Kaderkonstanz und vorbildliche (Teilzeit-)Jobber

Wir stehen jede Woche in der speziellen Beobachtung. Dann spielst du in Bischofswerda im Pokal und gewinnst da 3:0 und dann heißt es in den Medien – schöne Grüße an Frau Gabriel [BILD-Redakteurin/ Anmerkung rotebrauseblogger] – schon wieder was von ‚B-Elf‘ und ‚rumpeln sich in die nächste Runde‘. Keine Mannschaft der Welt spielt über eine ganze Saison auf Top-Niveau. Da muss man auch mal sagen „Jungs, ihr macht alle einen richtig guten Job dieses Jahr.“ Wir haben fünf Spieler zu Hause, die Vollgas mitziehen (z.B. Karikari und Hoffmann). Und am Wochenende kriegen sie dann die Info, dass sie in der zweiten Mannschaft spielen. Da fällt mir ein Stein vom Herzen, dass alle mitziehen. (Alexander Zorniger auf der Pressekonferenz nach dem 1:0 von RB Leipzig in Zwickau.)

Das ist tatsächlich ein sehr erstaunliches Phänomen, das sich vermutlich auch darin begründet, dass in dieser Saison die Erfolgsquote relativ hoch ist und die nicht verletzten Spieler mit den geringeren Einsatzzeiten (neben Hoffmann und Karikari wären noch insbesondere Sebastian und Koronkiewicz zu nennen) relativ wenig Anlass haben, eine Änderung im Team zu erwarten. Trotzdem, dass im Kader offenbar alle an einem Strang ziehen, ist bemerkenswert und dass die Spieler, die sonst wenig zum Zuge kommen, nach Bischofswerda fahren und dort einen völlig verdienten und sicheren Sieg einfahren, auch (Profis hin oder her, es sind zu guter Letzt vor allem Menschen..). Aber davor hatte ich ja schon im Bericht zum Sachsenpokal-Viertelfinale meinen Hut gezogen.

Es ist tatsächlich so, dass die Chancen in diesem Jahr ins Team zu kommen relativ gering sind. Roman Wallner hatte dies laut einer Aussage in einem vor drei Tagen erschienenen Interview [broken Link] bereits vor der Saison gewusst und sich deswegen für einen Wechsel entschieden:

Ich habe gewusst, dass die Liga sehr schwach ist und Red Bull fast jedes Spiel gewinnen wird. Und dann spielt eben die Mannschaft, für die sich der Trainer am Anfang entschieden hat, quasi durch. Ich wollte nicht zwei Jahre auf der Bank sitzen, sondern weiter kicken.

Und Roman Wallner sollte mit seiner Prognose ein Stück weit Recht behalten, denn in bisher 13 Regionalliga-Spielen standen die 11 meisteingesetzten Spieler (Coltorti, Franke, Frahn, Kaiser, Müller, Rockenbach, Hoheneder, Kutschke, Judt, Schulz und Schinke) im Durchschnitt insgesamt 85,1% der Spielzeit bzw. knapp 77 Minuten auf dem Platz. Was noch einmal ein bisschen mehr ist als vor einem Jahr unter Pacult, als die ‚Stammelf‘ 83,6% der gesamten Spielzeit bestritt (damals allerdings nach 18 Spielen berechnet und nicht nach 13). Und was relativ wenig Platz lässt für Kaderrotationen.

Von der Alexander Zorniger, wie er einmal bemerkte, sowieso kein Anhänger ist. Ein klares Mannschaftsgerippe sei die bessere Alternative. Und der Kern der Mannschaft steht. Bis auf ein, zwei Positionen im zentralen Mittelfeld, die aber zuletzt mit Schinke und Schulz auch fest besetzt waren, gibt es kaum Luft für Kaderüberraschungen. Angesichts dessen, dass es relativ wenig Verletzungen im Team gibt und die Anzahl der Pflichtspiele (nur 30 in der Regionalliga) gering ist, sind die Chancen für die Hoffmanns, Karikaris und Sebastians, zumindest solange sich die Spieler vor ihnen keine kapitalen Aussetzer in den Spielen oder im Training leisten, nicht sonderlich berauschend.

Und die Situation wird ja eher noch schwieriger. Bisher ist der Kader mit 25 Spielern, davon fünf Torhütern, relativ überschaubar. Zumal zwei Keeper plus Kocin und Nattermann langzeitverletzt waren. Sodass sich zuletzt lediglich 18 Feldspieler um 16 Kaderplätze stritten. Mit der Rückkehr von Kocin und Nattermann (der sich leider in der zweiten Mannschaft schon wieder verletzte – Ausfallzeit unklar) waren es bereits 20 Spieler und 16 Plätze. Wenn in der Winterpause tatsächlich noch die avisierten zwei, drei Verstärkungen kommen sollten, dann wären es (vorausgesetzt, es gibt nicht auch Abgänge) 22 bis 23 Feldspieler und 16 Kaderplätze. Diese Situation mit längerer Verletzungsfreiheit könnte schon eher zu Ersatzspielerstress führen. Andererseits nehmen im Saisonverlauf auch Pausen wegen Gelbsperren zu und wäre es angesichts der jetzigen Tabellensituation denkbar, dass der Trainer Richtung Saisonende auch in den Pflichtspielen Zeit zum Experimentieren bekommt, sodass der Ersatzbank-Frust eventuell gar nicht so groß werden würde.

Festhalten kann man aktuell auf jeden Fall, dass RB Leipzig über eine relativ klare Kern-Stammelf verfügt. Das ist für die Spieler dahinter eine weniger gute Nachricht, führt aber offenbar trotzdem nicht dazu, dass auf den Feldspieler-Positionen 12 bis 20 im Training weniger intensiv gearbeitet wird, als auf den Positionen 1 bis 11. Ein klares Indiz dafür, dass neben den Ergebnissen auch die Stimmung im Team stimmt. Im Moment läuft rund um den RasenBallsport tatsächlich relativ viel glatt (natürlich auch, weil man sich das erarbeitet). Spannend wird es eigentlich erst, wenn es Probleme geben wird oder Dinge ins Stocken kommen. Und beides ist so unausweichlich mit dem Fußball verbunden, wie nasskaltes Wetter mit dem November. Auch darauf darf man aber guten Gewissens gespannt sein.

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Einsatzzeiten der 11 meisteingesetzten Spieler der vier Spitzenmannschaften

  • RB Leipzig: 10950 von 12870 Minuten = 85,08 % = 76,6 Minuten/ Spiel
  • FC Carl Zeiss Jena: 10465 von 12870 Minuten = 81,3% = 73,2 Minuten/ Spiel
  • FSV Zwickau: 11040 von 12870 Minuten = 85,8% = 77,2 Minuten/ Spiel
  • 1.FC Magdeburg: 10327 von 12870 Minuten = 80,2% = 72,2 Minuten/ Spiel

Einsatzzzeiten der Spieler von RB Leipzig (in Minuten):

  • Fabio Coltorti: 1170
  • Fabian Franke: 1170
  • Daniel Frahn: 1161
  • Dominik Kaiser: 1157
  • Christian Müller: 1125
  • Thiago Rockenbach: 1082
  • Niklas Hoheneder: 1024
  • Stefan Kutschke: 927
  • Juri Judt: 855
  • Bastian Schulz: 741
  • Paul Schinke: 538
  • Timo Röttger: 513
  • Sebastian Heidinger: 457
  • Carsten Kammlott: 399
  • Henrik Ernst: 289
  • Tim Sebastian: 169
  • Patrick Koronkiewicz: 67
  • Jeremy Karikari: 9
  • Domaschke, Bellot, Hamrol, Kerner, Hoffmann, Kocin und Nattermann noch ohne Einsatzminuten.

Daten allesamt basierend auf bzw. im Fall der Spielereinsatzzeiten von RB Leipzig direkt von transfermarkt.de

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2 Gedanken zu „Kaderkonstanz und vorbildliche (Teilzeit-)Jobber“

  1. Auch für mich hat sich die „B-Elf“ in die nächste Runde gerumpelt, schöne Grüße an A.Z., dessen Fan ich aber bleibe. Was soll er aber sonst sagen? Fast alle Spieler vom Mittwoch würde RB gern in der Winterpause abgeben, da war keiner dabei, welcher sich in der 3. Liga durchsetzen wird. In der Play-off-Elf vom Mai 2013 dürfen nur Spieler stehen, welche auch für die 3. Liga „gesetzt“ sind, anderenfalls haben wir schon verloren, da lege ich mich mal fest.
    Ich will mit dem Statement wirklich nicht die Weihnachtsstimmung verderben, aber insbesondere in der pomadigen Abwehr müssen ein paar Neue kommen, Franke ausgenommen (meine Meinung).

  2. Ich sehe unser Team auch nicht durch die rosarote Brille.
    Für die angestrebte Relegation muss aus meiner subjektiven Sicht nachgebessert werden. Ich bin mir sicher, dass die derzeitige Stammelf nicht die Elf sein wird, die in der Relegation antreten wird.
    Doch wir sollten den Abend nicht vor dem Morgen loben.
    Erst wenn rechnerisch der 1.Platz sicher ist, dann geht es in die Relegation, Statistik hin oder her.
    Freue mich auf Sonntag. Der FCC war als Knirps mein Lieblingsverein.

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