Leipziger Fußball 2013

Dann ist es mal wieder so weit. Eine neue Runde Fußball beginnt bzw. hat bei Lok sogar schon vor einer Woche begonnen. Sodass an dieser Stelle ein Blick auf die Aussichten der vier ranghöchsten, mindestens landesweit agierenden Leipziger Vereine in der Rückrunde der Saison 2012/2013 in der Regionalliga Nordost bzw. in der Landesliga Sachsen gewagt wird.

Wenn diese dusslige Relegation nicht wäre

Wenn das Wörtchen wenn nicht wär, wäre es zumindest absehbarer, was den weiteren Verlauf der Saison für RB Leipzig angeht. Denn durch die Installation einer Relegationsrunde am Ende der Saison ist die Meisterschaftsrunde zuvor genaugenommen völlig witzlos. Der sportliche Output der Saison wird reduziert auf das Resultat zweier Entscheidungsspiele, deren Verlauf gewiss auch von einem gewissen Prozentsatz Zufall geprägt ist. Und während in der Regionalliga Bayern der Meister wenigstens in jedem Fall das Trostpflaster DFB-Pokal-Teilnahme sicher hat, bleibt anderen Relegationsverlierern nichts, außer eine gute Saison und ein sich bleiern anfühlender Meistertitel. Noch nicht mal Anerkennung. Höchstens Mitleid.

Vor die Relegation hat der NOFV aber noch die Rückrunde in der Regionalliga Nordost gesetzt. In der es nach menschlichem Ermessen noch zwei halbwegs ernstzunehmende Aufstiegskandidaten gibt. Als da wären der Tabellenführer RB Leipzig und der mit sechs Punkten Rückstand und einem Spiel mehr folgende FC Carl Zeiss Jena. Der aktuell Drittplatzierte, der FSV Zwickau spielt bei 10 Punkten Rückstand und ebenso vielen Spielen wie RB keine Rolle mehr oder wer glaubt ernsthaft, dass die Zwickauer eine so konstant hochklassige Runde spielen, dass sie in nur 16 Spielen vier Siege mehr holen als die RasenBallsportler? Das wird auf keinen Fall passieren, so viel ist mal sicher.

Bleibt noch Jena, die den Aufstieg noch nicht ganz abgehakt haben, aber auch bereits ein gutes Stück hinten dran sind. Und erst kürzlich ihren Topscorer Marcel Schlosser für ein paar Wochen verletzungsbedingt verloren und sowieso wie schon im Sommer eine höchst unbefriedigende Vorbereitung hatten. Viele Ausfälle, kaum einmal mit der besten 11 aktiv, dazu noch spät auf dem Transfermarkt aktiv (Six). So richtig viel spricht nicht für den ersten Verfolger, dessen erklärtes Ziel ja eh der Aufstieg in einem Jahr ist und der sich wahrlich nicht beschweren würde, wenn man im neuen Jahr nicht noch einmal RB vor der Nase hätte. Andererseits sprach vor einem Jahr auch nicht allzu viel für Halle. Für Jena wird es entscheidend sein, wie sie durch den Februar und die angesetzten Spitzenspiele gegen Zwickau und Magdeburg kommen. Viele Punktverluste können sie sich da nicht mehr erlauben.

Genauso wird es für RB Leipzig darum gehen, schnell wieder in den Pflichtspielrythmus zu kommen und der Konkurrenz schon früh zu signalisieren, dass es in diesem Jahr nichts zu holen geben wird. Dabei könnte behilflich sein, dass bis Ende Mai kein Wochenende ohne Fußball vergehen wird. Dieser Rythmus sollte Teams mit ausgeglichen besetzten Kadern deutlich bevorzugen. Mal gucken, ob die Kadertiefe zur Abwechslung mal ein Faktor wird, der auch in der Realität für RB Leipzig arbeitet oder ob nicht Unzufriedenheit ein Thema im Kader wird. Von den 22 Feldspielern werden im schlechtesten Fall sechs nicht einmal zu Kader gehören. Und jeder einzelne dieser sechs hat individuell sicherlich höhere Ambitionen als Regionalliga und will das auch zeigen.

Man darf jedoch zuversichtlich sein, dass in diesem Jahr am Ende der Rückrunde zumindest die Meisterschaft steht. Für diesen Optimismus ist nicht nur der sehr breit aufgestellte Kader verantwortlich, sondern vor allem die erkennbaren Schritte in der mannschaftlichen Entwicklung. Schon in der Hinrunde war es faszinierend zu sehen, wie auf erkannte Schwächen immer wieder versucht wurde, taktisch-spielerisch zu reagieren. Und zur Rückrunde, das hat die Vorbereitung noch mal gezeigt, ist man in seinen Wünschen in Bezug auf Pressing und hohes Agieren noch einmal ein Stück weiter gekommen und hat sich zudem vom 4-3-1-2 über Rautenansätze bis hin zum 4-4-2 mit Doppelsechs eine größere taktische Variabilität zugelegt.

Insgesamt spricht vor Beginn der Rückrunde in der Regionalliga Nordost alles für RB Leipzig. Wenn die Mannschaft trotzdem mit dem Gefühl in die Runde geht, dass man noch keinen Vorsprung hat, dann dürfte sich daran auch nichts ändern. Reicht man der Konkurrenz aber noch mal den psychologischen kleinen Finger, dann kann es auch schnell noch mal eng werden. Man sollte den Spielern jede Woche verdeutlichen, dass der Lohn der Mühen der Ebene darin besteht, am Ende in einer vollen Red Bull Arena zur Relegation antreten zu dürfen. Inklusive Gänsehautatmosphäre. Das sollte an Eigenmotivation schon mal reichen.

Grenzgänger

Über Lok ließen sich wohl aktuell ganze Bücher füllen. Sowohl in Bezug auf die wirtschaftliche, als auch in Bezug auf ihre sportliche Situation wandelt der Verein an der Grenze zum Abgrund. Ein Zustand der vermutlich die ganze Rückrunde hindurch anhalten wird.

Wobei man sportlich eigentlich gar nicht viel meckern kann. Klar hatte man immer wieder mal das Gefühl, dass da Punkte leichtfertig verschenkt werden, wie beim 2:2 gegen Plauen nach 2:0-Führung am letzten Wochenende. Aber insgesamt steht man mit 14 Punkten aus 15 Spielen auch ganz ok da, bedenkt man, dass es in dieser Saison ausschließlich darum gehen wird, zwei Teams hinter sich zu lassen. Und mit dem Torgelower SV Greif und der U23 von Energie Cottbus auch bereits zwei heiße Kandidaten auf den Abstieg ganz hinten dran stehen. Während Torgelow mit nur sechs Zählern und einem winterlichen Kader-Komplettumbruch eigentlich nicht mehr zu retten ist, muss man bei Energie mal abwarten, inwieweit die Nachwuchsspieler in der Rückrunde stabiler und besser werden.

Man kann es sich aber auch vergleichsweise einfach machen und feststellen, dass man für den Fall, dass man Torgelow und Cottbus (oder alternativ die ebenfalls zur Debatte stehende U23 von Union) nicht hinter sich lassen kann, auch nichts in der Regionalliga verloren hätte. Beide Mannschaften haben aktuell Oberliga-Niveau und müssen im Schach gehalten werden. Zumal Lok ja ganz realistisch gesehen auch nur über einen Oberliga-Kader plus x verfügt. Und mit diesem gegen die meisten Vereine der Liga schlicht nicht mithalten kann. Plauen, Neustrelitz, Auerbach oder Halberstadt. Überall hat man wesentlich bessere Kaderbedingungen. Weswegen Lok schlussendlich die Teams hinter sich lassen muss, mit denen sie auf Augenhöhe agieren. Und für das erfolgreiche Lösen dieser Aufgabe sprechen Mannschaftsgeist, Fanunterstützung und ein hochengagierter Trainer.

In der Winterpause hat sich Lok zudem mit Innenverteidiger Ronny Surma verstärkt, der für Lok-Verhältnisse ein ganz dicker Fisch ist. Aus der Jugend von Dynamo ‚Dresden gekommen, spielte er vier Jahre in Babelsberg und zuletzt in der West-Regionalliga bei den Sportfreunden Lotte (bzw. spielte er dort eher nicht). Nun ist er also bei Lok gelandet und dürfte in der Abwehr für einen ordentlichen Qualitätszuwachs stehen.

Sportlich sollte der Nichtabstieg in dieser Saison also mehr als drin liegen. Wirtschaftlich hingegen ist die Situation zum ersten Mal seit der Neugründung richtig angespannt. So angespannt, dass man für die aktuelle Saison von einer Lücke von 300.000 Euro ausgeht, wenn man den diversen Berichten Glauben schenken darf. 300.000 Euro, dafür muss ein durchschnittlicher Regionalligist ziemlich lange stricken.

Erklärt wird die Lücke mit fehlenden Zuschauereinnahmen in der Hinserie. Was ein wenig erstaunlich ist, denn mit dem Lokalderby gegen RB hatte man eine sehr ordentliche Einnahme. Andererseits dürfte man in den beiden anderen Spielen in der Red Bull Arena gegen Magdeburg und Jena trotz ordentlich gefüllten Gästeblöcken und wegen viel zu geringer eigener Anhänger drauf gezahlt haben. Und ins heimische Plache kamen im Schnitt weniger Zuschauer als erwartet. Insgesamt erklären sich damit aber auch keine 300.000 Euro. Eine derartige Fehlsumme kann eigentlich nur aus ziemlich umfangreicher Fehlplanung resultieren. Aber da sollte man sich als Anhänger eines Regionalligavereins mit Zweitligaetat auch nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen.

Die aktuell laufende Rettungskampagne zeigt – wie auch schon die mehr als 10.000 Lok-Anhänger beim Spiel gegen RB – dass der Verein noch ein sehr hohes Mobilisierungspotenzial hat. Darin steckt aber auch gleichzeitig das Problem, denn so richtig mobilisieren lässt sich das blau-gelbe Lager nur dann, wenn es um etwas außergewöhnliches geht. Sei es der ultimative Kampf gegen den Kommerz wie letztes Jahr beim Derby oder sei es die Rettung des Vereins vor der Zahlungsunfähigkeit. Im Regionalliga-Alltag ist die Unterstützung rein quantitativ dagegen mau.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Lok-Rettung kurzfristig klappen wird, weil einige Aktionen wie das neue Trikot für die nächsten zwei Spielzeiten, auf dem sich bis zu 1.500 Anhänger für jeweils 150 Euro verewigen können, ziemlich schick sind. Hierbei wird auf jeden Fall eine sechsstellige Summe herausspringen. Dass andere Aktionen, wie die 0190-Hotline, bei der bundesweit die Fans gegen Kommerz abstimmen können sollen (und gleichzeitig die Hälfte der Einnahmen beim Telefonanbieter bleiben)  oder das Verkaufen österreichischer Energydrinks irgendwo zwischen skurril und albern sind, ist dabei erst mal geschenkt.

Das Problem dieser ganzen Aktionen besteht darin, dass dabei zwar kurzfristig Geld generiert wird, aber ja die grundlegende Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben im Verein nicht ausgeglichen wird. Sprich, wenn sich im Verein nichts grundlegendes ändert, steht man im nächsten Jahr, egal in welcher Liga, wieder mit denselben Problemen da. Zumal manches Geldsparen jetzt auf Kosten der nächstjährigen Bilanz geht. So wurde beispielsweise das Gehalt der Angestellten für drei Monate mit dem Versprechen halbiert, dieses Geld in der zweiten Jahreshälfte nachträglich auszuzahlen. Wer sich da nicht sofort fragt, wie ein zukünftiger Etat die laufenden Personalkosten plus die Personalaltkosten stemmen soll, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Letztlich braucht Lok relativ schnell einen ausgewogeneren Etat. Was einerseits durch Kostenreduktion, andererseits durch Einnahmensteigerung gelingen kann. Da zweiteres in Form von potenten Neusponsoren kurzfristig ziemlich unwahrscheinlich ist, bleibt nur ersteres. Und wenn man realistisch ist, dann gibt es genau einen Baustein, der relativ viel Geld kostet, aber auch vergleichsweise leicht verzichtbar, weil eine eigenständige Abteilung, ist. Und das ist der Frauenfußball. Wenn man diesen gewinnbringend veräußern könnte, dann hätte man nicht nur kurzfristig frisches Geld, sondern langfristig auch geringere Kosten. Eine win-win-Situation um eine Abteilung, die im Verein sowieso keine all zu hohe Wertschätzung genießt.

Als Abnehmer bliebe eigentlich nur RB Leipzig, von denen ja ab und zu behauptet wird, dass sie im Frauenfußball aktiv werden wollen. Wobei manchmal auch das Gefühl in mir hoch kommt, dass man einem Verein, der hoch offiziell seine Rettungs(!)kampagne unter anderem über eine Anti-RB-Schiene auflädt, mal auch einfach seins machen lassen sollte. Aber ganz rational liegt es trotzdem auf der Hand, dass sich viele Probleme lösen ließen, würde die Frauenabteilung zu barer Münze gemacht werden können.

Mit der Anti-RB-Geschichte ist noch ein letztes Element verbunden, von dem mir völlig unklar ist, inwieweit sich der Verein in längerfristiger Perspektive damit einen Gefallen tut. Man geriert sich aktuell auf ziemlich vielen Ebenenen (Politik, Medien, RB) als Anti–Establishment-Verein, dem alle irgendwie nichts gutes wollen und der sich in seinem vereinfacht gesagt ‚Wir gegen den Rest der Welt‘ ziemlich einigelt. Das Problem daran ist, dass die Subkultur der Stadt und die politisch eher links stehende Jugendkultur, denen man auch Anti-Obrigkeitsmotive unterstellen kann, bereits ihre Vereine haben und Lok damit sehr interessant oder anfällig wird für ein politisch eher unangenehmes Spektrum. Wer genau hinsieht, dem fällt das auch bei einigen Rettergeschichten auf.

Mit dem politisch unangenehmen Spektrum ist auch verbunden, dass der Verein Lok dadurch natürlich noch einmal verstärkt unter Beobachtung steht und nicht besonders interessant ist für Sponsoren oder Neuanhänger. Über das alte Klientel hinaus und die Zahlungsfreude auch der Exilleipziger scheint es rund um den Verein wenig Auffrischung zu geben. Was erstaunlich ist, bedenkt man die Euphorie mit der Lok nach der Neugründung vor ein paar Jahren durch die Ligen getragen wurde. In seiner aktuellen Verfassung mit seinen vielen Anti-Punkten scheint Lok aber nicht besonders interessant zu sein. Was der geneigte Vereinsanhänger auf Medien, Politik und RB-Hörigkeit in der Stadt schieben wird. Was aber de facto viel mehr mit Problemen im Club als außerhalb des Clubs zu tun hat. Den entscheidenden Schritt für langfristiges Wohlergehen hat Lok in Bezug auf seine eigenständige Identität jenseits von RB weiterhin noch vor sich.

Letztlich hat Lok akut einen ganzen Strauß voller Probleme. Die sich dank des hohen Indentifikationsgrads der Anhänger in Bezug auf den wirtschaftlichen Teil lösen lassen werden. Und sportlich sollte vor dem Rest der Saison sowieso nicht bange werden, da das Niveau am unteren Ende der Tabelle nun ganz und gar nicht furchteinflößend ist. Falls die Mannschaft nicht noch wegen der Begleitumstände in ein Loch fällt, sondern aus der Retteraufbruchsstimmung ein wenig Energie zieht, dann wird der Klassenerhalt locker zu schaffen sein. Spannend wird es rund um Lok dann erst in der neuen Spielzeit, denn viele der wirtschaftlichen Fragen verschiebt man mit dem Spendengeldfluss, der aber auch nicht jedes Jahr zu generieren ist, einfach auf die kommende Saison. In der man dann sehr viel kleinere Brötchen backen oder dauerhafte Finanzlösungen finden muss. Selbst wenn man die Insolvenzgefahr in dieser Saison übersteht, wird sie wohl als Gespenst noch eine ganze Zeit lang über Probstheida schweben.

Elendsverwaltung

Bleibt noch die in zwei geteilte Fraktion grün-weiß, zu der man halbjährlich das gleiche Lied singen könnte, dem man mit einem Anflug von Bösartigkeit den Titel ‚Elendsverwaltung‘ geben könnte (natürlich brauche ich den Titel nur als Trigger, um wieder in den Text zu springen..). Denn mit jedem halben Jahr mehr der Leutzscher Dualität wird das öffentliche Interesse an dem, was die beiden da treiben, geringer. Was sich auch in den rückläufigen Besucherzahlen bei der BSG Chemie niederschlägt. In Leutzsch geht es mehr denn je vor allem um Existenzsicherung auf Landesliganiveau. Mehr ist aktuell nicht drin und mehr ist dazu auch nicht zu sagen.

In der Leipziger Öffentlichkeit kommt dieser Teil der hiesigen Fußballkultur kaum noch vor. Wenn denn nicht die LVZ wieder mal zum Versöhnungs- oder Fangespräch lädt (während abseits der öffentlichen Bühne weiter gekeilt wird) oder die L-IZ einen ihrer sagenumwobenen SGLL-Enthüllungsartikel launcht, die ganz nebenbei gesagt inzwischen auch meist aus den immergleichen Inhaltsstoffen bestehen. Der Leutzscher Fußball existiert in der öffentlichen Wahrnehmung kaum mehr als Fußball, sondern nur noch als skurriles Spaltungsszenario. Und selbst mit dem übertritt man immer seltener die Wahrnehmungsschwelle, sodass selbst die Spiele gegeneinander, jenseits der skandalisierenden Berichterstattung über Auseinandersetzungen abseits des Rasens, kaum noch aufhorchen lassen. Nichts aber dürfte für einen Fußballverein schlimmer sein, als ignoriert zu werden.

Sportlich gesehen ist diese Ignoranz nicht mal ganz unnachvollziehbar. Die SG Leipzig Leutzsch steht als Tabellensechster noch vergleichsweise gut da, hat aber nach ganz oben auch schon 9 bzw. 10 Punkte Rückstand und dümpelt demnach im Mittelfeld der Tabelle herum. Dass der Verein demnächst bessere Perspektiven bekommt, ist nicht zu erwarten. Die immer wieder auftauchenden Berichte über finanzielle Unregelmäßigkeiten dürften wenig zur Attraktivität für Sponsoren beitragen. Und auch wenn es erstaunlich ist, dass die SGLL trotz ewiger Berichte, dass die Zahlungsunfähigkeit bald bevor stehe, immer noch ziemlich lebendig ist, ist ein mittelfristig steiler wirtschaftlicher Weg nach oben nicht zu erwarten. Und auch aus dem ziemlich unterdurchschnittlichen Nachwuchs ist eine schnelle Auffrischung wohl eher nicht zu kriegen. Die SGLL ist in der aktuellen Verfasstheit bestenfalls ein durchschnittlicher Landesligist. Und ob das reicht, im teuren und sanierungsbedürftigen Alfred-Kunze- Sportpark dauerhaft überleben zu können, wird man sehen müssen.

Sportlich schlechter noch stehen die anderen in grün-weiß, die BSG Chemie da. Hatte ich sie vor der Saison bei entstehender Euphorie noch als Aufstiegsmitfavoriten auf dem Zettel (was angesichts einiger relevanter Abgänge sowieso ziemlich übertrieben war), stecken sie aktuell als 11. der Tabelle und sechs Punkten Rückstand auf die SGLL eher im Abstiegskampf fest. Was für die BSG Chemie bei allen wirtschaftlichen Begleiterscheinungen zu wenig ist. Zumal man im letzten Jahr noch zumindest im Dunstkreis der Tabellenspitze agierte. Der überhastete Trainerwechsel im letzten Mai von René Behring hin zur Leutzcher Legende Steffen Hammermüller scheint sich da überhaupt nicht ausgezahlt zu haben. Zumal es nicht immer der richtige Weg sein muss, Positionen Hauptsache mit historisch verdienten Menschen zu besetzen. Dass man es aber geschafft hat, den Ur-Leutzscher Daniel Lippmann für das Tor zurückzugwinnen, kann man nur als Glücksfall interpretieren.

Letztlich ist es auch bei der BSG Chemie die Frage, inwieweit sie sich eine fehlende Perspektive oberhalb der Landesliga auf Dauer leisten können. Wobei der Verein aufgrund der intensiven Unterstützung durch die Ultras weniger anfällig für die wirtschaftlichen Mühen des Tagesgeschäfts zu sein scheint als die SGLL. Trotzdem kann es auch für die Ultra-Fraktion auf Dauer mühselig sein, die Fahrt nach Döbeln oder das Heimspiel gegen Radebeul als Höhepunkt des Fußballjahres zu verkaufen. Aufgrund des etwas lebendigeren Vereinsumfelds scheint mir die BSG Chemie Leipzig aber auch die etwas bessere sportliche Perspektive zu haben.

Es bleibt aber eine verdammte, unauflösbare Crux da in Leutzsch mit zwei Vereinen, die mühselig gelernt haben nebeneinander, aber noch lange nicht miteinander zu existieren. Und wenn sie das Miteinander nicht zumindest als freundschaftliche Koexistenz leben, auch nur schwerlich Chancen oberhalb der Landesliga haben werden. Mal davon abgesehen, dass Fusionsgedanken – auch wenn sie regelmäßig ins Spiel gebracht werden – wohl aktuell völlig utopisch sind.

Fazit

Die Lebensrealitäten der vier ranghöchsten Leipziger Vereine könnten wirtschaftlich, sportlich und auch fankulturell kaum unterschiedlicher sein. Während die Perspektiven bei RB Leipzig auch wegen fehlender wirtschaftlicher Sorgen ziemlich rosig sind, steht Lok finanziell und mit Abstrichen auch sportlich auf der Kippe. Etwas was vermutlich noch ziemlich lange im Verein nachhallen wird, auch wenn die Rettungsaktionen kurzfristig erfolgreich sind. Es wäre fast schon typisch für den Leipziger Fußball, wenn die Leutzscher Fraktion aufgrund einer Insolvenz am Verein aus Probstheida vorbei ziehen würde. Aber so weit ist es noch lange nicht.

Wie auch immer die Begleiterscheinungen sind, es wird letztlich überall Fußball gespielt. Und das auch in der Rückrunde 2012/2013 mit der nötigen Leidenschaft, mit Träumen und Hoffnungen, mit Überraschungen, Freuden und Enttäuschungen. Weswegen allen der für die meisten Vereine überlebensnotwendige Besuch des Fußballstadions empfohlen sei. Auf dass es auch im nächsten Jahr noch was zu träumen gibt.

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4 Gedanken zu „Leipziger Fußball 2013“

  1. Vielen Dank für den gewohnt guten Artikel!
    Diese Regionalliga und die sich anschließenden Relegationsspiele sind ein Witz.
    Folgendes Szenario, was natürlich auch so nie eintreffen wird, lässt einem die Absurdität von Relegations(lotterie)spielen erkennen:

    Mal angenommen, der Meister der RLNO gewinnt ALLE 34 Meisterspiele zu Null…
    In der Relegation spielt man im Hinspiel zuhause 1:1 und im Rückspiel 0:0 – dann ist die ganze Meisterschaft durch EIN EINZIGES Tor komplett auf den Kopf gestellt, Satz mit ‚X’…

    Im Fussball ist bekanntlich alles möglich und Pferde wurden vor Apotheken auch schon gesichtet.

    Ich wünsche RB Leipzig, das nach dieser überragenden Hinrunde und einer hoffentlich ähnlichen Rückrunde am Ende der Aufstieg steht.
    Verein, Mannschaft, Fans, Stadt und Region haben es sich längst verdient!

  2. Im voraussichtlichen Relegationsspiel müssen 14 Mann im Kader stehen, die unbedingt aufsteigen wollen und somit eine Garantie für Weiterbeschäftigung in der 1. echten Profiliga haben, da habe ich so meine Zweifel bei der derzeitigen Transferpolitik auch unter R.R. und A.Z.!
    Ansonsten bleibe ich ein glühender Verfechter des “Projektes RB” und gehe mit meinen Kumpels notfalls auch ein weiteres Jahr in der Regio dorthin, Begründung des möglichen Nichtaufstieges, siehe bitte weiter oben. Im letztgenanntem Szenario sollte man aber bitte nicht auf weiter steigende Zuschauerzahlen setzen, dann wäre erst einmal „echt Sand im Getriebe“…

  3. Deiner Aussage, das durch die Fanaktionen das finanzielle Problem bei Lok auf die nächste Saison vertagt wird, kann ich nicht zustimmen. Leider brennt der Baum schon jetzt lichterloh. Selbst wenn man heute durch einen Geldsegen (aus welcher Richtung auch immer) mit einer schwarzen Null starten könnte, ist spätestens nach der Rückrunde – mangels interessanter Spiele – wieder ein Loch entstanden. Es sei denn, man „schafft“ es noch „Abstiegsendspiele“ zu fabrizieren.
    Am meisten liegen mir die ZS Besuche gegen Jena und MD im Magen – Werbung für den Fussball und keiner geht hin. Was auch an der negativen Presse und Risikospiel Einstufung gelegen hat. Trotzdem hätten wir auch mit den anvisierten Zuschauerzahlen ein 6 stelliges Minus auf dem Konto. Ich fürchte mein Verein begeht bald Selbstmord aus Angst vor dem Tod. 🙁

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