Relegationswatch Teil 4: Regionalliga Bayern

Heute dann also schon der letzte Teil der kleinen Reihe zu möglichen Relegationsgegnern von RB Leipzig. (Beziehungsweise der vorletzte Teil, denn der letzte Teil wird eine Zusammenfassung unter Einbeziehung der Regionalliga Nordost sein.) Nachdem es bisher in die Regionalliga Nord, in die Regionalliga West und in die Regionalliga Südwest ging, geht es heute ganz in den Süden und in die einzige Regionalliga, die sich nicht nach einer Himmelsrichtung benennt, sondern nach dem Bundesland, in dem die Regionalliga sich abspielt, nämlich Bayern.

Genaugenommen ist die Neuorganisation der Regionalliga, die unter dem Titel Regionalliga-Reform vor der aktuellen Saison eingeführt wurde, exakt auf den bayerischen Landesverband zugeschnitten. Nicht ganz zufällig war die treibende Kraft hinter der Reform, bzw. vor allem der Verantwortliche für deren letztliche Gestalt, damals der bayerische Verbandschef und stellvertretende DFB-Präsident Rainer Koch, der sich auch nicht ganz zufällig kürzlich sehr zufrieden mit der aktuellen Regionalliga zeigte.

Letzteres kann leider nicht sonderlich erstaunen, denn nimmt man Kochs Maßgabe, dass es darum gegangen sei, eine Liga für Mannschaften zu organisieren, „die von ihrer Struktur gar nicht mehr höher spielen wollen oder können“ (Kicker), also letztlich für Amateurmannschaften, dann hat man sich in Bayern tatsächlich die perfekte Liga geschaffen. Dass in den restlichen vier Regionalligen handgeschätzt ca. ein Drittel der Teams mindestens mittelfristig Ambitionen nach oben haben, soll nicht stören, wenn der bayerische Verband eine Reform benutzt, um aus der vorher fünftklassigen Bayernliga nun eben eine Regionalliga Bayern zu basteln. In der bis auf fünf U23-Teams (Bayern, Nürnberg, Fürth, 1860, Ingolstadt) und dem aktuell 14. FC Memmingen ausschließlich Teams spielen, die in der letzten Saison bestenfalls Fünftligisten waren.

Das Niveau der Liga dessen letztjährig bestes Team Greuther Fürth II hieß und Platz 6 in der Regionalliga Süd belegte, kann per se nicht sonderlich hoch sein. Dass man sich in Bayern zusätzlich noch entschloss, die Liga gleich auf 20 Teams aufzustocken, macht sie tatsächlich eher zu einer etwas zu groß geratenen Amateurliga als zu einer Profifußballanschlussliga. Die Größe der Staffel hat allerdings den Vorteil eines hübsch regelmäßigen Spielplans und ist zumindest in dieser Beziehung viel näher an der dritten Liga als die Regionalliga Nordost (was auch zeigt, dass man in Bayern in der Lage ist, eine Amateurliga wenig amateurhaft zu organisieren). Der Tabellenführende in Bayern hat bereits 23 Spiele absolviert, während RB Leipzig bei gerade mal 14 Einsätzen steht. Was man wohl bei Lok in der aktuellen Situation zu vier zusätzlichen Heimspielen sagen würde..

Sei das alles wie es sei. Die Regionalliga Bayern dürfte der allergrößte Unbekannte in der Relegationsrechnung sein. Genaugenommen könnte man auch auswürfeln, welches der an der Tabellenspitze stehenden Teams man zum Favoriten auserwählen möchte. Wobei die Rechnung einige Unbekannte enthält, denn für die Teams auf den ersten drei Plätzen gilt, dass sie laut Koch aktuell die Zulassungsbedingungen für die dritte Liga gar nicht erfüllen und somit völlig unklar ist, welcher Platz denn letztlich für die Teilnahme an der Relegation reichen wird. Erst das Lizensierungsverfahren wird darüber Aufschluss geben. Und dessen Ergebnis lässt meist sehr lange auf sich warten.

  • FV Illtertissen: 23 Spiele, 45 Punkte, +22 Tore
  • TSV Buchbach: 23 Spiele, 40 Punkte, +12 Tore
  • SV Seligenporten: 23 Spiele, 38 Punkte, +6 Tore
  • FC Bayern München II: 24 Spiele, 37 Punkte, +14 Tore
  • 1. FC Nürnberg II: 22 Spiele, 37 Punkte, +8 Tore
  • TSV 1860 München II: 21 Spiele, 36 Punkte, +11 Tore
  • SV Heimstetten: 21 Spiele, 34 Punkte, +7 Tore

Letztlich könnten dies sehr gute Nachrichten für den aktuellen Tabellenvierten, die U23 des FC Bayern München sein. Dass die aus dieser Amateurliga herauswollen, um ihrem Nachwuchs ein besseres Angebot beim Übergang von den Junioren zu den Männern zu machen, liegt auf der Hand. Und vor der Saison hätte man sie mit ihrem neuen Coach Mehmet Scholl (der nach der Saison sein Amt niederlegen wird) und dessen Co, dem ehemaligen Assistenten bei der U17 von RB Leipzig Sören Osterland, der zusammen mit Alexander Zorniger als jüngster Absolvent aller Zeiten den Fußballlehrerschein machte, auch zum abs0luten Favoriten ernannt. Doch die Mühen der Ebene waren offenbar stärker als die markigen Worte eines Mehmet Scholl, wie man sie aus dem TV kennt.

Wobei man das schwache Auftreten auch dadurch relativieren kann, dass der Kader selbst für U23-Verhältnisse extrem jung ist. Unter den 12 meisteingesetzten Spielern sind nur zwei älter als 20. Und das sind die beiden ‚Senioren‘-Stützen gewesen, der in seiner Karriere meist in der zweiten Liga agierende Stefan Buck und der Schweinsteiger-Bruder Tobias, der allerdings in der Rückrunde in Unterhaching spielen wird. Klar, der Rest der Mannschaft besteht aus Spielern, die fast allesamt bereits in den Nachwuchsnationalmannschaften ihrer Heimatländer auflaufen durften, aber es sind eben auch fast alles Spieler, die praktisch noch A-Jugendliche sind. Unter diesen Voraussetzungen ist ein vierter Platz in einer robusten Regionalliga schon fast gar nicht mehr so schlecht.

Problematisch für Scholl ist zudem, dass die talentiertesten seiner Jungs gleichzeitig Anschlusskader für die Profis sind und entsprechend nicht immer für den Nachwuchs zur Verfügung stehen. Emre Can ist hier zu nennen oder der zur Rückrunde nach Kaiserslautern verliehene Mitchell Weiser. Und auch Spieler wie der erst 17jährige Pierre-Emile Höjbjerg klopfen eher an die Profitür als dass sie Scholls dauerhafte Lehrlinge sind. Alles in allem ist es unter den Bedingungen sehr schwierig mit dem vielen Talent und gegen die extreme Jugend des Teams erfolgreich an einem Drittligaaufstieg zu arbeiten. In der kommenden Saison schon eher, aber akutell bliebe für die Bayern auch angesichts ihrer acht Punkte Rückstand bei einem ausgetragenen Spiel mehr nur die Hoffnung auf diverse Aufstiegsverzichte seitens der Konkurrenz.

Angeführt wird die Konkurrenz aktuell vom FV Illtertissen, ein Verein von dessen Existenz vor der Saison nur Intimkenner des regionalen Fußballs gewusst haben dürften. Und dessen geographische Lage westlich von München und Augsburg wohl nur Experten ohne Onlineunterstützung hätten bestimmen können. Illertissen ist eine Stadt mit reichlich 16.000 Einwohner, die als Beispiel dafür durchgehen kann, dass im Süden der Republik die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schlichtweg besser sind, sodass auch Vereine in sehr kleinen Städten eine ordentliche Fußballmannschaft von entsprechenden Sponsorenleistungen zusammenstellen können bzw. die Spieler gut bezahlte Tätigkeiten in der Region zur Verfügung gestellt bekommen.

Ansonsten ist Illterissen ein ziemliches Rätsel, so wie die ganze bayerische Regionalliga, von der oben genannter Verbandspräsi Koch vor der Saison behauptete, dass ihn ihr die zweiten Mannschaften dominieren und dann mit Sicherheitsabstand die anderen Teams folgen würden. Und es ist und bleibt ein Rätsel, warum dies nicht so ist, sondern der FV Illertissen die Tabelle mit einigem Vorsprung anführt. Denn der Kader des Führenden besteht zu weiten Teilen aus den Spielern, die letztes Jahr noch in der fünftklassigen Oberliga Baden-Württemberg (Illertissen wechselte erst zu dieser Saison in den bayerischen Fußballverband!) für Illertissen gegen den Ball traten. Und die Neuzugänge kamen auch allesamt aus der Unterklassigkeit. Das große Pfand des Tabellenführers der Regionalliga Bayern muss also die Kaderkonstanz sein, ein etwas überraschendes Ergebnis, bedenkt man, dass sie aus der Fünftklassigkeit kommen.

Man muss sich beim FV Illertissen – das ist gar nicht abwertend gemeint – sicherlich keinen Spieler sonderlich merken, denn bis auf sehr wenige Ausnahmen sind fast alle Spieler schon mindestens Mitte 20 und haben das Talentstadium schon ein kleines Stück überschritten, sodass die ganz großen Karrieren nicht mehr zu erwarten sind. In der Winterpause stärkte der FV Illertissen das Mitzwanzigersegment sogar noch mit zwei Spielern deutscher Nationalität, die zuvor in der Schweizer vierten bzw. in der nordamerikanischen zweiten Liga (hinter der MLS) gekickt hatten. Nichts beängstigendes also, eher vernünftiges Regionalliganiveau. Neuzugänge für einen Verein, der langfristig in der Viertklassigkeit kicken will. Dazu passt auch, dass der Topstürmer Ugur Yilmaz in die zweite türkische Liga wechselte.

Dass man in Illertissen sehr in sich ruht, zeigt sich auch darin, dass mit Holger Bachtthaler ein ehemaliger Spieler des Vereins (bis 2010) das Amt des Trainers inne hat. Nachdem er zuvor die zweite Mannschaft betreute, übernahm er den Job vor der Saison von seinem Vater(!). Mehr an interner Besetzung geht nicht. Und zahlt sich als offensiver, kreativer Fußball des früheren Regisseurs offenbar aus. Bleibt nur die Frage, wie weit es den Verein führen wird. Insgesamt wirkt das Gesamtkonstrukt noch leicht brüchig, sodass es nicht unwahrscheinlich ist, dass die Mannschaft nach einer Durststrecke noch am Meistertitel vorbei rauscht. Oder an den Zulassungsvoraussetzungen zur dritten Liga scheitert, denn mit ihrem 3.000er Stadion liegt man an deutlich neben den infrastrukturellen Voraussetzungen. (Man beachte auch, dass in einer möglichen Relegation in Illertissen der Gastverein nur 300 Karten kriegen würde..)

Dem FV Illertissen folgt in der Tabelle der TSV Buchbach, der genau wie der Tabellenführer im letzten Jahr noch in der Fünftklassigkeit kickte. Im Gegensatz zu Illertissen mit Aleksandro Petrocvic und Markus Grübel aber sogar fast schon so etwas wie zwei Stars in den eigenen Reihen hat. Die kickten nämlich zwischen 2008 und 2010 für Dynamo Dresden . bzw. von 2009 bis 2012 für Wacker Burghausen und absolvierten dort zusammen über 100 Drittligaspiele. Das wäre in anderen Regionalligastaffeln nicht wirklich beeindruckend, in der bayerischen Viertklassigkeit reicht das, um Eindruck zu schinden.

Starstatus erkämpfte sich im Laufe der bisherigen Saison auch bereits der 23jährige Stefan Lex, der 16 der 45 Tore seines Vereins erzielte und sich in der Winterpause über den Lohn seiner Mühen freuen durfte und sich der Spielvereinigung Greuther Fürth anschloss. Bzw. besser gesagt deren auch in der Bayernregionalliga spielender zweiter Mannschaft (12.Platz) mit der Option, sich bei den Profis anzubieten.

Ansonsten ist auch der Kader der Buchbacher ein respekabler Fünftligakader, der nun überraschend in der vierten Liga ganz vorne steht. Was auch daran liegen dürfte, dass sie ein recht vernünftiges Pressing spielen und bei Ballgewinn relativ schnell vor das gegnerische Tor kommen. Wie man bei ihrem Besuch in Leipzig vor mehr als einer Woche gesehen hat. Was man aber auch sehen konnte bei der 1:7-Niederlage des TSV Buchbach bei RB Leipzig war, dass die Regionalliga deutliche Leistungsgrenze für den Verein sein dürfte. Man spielt einen ganz guten Fußball, aber indidviduell ist da kaum noch Luft nach oben. Nimmt man das 2.500er-Stadion dazu hat man einen durchschnittlichen Regionalligisten. Und keinen Aufstiegskandidaten. Also eine ähnliche Situation wie beim FV Illertissen.

Trainiert wird der leicht nordwestlich von München beheimatete TSV Buchbach (3.000 Einwohner), das sei abschließend noch erwähnt, vom 51jährigen Anton Bobenstetter, ein Trainer  mit ausschließlich lokalen Meriten. Seit 2010 ist er in Buchbach tätig und rettete den Verein erst vor dem Abstieg aus der Bayernliga und führte ihn später in die Regionalliga. Wobei man sagen muss, dass Bobenstetter wieder für den TSV tätig wurde. Denn bereits vor 2008 war er in Buchbach angestellt und führte den Verein von ganz unten in die Landesliga, inklusive einer unglaublichen (damaligen Rekord)Ungeschlagenenserie von 75 Spielen. Bobenstetter scheint einiges an Qualitäten zu haben, steht für Kaderverjüngung und moderne Fußballphilosophie. Aber mit dem aktuellen Kader dürfte ligentechnisch trotzdem das Ende der Fahnenstange erreicht sein.

Eine skurrile Randgeschichte haben die vielen Aufstiege in den letzten knapp zwie Jahrzehnten noch. Denn mit dem 31jährigen Mittelfeldspieler Manuel Neubauer hat man so etwas wie den Lumpi Lambertz der Regionalliga in seinen Reihen. Vier Aufstiege feierte dieser mit seinem Verein. Er kam also aus der Kreisklasse und spielt jetzt (als wichtiger Spieler wohlgemerkt) um den Drittligaaufstieg mit. Das ist eine durchaus bemerkenswerte Story. Auch wenn sie wohl keine Drittligakrönung bekommen wird.

Bleibt der Dritte im Bunde der ehemaligen Fünftligisten, die nun in der vierten Liga die Tabellenspitze bilden, der SV Seligenporten. Seligenporten gehört zu Pyrbaum, ein Städtchen mit 5.600 Einwohner, südöstlich vor den Toren von Nürnberg liegend. Historisch auffälligster Gegenstand von Seligenporten ist ein Kloster, weswegen die Mannschaft auch auf den Spitznamen die „Klosterer“ hört.. Insgesamt also alles die (kleinen) Dimensionen, die es auch in Illertissen und Buchbach gibt.

Im Unterschied zu den beiden Tabellenführenden hat man in Seligenporten, wo man sich im vergangenen Jahr bereits vom Spitzenplatz in der Bayernliga völlig überrascht zeigte, allerdings im Sommer einen ziemlich deutlichen Kaderumbruch versucht. Auch wenn letztlich ’nur‘ fünf bis sechs Spieler auch zu Stammspielern wurden, waren die 10 Neuzugängen doch eine ziemlich erhebliche Reaktion auf die neue Spielklasse. Und in der aktuellen Winterpause hat man mit fünf Neuzugängen noch einmal zugelegt, aber alles in allem mit durchweg unterklassigen Verpflichtungen eher in die Breite investierte. Sodass auch beim Tabellendritten ein Kader zusammengestellt wurde, der wie in Illertissen und Buchbach eher wie eine Fünftligakader auf gelungenem Ausflug in die vierte Liga aussieht.

Schillernste Figur im Kader ist da schon der diesjährige Neuzugang, Neukapitän und Routinier Alexander Maul. Der 36jährige Verteidiger kam vor der Saison aus Jena, wo er im Verlauf seiner Karriere insgesamt mehr als 50 Zweitligaspiele bestritt und auch die großartige DFB-Pokalsaison 2007/2008 an der Seite Jan Simaks als Stammspieler erleben durfte. Das Vergnügen endete damals nach Siegen gegen Nürnberg, Bielefeld und in Stuttgart ja erst im Halbfinale in Dortmund (Schon heftig, wie schnell Jena sich in die vierte Liga gewirtschaftet hat..)

Auch noch ein leichtes Wiedererkennungszucken provoziert vielleicht noch der Name des Trainers des SV Seligenporten Karsten Wettberg. Der ist eigentlich so etwas wie ein alter 60er und führte das Team als Trainer 1991 in die zweite Liga, war dort später Vizepräsident und ist aktuell deren Scout. Hauptberuflich aber coacht Wettberg den SV Seligenporten. Sehr erfolgreich sogar. Nur hauptberuflich ist relativ, denn eigentlich trainiert man in Seligenporten tatsächlich auf Amateurnivau. Kolportiert werden im Idealfall drei Trainingseinheiten in der Woche. Das ist nicht sonderlich viel. Und hat erst recht nichts mit Profifußball zu tun. Wohin die die Reise auch nicht gehen wird.

Das vierte Nicht-U23-Team im Bunde heißt SV Heimstetten und steht zwar aktuell nur auf Platz 7, hat aber bei zwei Partien weniger als das Top-Duo noch die Chance auf Platz 2 nach den Nachholern. Während Buchbach und Seligenporten sich im letzten Jahr in der fünftklassigen Bayernliga als 4. bzw. 6. immerhin direkt für die Regionalliga qualifizierten, kam der SV Heimstetten als 15.(!) der Tabelle ins Ziel und kämpfte sich über Relegationsspiele ins Regionalliga-Ziel. 15. der letztjährigen 5.Liga, also so etwas wie der VfL Halle oder Grün-Weiß Piesteritz hier im Osten, wenn dieser etwas schräge Quervergleich gestattet ist.

Vor der Saison holte Heimstetten gleich 12 neue Spieler. Wobei auch hier gilt, dass der Kader eher in der Breite verpflichtet wurde. Denn keiner der Neuzugänge kann höherklassige Erfahrung nachweisen. Bzw. Aladin Isakovic könnte, aber er darf wegen einer fehlenden Spielgenehmigung nicht mitwirken. Und Mamadi Keita war zwar mal Regionalligastammspieler beim HSV II, aber das ist trotz seiner erst 23 Jahre auch schon 4 Spielzeiten her. Zuletzt war er gar arbeitslos. Und in Heimstetten auch verletzungsbedingt noch kein Faktor. Faktoren sind da schon eher die beiden unspektakulären Neuzugänge Neumeyer und Bläser, die zusammen 20 der insgesamt nur 31 Treffer des SV Heimstetten erzielten.

Trainiert wird das No-Name-Team des SV Heimstetten von Rainer Elfinger, einem No-Name-Trainer. Der war zu Urzeiten auch einmal im Nachwuchs der 60er als Trainer unterwegs, ist ansonsten aber ohne Meriten. Hauptberuflich aber ist er als Rektor einer Mittelschule tätig. Was eben auch viel aussagt, wo in der Regionalliga Bayern die professionellen Schwerpunkte liegen..

Der SV Heimstetten passt insgesamt auch sehr gut zur Riege der drei Tabellenführer. Kaum Perspektiven nach oben, da sportlich mit dem Kader eigentlich alles ausgereizt ist. Und mit einem Umfeld, für das Regionalligafußball auch das obere Ende der Fahnenstange ist. Im Speckgürtel von München liegend verfügt der SV Heimstetten zwar über eine sportlich hervorragende Infrastruktur und profitiert auch vom direkten Draht nach München. Ansonsten ist die 12.600-Einwohner-Gemeinde Kirchheim, zu der Heimstetten gehört, aber nicht unbedingt für größeres prädestiniert.

Bleiben noch zwei Teams, von denen eines letztlich noch am ehesten den Meistertitel schnappen und zumindest an der Relegation teilnehmen könnte. Und zwar handelt es sich hier um die U23-Teams vom 1.FC Nürnberg und von 1860 München, also den traditionellen Konkurrenten vom FC Bayern.

Den Nürnbergern verhagelte eine Serie von nur zwei Siegen in sechs Spielen vor der Winterpause eine bessere Platzierung. Bei einem Spiel Rückstand sind acht Punkte Rückstand auf Platz 1 aber auch nicht mehr ganz so extrem (wie beim FC Bayern, die punktgleich zwei Spiele mehr als Nürnberg absolviert haben). Auch deswegen nicht, weil die Qualität des Kaders eigentlich top ist. Und der Kader mit dem 35jährigen Marek Mintal auch einen echten Leader hat, der immerhin bereits acht Tore und zwei Vorlagen beisteuern konnte.

Dahinter tummeln sich viele Talente, die wie bei den Bayern auch erstaunlich jung und oft noch nicht mal 20 sind. Und dementsprechend ihre Erfahrungen mit dem Männerfußball erst machen. Dazu kommt, dass die besten Talente beim 1.FC Nürnberg natürlich auch schon in der Bundesliga Luft schnuppern und dementsprechend nicht konstant in der U23 einsatzbereit sein können. Das galt insbesondere für den Innenverteidiger Noah Korczowski, den Mittelstürmer Roussel Ngankam, den von Schalke gekommenen Torwart Patrick Rakovsky, den Mittelfeldspieler Philipp Klement und den Mittelfeldspieler  Felicio Brown Forbes. Wobei letztere beide dem Verein in der Rückrunde gar nicht mehr zur Verfügung stehen, weil Klement nach Rostock verliehen wurde und Brown Forbes zum FSV Frankfurt wechselte. Insgesamt auch ein ordentlicher Qualitätsverlust, was die Aufgabe, noch mal Platz 1 anzugreifen, ziemlich schwierig macht.

Schwierig wird es auch, weil die U23 in der Winterpause ihren Trainer Michael Wiesinger an die Profis verloren hat. Bzw. weiß man natürlich noch nicht, ob das eine schwierige Situation ist, denn die Qualitäten des Trainers Wiesinger lassen sich aktuell nur schwerlich abschätzen. Aber zu vermuten ist, dass die U23 des 1.FC Nürnberg dadurch kurzfristig nicht besser wird. Auch wenn Dieter Nüssing als Leiter des Nürnberger Nachwuchsbereichs und U23-Neucoach das Team aus dem Effeff kennen dürfte.

Formal fast noch bessere Chancen als die Glubberer hat die U23 des TSV 1860 München, denn die können bei zwei noch auszutragenden Nachholespielen ihren Rückstand auf Platz 1 im Idealfall auf drei Punkte verkürzen. Schlagdistanz sozusagen. Und auch wenn im Kader auf den ersten Blick nicht unbedingt die Klassetalente wie in Nürnberg oder gar beim FC Bayern zu stehen scheinen, ist der TSV doch bekannt für seine sehr gute Jugendausbildung (man denke nur an die Bender-Zwillinge), die in den Prä-Ismaik-Jahren die eine oder andere Lizenz durch Ablösesummen gerettet haben dürfte. Eigentlich erstaunlich das der permanente Krisenclub 1860 in diesem Bereich so erstklassig arbeitet.

Die U23 des TSV 1860 München muss ohne Routinier auskommen, kann aber dafür auf einen relativ gleichmäßig zusammenbleibenden Kader zugreifen. Zwar durften auch hier bereits drei, vier Spieler Bundesligaluft schnuppern, aber im Kern blieb die Mannschaft über die Hinrunde erhalten. Was für ein Nachwuchsteam nicht unbedingt ganz gewöhnlich ist. Und der Leistung zumindest mittelfristig zuträglich ist. Was vielleicht auch erklärt, warum die 60er nach vier Niederlagen in den ersten sechs Spielen und nur vier Punkten in die Spur fanden und in den restlichen 15 Spielen ordentlich 32 Punkte einstrichen. Hätten sie in den ersten sechs Spielen auf dem Niveau der Restsaison gepunktet, wären sie bereits Tabellenführer (Achtung, Milchmädchenrechnung..).

Das Fragezeichen beim TSV 1860 ist auch die Trainerposition, auf der seit knapp zwei Monaten Markus von Ahlen sitzt, der schon in Leverkusen und Hamburg im Jugendbereich arbeitete, bei seinem Job als Trainer der Männer von Arminia Bielefeld allerdings nicht sehr glücklich aussah. Verkraften musste die U23 vom TSV gleichzeitig den Abgang von Alexander Schmidt, der letzten November die Profimannschaft übernahm und als ausgewiesener Fußballexperte gilt, der sich vorher bei 1860 die Altersklassen nach oben trainierte. Hier ist insgesamt noch völlig unklar, wie viel Qualitätsverlust mit dem Trainerwechsel Schmidt –> van Ahlen verbunden sein könnte. Kann van Ahlen die Arbeit seines Vorgängers fortsetzen, ist man durchaus ein heißer Relegationskandidat.

Fazit: Die Regionalliga Bayern mag als eigene (Amateur-)Welt sehr gut funktionieren und das perfekte Sammelbecken für die Jugendausbildung in Bayern sein. Als Anschlussliga für den Profifußball funktioniert sie aber aktuell nur sehr schlecht. Da die Nachwuchsteams der Profis etwas hinter ihren Ansprüchen zurückblieben, profitierten davon Mannschaften, von denen man im Normalfall sagen würde, dass sie oberhalb der vierten Liga sportlich und infrastrukturell nichts mehr zu suchen haben. Und deren Chancen, in einer möglichen Aufgstiegsrelegation als Sieger vom Platz zu gehen, so ziemlich gleich Null wären. Egal wie der Gegner hieße.

Etwas bessere Chancen hätte in einer Relegation der Profinachwuchs. Doch bei den Bayern scheint der Abstand nach oben schon etwas arg groß und bei den anderen beiden Teams muss man abwarten, was der Trainerwechsel für Folgen hat. Sowieso könnte es passieren, dass sich bei nur noch 14 bis 17 ausstehenden Spielen (je nach Team) die drei Profinachwuchsteams noch zu viele Punkte gegenseitig abluchsen und zum Schluss eines der drei an der Spitze stehenden Teams davon tatsächlich profitiert. Dann wohl am ehesten vermutlich der FV Illertissen, der überhaupt erst vor der Saison in den bayerischen Verantwortungsbereich herüberwechselte. Oder doch Buchbach wegen des Trainervorteils. Hach..

Als RB-Anhänger sollte man sich vermutlich eine der Nachwuchsmannschaften der Profivereine wünschen, auch wenn deren Gewinnchancen in einer Relegation leicht oberhalb der Null sein würden. Schlicht, weil diese Mannschaften dank ihrer reichen Profihausherren über große Stadien verfügen, in denen man entsprechend auch größere Gastsektoren zugewiesen kriegen würde. Egal ob Illtertissen, Buchbach, Seligenporten oder Heimstetten. Blieben diese Vereine in ihren heimischen Umgebungen könnte es ganz schön eng werden, eine Gästekarte zu ergattern.

Letztlich muss man jenseits der sportlichen Einschätzung aber sowieso erst einmal die Lizenzvergabe abwarten und gucken welcher Verein überhaupt in der Relegation antreten will und darf und sich dann auch qualifiziert. Aber mit Abstrichen bei den Bayern, die mit ihrer individuellen Klasse auch immer mal über sich hinauswachsen dürften, scheinen die potenziellen Gegner aus der Regionalliga Bayern im Vergleich mit den anderen Regionalligen etwas hinten anstehen. Weswegen das Relegationslos Regionalliga Bayern für den, der er es zieht ein ziemliches Glückslos sein könnte.

Müsste ich mich mit der Pistole auf der Brust auf einen Relegationskandidaten festlegen, dann würde ich auf 1860 II tippen, gefolgt gleichauf von den anderen beiden zweiten Mannschaften. Ob sie es sportlich schaffen oder über die Lizenzfragen, sei dabei erst mal völlig außen vor gelassen. Letztlich könnte man seine Prognose für diese Liga aber auch einfach würfeln. Relativ sicher bin ich mir aber, dass es im kommenden Jahr keinen weiteren bayerischen Drittligisten geben wird. Bei insgesamt neun bayerischen Teams in den drei höchsten deutschen Ligen wäre es allerdings auch kein ganz krasser Verlust..

[Update 27.02.2013: Inzwischen haben die drei Spitzenreiter Illertissen, Seligenporten und Buchbach erklärt, nicht in die dritte Liga aufsteigen zu wollen. Weswegen ’nur‘ noch vier potenzielle Aufstiegskandidaten übrig bleiben. Am wahrscheinlichsten ist nun tatsächlich eine Teilnahme eines U23-Teams an der Relegation.]

[Update 03.03.2013: Auch Heimstetten hat darauf verzichtet, einen Lizenzantrag einzureichen. An der Relegation teilnehmen kann also nur noch das rangbeste U23-Team und dieses laut Bestimmungen des bayerischen Verbands auch nur dann, wenn es in der Endabrechnung mindestens 4. wird.]

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Die Relegationswatchteile im Überblick (in Reihenfolge des Erscheinens)

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