Testspiel: RB Leipzig vs. FC Liefering 4:2

Testspiel Nummer 2 von RB Leipzig in der Wintervorbereitung als Teil eines Wochenend-Doubleheaders (Teil 2 am heutigen Sonntag, 20.01.2013, 14 Uhr am Cottaweg gegen den West-Regionalligisten SC Verl) wurde gegen den FC Liefering ausgetragen. Die sind nicht nur Tabellenführer in der Regionalliga Österreichs (dritte Liga), sondern gleichzeitig nach diversen Umstrukturierungen, die alle das Ziel haben, die dortige Regel, dass die zweiten Mannschaften der Erstligisten nicht aufsteigen dürfen, zu umgehen, das formal eigenständige, aber faktisch uneigenständige Zweitteam von Red Bull Salzburg. Und haben als solches eine sehr ordentliche Qualität, vermutlich irgendwo auf dem Niveau eines durchschnittlichen österreichischen Zweitligisten oder entsprechend eines sehr guten deutschen Viertligisten.

Die Gäste waren vergleichsweise kurzfristig für die abgesprungenen Nürnberger U23 eingesprungen, die nicht wollten, dass am Rande ihrer Testspiele Proteste zu befürchten sind (was sie vermutlich nicht gewesen wären, zumindest nicht bei einem Testspiel, aber das nur am Rande, denn alles nötige darüber habe ich drüben bei Google+ im Rahmen der fast täglichen Presseupdates gesagt). Quasi als konzernintern verfügbarer Gegner. Wenn es noch ein paar mehr Teams mit Red-Bull-Hintergrund gäbe, dann wäre das mit den Testspielen sicher kein Problem mehr..

Ohne Boshaftigkeit gesagt, vermisste man das Nachwuchsteam Nürnbergs an diesem Tag überhaupt nicht, denn an die Fähigkeiten der österreichischen Gäste wären sie wohl mit ziemlicher Sicherheit nicht herangekommen. Der FC Liefering spielte vor allem in den ersten 45 Minuten einen derart feinen Ball, dass man dem ganzen nur mit einem heimlichen, beifälligen Kopfnicken beiwohnen konnte. Trainiert vom ehemaligen Hoffenheimer Co-Trainer unter Rangnick Peter Zeidler hatten die Gäste all das drauf, was Alexander Zorniger wohl gerne von seinem Team gesehen hätte. Pressing, schnelles Umkehrspiel, Torgefahr.

Dass es zur Pause 2:2 stand, lag nicht an RB Leipzig, sondern vor allem daran, dass der Schiedsrichter zweimal Strafstoß für RB pfiff. Einmal völlig zurecht, einmal sah es nicht wirklich nach Foul aus. Und Daniel Frahn sich die Chance nicht entgehen ließ. Ansonsten blieb vieles Stückwerk, trotzdem man eigentlich recht engagiert versuchte, den Gegner mit (Gegen-)Pressing unter Druck zu setzen. Aber oft geschah dies auch einfach die Zehntelsekunde zu spät, die dann eben aus einer guten Idee eine schlechte macht, weil der Gegner den Moment zusätzliche Zeit, die er kriegt, nutzen kann, um den Ball in die freien Räume zu spielen.

Sein Debüt gab in der ersten Halbzeit auf der 10 Clemens Fandrich, der ja kürzlich (von der Bank) von Energie Cottbus zu RB Leipzig gewechselt war. Man muss da sicherlich nicht den letzten Tropfen endgültiger Bewertung verschütten, aber gerade im (unfairen) Vergleich mit Thiago Rockenbach in der zweiten Halbzeit hat man gesehen, wo die Unterschiede in der Ballsicherheit und im Zusammenspiel mit den Mitspielern liegen. Interessant, dass Fandrich von seinen Mitspielern häufig auch dann nicht eingesetzt wurde, wenn eigentlich eine gute Möglichkeit da gewesen wäre, das zu tun. Auch das ein Zeichen, dass hier Vertrauen und Zusammenspiel bei noch wachsen müssen. Was zu diesem Zeitpunkt kurz nach dem Wechsel von Fandrich nach Leipzig auch kein Wunder ist. Sehr präsent war Fandrich in seinen Versuchen, den Gegner im Spiel gegen den Ball unter Druck zu setzen. Aber auch für ihn galt, dass er da oft einen Tick zu spät zum Pressing ansetzte. Insgesamt würde ich sagen, dass das mit Clemens Fandrich und RB Leipzig werden wird, aber vermutlich nicht auf der Zehn, denn da an Rockenbach vorbeizukommen, ist eine nahezu unmenschliche Aufgabe.

Im Gegensatz zur ersten Halbzeit konnten die elf Spieler, die in der zweiten Halbzeit für RB Leipzig auflaufen durften, das Spiel deutlich zu ihren optischen und faktischen Gunsten drehen. Was auch daran lag, dass die Gäste (die auch durchwechselten) nun kaum mehr statt- und ins Spiel fanden. In der zweiten Halbzeit liefen dann entsprechend auch einige sehr gefährliche, zielstrebige Angriffe auf das Tor des FC Liefering zu. Thiago Rockenbach mit einem Freistoßkracher und Carsten Kammlott ausgerechnet mit einem Kopfballtreffer war es vorbehalten das Ergebnis in eine aus Nachpausensicht verdiente Richtung zu lenken. Für Carsten Kammlott war es bereits der vierte Treffer im zweiten Test, während Daniel Frahn bei zwei Elfmetertoren steht und Stefan Kutschke und der sehr agile Neuzugang Matthias bisher leer ausgingen.

Besonders auffällig neben den Torschützen und Matthias Morys in der zweiten Halbzeit vor allem auch der Rechtsverteidiger Patrick Koronkiewicz. Mit unheimlich viel Agilität, Zweikampfwillen und Spielstärke bearbeitete er seine Position nicht nur defensiv, sondern auch offensiv. Lohn einer engagierten Leistung war die wunderschöne Torvorbereitung per Flanke zum 4:2. Pech für Koronkiewicz, dass ausgerechnet Christian Müller vor ihm im Team steht. Und dort ziemlich in Stein gemeißelt scheint.

Ansonsten muss man über dieses Testspiel auf schwierigem, schneebedeckten und glitschigen Boden (komisch, dass trotz Rasenheizung so viel Schnee lag und komisch auch, dass man den ramponierten Red-Bull-Arena-Boden noch weiter ramponierte, um den Cottaweg nicht zu überlasten..) nicht sagen. Klar, mit Halbzeit 1 kann man nicht so richtig zufrieden sein, weil man keinen Zugriff auf die Gäste bekam, aber insgesamt war es nach den ersten zwei harten Trainingswochen beim ersten echten Test eine akzeptable Leistung in einem Spiel, das trotz quasi intern-brüderlichem Duell mit einer recht ordentlichen Härte absolviert wurde (inklusive dreier gelber Karten).

Nicht zum Einsatz kamen in diesem Test der weiterhin etwas schwerer verletzte Dominik Kaiser, bei dem noch völlig offen ist, bis wann sein Knochenödem wieder verheilt ist, was angesichts seiner Wichtigkeit für das RB-Spiel ziemlich bitter ist, der nach Verletzung noch im Aufbautraining befindliche Jeremy Karikari und Stammkeeper Fabio Coltorti, der gegen den SC Verl aber vermutlich 90 Minuten im Kasten stehen dürfte.

Apropos Keeper, von den bis dato fünf bei den Profis trainierenden Torhütern wurde Matthias Hamrol nun zur U23 geschickt, um dort zu trainieren und zu spielen. Und Andreas Kerner wurde quasi direkt dem Testgegner FC Liefering übergeben, wo er für zwei, drei Wochen mittrainieren und die dortige Torwartnot lindern soll. Anschließend wird er auch zur RB-U23 geschickt. Wobei man durchaus spekulieren darf, ob aus Kerner und Liefering nicht auch mehr werden könnte, denn sein Vertrag in Leipzig läuft aus und wird wohl kaum verlängert werden (was vor allem daran liegt, dass er nicht mehr die U23-Regel erfüllt). Hintergrund der Torwartrochaden ist weniger die akute Unzufriedenheit mit dem Personal, sondern vor allem der Wunsch mit den verbliebenen drei Keepern ein intensiveres, reguläres Training betreiben zu können.

Fazit: Test 2 war ein ansehnlicher Kick zweier spielstarker Mannschaften, der in der ersten Halbzeit deutlich an die Gäste aus Österreich und in der zweiten Halbzeit deutlich an RB Leipzig ging. Insofern ist das 4:2 sicherlich etwas schmeichelhaft für dieses insgesamt ausgeglichene Duell. Aber wie sagte es Alexander Zorniger so schön und sinngemäß: Die Fähigkeit, die Spiele – egal wie sie laufen – nicht zu verlieren, hat man über die Winterpause retten können. Und immer schön behalten, denkt es ganz leise und in Voraussicht auf die Rückrunde in mir.

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Tore: 1:0 Frahn (8./ FE), 1:1 Ramalho (11.), 1:2 Mair (26.), 2:2 Frahn (37./ FE), 3:2 Rockenbach (79.), 4:2 Kammlott (89.)

Aufstellung 1. Hälfte: Domaschke – Müller, Hoheneder, Franke, Judt – Nattermann, Ernst, Schinke – Fandrich – Kutschke, Frahn

Aufstellung 2. Hälfte: Bellot – Koronkiewicz, Sebastian, Hoffmann, Kocin – Röttger, Schulz, Heidinger – Rockenbach – Kammlott, Morys

Zuschauer: offiziell etwa 1.000 (eigene Handschätzung zwischen 600 und 800)

Links: RBL-Bericht [broken Link], RB-Fans-Bericht, Liefering-Bericht [broken Link]

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