafraum hinein in der zweiten Halbzeit mindestens gut, aber was danach kam, war nicht ausreichend.

Diesem letzten Umstand verdankte RB Leipzig den letztlich glücklich wirkenden Sieg. Wobei das mit dem glücklich so eine Sache ist, denn Fußballspiele entscheiden sich nun mal durch Tore. Und wenn eines der beiden Teams im Tore schießen sehr schwach ist, dann ist die Siegwahrscheinlichkeit für dieses Team eben gering. In diesem Sinne war das Spiel des Berliner AK zwar taktisch und spielerisch durchgehend sehr ansehnlich und in der zweiten Hälfte auch gefährlich, aber in der letzten Konsequenz eben auch brotlos. Und dann muss man eventuell über Glück oder nicht Glück nicht reden. Bzw. formulieren, dass das Glück darin bestand, dass man auf einen ineffizienten Gegner traf. Was aber ein seltsamer Glücksbegriff wäre, denn dann hätten die Bayern auch nur Glück, dass ihre Gegner schwächer sind. Was natürlich Unsinn ist. Letztlich hat der BAK eine Schwäche und das ist das Toreschießen. Und genau deswegen waren sie bei RB Leipzig das eine Tor schlechter, weil sie in einem bestimmten Aspekt des Fußballs deutlich schlechter waren als ihr Gegner.

Man sollte nach so einem Spiel nicht den Fehler machen, alles schlecht zu reden, denn in den ersten 30 Minuten zeigte RB Leipzig viel von dem, was sie gerne zeigen wollen. Und genau diese 30 Minuten gilt es festzuhalten und sich anhand dieser zu verdeutlichen, wie man erfolgreich und zielführend und durchaus auch attraktiv Fußball spielen kann. Die ersten 30 Minuten haben gezeigt, dass die RasenBallsportler das Grundprinzip, das sie spielen wollen, schon beherrschen. Nun gilt es daran zu arbeiten, dass man nicht innerhalb eines Spiels, wenn der Gegner auch mal Druck macht, von seiner Linie abweicht, sondern sein Spielprinzip weiter durchzudrücken sucht. Die zweiten 45 Minuten gestern mögen in dieser Richtung ziemlich enttäuschend gewesen sein, aber die erste Hälfte hat auch gezeigt, dass die Richtung des Teams stimmt.

Alexander Zorniger meinte – in der angefressenen Stimmung, in der er sich ob der zweiten Hälfte präsentierte – sinngemäß, dass die Tabelle zwar wichtig sei, aber der Maßstab für die eigene Arbeit und die Mannschaft ein anderer sei. Sprich, die Bewertung der Leistung nicht ausschließlich aus 18 (trügerischen, weil mit drei Spielen mehr erkämpften) Punkten Vorsprung auf Jena resultiert, sondern aus dem, was man auf dem Platz sehen kann. Womit er absolut recht hat, denn man entwickelt sich letztlich nur weiter, wenn man auf seinen eigenen Ansprüchen beharrt. Aber genau in diesem Sinne muss man über das 1:0 gegen den Berliner AK nicht extrem unglücklich sein, denn man kann auch das positive Fundament mitnehmen, dass man (wie die ersten 30 Minuten gezeigt haben) in der Lage ist, die eigenen Ansprüche zu erfüllen. Und trotzdem ist es natürlich richtig, dass man über den Rest reden muss.

Fazit: Ein Spiel mit zwei Gesichtern. Ein sehr hübsches, ansehnliches in der ersten Hälfte. Ein taktisch und spielerisch etwas erschreckendes in der zweiten. Weswegen das Grundgefühl nach diesem Spiel eventuell etwas negativ ausfällt, aber wenn man sich die gesamten 90 Minuten zurück ins Gedächtnis holt und die gewonnenen drei Punkte gegen einen taktisch und spielerisch von Coach Jens Härtel sehr gut formierten Berliner AK (gegen den bisher weder Jena noch Zwickau oder Magdeburg gewinnen konnten) sieht, dann sollte man mit der Partie auch nicht unzufrieden sein.

Randbemerkung 1: Es ist inzwischen ja ein bisschen Usus geworden, Spiele immer im Hinblick auf eine mögliche Relegation zu analysieren. Immer (so auch in der Pressekonferenz nach dem Spiel) wird abgeklopft, ob etwas schon relegationsreif sei oder ob man im Hinblick auf die Relegation so ein Spiel nicht mal verlieren sollte, damit klar ist, wohin nachlassende Einhaltung des Spielsystems oder sinkende Konzentration führen können. Ich persönlich finde, dass man ein wenig zu viel in einer Art redet, als wäre man schon in der Relegation. Es geht hier und jetzt aber erst einmal um das Erreichen dieser. Und jeder Sieg ist ein wichtiger und richtiger Schritt in diese Richtung. Weswegen es mir aktuell und immerhin noch 11 Spiele vor dem Saisonende (plus mindestens ein Sachsenpokal-Spiel) eher egal ist, ob man so schon in irgendwelchen Spielen bestehen könnte, die man noch nicht mal erreicht hat. Mit der Leistung der zweiten 45 Minuten wird man gegen jeden Gegner der Regionalliga Probleme bekommen. Und wenn man in den nächsten Wochen gegen jeden Gegner der Regionalliga Probleme bekommt, dann ist das bereits für das Ziel Relegation ein Problem. Man muss weiter spielerisch und spieltaktisch Schritte machen und die nötigen Punkte mitnehmen. Und ob das heute schon tauglich ist, um übermorgen irgendwelche Spiele gegen wen auch immer bestreiten zu können, ist alles in allem völlig irrelevant und kann gerne dann zum großen Thema werden, wenn man sich diese Spiele erkämpft hat.

Randbemerkung 2: Was für eine eisige Kälte gestern in der Stadt Leipzig. Wer einmal ein paar Minuten lang in einer zugigen Ecke im Eiswind stand, wird sich daran wohl noch ein paar Tage erinnern. Dass trotz dieser Kälte mehr als 7.500 Zuschauer die ausgeteilten Freikarten nutzten (bzw. 6.000, denn mehr als 1.500 sind ja eh Dauerkartenbesitzer), fand ich doch erstaunlich und hätte ich so nicht erwartet. Und dass trotz der vielen Freikarten Sektor B sehr gut besetzt war (bisher zogen Freikarten die Zuschauer aus diesem billigen Sektor ja eher auf die Haupttribüne) und insgesamt zumindest eine akzeptable Stimmung im weiten Rund herrschte, konnte man so vielleicht auch nicht erwarten. War insgesamt – bei in der Sonne letztlich sogar passablen Außentemperaturen – eine gute Kulisse.

Randbemerkung 3: Ich hatte ja oben bereits erwähnt, dass man bei Carsten Kammlott ein wenig das Gefühl hatte, dass er nie so richtig im Spiel war. Kaum mal, dass er sich gelungen in Szene setzen konnte. In der Winterpause zeigte er in den Testspielen im Sturm seine Qualitäten und traf auch das Tor. Was ihn nach der Winterpause in die Startelf neben Daniel Frahn spülte. Wo er gegen Neustrelitz dann gleich mal das goldene Tor erzielte. Abgesehen vom Schneespiel in Halberstadt durfte er noch zwei weitere Mal als Stürmer auflaufen. Im letzten Spiel gegen Auerbach alles in allem bemüht, aber auch glücklos. Nun landete er auf der Außenbahn und fiel fast völlig aus dem Spiel heraus. Es wirkt ein wenig wie in der Hinrunde, als Kammlott im Sturm ein paar sehr gute Ansätze zeigte und nach Einsätzen auf den Außenpositionen relativ schnell wieder aus dem Fokus rutschte. Unter Oral und Pacult noch hatte man von Kammlott auf rechts außen sehr gute Spiele gesehen (gegen Halberstadt drehte er von dort einmal ein Spiel fast im Alleingang), aber im 4-3-1-2 war die Außenposition von ihrem Aufgabenbereich her nicht seins und im 4-4-2 (also genaugenommen im 4-2-2-2) bekam er gestern kein Tempo und keine Durchschlagskraft in seine Dribblings. Warum auch immer. Denn eigentlich ist er als Spielertyp für den Flügelspieler im 4-4-2 mit Doppelsechs ein Stückweit prädistiniert. Aber auf den Platz brachte er das nicht. Bleibt zu hoffen, dass das nicht bedeutet, dass Kammlott leistungstechnisch nun wieder aus beiden Positionen herausfällt. Denn eigentlich schien er in den letzten Wochen auf einem guten Weg, doch noch seine Rolle bei RB Leipzig zu finden.

Randbemerkung 4: Der in diesen Sachen im hohen Prozentzahlbereich sehr gut informierte Guido Schäfer formuliert heute in der LVZ nicht mehr vorsichtig, sondern gesichert, dass BAK-Coach Jens Härtel in der nächsten Saison bei RB Leipzig unter Vertrag stehen und die U23 oder die U19 betreuen wird. Wenn man gesehen hat, wie gut der Berliner AK taktisch und spielerisch (bei sicherlich nicht extremer individueller Klasse) aufgetreten ist, dann kann man sich diese Verpflichtung nur wünschen. Und wenn man die Vertraulichkeit beobachtet hat, mit der Alexander Zorniger und Jens Härtel nach dem Spiel die Köpfe zusammensteckten und im RB-Kabinengang verschwanden, kann man zumindest davon ausgehen, dass auf dieser Ebene der Trainerzusammenarbeit sicherlich relativ viel passen würde. Abwarten, aber Jens Härtel wäre sicherlich ein Gewinn für RB Leipzig.

Randbemerkung 5: Meuselwitz. Ich sage nur Meuselwitz. Das ist der nächste Stopp und der RasenBallsport-Mythologie zufolge auch ein wenig der Beginn stimmungsvoller Auswärtsfahrten. Denn vor eineinhalb Jahren fanden sich an einem schönen Herbsttag je nach Schätzung 600 bis 800 Leipziger, so viele jedenfalls wie nie zuvor bei einer Auswärtsbegegnung, im thüringischen ein und feierten sich selbst, die Sonne und einen verdienten 3:1-Auswärtssieg (Tim Sebastian spielte damals übrigens Rechtsverteidiger…). Am Ostersonntag könnte – wenn die positiveren der Prognosen eintreffen – die Sonne wieder erbarmungslos ihr Antlitz zeigen und den Familienosterspaziergänger den nicht weiten Weg nach Meuselwitz finden lassen. Der durchschnittliche Leipziger neigt ja dazu, bei der ersten Frühlingssonne alles außerhalb der eigenen vier Wände zu bevölkern, was nicht niet- und nagelfest ist. Wenn es denn so kommt mit der Frühlingssonne, könnte es eng werden im Meuselwitzer Gästeblock, bei der wohl angenehmsten Auswärtsfahrt des Jahres..

Lichtblicke: Fällt mir nach diesem Spiel zugegebenermaßen schwer. Timo Röttger spielte nach seiner Einwechslung mit viel Einsatz und fand auch den einen oder anderen guten Pass, stand aber nicht lang genug auf dem Platz, um final beurteilt werden zu können. Clemens Fandrich zeigte wie beim Tor einige Male seine feine Technik, braucht aber auch sicher noch ein paar Spiele, um sich in Position und Mannschaft einzufinden. Matthias Morys war in vielen Sachen wie der Balleroberung sehr fein, aber die letzten Pässe und die teilweise an der Außenbahn vertändelten Bälle schmälerten den Gesamteindruck enorm. Fabio Coltorti teilweise cool, teilweise auch nicht ganz sicher in seinen Entscheidungen. Die Viererabwehrkette und die Sechser im Spielaufbau mit vielen Fehlern. Aber einen möchte ich doch nennen:

  • Daniel Frahn: Es war sicherlich keine Übervorstellung des Kapitäns, aber im Gegensatz zu den vergangenen Spielen, in denen die Partien manchmal auch an ihm vorbeizulaufen schienen, war er diesmal wesentlich präsenter. Was auch der Tatsache geschuldet war, dass mit der Abwesenheit eines Zehners mehr Platz hinter den Spitzen war und er sich viele Bälle dort holte. Als besonders gut empfand ich, dass es ihm dabei gegen den Berliner AK vor allem in der ersten Hälfte auch gelang, viele Bälle zu sichern. Das hatte man doch zuletzt ein wenig vermisst.
    Nachteil der gewonnen Freiheiten hinter den Spitzen ist, dass Frahn dadurch gelegentlich die Präsenz dort fehlt, wo er eigentlich am stärksten ist, nämlich im Sturmzentrum und im direkten Torabschluss. In der zweiten Halbzeit strich ein Ball durch den Strafraum, der ein prototypischer Frahn-Ball war. Aber der stand zu dem Zeitpunkt an der Strafraumkante und im Gegensatz zu anderen Spielern weit vom Ball entfernt. Da gilt es sicherlich noch die Balance und Feinabstimmung zu finden, wenn denn das System ohne Zehner weiterhin aktuell bleiben sollte. Aber alles in allem war die Leistung von Daniel Frahn eine engagierte, gute, zeitweise auch torgefährliche und sehr mannschaftsdienliche. Weswegen er gegen den Berliner AK ein Stück aus der Mannschaft herausragte.
    Bemerkenswert auch, wie Daniel Frahn sich seit seiner Ernennung zum Kapitän noch unter Pacult entwickelt hat. Er ist inzwischen nicht nur als Stürmer eine Bank und dadurch der Kopf der Mannschaft, sondern hat sich auch in Sachen Spielverständnis zu einem absoluten Teamleader und verlängertem Arm des Trainers entwickelt. Vielleicht täusche ich mich, aber so treffende, punktgenaue Analysen direkt nach Spielende wie zuletzt und auch gestern nach dem BAK-Spiel hätte ich ihm noch vor einem halben oder gar einem ganzen Jahr nicht zugetraut. Generell hat Daniel Frahn in seinem ganzen, reifer gewordenen Auftreten praktisch nichts mehr mit dem Daniel Frahn zu tun, der vor eineinhalb Jahren plötzlich die Binde am Arm hatte. Was absolut positiv gemeint ist.
    Als kleine negative Randbemerkung sei vermerkt, dass Daniel Frahns (Un-)Art, bei Kopfballduellen fast immer die Arme und Ellenbogen mit auf Kopfhöhe zu haben, ein kleiner Makel ist. Den er abstellen muss, weil er da schon jetzt viele Duelle abgepfiffen bekommt und das in möglichen höheren Ligen vermutlich eher rigoroser gepfiffen wird als in der Regionalliga. Nicht zuletzt sind Ellenbogen – absichtlich oder auch nicht – in dieser Höhe eine permanente Verletzungsgefahr für den Gegner.

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Tor: 1:0 Fandrich (22.)

Aufstellung: Coltorti – Koronkiewicz (62. Judt), Hoheneder, Sebastian, Franke – Fandrich (81. Kutschke), Kaiser, Karikari, Kammlott (57. Röttger) – Morys, Frahn

Zuschauer: 7.583 (davon 20 Gästefans)

Links: RBL-Bericht [broken Link], RBL-Liveticker [broken Link], MDR-Bericht [broken Link], RB-Fans-Bericht, BAK-Bericht [broken Link]

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

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10 Gedanken zu „Regionalliga: RB Leipzig vs. Berliner AK 1:0“

  1. Mit dem Zuviel an taktischen Überlegungen ( s.u.a. Pressekonferenz ) und den daraus resultierenden taktischen Zwängen für die Spieler kommen der Mannschaft Spielfreude und Leichtigkeit abhanden. Die aktuelle Leistungskurve zeigt nach unten. Vielleicht schafft weniger Verbissenheit ins systemische Denken und das Überlassen kreativer Freiräume für die Spieler den von allen erhofften Leistungs-sprung ??

  2. Die Relegation wird es zeigen, ob des Trainers Spielkonzept aufgeht. Der ständige Trainerwechsel tut keinem Fußballer gut. Vielleicht kommt noch die angestrebte nach oben zeigende Leistungskurve über mehr als 50 Minuten. Zur Zeit hat unser Verein das Glück auf seiner Seite und das Unvermögen der anderen Vereine.
    Es bleibt spannend.

  3. Die zweite Halbzeit war absolut unterirdisch. Der Anreiz für „Freikartenzuschauer“ wiederzukommen geht gegen Null…

  4. @Schaxel Sehe ich ganz und gar nicht so. Das BAK-Spiel hat gezeigt, dass das Spiel erst dann in die falsche Richtung kippte, als RB die taktische Disziplin der ersten halben Stunde verloren hatte. Von daher geht es gerade darum, auf der Basis dieser ersten 30 Minuten die Taktik weiter zu verinnerlichen.

    @Felix Finde ich nicht wirklich ein wichtiges Kriterium. Wenn man sich von 45 schlechten Minuten abschrecken lässt, dann ist man selber schuld. Fußball ist halt so, dass es in einer Saison eine kleine Handvoll sehr guter, ein paar gute und aber auch einige durchschnittliche oder schlechte Spiele gibt. Auch bei den Bayern oder beim BVB. Das ist der natürliche Lauf der Dinge. Und wer sich von den Freikartenzuschauern ein bisschen für den Fußball interessiert, weiß das auch.

  5. Zum Thema „gut gefüllter B-Sektor“: Die Freikarten wurden kurz vor dem Spiel bewusst nur für B vergeben. War aber auch mal ein interessanter Blickwinkel.

  6. Grundsätzlich fand ich die Freikartenaktion sehr gut. Jedoch hatte es speziell für mich einen großen Nachteil. Hinter mir saß ein Hobbytrainer, welcher jeden Fehlpaß kommentierte.
    Das 4-4-2 System fand ich die ersten 30 Minuten richtig gelungen. Mit viel Zug zum Tor. Jedoch muß man sagen, hat die Mannschaft sofort nach dem Tor die Disziplin verloren. Frei nach dem Motto: Aufgabe erfüllt. Daß BAK sich nicht von einem Gegentor beeindrucken ließ, hat unsere Jungs dermaßen überrascht. So hatten wir selber wieder andauernd zu tun, unsere Ruhe wieder zu finden.
    Mir persönlich hat gefallen, mal eine Mannschaft zu sehen, welche das gleiche taktische Mittel „Gegenpressing“ spielt. Da waren wir nicht gefaßt. Bisher spielten wir nur gegen Abwehrreihen. Taktisch war ein sehr interessantes Spiel, aus deren Videoanalyse sicher einiges rauszuholen ist.
    Fandrich ist am Ball eine gesunde Konkurrenz für Rockenbach.

    1. Zu Trainerweisheiten:
      Neben mir saß Petrick Sander. Auch die ganze zweite Halbzeit am kommentieren.
      „So steigen die nie auf. Betteln um ein Tor. Müssen auch schon auf Zeit spielen, so ein Armutszeugnis. Der nächste Duselsieg für die …“
      Naja zum Glück ging sein Tip: Gegentor in der 89. Min daneben.

      Ich denke, die Schwierigkeiten lagen u.a. an folgenden zwei Punkten:
      1. Wetter und Platz. Die stechend kalte Luft permanent im Training und im Spiel ist sicher keine Freude.

      2. Konkurrenzkampf. Das war aus meiner Sicht schon das Problem im letzten Jahr.
      Zorniger hat es auf der PK gesagt: „… manch einer hat Dinge versucht, die er nicht kann …. um sich anzubieten.“ Ich denke, es bräuchte etwas mehr Gelassenheit. Beispiel Röttger. Wenn der bei Einwechslungen nicht so übermotiviert wäre, ala ich zeig’s euch schon, würde bestimmt mehr rauskommen.

    2. Ist Petrik Sander nur ein Synonym für schimpfende Tribünengucker. Oder meinst du tatsächlich den echten Petrik Sander?

      Keine Ahnung, ob es der Konkurrenzkampf ist, der da solche Blüten treibt. Letztlich wären Egofilme ja aber kontraproduktiv, weil man dann schnell wieder auf der Bank landet, anstatt positiv im Gedächtnis zu bleiben. Und bei Timo Röttger sehe ich das etwas anders. Er war eigentlich an allen gefährlichen Situationen nach seiner Einwechslung beteiligt. Mit teilweise geringer Egozentrik, sondern hübschen uneigennützigen Pässen (spontan fällt mir der herrlich öffnende Pass auf Kutschke auf dem rechten Flügel bei irgendeinem Konter ein).

  7. Der Echte. Ich glaube mit dem President an seiner Seite.
    War auch nicht schimpfend, eher in manchen Passagen durchaus treffend formuliert.
    Auch für Sander wird es sehr wichtig sein, dass RB durch die Relegation kommt.
    Aber darin bin ich ganz zuversichtlich…

  8. Wenn RB in die Relegation kommt, dann werden schon viele in Jena, Zwickau oder Magdeburg die Daumen drücken. Ist doch klar. Es bleiben aber immer noch 11 Spiele. Darunter noch alle gegen die Top Teams. Deswegen die Relegation bla-bla geht tatsächlich langsam auf die Nerven.

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