Testspiel: RB Leipzig vs. FC St. Gallen 2:0

Nachdem es vor ziemlich genau einem Jahr für RB Leipzig noch mit einer B-Elf gegen die U21 vom FC St. Gallen ging, waren gestern die Profis des Vereins dran. Die als Schweizer Erstligist, der in einer Woche das erste Rückrundenpflichtspiel bestreiten muss, als ordentliche Prüfung gelten dürfen. Von daher ist es durchaus bemerkenswert, dass das Spiel genau wie vor einem Jahr mit 2:0 an RB Leipzig ging.

Nicht ganz irrelevant dürfte dabei die Tatsache sein, dass in der zweiten Hälfte 11 frische RasenBallsportler aufs Feld liefen. Gerade in der Vorbereitung, am Ende eines intensiven und anstrengenden Trainingslagers und entsprechend schweren Beinen, ist das Gegenpressing, das gespielt werden soll, keine Zuckerschlecken. Einmal komplett durchzuwechseln, dürfte zumindest die Bereitschaft, die nötigen Laufwege zu bestreiten, deutlich erhöhen. Und wenn man ehrlich ist, gibt es qualitativ zwischen den RB-Teams in der ersten und der zweiten Hälfte keinen wesentlichen Unterschied.

Interessantestes Detail des Spiels, dass beide Halbzeiten im 4-4-2 mit flacher Doppelsechs bestritten wurden. Im letzten Test gegen Winterthur wurde nur eine Halbzeit lang dieses System gespielt. Man wird am Samstag im letzten Testspiel der Vorbereitung sehen, inwieweit dies ein Fingerzeig auf die ersten Pflichtspiele ist. Am Rande sei hier nur darauf verwiesen, dass in der Sommervorbereitung das 4-4-2 auch bereits ganz gut aussah, sich aber in den Pflichtspielen als nicht alltagstauglich erwies.

Da das gesamte Spiel als 4-4-2 bestritten wurde, musste natürlich auch für Thiago Rockenbach eine neue Position gefunden werden, da es den Zehner als Position im neuen System nicht mehr gibt. Gelandet ist Rockenbach (soweit ich sehe) erstmals seit einem entsprechenden Versuch bei der zweiten Mannschaft von Hertha BSC noch unter Peter Pacult. Wobei die Situation damals auch speziell war, da RB Leipzig in Überzahl agierte und eine offensiv-spielfreudige Besetzung der einen Sechser-Postion durchaus Sinn machte. Inwieweit Rockenbach im Pflichtspielalltag diese Position bekleiden kann, wäre eine spannende Frage, die ein 4-4-2 mit flacher Doppelsechs beantworten muss. Ansonsten bliebe noch der Weg nach links außen, aber da präferiert Zorniger aus meiner Sicht deutlich die schnelleren Typen mit direktem Zug zum Tor, wie dies bei Matthias Morys und Sebastian Heidinger der Fall ist.

Morys gestern im Gegensatz zum Testspiel zuvor nicht auf der linken Außenbahn, sondern im Sturm,  wo er an der Seite von Daniel Frahn agierte. Auch das sicherlich eine gute Option für die Pflichtspiele, auch wenn ich den Einsatz auf links außen als eine Art Flügelstürmer einen Tick realistischer finde. Und dies auch Platz machen würde für einen der anderen beiden, aktuell stark auftrumpfenden Stürmer Kutschke und Kammlott. Wichtig zudem, dass Matthias Morys noch vor Saisonbeginn seinen ersten Treffer im neuen Trikot erzielte. Immer gut, wenn man als Stürmer nicht mit dem noch-nicht-getroffen-Rucksack in ein Pflichtspiel gehen muss.

Neben Matthias Morys traf auch Carsten Kammlott, der seine sehr gute Vorbereitungsbilanz damit auf sechs Treffer in fünf Vorbereitungsspielen ausbaute und damit auch weiter deutlich in Führung bleibt in der internen Stürmerrangliste (bei absolut gleich verteilten Einsatzzeiten). Hinter Kammlott folgen Kapitän und Goalgetter Frahn mit 3 Treffern (davon 2 Elfer) und Stefan Kutschke und Matthias Morys mit jeweils einem Treffer. Ob daraus für Carsten Kammlott ein Weg in die Stammelf resultiert, muss aktuell als offene Frage stehen bleiben.

Unschöne Begleiterscheinung des Tests gegen St. Gallen die Verletzung von Bastian Schulz, der sich ohne Gegnereinwirkung das Knie verdrehte. Eine genaue Diagnose steht noch aus. Neben dem individuellen Ungemach würde, ein weiterer Ausfall im zentralen Mittelfeld nach Dominik Kaiser, der gestern nach München aufbrach, um dort bei Dr. Müller-Wohlfahrt seinen Fuß noch mal checken zu lassen, die Spielerdecke langsam ganz schön dünn machen. Muss man nicht unbedingt haben.

Insgesamt gibt es zwei Sichtweisen auf das Testspiel. Die RB-Seite hat eine tolle eigene Leistung und ein sehr gutes Gegenpressing bei stimmendem Willen gesehen. In der Schweiz hat man das eigene Team als spielbestimmend beobachtet und ist der Meinung, man sei ausschließlich an mangelnder Konsequenz im Abschluss und eigener Fehleranfälligkeit gescheitert, während mit RB Leipzig das effizientere Team gewonnen habe. Vermutlich liegt die Wahrheit wie immer irgendwo in der Mitte, denn dass die RasenBallsportler dem Gegner, der fast durchgängig in Stammformation auflief, mit einer sehr kompakten Pressing-Formation das Leben schwer gemacht haben, ist ziemlich sicher. Dass St. Gallen insgesamt die spielaktivere Mannschaft war, sollte man wohl aber auch nicht anzweifeln.

Das Problem dieses Tests besteht wohl hauptsächlich darin, dass man in der Regionalliga vermutlich selten auf spielaktive Mannschaften trifft, denen man den Ball im vorderen Spieldrittel den Ball abjagen kann. Weswegen erst die nächsten Wochen zeigen werden, was die Vorbereitung und die Testspiele in der Türkei, die auf Ergebnis- und Leistungsebene sehr zufriedenstellend verliefen, tatsächlich wert sind. Und inwiefern das 4-4-2 ein zielführendes System sein könnte.

Fazit: Der letzte Test war ein voller Erfolg. Einen Schweizer Erstligisten, der locker ordentliches deutsches Zweitliganiveau verkörpern dürfte, mal eben 2:0 zu schlagen, ist ein deutliches Signal, was in dieser Mannschaft an Potenzial drin steckt. Da man in den letzten Jahren aber ab und zu mal mit Testresultaten aufhorchen ließ, sollte man sich deswegen auch nicht allzu sicher fühlen. Der (letzte) Test gegen den Zweiten der Regionalliga Bayern TSV Buchbach am Samstag (02.02.2013, 14.30 Uhr, angesetzt bisher am Cottaweg) wird hoffentlich auch einen kleinen Eindruck verschaffen, dass auf RB Leipzig in der Rückrunde noch ein hartes Stück Arbeit wartet, bis man überhaupt Relegationsteilnehmer ist. 13 Tage nur noch bis zum Rückrundenstart..

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Tore: 1:0 Morys (3.), 2:0 Kammlott (62.)

Aufstellung 1. Halbzeit: Coltorti – Müller, Sebastian, Franke, Kocin – Röttger, Ernst, Rockenbach, Heidinger – Morys, Frahn

Aufstellung 2. Halbzeit: Domaschke – Koronkiewicz, Hoheneder, Hoffmann, Judt – Fandrich, Schulz (74. Ernst), Karikari, Schinke – Kammlott, Kutschke

Links: RBL-Bericht [broken Link], FCSG-Bericht [broken Link]

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