Relegationswatch Teil 3: Regionalliga Südwest

Zwei Teile hatte die Relegationswatch-Serie, in der mögliche Relegationsgegner für RB Leipzig unter die Lupe genommen werden sollen, bereits. Zu Beginn ging es in die Regionalliga Nord, wo wenig überraschend Holstein Kiel als großer Favorit auf den Relegationsplatz gelten darf. Anschließend ergab der Blick in die Regionalliga West, dass sich die Sportfreunde Lotte und Viktoria Köln um den Platz an der Sonne streiten könnten. Heute geht es noch ein Stück weiter in den Süden und somit in die Regionalliga Südwest, die in Sachen Ausgeglichenheit dem Westen nur wenig nachsteht und zudem ein ähnlich unbekanntes Ligenwesen ist.

Als Besonderheit dieser Staffel kann man vermerken, dass sie aufgrund der Größe des umfassten Gebiets (bzw. aufgrund der Masse an Vereinen in den beteiligten Landesverbänden) gleich zwei Relegationsplätze zugesprochen bekam. Es ist formal also nirgendwo so einfach wie im Südwesten, sich überhaupt für die Aufstiegsspiele zu qualifizieren. Zumal nach aktuellem Stand nur noch fünf Teams mit ernsthaften Ambitionen auf die zwei Plätze übrig bleiben. Großaspach ist bei sieben Punkten Rückstand und dem Morys-Abgang nach Leipzig wohl schon zu weit weg. Und wohlklingende Namen wie Koblenz, Ulm, Worms oder Homburg treiben sich mit eher weniger konkurrenzfähigen Finanzen und Kadern im Mittelfeld der Tabelle herum. Weswegen sie aus der heutigen Betrachtung komplett herausfallen.

[Nicht unerwähnt soll aber die spektakuläre Trainer-Posse in Ulm bleiben, wo Präsident Sauter seinem Trainer Baierl öffentlich und trainerseits auch öffentlich nicht unwidersprochen in die Aufstellung hineinredete, um ihn später zu entlassen und dann selbst das sportliche Ruder zu übernehmen. Sachen gibt es..]

  • SV Elversberg (17): 38 Punkte, +15 Tore
  • KSV Hessen Kassel (19): 36 Punkte, +11 Tore
  • 1899 Hoffenheim II (19): 34 Punkte, +22 Tore
  • Eintracht Trier (19): 34 Punkte, +9 Tore
  • SV Waldhof Mannheim (19): 33 Punkte, +9 Tore

Wendet man den Blick auf ein Terrain, auf dem einen noch etwas halbwegs bekanntes entgegenspringt, dann landet man unweigerlich in Trier. Dort kicken seit diesem Jahr die Ex-RasenBallsportler Steven Lewerenz und Maximilian Watzka. Letzter hatte vor ein paar Monaten noch via BILD die Warnung nach Leipzig geschickt, dass man in der Regionalliga Südwest den besseren Fußball als im Nordosten spiele und es RB ganz schwer haben werde, wenn man in der Relegation auf ein Team aus dem Südwesten träfe. Klar, klappern gehört zum Geschäft, aber die Tatsache, dass mit Lewerenz und Watzka zwei Spieler in Trier zu Stammspielern wurden, die sich bei RB aus verschiedenen, nicht nur selbstverschuldeten Gründen nicht durchsetzen konnten und die Tatsache, dass der letztes Jahr in Trier überragend spielende Jeremy Karikari sich in Leipzig bisher noch nicht entscheidend durchsetzen konnte, darf man durchaus als Indizien nehmen, dass die Klasse der Eintracht aus Trier nicht unbedingt überirdisch ist.

Was nicht bedeutet, dass Trier keine Klasse hätte, denn die haben sie sehr wohl. Auf individueller Ebene ist hier sicher zuvorderst der Ex-Erfurter und Ex-U19-Nationalspieler Chhunly Pagenburg zu nennen, der in Trier sein Glück gefunden zu haben scheint und mit 16 (von insgesamt 30) Toren die Lebensversicherung der Eintracht ist. Auch Steven Lewerenz, der als junger Vater offenbar seine jugendlichen Eskapaden aus der RB-Zeit abgelegt hat, ist als Topvorlagengeber (8 Torvorbereitungen) zu nennen. Und mit Brighache, Kuduzovic, Hollmann, Klinger, Loboué und Abelski hat man in allen Mannschaftsteilen bundesliga- oder europaerfahrene Spieler im meist gestandenen Fußballalter versammelt. Und vergessen sei auf gar keinen Fall Innenverteidiger Baldo di Gregorio, der auch mal bei RB Leipzig auf dem Zettel und 2001 auf einer Liste der 100 größten Fußballtalente der Welt stand.

Trainiert wird die Mannschaft seit knapp drei Jahren von Roland Seitz, der der Mannschaft – davon durfte man sich in einem Testspiel vor einem Jahr überzeugen – ein modernes, taktisches Gesicht verpasst hat und offenbar auch in diesem Jahr einem 4-1-4-1 nicht abgeneigt ist, aber offenbar auch auf ein 4-2-3-1 setzt. Wobei man die aktuelle Mannschaft nicht wirklich mit der letztjährigen vergleichen kann, denn insgesamt stehen aktuell 14 Spieler im Eintracht-Kader, die dies im vergangenen Jahr noch nicht taten. 12 davon kamen im letzten Sommer. Und acht dieser Spieler kann man guten Gewissens als zum engeren Stamm gehörend bezeichnen.

Angesichts dieses Umbruchs überrascht es nicht wirklich, dass die erste Hälfte der Hinrunde ziemlich in die Hose ging. Nur drei Siege aus den ersten 10 Spielen brachten den 11.Tabellenplatz. Doch ein 2:0 in Kassel brachte die Wende zum besseren und die restlichen neun Spiele der Hinrunde brachten sechs Siege und keine Niederlage. Die Folge ist Platz 4 mit nur zwei Punkten Rückstand auf den zweiten Relegationsplatz und man muss nun wirklich kein Prophet sein, dass ein weiteres Zusammenwachsen und Verinnerlichen der Trainer-Philosophie auch eine weitere Leistungssteigerung und konstant gute Leistungen bedeuten könnten. Müsste ich ein paar Euro setzten, dann wäre Trier für mich ein ganz heißer Tipp auf einen Relegationsplatz.

Als fast noch sicherer Tipp erscheint der aktuelle Tabellenführer, die kleine Sportvereinigung aus der kleinen saarländischen Gemeinde (Spiesen-)Elversberg. Zumindest wenn man den Tabellenstand als Indiz nimmt. In Elversberg versucht man sich schon seit einigen Jahren im Angriff auf den Profifußball, zumindest in Form der dritten Liga. Dank der Unterstützung eines örtlichen Unternehmers war der Verein in der Lage, Geld in Gehälter und Spieler zu investieren. Doch – hierzulande kann man ein Lied davon singen – die jährlichen Misserfolge führten auch zu jährlichen Umbrüchen in der Mannschaft. Ein Konzept, das nicht aufging und das man erst kürzlich zugunsten der Nachhaltigkeit aufgab.

Wichtigste Bestandteile dieses Konzepts waren die Installation des Unternehmersohns Dominik Holzer, einst selbst Spieler in Elversberg, als Präsident und die Verpflichtung des ehemaligen Bundesligaspielers Roland Benschneider als Teammanager. Diese entschieden sich im Herbst 2011 dafür den vorherigen U23-Coach Jens Kiefer als Cheftrainer zu installieren und drehten im vergangenen Sommer, nachdem man als enttäuschender 13. ins Ziel kam nicht noch einmal das Team um, sondern verstärkten es nur sehr behutsam und ließen ansonsten den Kern der Mannschaft zusammen. Als wichtigster Baustein kann der mehr als 100fache Bundesligaprofi Timo Wenzel gelten, den Benschneider zur Nummer 2 im Saarland lotsen konnte und der der Mannschaft als Kapitän Erfahrung und Halt gibt.

Darüber hinaus ist eigentlich nur noch Daniel Jungwirth zu nennen, der es auf diverse Einsätze in der zweiten Liga (für Aue und Ingolstadt) gebracht hat. Dazu noch vier, fünf Spieler mit einer Handvoll Drittligaeinsätzen und der Rest regionalligaerfahrene Mitzwanziger oder junge Nachwuchshoffnungen mit geringen Einsatzzeiten. Klingt nicht sonderlich beeindruckend, ist aber dermaßen effektiv, dass Elversberg bei zwei Spielen Rückstand auf die Konkurrenz bereits vier Punkte Vorsprung auf einen Nichtrelegationsplatz hat. Und dass obwohl sie weder in der Verteidigung noch im Sturm überragende Statistiken aufweisen.

Das Geheimnis des Tabellenplatzes liegt vor allem in der Konstanz. Während die Konkurrenz zwischenzeitlich immer Durststrecken hatte, punktete die SV Elversberg bis auf die Spieltage 8 bis 10 durchgängig und kontinuierlich. Ein Zeichen dafür, dass in Elversberg nichts unmenschliches aufs Grün gezaubert wird, ist dabei unter Umständen die Tatsache, dass die Hälfte aller 12 Siege mit nur einem Tor Unterschied errungen wurden. Ein wichtiger Baustein für den Tabellenstand besteht auch darin, dass man in den vier Spielen (davon drei auswärts!) gegen die Konkurrenz bei 7:3 Toren gleich 10 Punkte einhamsterte. Nur in Kassel musste man sich mit einem 1:1 begnügen.

Die positive Eigenschaft der Konstanz ist gleichzeitig der Punkt, der für die Rückrunde noch die offenen Fragen aufwirft. Kann Elversberg mit einem Kader, der sicherlich nicht der stärkste der Liga ist, weiterhin so konstant punkten, wie sie dies in der Hinrunde taten oder bricht diese Serie irgendwann und wird der vielleicht nicht ganz so tiefe Kader zum Faktor. Bisher schwamm man auf einer Erfolgswelle, auch wenn dies in einem Heimspiel noch nie mehr als 800 Leute sehen wollten. Wie wird die Mannschaft reagieren, wenn der Vorsprung schmilzt und man anfängt Druck zu spüren? Wird dann das ruhige Arbeiten des Trainers weiterhin erfolgreich sein? Man darf gespannt sein, wie sich die SV Elversberg in der Rückrunde schlägt und trotz des vergleichsweise großen Vorsprungs auf die Konkurrenz darf man hier sicherlich einige Fragezeichen platzieren. Und falls man es doch in die Relegation schaffen sollte, wird Elversberg in jedem Fall Außenseiter sein.

Aktuell auf dem zweiten Relegationsplatz stehen die besonderen Freunde von Hessen Kassel. Besonders deshalb, weil RB Leipzig mit ihnen eine Testspielabsagengeschichte verbindet. Aber nicht nur aus ideologischen Gründen hätte eine Relegationsduell mit den Hessen seinen Reiz. Vor allem auch die geographische Nähe, die sich dank Autobahn auch in geringe Reisezeit umsetzt, dürfte beiderseits kleine Völkerwanderungen und entsprechend volle Stadien mit sich bringen. So denn die Fans, von denen im Schnitt reichlich 3.500 zu den Heimspielen strömen, das Spielen gegen den Kommerz nicht wieder boykottieren würden.

Wie in Elversberg (nur anders) träumt man auch in Kassel seit gefühlten Ewigkeiten von höherem bzw. fühlt sich zu eben diesem berufen. In den Achtzigern einige Male knapp an der Bundesliga gescheitert, waren die 90er geprägt von Insolvenzen und das neue Jahrtausend dem Wiederaufbau gewidmet. Der in der Spielzeit 2010/2011 fast in die dritte Liga geführt hätte, aber nachdem man das Testen gegen RB absagte, kriegte man in Kassel keinen Fuß mehr auf den Boden und scheiterte letztlich als Dritter ziemlich deutlich. Mit Mirko Dickhaut, Christian Hock und Holger Brück verschliss man 2011 gleich drei Trainer rund um den geplatzten Aufstieg, bevor 2012 der heutige Coach Uwe Wolf übernahm, der als Spieler eine ganz passable (Bundesliga-)Karriere hinlegte, als Trainer aber noch ein weitgehend unbeschriebenes Blatt ist. Co-Trainer bei 1860 und in Ingolstadt, Nachwuchscoach bei 1860 und in Hoffenheim (ging dort ein Jahr nachdem Rangnick kam), viel mehr gibt es nicht zu vermelden.

Zur aktuellen Saison hin nahm man in Kassel wie auch in Trier (nur noch etwas heftiger) einen großen Umbruch in Angriff. Gleich neun der elf Spieler mit den größten Einsatzzeiten im Kader sind im Sommer neu zum Team gestoßen. Schwerlich vorstellbar, dass sich unter diesen Bedingungen schon so etwas wie eine eingespielte Formation ergeben konnte. Und in der Winterpause holte man noch mal den erst 17jährigen U18-Nationalspieler Benjamin Trümner aus dem eigenen Nachwuchs zu den Profis und verpflichtete mit Sacir Hot einen ehemaligen Spieler der New York Red Bulls..

Dass die Hinrunde angesichts des Kaderumbaus einer Achterbahnfahrt glich, mag nicht verwundern. Einem überraschend guten Start mit fünf Siegen in sieben Spielen ohne Niederlage folgte eine ernüchternde Serie von sechs Spielen ohne Sieg bei lediglich drei Punkten. Erst danach rappelte man sich wieder auf und gewann fünf der letzten sechs Spiele bei 16 Punkten. Macht summasummarum Relegationsplatz 2 und zwei Punkte Vorsprung auf Platz 3.

Schillernste Figuren im Kader von Hessen Kassel, der über einige Zweit- und Drittligaerfahrung verfügt, dürften der hierzulande durch seine Zeit in Jena bekannte Torwart Carsten Nulle und der ehemalige Bundesligaspieler Enrico Goede (der in der Hinrunde lange verletzt war) sein. Ersterer ist nicht nur Stammkeeper, sondern als Neuzugang Kapitän und letzterer ist als bereits seit 2008 in Kassel spielender Akteur ein zentrales Vereinselement. Auf beide dürfte es in der Rückrunde wesentlich ankommen, wenn es für Kassel in diesem Jahr mit dem Relegationsplatz klappen soll. Kann man sich auf dem Niveau der letzten Spiele der Hinrunde stabilisieren, dann könnte es reichen. Als Relegationsgegner wären die Hessen aber nicht gegen viele Gegner Favorit.

Hinter Kassel auf Platz 3 liegt die U23 der TSG Hoffenheim, deren Problemfelder gerade ja eher das sportliche Abschneiden der Profis und ein durch diverse Transfers aufgeblähter Kader sind. Gestartet war das Nachwuchsteam in die Saison mit ziemlich unglaublichen 18:0 Toren und vier Siegen. Dass man in den folgenden 15 Spielen ’nur‘ noch 22 Tore schoss, liefert einen ersten Anhaltspunkt, dass es so forsch nicht weiter ging. Tatsächlich gewann man von diesen 15 Spielen nur noch 5 und blieb in den letzten vier Spielen sieg- und in den letzten drei Spielen sogar torlos. Deutlicher kann man einen Abwärtstrend nicht ausdrücken.

Wobei es auch nicht verwunderlich ist, dass eine so junge Mannschaft inmitten der robusten Regionalligateams Durststrecken durchmacht. Abseits des bereits 28jährigen gebürtigen Heidelbergers Kai Herdling besteht das Team hauptsächlich aus 20- bis 22jährigen. Eine Handvoll von ihnen hat bereits Erfahrungen in Nachwuchsnationalmannschaften gesammelt, ein paar gehören praktisch schon zum Profikader (Gregoritsch, Casteels). Die übliche Bundesligaanschlusskaderklasse, die U23-Teams nun mal haben. Mit all den Nachteilen in Sachen Robustheit und Erfahrung. Und dass Bundesligaanschlusskader Denis Streker kurz vor Transferschluss noch nach Dresden wechselte (Dreimal darf man raten, was Streker ist. Tipp, Trainer in Dresden ist Peter Pacult. Genau, Streker ist defensiver Mittelfeldspieler.), dürfte die U23, wo er insgesamt 11 mal auflief, nicht stärker machen. Zumal das Team, wenn Streker dabei war, nie verlor..

Wirbel gab es in den letzten Wochen auch um den Trainer der U23 Frank Kramer (kam 2011 zur TSG), der kurz vor der Winterpause als Interimslösung für die Profimannschaft eingesetzt wurde, dort aber nach zwei Niederlagen wieder ins zweite Glied rücken und Platz für Marco Kurz machen musste. Insgesamt hat Frank Kramer seine Reifeprüfung noch vor sich. Seine Bilanz als Coach ist vorzeigbar, aber auch nicht überwältigend. Aber das muss natürlich auch noch gar nichts bedeutden. Insgesamt deuten aber die raren Indizien darauf hin, dass die U23 der TSG Hoffenheim in der Rückrunde eher weiter abrutschen, als noch einmal oben angreifen wird. Für mich der klare Außenseiter im Kampf um die Relegationsplätze.

Bleibt als letztes Team im Bunde noch Waldhof Mannheim. Ein Team, bei dem sich Menschen meiner Generation wohl unweigerlich an Schlappi alias Klaus Schlappner mit seinem legendären Hut und an diverse Bundesligaschlachten erinnern. Das müssen dann wohl die 80er gewesen sein. Die jüngere Vergangenheit in Mannheim ist hingegen geprägt von Finanzproblemen und Lizenzentzügen, die das Team in die Oberliga hinab schossen. Letztlich konnte der Verein auch durch die finanzielle Unterstützung ausgerechnet vom wenig beliebten Dietmar Hopp gerettet werden. Seit 2011 scheint es in Mannheim etwas ruhiger zuzugehen und scheint man sich wie in Essen auf den Weg des natürlichen Wachstums begeben zu wollen. Faustpfand des Vereins sind dabei und bei einem möglichen Kampf um die Relegationsränge die Anhänger, die in noch etwas stärkerem Umfang ins Stadion strömten als die Kasseler Anhänger.

Auf Seiten des Kaders sieht man am deutlichsten, wo Waldhof Mannheim auf dem Weg der Konsolidierung gerade steht, denn das Team besteht zu großen Teilen aus Regionalligaspielern, denen im letzten Sommer vier, fünf Spieler zumindest mit Drittligaerfahrung in geringem Umfang zur Seite gestellt wurden. Allerdings hat sich der Verein in der aktuellen Winterpause mit dem 24jährigen Christian Brucia noch einmal einen vergleichsweise dicken Fisch geangelt, der bei Eintracht Frankfurt ausgebildet wurde und für Wacker Burghausen immerhin 77 Drittligaspiele bestritten hat. Die Richtung ist in Mannheim also klar, der Kader soll Baustein für Baustein verbessert werden, um sich dann irgendwann einmal in die dritte Liga zu schieben. Nur scheint dieser Schritt aktuell zu früh zu kommen.

Trainiert wird das Team vom weithin unbekannten Rainer Hollich, der die Mannschaft 2010 übernahm und ein Jahr später in die Regionalliga zurückführte und trotz Kritik aus dem (Fan-)Umfeld in diesem Jahr den Umbruch in der Mannschaft organisieren durfte. Nimmt man die Ergebnisse der letzten Jahre, dann scheint der 57jährige zumindest in der Lage, die Mannschaft kontinuierlich zu entwickeln. Platz 5 und Reichweite zum Relegationsplatz scheint jedenfalls ein Stück oberhalb des erwartbaren.

Unterstützung erhält Hollich vom etwas bekannteren Günter Sebert, einem Waldhof-Urgestein, der dort nicht nur Kapitän war, sondern auch schon Trainer, zwischenzeitlich auch die Hertha und Nürnberg trainierte und mittlerweile seit einigen Jahren als sportlicher Leiter in Mannheim die Fäden zieht. Sicherlich auch mit dem Ziel, möglichst in näherer Zukunft an die Tür zur dritten Liga zu klopfen. Die Betonung dürfte angesichts der Finanzen und des Kaders auf Zukunft liegen.

Fazit: Wie in der Regionalliga West gilt auch in der Regionalliga Südwest (aber auf geringerem Niveau), dass die Qualität der Liga in der Breite sicherlich höher ist als in der Regionalliga Nord, aber in der Spitze kaum die Klasse von Holstein Kiel oder RB Leipzig zu finden ist. Mein Favorit auf einen Relegationsplatz heißt Eintracht Trier, da dort das Gesamtpaket aus Team und Trainer am stimmigsten zu sein scheint und sich auch die Zuschauer sicherlich noch zu stärkerem Besuch als in der Hinserie (1.658 im Schnitt) motivieren lassen können. Dahinter sollten meiner Meinung nach die SV Elversberg und Hessen Kassel den zweiten Relegationsplatz unter sich ausmachen, wobei erstere angesichts der aktuellen Tabellensituation alle Chancen auf ihrer Seite haben und zweitere darauf hoffen müssen, dass man im Saarland die Konstanz verliert. Lachender Dritter könnte noch der Nachwuchs der Hoffenheimer sein, wenn denn sowohl Elversberg als auch Kassel schwächeln sollten. Aber selbst dann erscheint eine nutznießende TSG momentan genauso unwahrscheinlich wie ein Eingreifen der Mannheimer in den Kampf um die Relegationsplätze.

Insgesamt muss man wohl vor keinem Team aus dem Südwesten die ganz große Angst haben, würde man denn in einer möglichen Relegation auf eins treffen. Sowohl die Westkandidaten als auch sowieso der Nordkandidat Holstein Kiel scheinen da besser und stärker aufgestellt. Am ehesten noch hat Eintracht Trier die Qualitäten in der Relegation und auch im nächsten Jahr in der dritten Liga zu bestehen. Wächst die Mannschaft spielerisch weiter zusammen, dann wäre auch das ein recht harter Brocken, aber die mögliche Nummer 2 in Südwest fiele dahinter schon ziemlich ab.

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Die Relegationswatchteile im Überblick (in Reihenfolge des Erscheinens)

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2 Gedanken zu „Relegationswatch Teil 3: Regionalliga Südwest“

  1. Informativ wie immer. Danke. Verkürzt die Winterpause 🙂 Noch 2 Dinge zur Südwest-Liga:

    Wegen möglicher Manipulation zwischen 1 und 2 ist die Auslosung ja erst später. Gibt es da Neuigkeiten? Wenn es bis zum Ende knapp bleibt, kann ja sonst im Extremfall erst am Wochenende vor der Relegation gelost werden…

    Dazu gleich mal etwas Mathematik: Da beiden Südwest Teams in der Relegation nicht gegeneinander antreten dürfen erhöht sich die Chance auf sie zu treffen für die anderen Qualifikanten. Für den Meister der RL Nordost bedeutet das statt je 20 % Chance auf einen der 5 möglichen Gegner sind es je 25 % für die Südwest Teams und nur je 16 2/3 % für die Meister von Nord, West und Bayern. (Leicht veranschaulicht, wenn man die kommende Ansetzung betrachtet. SW Teams A und die anderen B. Die Paarungen lauten A – B, A – B und B – B. Wie man sieht 50 : 50 für B gegen ein SW team zu spielen).

    Die doppelte Zahl an Qualifikanten und die höhere Chance des Aufeinandertreffens machen die Südwest Liga also gleich 3 Mal interesanter als eine der anderen Ligen…

  2. Schöne Zahlenspielerei. Gefällt mir gut. Zeigt wieder mal, dass Wahrscheinlichkeitsrechnung nicht immer zu intuitiven (aber natürlich trotzdem richtigen) Ergebnissen führt.

    Und zum Auslosungstermin gibt es nichts neues und erst recht nichs offizielles. Zumindest soweit ich das sehen kann. Letztlich ist es für RB eh egal, ob da aus dem Südwesten nun der Erste oder der Zweite kommen würde. Gegen beide würde es sicher nicht einfach. Beide werden aber auch nicht das schwerste Los im Topf sein.

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