Blogparade: Lieblingsorte in Leipzig

[Adelina von leipzig-leben.de hat zu einer Blogparade aufgerufen und darum gebeten, dass Leipziger Blogger ihre Lieblingsorte in der Stadt vorstellen. Die gesammelten Werke wird sie am 17.01. bei sich drüben zum einjährigen Bloggeburtstag in einem eigenen Beitrag vorstellen. Ich beteilige mich heute mit meinen eigenen Gedanken zu meinem Lieblingsort.]

Lieblingsorte. Da denkt man doch gleich, jaja das ist einfach, da mach ich mal mit. Und dann überlegt man doch, was ja was an dieser Stadt, die in fast 12 Jahren Leben hier zum zu Hause wurde, jene besonderen Plätze sind, die es sich lohnen würde noch einmal besonders hervorzuheben. Zumal ja Lieblingsplätze auch immer ein wenig mit Lebensphasen und den damit verbundenen Menschen zu tun haben.

In diesem Sinne hätte ich so einiges an dieser Stadt wählen können. Man hätte anfangen können beim Bahnhof, den ich in Vorwende- und frühen Nachwendezeiten immer als extrem gruselig und grau empfand, der aber nun zu jenem Tor geworden ist, durch das ich nach Abwesenheiten von der Stadt freudig hindurchschreite, um da mitten hinein zu gelangen, wo eben meine geographische Mitte gerade liegt.

Ich hätte weitermachen können mit der Leipziger Bimmel, die seit mehr als 100 Jahren durch die Stadt quietscht oder an manchen Stellen auch nicht quietscht. Ein herrlicher Ort Leipziger Querschnitts, wo Fahrgäste schon mal von außen gegen die Tür treten, weil dem Bimmelfahrer das Abfahrtssignal tausend mal lieber ist als ein nach der Bahn sprintender Passagier. Fairerweise wird meist noch so lange gewartet, bis der Fahrwillige den Türöffner betätigen kann, um hinterher auch genau zu wissen, dass er nicht mehr mitfahren darf.

Wenn man an Nahverkehr in der Stadt denkt, dann ist natürlich auch der Citytunnel eine Art (bis zu seiner Fertigstellung ein ideeller) Lieblingsort, der diesen leicht verrückten, aber auch nicht unsympathischen Größenwahn, den die Stadt zumindest in der Vergangenheit hatte, symbolisiert. Mal eben 20 Minuten Fuß- und 5 Minuten Straßenbahnweg durch einen milliardenschweren Tunnel ersetzen? Na klar, kein Problem. Olympische Spiele in einer Kleinstadt mit 500.000 Einwohnern unter dem Motto ‚Wir bauen kein olympisches Dorf, nein wird sind das olympische Dorf‘? Wir sind begeistert und not amused, wenn es die Welt anders sieht.

In Sachen Sport ist es in dieser Stadt, in der man von ganz großem träumt und meist im ganz kleinen werkelt(e), sowieso immer unterhaltsam. Aber mir war der gelegentlich absurde Größenwahn (absurd bspw., wenn die ‚Wessis‘ als Schuldige für die gescheiterte Olympiabewerbung ausgemacht wurden)  immer ein Stück näher, als das krampfhafte Verwalten des Bestehenden und die stillstehende Besitzstandwahrung, die dieser Republik und auch der Stadt sonst an so vielen anderen Stellen eigen ist.

Denk ich an Leipzig denk ich auch an die vielen Orte, an denen man dem magenorientierten Konsum fröhnen kann. Vor vielen, vielen Jahren ging in dieser Stadt nichts über die Rauchercafeteria der Uni Leipzig in der Innenstadt, die mit ihren gelben Wänden, der Luft zum Zerschneiden, ihrem herzrasenverursachenden Kaffee und dem Blick gen Grimmaische Straße leider von unbarmharzigen Abrissbaggern vernichtet wurde. Schmerzliche Erinnerung, diesem Prozedre aus dem auch nicht schlechten Ambiente des inzwischen auch dahingeschiedenen Coffee Culture aus der Prä-Starbucks-Ära beizuwohnen. Ein klein wenig des Charmes der ehemaligen Rauchercafeteria erhält sich in heutigen Tagen übrigens noch in der Skala am besseren Ende der Gottschedstraße.

Natürlich fällt mein Blick, wenn ich an Lieblingsorte in dieser Stadt denke, auch sofort auf die Red Bull Arena bzw. auf das Zentralstadion wie es noch hieß als ich es zum ersten Mal nach dem Umbau betrat. Das war mitten im Sommer 2004 als der SV Babelsberg 03 dem FC Sachsen einen Freunschaftsspielbesuch abstattete und ich zusammen mit reichlich 600 Zuschauern dem grottigen Kick beiwohnte, weil mir nach einigen Jahren Abstinenz der Sinn wieder nach Livefußball stand.

Das mit mir und dem Zentralstadion passte vom ersten Augenblick an. Die langen Stufen nach oben und der freudige Blick wieder nach unten ins Stadion, wenn man denn den Damm erreicht hat. Noch immer kribbelt es wie beim ersten Mal beim Stadionbesuch. Das Zentralstadion/ heute die Red Bull Arena ist ein Ort, an dem es sich immer wie Ankommen anfühlt. Egal ob 1.000, 10.000 oder 30.000 Zuschauer da sind. Da gibt es keine Distanz zwischen mir und dem Ort. Noch immer bin ich der festen Überzeugung, dass das mit mir und dem Versuch RB Leipzig (aus dem dann viel mehr wurde als ein Versuch) und damit auch mit diesem Blog hier ohne Zentralstadion/ Schüssel/ Red Bull Arena eher nichts geworden wäre.

Es gibt also viele Orte in dieser Stadt, an die zu denken und die zu besuchen sich (dauerhafte Existenz vorausgesetzt) weiterhin lohnt. Meinen tatsächlichen Lieblingsort Nummer 1 habe ich aber bisher nur einmal besucht und ich vermute, dass das auch so bleiben wird. Es war in den sehr frühen Morgenstunden an einem langsam anklopfenden Tag irgendwann Anfang April 2009, kurz bevor der Frühling mit ganzer Macht über die Stadt hineinbrechen sollte, als wir nach längerem Kampf und zu dritt, wo es bis dahin nur zu zweit gab, das Familienzimmer der Wöchnerinnenstation des Elisabeth-Krankenhaus zu Leipzig betraten. Erschöpft, ausgelaugt und hindurch schimmernd durch die Ereignisse der letzten Stunden auch ein wenig glücklich.

Was folgte war ein unglaubliches Fallen aus der Zeit. Abgeschieden von allem Alltag gab es bei voller Unterstützung durch das örtliche Personal für ein paar Tage nur noch Tochter und Frau anglotzen, zwischen Wickeltisch, Kinderbett und Badeversuchen rotieren und diesen Ausnahmezustand in aller denkbaren Ruhe genießen. Jenen Ausnahmezustand, der – wie sich später herausstellte – auch unter den Bedingungen des Alltags und permanent und deshalb nicht mehr ganz so entspannt bleiben sollte. Aber das ist wiederum eine ganz andere Geschichte, der mit meinem Leipziger Lieblingsort, wie er für ein paar Tage nicht viel perfekter hätte sein können und den auszutesten ich nur jedem Bewohner der Stadt empfehlen kann, nicht mehr viel zu tun hätte.

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6 Gedanken zu „Blogparade: Lieblingsorte in Leipzig“

  1. Wenn ich mich auch bis zum 17. Januar mit meinen Statements zu den teilnehmenden Beiträgen bedeckt halten wollte, komme ich nicht umhin, dir zu sagen, wie sehr mich die Wahl deines Lieblingsortes berührt. Wohlmöglich kann diese Empfindungen und die Verbundenheit mit jenen Räumen nur nach eigenem Erleben nachempfunden werden. Umso mehr sprichst du mir aus der Seele, da eben dies bei mir erst 6 kurze Monate zurückliegt… als auch wir mit unserem kleinen Mädchen diesen Ort wieder verließen, der unser Leben von einem auf den anderen Tag so sehr veränderte.

    Alles Liebe,
    Adelina

  2. Der liebste Lieblingsort gefällt mir sehr gut! Durfte letzten Sommer ähnliches erleben und dem gesamtem Team des „Ellies“ sehr dankbar für den gelungenen Start in einen neuen zauberhaften, wenn auch tw. anstrengeden Alltag!

  3. ! In Sachen Sport ist es in dieser Stadt, in der man von ganz großem träumt und meist im ganz kleinen werkelt(e), sowieso immer unterhaltsam. !
    Die Sportstadt Leipzig träumte nicht nur groß sondern war ‚groß‘. Sie beherbergte eine Armada von erfolgreichen Olympiateilnehmern und Weltmeistern im Rudern, Radsport, Schwimmen, Turnen, Handball, Volleyball. Zur Sportstadt Leipzig gehörte auch die DHfK als Lehr- und Forschungsstätte mit weit überregionaler Ausstrahlung.
    Der wehmütige Blick gerade auf diese Vergangenheit ist ein Quell der Träume. Mich als betagteren Zeitgenossen kümmert das gegenwärtige Erscheinungsbild, um so mehr hoffe ich dass sich unser Lieblingsverein vor allem sportlich entwickelt.

  4. „Wohlmöglich kann diese Empfindungen und die Verbundenheit mit jenen Räumen nur nach eigenem Erleben nachempfunden werden.“

    Wohl wahr..

    @Adelina und @rebekka: Gleich drei BloggerInnen mit guten Erinnerungen ans Elisabeth-Krankenhaus, das ist ja witzig. Und schön zu hören. Viel Spaß und Glück noch in der vergleichsweise frischen Situation mit Kind.

    @Schaxel: Das mit dem Träumen bezog sich auf die Mannschaftssportarten nach der Wende. Das hätte ich vielleicht irgendwo anmerken sollen..

    @Andre: Yeah (und ja, hier an dieser Stelle war es schwer am Stadion vorbeizukommen).

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