Außersportliche Brisanzen

[So technischerseits alles klar geht, gib es unter diesem Text ab 11 Uhr den Liveticker von der heutigen Pressekonferenz vor dem Spiel RB Leipzig gegen Germania Halberstadt. Angekündigt sind Sebastian Heidinger und Alexander Zorniger. Anmerkungen, potenzielle Fragen und Co gern als Kommentar unter dem Text.]

Bereits zum fünften Mal treffen am Sonntag (zur gewohnten Uhrzeit um 13.30 Uhr in der Red Bull Arena) RB Leipzig und Germania Halberstadt aufeinander. Fast könnte man für RB-Verhältnisse schon von einer Art Traditionsduell sprechen. Vier Mal ging bisher RB Leipzig als Sieger vom Platz. Nur einmal allerdings gelang ein Sieg mit mehr als einem Tor, damals noch in der NOFV-Oberliga Staffel Süd im Frühjahr 2010 (mit 2:0).

In Regionalligaspielen ist RB Leipzig damit gegen Halberstadt noch mit weißer Weste. Eine Bilanz, die RB nach zwei Jahren Regionalliga Nord außerdem mit je zwei Siegen nur noch gegen Oberneuland und gegen Meppen vorweisen kann (Voraussetzung: bereits mindestens zwei absolvierte Spiele gegen den Verein). Gegen alle anderen Gegner haben die RasenBallsportler bereits auf die eine oder andere Art und Weise Punkte liegen gelassen. Im Spiel gegen Halberstadt bietet sich also die Chance, die weiße Weste auf Rekordniveau auszubauen, denn in der Regionalligabilanz von RB gibt es keinen Gegner, gegen den man mindestens drei Mal spielte und verlustpunktfrei blieb.

Am eindrücklichsten in Erinnerung aus den Aufeinandertreffen mit Halberstadt dürfte allerseits noch das 3:2 aus dem letzten Winter sein, als man einem bereits die Feier planenden Gast noch einen 2:0 Vorsprung aus den Händen riss und durch drei Tore in den letzten 10 Minuten mit 3:2 gewann. Der sympathische, damalige Halberstädter und inzwischen Magdeburger Coach Andreas Petersen berichtete anschließend von Tränen in der Kabine. Ich erinnere mich nur an einen übereuphorischen kollektiven Jubeltaumel (der zwei Spieltage später gegen Halle aber ordentlich zurechtgerückt wurde..) und ein Spielerknäuel. Aus emotionaler Perspektive war das damals eine geile Nummer, fußballerisch war es alles in allem eher mau.

Von den damals beteiligten RasenBallsportlern werden mit Müller, Franke, Rockenbach, Heidinger, Kutschke und Frahn sechs Spieler ziemlich sicher auflaufen. Röttger oder eventuell Schulz haben Chancen auf die Startelf oder eine Einwechslung. Was alles in allem zeigt, dass der Umbruch in diesem Sommer kein riesiger war.

Auf der anderen Seite werden bei Germania Halberstadt mit Handke, Schubert und Scheidler wohl nur drei Spieler auf dem Feld stehen, die schon vor einem Jahr dabei waren. 17 Abgänge und 12 Zugänge verzeichnete die Nummer 3 Sachsen-Anhalts vor der aktuellen Saison. Plus einen neuen sportlichen Leiter/ Geschäftsführer Fait-Florian Banser und einen neuen Trainer Willi Kronhardt. Nie war der Begriff Umbruch treffender als bei Germania Halberstadt im Sommer 2012.

Aus dieser Perspektive ist es schon eine kleine Überraschung, dass Halberstadt trotzdem bereits acht Punkte gesammelt hat und aktuell auf Tabellenplatz 4 liegt. Zwar waren auch noch keine absoluten Spitzenteams die Gegner, aber mit Plauen, Hertha II und Meuselwitz wurde man von eigentlich guten Regionalliga-Teams bisher nicht geschlagen. Ein Einbruch zu Saisonbeginn wäre jedenfalls aus Vorsaisonperspektive nicht überraschend gewesen, gekommen ist er bisher nicht.

Neu-Coach Willi Kronhardt, der vom ehemaligen Arbeitgeber Lok Leipzig gleich noch den jungen Verteidiger Tino Schulze mitbrachte und von RB Leipzig II den Ex-Sachsen Sven Seitz übernahm, scheint jedenfalls die passenden Worte zu finden für seinen sehr jungen Kader, der bis auf den ehemaligen Bundesligaprofi  und letzten Neuzugang Emmanuel Krontiris (29) noch auf fast allen Positionen als U23-Kader durchgehen würde. Halberstadt hat sich im  Sommer sehr viel Talent in die Mannschaft geholt, willige Spieler, die auf des Trainers Worte zu hören scheinen, aber dass am Ende der Saison Rang 4 oder gar besser steht, ist extrem unwahrscheinlich.

Was auch daran liegt, dass ich mir in meiner Meinung über Willi Kronhardt noch nicht sicher bin. Das wiederum liegt auch daran, dass Kronhardt als Cheftrainer noch auf keiner seiner Stationen längere Zeit (also länger als ein Jahr) arbeitete. Es könnte darauf hinweisen, dass Kronhardt kein nachhaltiger Aufbauer, sondern eher kurzfristiger Motivator ist, aber das ist wohl ziemlich nah dran an überinterpretiert. In dieselbe Richtung verwiese, dass er bei Lok in den ersten sechs Spielen fünf Siege bei 16(!) geschossenen Toren und nur einem(!) Gegentor errang. Anschließend folgten vier Niederlagen am Stück bei 2:8 Toren, woraufhin wieder drei Siege mit 6:2 Toren folgten (wobei das durch die besondere Aufstiegssituation allesamt bereits Endspiele waren. Ein ziemliches Auf und Ab, in dem sich nicht unbedingt eine klare sportliche Hand widerspiegelt. Aber auch das ist eventuell ziemlich überinterpretiert. Letztlich bleibt nur das (nun überprüfbare) Bauchgefühl, dass Kronhardt eher für Motivation denn feine Fußballklinge spricht.

Diese Interpretation spräche zudem zumindest für ein völlig anderes Spiel als vor einem knappen Jahr, denn damals war es vor allem ein taktisch sehr gut eingestelltes Halberstädter Team im 4-1-4-1, das es RB Leipzig schwer machte. Als dann irgendwann die Akkus leer waren, reichte das aber nicht mehr. Sollte Halberstadt in diesem Jahr wieder mit taktischer Idee kommen, dann sind sie nicht chancenlos, kommen sie nur zum Kämpfen und Punkt verteidigen, dann werden sie ganz ohne Ansätze von Erfolg wieder die Heimreise antreten. Was mir natürlich recht sein soll(te).

Ihre besondere Note erhält die Partie weniger aus ihrer tabellarischen Spitzenspielsituation (1. gegen 4.) als vielmehr aus verschiedenen Vorkommnissen des vergangenen Jahres. Fielen die Halberstädter Spieler schon in Leipzig mit überschwänglichem Jubel vor dem RB-Block auf (was für mich ok ist, siehe auch Rockenbach und Kutschke im Derby gegen Lok), soll Stürmer Christian Beck im Rückspiel ein Tor mit dem berühmten Stinkefinger gen Gästeanhänger gekrönt haben, während der Stadionsprecher seiner Freude über die deutliche Führung des damaligen Konkurrenten Hallescher FC noch vor der Halbzeitpause laut und vornehmlich Richtung Gäste Ausdruck verlieh. Nicht zuletzt setzte Fait-Florian Banser mit seiner öffentlichen Klagedrohung gegen RB wegen des (vermutlich nicht regelkonformen) Probetrainings von Christian Beck in Leipzig seine persönliche Unterschrift unter das Konglomerat an kleinen Geschichten, die zusammengenommen bei den RB-Anhängern erheblichen Unmut hinterlassen haben. Was durchaus einen Beitrag zu einer für ein Spiel gegen einen durchschnittlichen Regionalligisten besonderen Stimmung leisten könnte.

Christian Beck seinerseits ist zwar das eigentliche Ziel des Unwillens der RB-Anhänger, aber nur noch als Thema aber nicht mehr als Person anwesend. Sein Versuch einen Wechsel von Germania Halberstadt weg durchzudrücken, scheiterte jedenfalls grandios und führt aktuell dazu, dass Beck irgendwo für sich allein Waldläufe durchführt und immer schrägere Details zur Nichtwechsel-Story hinzufügt. Details, die ich ob ihrer Widersprüchlichkeit schon lange aufgegeben habe, verstehen zu wollen. Im neuesten Streich beschwerte er sich via Medien, dass Halberstadt 70.000 Euro Ablöse für ihn verlangt habe. Das sei viel zu viel für die vierte Liga meint er und soll gleichzeitig mit Gehaltswünschen von 5.000 Euro hausieren gehen. Really? Und sowieso, wer hat eigentlich den Vertrag bis 2013 in Halberstadt unterschrieben? Und hat dann der Verein nicht das Recht jede Ablöseforderung für einen Spieler mit Vertrag zu stellen, die ihm genehm ist? Das wohlwollendste, was sich über Beck und seinen Wechselsommer sagen lässt, ist, dass er wohl schlecht beraten wurde.

Nun gut, das alles sind maximal Begleitgeräusche für Teil 5 der Regionalliga-Saison (unglaublich, aber wahr und beneidenswert: in Bayern wird man am Wochenende Spieltag Nummer 13 angehen!), die nun endlich (ist ja auch erst fast Ende September) ins Rollen kommt und (inklusive Sachsen-Pokal im Oktober) ab jetzt jede Woche ein Spiel bringt. Sportlich gesehen eine, auch weil eine Woche darauf das schwere Spiel in Auerbach wartet, zu lösende und lösbare Aufgabe. Ich vermute, dass Halberstadt zwar hochmotiviert sein wird, erwarte sie aber spielerisch-sportlich nicht oberhalb von Neustrelitz.

In der Aufstellung von RB Leipzig wird sich das Spiel gegen Rathenow letzte Woche wohl nur insofern niederschlagen, als dass es kaum oder keine Veränderungen geben wird. Die einzige vakante Stelle sehe ich in der Besetzung des rechten Mittelfeldes, wo Timo Röttger eine kreative Pause erhalten könnte. Sollte dies der Fall sein, würde ich auf Paul Schinke links von Thiago Rockenbach und Sebastian Heidinger rechts davon tippen. Eine Systemumstellung scheint mir für dieses Spiel ausgeschlossen, da man gegen das 4-4-2, dass den Halberstädtern zugeschrieben wird mit dem fast schon gewohnten 4-1-3-2 besser fährt als mit einem eigenen 4-4-2 mit Doppelsechs. Aber ich lass mich da auch gern überraschen.

Fazit: Man muss Aufgaben nicht schwerer machen als sie sind. Die Aufgabe gegen Germania Halberstadt scheint ihre Brisanz jedenfalls nicht aus dem sportlichen Teil zu gewinnen, sondern vor allem aus dem Drumherum zweier Vereine, deren Verhältnis nicht (mehr) übermäßig freundschaftlich zu sein scheint. Was der Atmosphäre im Stadion und der Intensität des Spiels gut tun könnte. Und in intensiven Spielen sahen die RasenBallsportler in dieser Saison bisher alles in allem sehr gut aus.

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Liveticker Pressekonferenz vor dem Spiel RB Leipzig gegen Germania Halberstadt mit Sebastian Heidinger und Alexander Zorniger (ab 11 Uhr)

11.20

Das war es schon für heute. Nun darf man sich auf Sonntag und eine motivierte Mannschaft freuen. Daumen drücken. Ich glaube an ein gutes Spiel.

11.18

Zorniger: Unklar ob es nach letzte Woche personelle Veränderungen gibt, da es nicht an Einzelnen lag, sondern am Defensivverhalten der gesamten Mannschaft.

Zorniger: “Röttger ist innerhalb der Mannschaft ein ganz wichtiger Spieler. Aber er kommt nicht nur aus einer Verletzung, sondern aus mehreren, er braucht einfach noch eine Weile. Gegen Lok war er wie alle stark, in Rathenow wie alle nicht ganz so gut.”

Zorniger: “Spielen eigentlich mit drei Sechsern,deswegen ist Kaiser nicht allein auf der Sechs. Kaiser hat sein Potenzial immer wieder gezeigt (Vertikalpässe). Ich sehe ihn auf dem Weg, wo ich ihn haben will. Er muss in der Teamsteuerung zulegen. Das entspricht nicht unbedingt seinem Naturell. Auch Rockenbach hat Defensivaufgaben.”

Zorniger: “Halberstadt ist sehr aggressiv und schalten gut um. Plus gutes Kopfballspiel. Habe sie letzte Woche beobachtet.”

11.13

Heidinger zu letztem Spiel gegen Halberstadt: “Das war ein Abend der in Erinnerung bleibt. Solche Spiele drehst du nicht immer (nach 0:2 Rückstand in den letzten 10 Minuten gewonnen). Das war schon schön.”

Zorniger zu Bellot: “Seine Verletzung ist tragisch. Aber das gehört dazu. Das muss er annehmen. Man kann zweiTage das Gesicht runterhängen lassen und dann heißt es in der Reha angreifen. Und dann wird er wieder zurückkommen.”

Zorniger: “Karikari ist wieder verletzt. Da muss man abwarten. Bei Hoffmann muss man schauen. Menschlich ist er unter den Top 3 der Mannschaft, aber bei den Innenverteidigern kommt er gerade nicht an den anderen votbei. Er muss sich über die zweite Mannschaft präsentieren. Ich kann nicht nach Beliebtheit aufstellen. Alle Innenverteidiger bringen ihre Leistung. Auch Marcus Hoffmann wird wie alle anderen Einwechselspieler noch eine ganz wichtige Rolle spielen.”

11.08

Geht los. Mit Sebastian Heidinger.

Zu Rathenow: “War ein hartes Stück Arbeit. Nicht ganz so einfach wie vorgestellt.Sind zweimal zurückgekommen und haben mit einer am Ende guten Leistung gewonnen.”

Zu Halberstadt: “Wird nicht einfach. Dürfen wir nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wenn wir unsere Leistung bringen, haben wir eine gute Chance.”

Zorniger zu Rathenow: “Es war zu wenig Defensivorganisation. Da haben wir dran gearbeitet. Das wird uns schon am Wochenende weiterhelfen.” “Gegen Rathenow wollte jeder gewinnen, aber mit untauglichen Mitteln.” “Wir brauchen für unser aggressives Spiel alle Spieler.” “Versuchen gegen Halberstadt unser Potenzial abzurufen. Wenn wir das nicht tun, dann hat Halberstadt gute Chancen.”

11.04

Man lässt sich noch ein bisschen feiern. Vieleicht steckt ja Guido Schäfer noch im Stau und man will nicht ohne ihn anfangen..

11.00

Ronny vom Fanradio spielt heute die Bazillenschleuder. Mal sehen, wieviele er heute damit kriegen kann. Ich werde mich wohl mal besser fernhalten..

Sebastian Heidinger ist schon da, wird wohl auch bald losgehen.

10.52

10 Minuten noch bis zur Pressekonferenz. Noch ziemlich ruhig hier, aber das wird sich wohl gleich ändern..

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Ein Gedanke zu „Außersportliche Brisanzen“

  1. Also wenn du fragen kannst, dann wären folgende 2 Fragen für mich interessant:

    1) Was genau sind die Aufgaben von Kaiser, bei einem System mit einem 6er und wie hat sich Dominik bisher in den Spielen für ihn geschlagen.
    2) Wie weit sind Hoffmann und Karikari von der Mannschaft bzw vom Sprung in den Kader entfernt?

    Super Service RBB 🙂

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