Tuchel und Mateschitz ergeben zusammen noch keine sinnige Story

Ein Nebensatz in einem Sky-Beitrag [broken Link] macht noch keine Story. Könnte man meinen. Aber wenn der Name des Bundesligatrainers Thomas Tuchel im Zusammenhang mit Red Bull und Dietrich Mateschitz genannt wird, ist das per se anders und die Internetkopiermaschine schnell angeschmissen. Im Original geht die Story so:

Neben Schalke-Sportvorstand Horst Heldt soll sich Tuchel auch mit Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz getroffen haben, um eine mögliche Zusammenarbeit zu besprechen. Der 39jährige lehnt aber lukrative Angebote ab, will nicht bei New York oder Leipzig arbeiten.

Nun ist schon der Gestus dieses Beitrag insgesamt schon gewöhnungsbedürftig (Heidel will Tuchel auf keinen Fall vor 2015 aus dem Vertrag entlassen. Tuchel bekennt sich vehement bis 2015 zu Mainz. Wir machen trotzdem mal einen Beitrag und stellen das in Frage.). Die Red-Bull-Geschichte scheint aber in besonderem Maße völlig unmotiviert und lückenfüllend eingebaut.

Denn ganz ehrlich: Warum sollte sich Dietrich Mateschitz – außer aus persönlichem Interesse an der Person – gerade mit Tuchel treffen und ihm einen Job anbieten? In der jetzigen Situation, in der nichts ohne die Herren Houllier und Rangnick als leitende Köpfe der Fußballaktivitäten bei Red Bull geht?

Wäre es also vorstellbar, dass Rangnick und oder Houllier zum Chef Mateschitz gehen und diesen bitten, in der Causa Tuchel loszuziehen und ihn zu Red Bull zu locken? Über die New York Red Bulls brauchen wir gar nicht erst zu diskutieren, weil dies im aktuellen Karrierestadium von Tuchel schlicht keine Option ist. Für RB Leipzig gilt dies in der aktuellen Viertliga- und selbst in einer möglichen baldigen  Drittligasituation in der kommenden Saison ganz analog. Zumal es in Leipzig keinerlei Anlass für eine wie auch immer geartete Veränderung in den Entscheidungsstrukturen gibt. Nicht sportlich und nicht strukturell. Und als Co-Trainer oder U23-Coach in Leipzig würde man Tuchel wohl kaum verpflichten wollen..

Schon diese beiden Fakten lassen den Sky-Bericht als ziemlichen Nonsens erscheinen, denn die einzige halbwegs realistisch erscheinende Option eines Angebots für ein Engagement bei Red Bull Salzburg (sportlich läuft es suboptimal, das Ziel Champions League wäre sicher auch für einen wie Tuchel nicht uninteressant) wird nicht einmal genannt.

Was bleibt also von der Story: Dietrich Mateschitz, der sich über die Arbeit seiner Fachleute (in dem Fall Rangnick und Hollier) nur dann hinwegsetzt, wenn er eh bereit ist, auf sie auch dauerhaft zu verzichten und wenn er so unzufrieden ist, dass er unbedingt was ändern muss (also eine Situation, die aktuell zu 100% nicht vorliegt) soll sich mit Tuchel getroffen haben, um ihm Jobs anzubieten, die Tuchel akutell nie und nimmer machen würde (New York) oder schlicht von keiner Seite zur Disposition stehen (Leipzig). „Lukrative Angebote“, die Tuchel aber abgelehnt habe. Ah ja. Ist das so eine Story, die man deswegen glauben soll, weil sich hier einer im Namen des ehrlichen Fußballs nicht vom Kommerz aufkaufen lässt? Also eine Story, die nur deswegen funktionieren soll, weil sie Klischees bedient?

Vielleicht hat sich Mateschitz mit Tuchel getroffen. Vielleicht stimmt einfach der kolportierte zeitliche Zusammenhang zum Hier und Jetzt nicht und das Treffen fand im letzten Sommer statt. Vielleicht wollte Mateschitz auch nur, dass Tuchel, wie so viele andere im Sportbereich, ein hübsches Mützchen mit Red-Bull-Logo vorne drauf trägt. Vielleicht fand Mateschitz Tuchel auch nur als Typ interessant (schließlich steht er ja ein wenig auf die nicht ganz stromlinienförmigen Typen) und hat mit ihm über seine Sicht auf den Fußball bei Red Bull geredet (Tuchel war ja im Dezember 2011 schon mal in Leipzig). Vielleicht hat Mateschitz bei Tuchel auch nur abgeklopft, wie seine Karrierepläne sind und ob man sich ihn irgendwann einmal als Leipziger Bundesligacoach vorstellen kann.

Es gibt viele Möglichkeiten, die zumindest dem Ausgangspunkt der Sky-Geschichte (Tuchel traf Mateschitz irgendwann einmal für irgendwas) eine gewisse Plausibilität geben. Aber in Bezug auf die Trainerangebote macht die Geschichte in der aktuellen Situation im März 2013 keinen Sinn. Ganz im Gegenteil, in Bezug auf diesen Kern ist die Story substanzlos und hanebüchen.

[Update 20.03.2013: Via BILD und Allgemeiner Zeitung [broken Link] bestätigt Tuchel, dass es im letzten Jahr kurz vor Weihnachten ein Treffen zwischen Tuchel und Mateschitz gegeben habe, bei dem auch Rangnick und Houllier anwesend gewesen seien. Dabei habe man sich „über den Fußball allgemein und die Projekte von Red Bull unterhalten.“, so Tuchel. Ganz entsprechend meiner obigen Vermutung haben Vertragsangebote dabei keinerlei Rolle gespielt und stehen aktuell auch nicht zur Debatte. Die eingangs zitierte Sky-Behauptung ist also Unsinn. Im Kopf behalten kann man trotzdem, dass Mateschitz die Person Tuchel durchaus interessant findet und sich da über lange, sprich über potenzielle Bundesliga-Sicht was ergeben könnte.]

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5 Gedanken zu „Tuchel und Mateschitz ergeben zusammen noch keine sinnige Story“

  1. Wie schon ober gesagt glaube ich auch das sie sich mal IGENDWANN unterhalten haben.Das kam heraus und man hat ne Storry draus gemacht.So als böses RED BULL oder so

  2. Und das macht ja auch absolut Sinn. Bei einem jungen, fachlich hochklassigen Trainer nachzuhaken, wie er zu Red Bull steht und ob er irgendwann ins Haus passen könnte. Netzwerken nennt man das wohl. Spricht auch für die Fähigkeiten von Rangnick, auch jenseits des Tagesgeschäfts mit Weitblick mögliche Perspektiven und Optionen zu planen.

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