U19-Regionalliga: RB Leipzig vs. Union Berlin 1:1

Spielabsagen sind ja eigentlich in der Regionalliga was ganz normales. Was man auch daran sieht, dass in der Regionalliga Nordost am vergangenen Wochenende kein einziges Spiel ausgetragen wurde. Trotzdem ist es nicht unverständlich, dass nach der kurzfristigen Absage des Spiels RB Leipzig gegen Lok Leipzig gestern vormittag, drei Stunden vor Anpfiff, darüber diskutiert wurde, ob das lange Warten seitens des Vereins berechtig war.

Ich sag es mal ganz subjektiv vorne weg. Ich fand es gut, dass der Verein dieses Spiel bis zuletzt austragen wollte. Ganz einfach, weil mir die Absagepraxis in der Regionalliga, in der teilweise am Dienstag oder Mittwoch Spiele von Samstag oder Sonntag in vorauseilendem Gehorsam gegenüber Wetterprognosen abgesagt werden, ein wenig auf die Nerven geht. Und weil ich finde, dass man mit einem WM-Stadion auch in der Lage sein muss, ein Fußballspiel im Winter auszutragen.

Das blöde an dieser subjektiven Sicht ist natürlich, dass sie die vergisst, die sich das von (teilweise weit) außerhalb der Stadt angucken wollten. Bei Anreisezeiten jenseits der 60-Minuten-Marke war es nämlich bereits ordentlich schwierig, die Absage auch noch vor der Abfahrt mitzubekommen. Und sich für Hin- und Rückfahrt bspw. in einen teuren Zug zu setzen, um nach der Abfahrt mitzukriegen, dass das Spiel nun doch nicht stattfindet, ist eine ziemlich undankbare Situation, bei der ich die negativen Emotionen durchaus nachvollziehen kann.

Letztlich zeigt die Spielabsage, dass der Stadionbetreiber offenbar ein Problem hat, das er in naher Zukunft klären sollte. Denn dass 10 cm Neuschnee in 24 Stunden dazu führen, dass man das Stadion nicht mehr betreten kann, ist für ein Stadion, das sich für diverse (inter)nationale Großveranstaltungen gerüstet sieht, eine ziemlich peinliche Geschichte. Zumal man genau wie RB Leipzig zukünftig Zweit- und Erstligafußball austragen will. Und es ganz sicher gut kommt, wenn dann in Leipzig im Dezember, Januar und Februar jährlich Spiele abgesagt werden, weil Frau Holle mal ein wenig überambitioniert (zumindest fürs Flachlandgemüt) agiert.

Natürlich muss man die spezifischen Leipziger Bedingungen sehen. Dass man erst eimal einen 20(?) Meter hohen Damm, also das alte Zentralstadion via Treppe erklimmen muss, um dann wieder über Treppen nach unten ins Stadion zu gelanden, dürfte deutschlandweit ziemlich einzigartig sein. Es gibt in der Red Bull Arena keinerlei inneliegende Treppenaufgänge für die Besucher. Was das für Räumaufwand bedeutet, kann wohl nur beurteilen, wer schon mal ins Stadioninnere gekraxelt ist. Zudem sind Teile der Haupttribüne und die kompletten Kurven/ Fanblöcke nicht nur nach vorn, sondern auch nach hinten offen, sodass da Schneegestöber praktisch komplett zugeschneite Kurven mit sich bringt. Auch da ist der Räumaufwand riesig. Und offenbar ist auch die Dachkonstruktion nicht perfekt, sodass dort die Gefahr herunterstürzender Schneemassen besteht (wie man gut daran erkennt, dass im Schneeschipp-Facebook-Video des Vereins Leute an der Dachkante Schnee beseitigen).

Zusätzlich zu diesen baulichen Gegebenheiten ist es natürlich auch ein Problem, dass der Stadionbetreiber bis auf ein halbes Jahr mit dem FC Sachsen nach der Eröffnung nur Viert- und Fünftligafußball veranstaltet hat. Sprich, dementsprechend auch nur über eine Finanzierung des Stadions auf diesem Niveau verfügte und dementsprechend gerade im Bereich Manpower ordentlich eingespart haben dürfte. Die finanzielle Lage dürfte sich mit RB Leipzig leicht verbessert haben, aber das Grundproblem bleibt vermutlich, dass die Betreibergesellschaft des Stadions weder über Erfahrungen mit der Beseitigung von Schnee (in RB-Zeiten gab es nur einmal richtig Schnee und damals zum Spiel gegen Braunschweig II versuchte man gar nicht, das Stadion zu räumen, da RB im Dezember bereits eine zweiwöchige Spielpause und keine Lust auf das letzte Spiel vor der Winterpause hatte) noch über die nötige Manpower bei einem solchen Projekt, gerade wenn mal viel Schnee auf einmal fällt, verfügt. Dass 150 Fans zum Schippen helfen kommen und man es selbst mit dieser Unterstützung nicht hinbekommt, die Zugänge zu beräumen, spricht ziemlich eindeutig nicht nur für schlechtes Wetter, sondern eindeutig auch gegen den Betreiber.

Natürlich war es eine Verkettung unglücklicher Zusammenhänge. Dass in Leipzig in so kurzer Zeit 10 cm Schnee runterkommen, ist für diese Region ziemlich ungewöhnlich. Und dass es in den vier Stunden vor der letzten Entscheidung komplett durchschneit, war ein ziemlich schlechter Zufall. Zumal es eine halbe Stunde später aufhörte mit Schneien und Tauwetter einsetzte. Ein Witz. Nur leider ein schlechter. Auch heute noch würde ich vermuten, dass das Spiel angepfiffen worden wäre, hätte man sich das Stadion zwei Stunden später angeguckt/ wäre zwei Stunden später angepfiffen worden.

Blöd ist natürlich, dass man am Samstagabend noch vorläufiges, grünes Licht gibt, um dann am Sonntag vormittag festzustellen, dass es doch nicht geht. Waren am Samstag die Zugänge und das Stadion etwa schneebefreit? Schwerlich vorstellbar, wenn man die Bilder von Sonntag sieht. Wenn man aber am Samstag gründes Licht gegeben hat, weil der Rasen den Schnee vertragen hat, man aber die Beräumung und Begutachtung des Rests des Stadions auf Sonntag verschoben hat, dann wäre dies ein wenig fahrlässig gegenüber den eingangs erwähnten von auswärts Anreisenden.

Sei es wie es sein. Der Betreiber sollte nun wissen, was seine Baustellen beim Winterdienst rund um das Stadion – auch in Sachen Stadionarchitektur – sind und dementsprechend auf die Zukunft gerichtete Maßnahmen ergreifen. Denn letztlich bleibt festzuhalten, dass die Witterungsverhältnisse nicht so extrem waren, dass eine Spieldurchführung völlig undenkbar gewesen wären. Man darf relativ guten Gewissens behaupten, dass ein mögliches Zweitligaspiel RB Leipzg gegen Erzgebirge Aue unter diesen Bedingungen mit einem entsprechend erfahreneren Betreiber in einem dann auch gut geräumten Stadion sicherlich stattgefunden hätte. Und allein diese Feststellung verdeutlicht, dass auch an diesem Strang noch in gutes Stück Weg bis zur Bundesligatauglichkeit zu gehen ist.

Lange Vorrede, kurzer Sinn. Die Spielabsage verschaffte dem geneigten Anhänger des RasenBallsports (und gen Ende auch einer Handvoll weniger geneigter Lok-Anhänger) die Möglichkeit sich als Ersatz mal beim Nachwuchs umzuschauen. Dafür bot sich das Spiel der U19 in der Regionalliga an. Welches eine Stunde nach Absage der Profipartie bei Tauwetter und Niederschlagsfreiheit auf Kunstrasen am Cottaweg ausgetragen wurde (soweit ich mich erinnere, darf unterklassiger Nachwuchs auf Kunstrasen spielen, in der Bundesliga müsste es dann aber richtiger Rasen sein [Update: falsch erinnert wie Rumpelstilzchen im Kommentar klar stellt).

Nimmt man die Tabellensituation als Maßstab brachte das erste Spiel nach der Winterpause für RB Leipzig ein echtes Spitzenspiel. Denn als Tabellenvierter empfing man den Spitzenreiter und Absteiger aus der Bundesliga Union Berlin. Die vor dem Spiel sechs Punkt Vorsprung auf RB hatten. (31 vs. 25 Punkte) Dazwischen noch Hertha Zehlendorf und Aue (28 und 27 Punkte, letztere aber mit einem Spiel weniger). Hinter RB lauern zudem noch Dynamo Dresden und auch noch TeBe Berlin (23 bzw. 22 Punkte). Die Partie RB gegen Union war die einzige, die an diesem Spieltag ausgetragen wurde.

Ziel von RB Leipzig ist in dieser Saison bei der U19 eigentlich der Aufstieg gewesen. Da aus der Regionalliga nur der Erste direkt in die Bundesliga aufsteigt und der Zweite eventuell noch über die Relegation nachrücken kann (hängt von der Anzahl der Absteiger aus dem Oberhaus ab), kam dem Rückrundenstart eine besondere Bedeutung zu, denn mit Union, Dynamo und Aue wart(et)en in dieser Reihenfolge drei direkte Konkurrenten im Kampf um den Aufstieg. Ein Sieg gegen Union wäre unter diesen Umständen Gold wert gewesen, sollte aber – wie schon die Überschrift zeigt – nicht sein.

Für das Ziel Bundesliga hatte RB Leipzig in der Winterpause noch mal in Personal investiert. Denn mit Vincent Rabiega (von Hertha BSC), Gergő Szántó (von der TSG Hoffenheim) und Attila Torkos (vom FC Grund aus Ungarn) kamen gleich drei externe Spieler. Zumindest die ersteren beiden sind in Polen und Ungarn auch Nachwuchsnationalspieler.  Daraus kann man ablesen, dass ein Aufstieg der U19 höchste Priorität hat und auch haben muss, wenn man für Nachwuchsspieler in der Region interessant sein will.

Im Spiel gegen den Spitzenreiter begann RB Leipzig als wüsste jeder einzelne im Team, wie wichtig das Duell mit Union ist. Die ersten 15 bis 20 Minuten waren geprägt von einem beeindruckenden Powerpressing, unter dessen Druck von Berliner Seite schlicht gar nichts kam. Überhaupt nichts. Der RB-Nachwuchs dagegen immer wieder mit hohen Ballgewinnen und potenziell gefährlichen Situationen. Dass es letztlich aber nur selten richtig gefährlich wurde und der völlig verdiente Führungstreffer durch einen Fehler des Unionkeepers entstand, der sich einen eher ungefährlichen Freistoß selbst ins Tor legte, hat die Problemlage beim zielstrebigen Spiel Richtung Tor ganz gut verdeutlicht.

Taktisch erinnerte mich das sehr an die letztjährige Bundesliga-U17 unter Olaf Holetschek, denn die U19 versuchte sich unter Lars Weißenberger in einem 4-1-4-1 (Richtung Spielende auch mal in ein 4-2-3-1 verschoben). Ein System, das in seinen Interpretationen und situationsbedingten Verschiebungen ein hohes Maß an Flexibilität und eigentlich auch offensiver Durchschlagskraft mit sich bringt. Aber wie schon bei der U17 letztes Jahr war dies gestern in Sachen Offensivkraft bei der U19 gegen Union ab der 20. Minute etwas mau, sodass kaum noch Entlastung stattfand und Union das Spiel immer näher an den RB-Strafraum heranschob. Wobei man hier auch trefflich spekulieren kann, ob ein Nachwuchsteam einfach auch von seinen körperlichen Voraussetzungen her noch nicht in der Lage ist, ein hohes Pressing länger als 20 Minuten halbwegs effektiv zu spielen.

Letztlich ist es auch egal. 20 Minuten wirkte es, als würde RB den Spitzenreiter schlicht überrollen. Für den Rest der Partie war Union am Drücker und die RasenBallsportler warteten mit viel Einsatz und Athletik auf den entscheidenden Konter zur Spielentscheidung. Zwei-, dreimal hätte es in Durchgang 2 auch klappen können. Einmal war nur Aluminium im Weg. Und wie es dann so kommt, greift RB-Keeper Bredlow kurz vor dem Abpfiff einem Union-Spieler in einer unübersichtlichen Situation in die Beine und der Schiedsrichter pfeift entsprechend Elfmeter. Sodass kurz vor Schluss die fast schon sicheren drei Punkte flöten gingen und der Abstand nach oben gleich blieb. Fairerweise muss man sagen, dass das 1:1 in einer in der zweiten Halbzeit unheimlich intensiven und insgesamt hochklassigen Partie ein leistungsgerechtes Resultat war.

Interessant auch die scheinbar unterschiedlichen Philosophien der beiden Coaches. Ging es dem Berliner Coach vor allem auch immer um das Spiel mit dem Ball und das Agieren mit maximal zwei Kontakten, also um permanente Ballzirkulation, ging es nach dem Pressingwirbel bei RB Leipzig vor allem um Spielordnung im System vor allem defensiv und um vielerlei robusten Einsatz des Körpers, um bei möglichen Ballgewinnen schnell in die Spitze spielen zu können.

An dieser Stelle kommt dann auch Vincent Rabiega ins Spiel, der Medienberichten zufolge trotz Angeboten polnischer Erstligisten nach Leipzig gewechselt ist, weil ihm hier der Anschluss an die Profis versprochen wurde. Rabiega war sicherlich aus RB-Sicht der auffälligste Spieler auf dem Platz. Zumeist als Rechtsaußen unterwegs war er in Sachen Dynamik, Schnelligkeit, Robustheit und Arbeit gegen und mit dem Ball zumindest sehr gut. Auch ihm fehlt vor dem Tor in ein, zwei Situationen noch das letzte Prozent, aber er bringt eine Klasse auf den Platz, die bundesligareif sein dürfte. Zumindest im Nachwuchs, aber ob dies für die Profimannschaft von RB reicht, muss man abwarten. Kurzfristig sowieso nicht und mittelfristig muss er sicher noch Bekanntschaft schließen mit dem robusten Körpereinsatz im Männerbereich. Aber die Anlagen auch als Balleroberer sind sicherlich da. Ein spannender Spieler, der – wenn ich das richtig sehe – auch kommende Saison noch U19 spielen könnte (aktuell 17 Jahre).

Fazit: Dank der Absage des Duells RB gegen Lok lag mal wieder ein Ausflug zum Nachwuchs drin. Eigentlich immer spannend und dank Cottawegatmosphäre auch sehr angenehm, aber im Zeitbudget neben den Profis nur selten eingeplant. Letztlich hat sich der Besuch des Spitzenduells auch absolut gelohnt. Trotz des Wermuttropfens in Form des Ausgleichs kurz vor dem Ende. Für die Aufstiegshoffnungen war dieses Unentschieden bei weiterhin sechs Punkte Rückstand ein Dämpfer, sodass noch viel mehr als vor dem Spiel schon gilt, dass man nur mit einer herausragenden Rückrunde noch einmal oben wird anklopfen können. An der kämpferischen Grundeinstellung wird es nicht scheitern, aber ganz leise Skepsis kann man als Beobachter angesichts der auszumachenden Schwächen beim Zug zum Tor schon haben. Trotzdem viel Glück für die verbleibenden 13 Spiele!

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Tore: 1:0 Böttger (9.), 1:1 Jung (85./ FE)

Aufstellung: Bredlow – Zandi, Habeland, Majetschak, Konik- Schladitz – Rabiega, Böttger, Mietzelfeld (88. Kronawitt), Lindau – Zimmermann (85. Wolf)

Zuschauer: ca. 100 (am Cottaweg)

Links: RBL-Bericht [broken Link]

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4 Gedanken zu „U19-Regionalliga: RB Leipzig vs. Union Berlin 1:1“

  1. „Soweit ich mich erinnere, darf unterklassiger Nachwuchs auf Kunstrasen spielen, in der Bundesliga müsste es dann aber richtiger Rasen sein.“
    Nein, es geht auch Kunstrasen, gerade bei diesen Wetterbedingungen, dafür braucht es m.E. nur eine entsprechende Genehmigung. Rasen wird aber lieber gesehen. Am Wochenende wurden dreei von fünf U19 BL NO Begegnungen auf Kunstrasen ausgetragen (Wob, Hansa und Hertha).

    „Zweite eventuell noch über die Relegation nachrücken kann (hängt von der Anzahl der Absteiger aus dem Oberhaus ab)“
    Es gibt immer eine Relegation der Zweitplatzierten aus Nord vs. Nordost.

    Danke für deinen Spielbericht – sehr lesenswert.

  2. Ah ja, danke für die Anmerkungen. War das mit der Relegation schon immer so? Ich dachte immer, das hat mit der Anzahl der Bundesligaabsteiger zu tun. Aber vermutlich gilt dies nur für die Anzahl der Absteiger aus der Regionalliga?

    1. Ja, das war schon immer so. In Sachen Abstieg ist es wichtig, welche Regionalverbände betroffen sind (da müssen dann ggf. mehr aus der Regio absteigen), denn in der BL steigen immer einfach die drei schlechtesten ab.

  3. Man muss aber zu der Spielabsage ganz deutlich sagen das das letzte Wort halt die Platzkommission hat. Und wenn diese sagt wie entscheiden erst am Spieltag 4 Stunden vor Anpfiff dann ist das halt so und da kann auch RB nicht sagen: „Nein, wir sagen lieber ab.“ Wobei ich der Meinung bin wenn es sich nicht um ein Stadtderby gehandelt hätte, hätte man schon am Samstag abgesagt, da bei einem Stadtderby die Anfahrtswege für 95% der Fans recht kurz ist.

    Danke aber für deinen Bericht zum U19 Spiel. Ich hoffe ja mal das sie es noch schaffen wenigstens Platz 2 zu holen.

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