Reine Nervensache?

Da ist sie dann wohl, die Krise. Zum ersten Mal in dieser Saison gelang RB Leipzig in zwei Spielen hintereinander nur ein Tor. Dazu ein erst kurz vor Schluss gesicherter Sieg bzw. gesichertes Unentschieden in Zwickau und gegen Jena. Gegen Jena zum vierten Mal in dieser Saison in Rückstand geraten und bereits zum dritten Mal nicht in der Lage gewesen, das Spiel zu einem Sieg zu drehen. Man könnte fast hoffen, das Spiel beim Berliner AK würde, so wie es sich angesichts der Witterung vermuten ließe, tatsächlich ausfallen, denn eine Trendwende scheint nicht in Sicht. Oder so.

(Nur falls es nicht deutlich genug war, bis hierhin war das natürlich Unsinn, aber:) Wenn man basierend auf den letzten Wochen ein wenig in der komfortablen Situation des Tabellenführers herumstochern will, dann fällt zumindest auf, dass RB Leipzig ein wenig die Ruhe und das Vermögen verloren zu haben scheint, den jeweiligen Gegner bei eigenem Ballbesitz zu bespielen. Vieles, gerade in den letzten zwei Spielen, aber nicht nur da, lief über lange Bälle auf Frahn und Kutschke, die per Kopf in wechselseitigen Verlängerungen oder Ablagen auf die Mitspieler den Ball sichern sollten. Das fiel auch FCC-Coach Petrik Sander vor dem Spiel in Leipzig auf und hatte seine Mannschaft auf dieses Stilmittel bestens eingestimmt. Auch wenn die Erinnerung sicherlich trügt, blieb kein einziges relevantes gewonnenes Kopfballduell der beiden Stürmer im Kopf. Derart abgemeldet im Luftkampf hat man sie selten gesehen. Nicht mal in der Vorwoche bei den robsuten Luftkämpfern aus Zwickau.

Es gab in dieser Saison schon ab und zu Phasen, in denen man vom spielerischen Weg abkam und die Versuche über die langen, hohen Bälle und die zweiten Bälle übertrieb. Es waren dies auch die Phasen, in denen man nicht ganz so gut aussah (Plauen zum Beispiel). Gut sah man immer dann aus, wenn man mit viel Aufwand und Geduld Lücken in die gegnerische Verteidigung zu spielen versuchte. Bisher kamen die RasenBallsportler nach Ausflügen in die Welt des Bälle nach vorn Schlagens wieder zurück in die Spur des Passspiels. Es wird wohl auch nach dem Jenaspiel, in dem man trotz aller Schwierigkeiten beobachten durfte, dass die dichte gegnerische Verteidigung für schnelles, direktes Spiel anfällig ist, wieder so sein.

Wenn man weiterstochern will, dann bleibt auch der Fakt, dass RB Leipzig zum dritten Mal in Folge das Knüllerheimspiel zum Abschluss der Hinrunde nicht gewinnen konnte. 1:1 gegen den Chemnitzer FC, 0:1 gegen den Halleschen FC und nun wieder 1:1 gegen Carl Zeiss Jena. Eine ziemlich gespenstische Serie, in der das letzte Resultat im Gegensatz zu den anderen beiden aufgrund des diesjährig wesentlich besseren Tabellenstandes nicht als depremierend durchgeht.

Nimmt man mal die Zuschauergrenze von 10.000 als willkürlich gesetztes Kriterium (und nimmt das letztjährige Spiel gegen Magdeburg vor 9.800 Zuschauern als kanpp dran mit hinzu), dann stellt man fest, dass RB Leipzig in zweieinhalb Regionalliga-Jahren fünf von insgesamt 11 dieser Partien mit vielen Zuschauern gewinnen konnte, viermal Unentschieden spielte und zweimal verlor (in Chemnitz und gegen Halle). Das klingt zuerst einmal nach einer halbwegs vernünftigen Bilanz, auch wenn der Punkteschnitt für diese 11 Partien mit 1,73 pro Spiel deutlich unter dem Punkteschnitt für die restlichen 68 Regionalligapartien liegt (2,26 Punkte pro Spiel). Was vielleicht auch nicht verwundert, bedenkt man, dass es in Spielen mit vielen Zuschauern auch meist gegen hochkarätige Mannschaften geht. Gilt natürlich in gleichem Maße für die Tore (1,64:0,82 vs. 2,13:0,90).

Sieben der 11 Spiele mit mehr als 10.000 (bzw. eben knapp dran) Zuschauern waren Heimspiele. Auch hier konnten nur knapp die Hälfte der Spiele, nämlich drei gewonnen werden. Interessant hierbei die Bilanz in Spielen gegen Gegner mit großem Anhang (und groß heißt 1.000 Fans aufwärts), denn nimmt man nur diese Spiele, dann ist die Bilanz doch insgesamt ziemlich bescheiden. In fünf Spielen stehen hier ein Sieg (gegen Magdeburg vor reichlich zwei Jahren), drei Unentschieden (Chemnitz 2010, Magdeburg 2011, Jena 2012) und eine Niederlage (Halle 2011) zu Buche. Bei 5:5 Toren. Macht nur 1,2 Punkte und 1:1 Tore pro Spiel. Und macht auch, dass RB Leipzig seit über zwei Jahren keinen Heimspiel-Publikumsknüller mit hoher Gästefanbeteiligung mehr gewonnen hat! (Die anderen zwei sehr gut besuchten Heimspiele in den letzten zweieinhalb Regionalligajahren, in denen die Gästekurve aber gar nicht bis überschaubar gefüllt war, gewann RB Leipzig (Hannover 96 II, Kiel) übrigens.)

Alles in allem legt dies die Schlussfolgerung nahe, dass es für RB Leipzig schwierig ist, im eigenen Stadion ungewohnterweise gegen eine Mannschaft mit erheblicher Fanunterstützung ankämpfen zu müssen. Man könnte dies als Gegenthese zur kürzlich per wissenschaftlicher Expertise verbreiteten Aussage, dass der Zuschauereinfluss auf Spiele gering ist, nehmen. Wobei sich dann gleich die Frage stellt, was die Ursachen dafür sind, dass sich die RasenBallsportler in solchen Spielen so schwer tun. Und die möglichen Antworten dürften sich auch um die besondere Motiviertheit der jeweiligen Gäste drehen, für die die jeweiligen Spiele mit einem solchen unalltäglichen Anhang die Spiele des Jahres sind, in die sie aufgrund der Favoritenstellung von RB fast immer ohne größeren Druck gehen können. Und die Antworten dürften sich auch um die Psychologie der RasenBallsportler als Favoriten, als ständige Kämpfer gegen Widerstände drehen.

In Bezug auf das Kommende könnte dies ein wenig beängstigend sein, denn in der Rückrunde warten mit den Heimspielen gegen Lok, Magdeburg und Zwickau noch drei Partien, die die hier angelegten Kriterien (viele Zuschauer, viele Gästefans) vermutlich erfüllen werden. Ein paar Pünktchen mehr als 1,2 pro Spiel dürften es dann gerne sein.. Andererseits macht die Bilanz der aktuellen Saison in Spielen mit mehr als 10.000 Zuschauern da auch Mut, denn in den bisher drei Partien dieser Saison in Magdeburg, ‚bei’ Lok und gegen Jena holte RB immerhin sieben Punkte bei 8:2 Toren. Was besonders auffällig deswegen ist, weil der Kontrast zur Bilanz der letzten zwei Jahre in solchen Spielen so deutlich ist (8 Spiele, 12 Punkte, 10:7 Tore).

Und auch in Bezug auf die mögliche, aber noch sehr weit entfernte Relegation sind die Daten nicht so beunruhigend, wie sie zuerst einmal erscheinen. Zum einen würde man sowieso nicht auf einen ostdeutschen Verein, wie es Chemnitz und Halle als Kontrahenten in den letzten zwei Jahren waren, treffen. Zum zweiten wäre von den für das Relegationsheimspiel überhaupt infrage kommenden Gegnern, wohl nur Rot-Weiss Essen ein Team, das den Gästesektor sehr gut füllen könnte. Und dass die es tatsächlich in die Relegation schaffen, ist doch einigermaßen unwahrscheinlich. Mit Abstrichen wären auch noch Holstein Kiel, Hessen Kassel und Waldhof Mannheim Kandidaten für viele Auswärtsfans, aber ob das übermäßig beeindruckende Dimensionen im Sinne der oben genannten Statistiken hätte, bliebe abzuwarten. Und zum dritten ist die Regionalliga-Bilanz der RasenBallsportler in Auswärtsspielen gegen Hochkaräter eigentlich ganz gut, zumindest wenn man die zwei Partien in Chemnitz und Halle, in denen es gegen den jeweiligen Aufsteiger um nichts mehr ging, weg lässt. Abgesehen davon bleibt in einem Topspiel eigentlich nur noch die letztjährige Niederlage in Kiel als Negativerlebnis übrig (wobei dies ein Spiel mit deutlich unter 10.000 Besuchern war).

Fazit: Wie immer nur eine kleine statistische Spielerei mit einigen Daten, bei denen man letztlich auch abwinken kann. Relevant bleibt dabei trotzdem die sehr, sehr durchschnittliche Bilanz von RB Leipzig in den Heimspielen gegen Gegner mit großem, lautstarken Anhang. Denn darin deutet sich ein wenig an, dass es den RasenBallsportlern unter besonderem Gegenwind und besonderem Druck nicht immer leicht fällt, die Ruhe und Gelassenheit zu bewahren, das eigene Spiel auch dem eigenen Plan entsprechend durchzubringen. Offenbar lässt man sich in solchen Partien dann doch vermehrt vom Weg abbringen, wie sich eindrücklichst letztes Jahr gegen Halle und dieses Jahr gegen Jena gezeigt hat. Spielsicherheit unter Druck (auf und abseits des Spielfelds) dürfte in diesem Jahr spätestens seit Magdeburg ein Thema sein. Und es wird vor allem in Hinblick auf die am Ende hoffentlich wartende Relegation auch eins bleiben..

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2 Gedanken zu „Reine Nervensache?“

  1. Umso wichtiger erscheint es dann doch, dass wir als Fans vom RBL dafür sorgen, dass wir, vor allem in Sachen Lautstärke und Support) dem Gegner deutlich überlegen sind und der Mannschaft durch unsere Anwesenheit Sicherheit vermitteln können!

  2. Nette Zahlenspielchen. Dein Titel trifft es genau. Kopfsache… Da füge ich mal an, dass es gegen keine der anderen Topmannschaften der Vorjahre (C, WOB II & HFC, Kiel) nach Europapokalarithmetik zu einem Weiterkommen gereicht hätte.

    Dieses Jahr gibt es in der Liga kein Top-Team. Die 3 Verfolger haben alle einen substantiellen Makel. Jena und Magdeburg sind im Neuaufbau und Zwickau ist Aufsteiger. Um so wichtiger, dass Jena nun dennoch in der Lage war, Defizite aufzuzeigen. Kann Gold wert sein. Auch für Jena – wenn wir nächste Saison weg statt noch da sind 🙂

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