Testspiel: RB Leipzig vs. Hannover 96 II 5:1

Nach der erwartbaren Absage des Rückrundenstarts von RB Leipzig, der ja eigentlich heute (Sonntag) bei Union Berlin II stattfinden sollte, aber den diversen Schneeflocken zum Opfer fiel, ergab sich doch noch kurzfristig ein Ersatztestspiel. Mit Hannover 96 II war der zweite Regionalligazweite und damit potenzielle Relegationskandidat in Folge in Leipzig zu Gast. Nach Buchbach vor einer Woche aus der Regionalliga Bayern diesmal also mit Hannover der Zweite der Nordstaffel. Wobei dort im Norden Zweiter zu sein, angesichts des Konkurrenten Holstein Kiel, die Aufstiegsaussichtslosigkeit ähnlich groß sein dürfte wie im Nordosten.

Was den Test zu einem aussagekräftigeren machte als den vor einer Woche gegen Buchbach, den man 7:1 gewann, ist die Tatsache, dass Hannover 96 II im Gegensatz zu Buchbach bereits mitten in der Saison steht und vor einer Woche in die Rückrunde startete. Man somit also fitness- und vorbereitungstechnisch mit RB Leipzig auf Augenhöhe agieren kann. Allerdings dürfte das 1:4 im ersten 96er-Heimauftritt des Jahres vor einer Woche gegen den abstiegsgefährdeten SV Meppen auch ein Zeichen sein, dass man in Niedersachsen die Form der Hinrunde eventuell nicht mehr ganz mit in die Rückrunde nehmen konnte.

Trotzdem kann man festhalten, dass ein 5:1 gegen Hannover 96 II noch mal ein ordentliches Ausrufezeichen hinter die auch bisher schon sehr ordentlichen Testspielergebnisse setzt. Und bei allen Wenn und Abers auch zeigt, dass in der Mannschaft nicht nur viel Klasse steckt, sondern sich diese auch auf dem Feld umsetzt.

Zur Relativierung sei angemerkt, dass Hannover 96 II in der ersten Viertelstunde der Testpartie einige gute Gelegenheiten hatte, selber in Führung zu gehen. Und das 5:1 letzten Endes eher Ausdruck der Effizienz und der hervorragenden individuellen Qualitäten der RasenBallsportler war, als dass es einen tatsächlichen Klassenunterschied ausgedrückt hätte.

Trainer Alexander Zorniger bemängelte nach dem Spiel entsprechend auch die fehlende Laufbereitschaft seines Teams, weil er dadurch seine eigentliche Spielidee Gegenpressing gefährdet sieht. Und es macht natürlich auch Sinn, auch nach erfolgreichen Spielen darauf zu drängen, dass die Spielidee, mit der man langfristig erfolgreicher sein wird, auch durchgezogen wird. Hier liegt aber auch eine spannende  Frage für die Rückrunde, falls diese nicht noch eng wird. Inwiefern bei RB Leipzig auch ohne größeren Tabellendruck die Spieler bereit sein werden, das Gegenpressing intensiv zu spielen, wenn sie ihre Spiele auch mit anderen Mitteln und weniger Laufaufwand im Spiel gegen den Ball gewinnen. Richtung Relegation würde es nämlich viel Sinn machen, eine ganze Rückrunde lang die Zornigerschen Ideen in der Praxis geübt und verinnerlicht zu haben und nicht das Pferd zu spielen, das nur so hoch springt, wie es muss..

Aber die Fußballwelt ist eben auch eine der Psychologie. Was auch schon der Test gegen Hannover 96 II zeigt. Denn quasi zum zweiten Mal binnen einer Woche ein Testspiel als scharfe Generalprobe, in der man alles gibt, zu empfinden, dürfte ziemlich schwer sein. Letztlich läuft man eben doch auf dem hauseigenen Trainingsgelände vor 250 Zuschauern (vermutlich fehlten da einige Grippeopfer wie auch ich) bei Temperaturen um die Null und bei Schneefall auf. Das ist nicht unbedingt der extrem leistungssteigernde Rahmen. Und vor diesem Hintergrund sind fünf Tore gegen einen guten Regionalligisten in einem vielleicht nicht ganz optimalen Test ziemlich ordentlich. Ob sich dadurch einzelne Spieler noch mal aus der Startelf gespielt haben, wird man nächsten Freitag gegen Neustrelitz sehen.

Gegen Hannover  spielten jedenfalls die selben 11 wie gegen Buchbach, weswegen man nun ziemlich sicher sein kann, dass die auch akutell die Nase vorn haben. Nur wurde diesmal weniger durchgewechselt als letzte Woche, sodass auch der Kreis potenzieller Ersatzkandidaten kleiner geworden ist. Koronkiewicz saß diesmal wie Schinke, Hoffmann und Nattermann nicht mal auf der Bank. Ernst, Heidinger und Franke(!) fanden den Weg von der Bank nicht ins Team. Sodass als aktuell aussichtsreichste Kandidaten, doch noch bis zum Rückrundenauftakt ins Team zu rutschen, vor allem die Einwechsler Umut Kocin, Clemens Fandrich, Matthias Morys und Stefan Kutschke gelten könnten.

Fazit: Dieser Abschluss passte unter die Testspielserie wie die berühmte Faust aufs Auge. Nicht immer war alles gut. Einiges war aber wiederum exzellent. Und gewonnen wurde gegen fast durchgehend starke Gegner immer. Zuletzt sogar mit zwei Kantersiegen. Bis zum Rückrundenstart sind es jetzt definitiv nur noch fünf Tage. Bin sehr gespannt, wie das alles gegen die robusten und in der Offensive erstklassig besetzten Neustrelitzer funktionieren wird.

PS: Nicht zu vergessen den in den Testspielen gepflegten Kammlott-Watch. Auch gestern war der Stürmer wieder erfolgreich und erhöhte sein Torkonto auf 9(!) Tore in 7 Testspielen. Daniel Frahn folgt bei leicht höheren Einsatzzeiten mit 5 Treffern (3 Elfer) und die anderen beiden Stürmer Matthias Morys und Stefan Kutschke fallen bei geringeren Einsatzzeiten mit jeweils einem Treffer ziemlich deutlich ab. Muss für die Saison natürlich nicht viel bedeuten.

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Tore: 1:0 Rockenbach (33.), 2:0 Rockenbach (44.), 3:0 Kammlott (45.), 3:1 Hoheneder (75./Eigentor), 4:1 Frahn (80./FE), 5:1 Fandrich (88.)

Aufstellung: Coltorti – Müller, Hoheneder, Sebastian, Judt (60. Kocin) – Röttger (70. Fandrich), Karikari, Schulz – Rockenbach (75.Kutschke) – Kammlott (70. Morys), Frahn

Zuschauer: 250 (im Trainingszentrum am Cottaweg)

Links: RBL-Bericht [broken Link], RB-Fans-Bericht, H96-Bericht

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5 Gedanken zu „Testspiel: RB Leipzig vs. Hannover 96 II 5:1“

  1. „Bin sehr gespannt, wie das alles gegen die robusten und in der Offensive erstklassig besetzten Neustrelitzer funktionieren wird.“

    In der Offensive erstklassig besetzt? Ist da Ironie im Spiel die ich nicht wirklich verstehe? Ich mein mit 13 Toren in 13 Spielen und damit den 3. bis 6. (3 Mannschaften haben ebenfalls 13 Tore) schlechtesten Wert in erzielten Toren würde ich persönlich jetzt nicht als erstklassig besetzter Offensive sprechen.

  2. Interessant auch die Überform unseres Brasilianers. Der scheint an Effektivität zugelegt zu haben. Ich bin schwer gespannt auf Freitag. 🙂 Weiter so RB und erst recht weiter so RBBlogger 🙂

  3. @JackdR Stimmt schon. Allerdings sind sie von den Namen her für Regionalligaverhältnisse doch überdurchschnittlich gut besetzt. Da würden sich einige Teams (und nicht nur Abstiegskandidaten) die Finger nach lecken.

  4. Bezüglich der Bankbesetzung wird sich jedoch auf alle Fälle noch ein vierter U23 einfinden müssen. Gegen Hannover waren es ja nur deren 3: Kammlott, Fandrich und Bellot, wird dann wohl PaKo oder Schinke treffen.

  5. Vielen Dank für die richtige und wichtige Anmerkung. Die Regel sollte man – so wie ich es tat – natürlich nicht vergessen. Koronkiewicz oder Schinke, einer von beiden wird noch mit auf die Bank dürfen. Bloß gut, dass sie jung sind..

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