Diskursive Randbemerkungen

Es ist schon erstaunlich, dass extreme Ereignisse oft dazu führen, dass sich die Meinungen und Verhältnisse noch weiter extremisieren, anstatt nach Möglichkeiten der Entspannung zu suchen. Fünf Tage ist das Derby jetzt her. Fünf Tage lang versuche ich nun schon, Ruhe mit einem Spiel zu finden, das bis zum Abpfiff geil war und dessen Anschluss man sich hätte sparen könne. „Ich behalte lieber die tolle, großartige Stimmung während der Partie in positiver Erinnerung.“, hieß die Konklusion bei den Blognachbarn von Abenteuer Fußball, die ich mir auch als Handlungsoption vornahm, die mir aber in der Umsetzung ziemlich schwer fällt.

Das öffentliche Kommunikationsrauschen lässt einen nämlich leider schwerlich zur Ruhe kommen. Und das öffentliche Kommunikationsrauschen führt offenbar aktuell auch zu einer kleinen Spirale, die die Kluft zwischen Lok und RB noch größer macht, als die Vorfälle zu nutzen, um näher aneinander zu rücken.

Um es mal vorneweg zu sagen. Die Medienberichterstattung war wieder mal keine Offenbarung, egal welches größere oder kleinere Produkt man sich nun herauspickt. Hauptproblem meiner Meinung nach weiterhin, dass sich alles nur um die Vorfälle auf dem Parkplatz vor dem Stadion drehte. Und diese natürlich in klassischer Medienmanier überstrapaziert wurden. Denn wenn dort wirklich 500 Leute angefangen hätten, irgendetwas zu stürmen, dann hätte der Parkplatz und sein Umfeld anschließend nicht mehr so ausgesehen, wie er auch eine halbe Stunde nach den Ereignissen noch aussah.

Es soll nichts beschönigt werden, an dieser Stelle passierten eklige Sachen wie gewaltsame Übergriffe, die von Lok-Anhängern ausgingen und sich im Zusammenspiel mit der Polizei zu einem Wasserwerfereinsatz hochschaukelten (inklusive einiger Lok-Verletzter, die nicht gerade nach kampferprobten Hooligans aussahen..). Und trotzdem bot die übertriebene Berichterstattung die erste Grundlage für die lokfanseitig gern genommene Interpretation, hier solle der Verein nachträglich durch übertriebene Stimmungsmache in ein schlechtes Licht gerückt werden.

Was aber viel schlimmer wiegt, ist die Tatsache, dass die völlig einseitige Fokussierung auf die Parkplatzvorfälle völlig außer Acht ließ, was an diesem Tag wirklich geschehen ist, nämlich dass diverse RB-Anhänger im gesamten Stadtgebiet bepöbelt, bespuckt, geschlagen und beraubt wurden. Diesen Skandal (und jeder einzelne geklaute Schal ist einer) noch nicht mal in einem Nebensatz zu erwähnen oder zu thematisieren, hat den Diskurs um den Sonntag doch erheblich beschädigt.

Die andere diskursive Sachbeschädigung resultierte aus Daniel Frahns Facebookeinträgen bzw. deren medialer Aufbereitung. Frahn hatte via Facebook behauptet, dass Frauen, Kinder und Rentner angegriffen worden seien und ein Rollstuhlfahrer aus seinem Gefährt gekickt worden sei. Letzteres wurde von den Medien aufgegriffen, stellte sich aber später als übertrieben heraus und wurde nun als „Lüge“ gebrandmarkt und als weiterer Indiz genommen, dass Lok hier zu Unrecht in ein schlechtes Licht gestellt werden soll.

Wobei der Umgang mit dem Vorfall extrem erstaunlich ist. Dass man sich lieber über die „Lüge“ des RB-Kapitäns echauffiert, weil er aus einem tatsächlich geschehenen Angriff auf einen Rollstuhlfahrer, bei dem dieser bespuckt wurde, einen Vorfall gemacht hat, der ein Umstürzen des Rollstuhls beinhaltet, anstatt sich darüber zu echauffieren, dass es diese Angriffe überhaupt gab, ist schon allerunterste Schublade.

Denn mal abgesehen von allen Übertreibungen und Scharmützeln bleibt übrig, dass auf dem Stadionvorplatz Lok-Anhänger Leute mit RB-Utensilien angriffen und sich anschließend mit der Polizei auseinandersetzten und im gesamten Stadtgebiet diverse RB-Fanutensilien unfreiwillig den Besitzer wechselten, während ich andersherum von keinerlei Fällen gehört habe, in denen dies mit Lok-Utensilien der Fall gewesen wäre. Das ist der Fakt und eigentlich müsste anschließend Stille einkehren und jeder tief in sich gehen, denn eigentlich ist damit auch (fast) alles gesagt.

Doch stattdessen windet sich die öffentlich wahrnehmbare Fraktion blau-gelb in Schuldzuweisungen an die Medien oder wen auch immer und verkündet Steffen Kubald via Leipziger Internetzeitung, dass er bei den Auseinandersetzungen keine bekannten Lok-Fans gesehen habe und man munkele, dass sich auf der Festwiese auch RB-Fans haben schlagen wollen (ergo: es waren vll. gar keine Lok-Fans und RB-Fans sind sowieso wahrscheinlich auch nicht besser). Es ist wie früher nach den Lokalderbys mit grün-weiß. In den Straßen der Stadt sind nur die blau-gelben Farben zu sehen (obwohl es vorher im Stadion ein Patt gab), es gibt einige Fälle von gewaltsamem Fanutensilienraub zur Sicherung der Dominanz im öffentlichen Raum. Und in der öffentlichen Berichterstattung war abseits des Stadions trotzdem alles ruhig. Bis zum nächsten Mal eben.

Darüber darf man zumindest reden, denn der Versuch abseits der großen Besucherströme durch Gewalt und das Verbreiten einer Angstkultur eine wie auch immer geartete Hegemonie herstellen zu wollen, ist ziemlich eklig und für eine Stadt wie Leipzig nicht hinnehmbar. Aber bevor man zum Punkt des nicht Hinnehmens kommt, sollte man es auch mal klar und deutlich wahrnehmen. Da wird die Androhung von Gewalt gegenüber Daniel Frahn auf Facebook ziemlich einhellig (und zu recht) gegeißelt, aber wenn Fußballanhänger wegen bestimmter Vereinsfarben im Umfeld eines Spiels beraubt werden, ist das kaum eine Randnotiz wert.

Eigentlich unglaublich, welche Prioritäten so in der öffentlichen Debatte gesetzt werden. Und eigentlich unglaublich, dass nicht mal nach den außersportlichen Vorkommnissen des Derbys ein länger andauernder Moment der Stille eintritt, in dem man in sich geht und mit einem lockeren, aber sicheren „So nicht.“ zurückkommt. Stattdessen Kämpfe um die Diskurshoheit und noch mehr Krach und verbale Schläge.

Vielleicht muss man sich das bei vielen Lok-Fans so vorstellen, dass man sich in dieser Stadt eh nie sonderlich bevorteilt und in den letzten Jahren immer auf Nazis und Gewalt reduziert sah. Daraus resultiert eine Entwicklung in der die Umwelt (Medien, Stadt, andere Vereine) sowieso immer erstmal etwas Außenstehendes oder gar Feindliches ist, gegen das man die Schotten dicht zu machen hat (mal ganz frei aus der Außenperspektive interpretiert). Dazu kommt dann 2009 mit RB Leipzig noch ein Verein, der sich direkt vor die eigenen sportlichen Perspektive pflanzt und die Sicht verstellt. Klar, alles was mit RB Leipzig zu tun hat, dürfte von vielen nicht unbedingt positiv interpretiert werden.

Man hat also mit Lok einen Verein und eine Vereinskultur, für die es sehr wichtig ist, die eigene Kraft zu betonen und sich von anderen (z.B. ‚den da oben‘) zu distanzieren. Und trotzdem ist es erstaunlich und tatsächlich (hoffnungsfroh) nur dadurch zu erklären, dass die falschen Vorkommnisse im Fokus stehen oder die entsprechenden Gruppen nicht Teil der Debatte sind, dass es von Lok-Seite nach den Nachderbyereignissen gerade aus so etwas wie einem gesetzteren Fanspektrum (fast) keine gemäßigten Reaktionen gibt, die die Probleme zumindest erst mal anerkennen.

Was zu der völlig absurden Situation führt, dass wie in den Lok-Anfangsjahren große Teile der städtischen Öffentlichkeit auf Nazis und Gewalt bei Lok einprügeln und den Verein in die Verantwortung nehmen wollen und der Verein bzw. sein Umfeld aufgrund seiner eigenen Perspektive die Schotten schon wieder weitestgehend dicht gemacht hat/ haben dürfte. Absurd auch deswegen, weil beim letzten Mal als Lok anfing die Probleme mit dem (rechten) Gewalt-Rand im Verein anzugehen, es vor allem Steffen Kubald war, der mit seinem Handeln bald relativ allein da stand. Von all den Forderern und aufrichtigen Demokraten, die sich vorher noch über Lok aufregten, war kaum einer da, als Kubald mit Anfeindungen umgehen musste. Auch dies sollte man im Hinterkopf behalten.

Klar, es wäre doch so schön einfach. Wir hier die rot-weißen Guten, da die blau-gelben Bösen. Aber bereits mit diesem unseligen „die“ beginnen (neben dem schwer zu fassenden „wir“) die Probleme, die zu geschlossenen Lok-Reihen geführt haben. „Die“, also der Verein Lok Leipzig ist ein Leipziger Fußballverein, der in seiner ganzen Breite und mit viel ehrenamtlichen Einsatz zu erst einmal Fußball für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Frauen anbietet. Ein Verein, der auf ganz verschiedenen Ebenen sportlich absolut vernünftig arbeitet und so seinen Beitrag zur Leipziger Sportkultur leistet.

„Die“, also der Verein Lok Leipzig ist aber auch ein Verein mit einer Männermannschaft im Fokus der Öffentlichkeit, der in der Dreiteilung rot-weiß, grün-weiß und blau-gelb mit den Menschen umgeht und umgehen muss, die sich für blau-gelb entscheiden. Das mögen nicht immer die sein, die sie haben wollen, aber so richtig ein Wunschkonzert ist das im ersten Schritt auch nicht. Und in der rechts-links-Entwicklung der letzten 20 Jahre sind es eben vor allem auch politisch nicht immer angenehme Zeitgenossen, die sich Lok als Teil ihres persönlichen Identitätsprojekts auswählen. Und mit denen der Verein umgehen muss. Das macht er vermutlich nicht immer clever und die Kubaldsche Vaterperspektive erscheint mir auch nicht immer zielführend, aber es ist nun beileibe auch nicht so, dass der Verein ein ausschließlicher Spielball politisch fragwürdiger Figuren wäre.

Es darf sich jedenfalls einmal jeder den Spagat vorstellen, den Lok im Alltag hinbekommen muss und jeder darf sich einmal vorstellen, wie er damit jenseits des klugen Redens umgehen würde. Die Linie bei Lok scheint zu sein, dass man Personen eher selten ausschließt, aber bestimmte politische Inhalte nicht auf das Vereinsgelände dürfen. Das klingt nicht extrem rigoros und ist es vermutlich auch nicht, aber Sozialarbeit funktioniert letztlich auch nicht anders..

Trotzdem darf man natürlich nicht vergessen, dass sich jene, die sich am Sonntag auf die Suche nach RB-Fans machten und diese beraubten, natürlich im Einklang glaubten mit einer so wahrgenommenen Lok-Mehrheitsmeinung. Letztlich sind jene, die die Straße für sich behaupten wollen, nicht so weit weg von Lok wie Lok-Coach Rose das in seiner ersten Stellungnahme gerne gehabt hätte. Die Angriffe auf RB-Anhänger sind in dieser Logik letztlich nur der konsequentere Schritt, der die ablehnende Haltung des Vereins Lok gegenüber RB auch auf die Straße trägt.

Was jetzt nun nicht heißen soll, dass Lok sich seiner eigenständigen Identität fern ab von RB berauben soll. Sich einen Verein vorzustellen, der anderen Prinzipien folgt als dies die (sportlich) professionelle Maschinerie RB Leipzig tut und daraus auch Identität gewinnt, halte ich grundsätzlich für völlig in Ordnung (auch wenn ich viele Argumente und Positionen nicht für richtig halte), nur wird sich der Verein sehr ernsthaft Gedanken darüber machen müssen, wie er Menschen klar macht, dass sie nicht im Sinne der Vereinsidentität handeln, wenn sie die lokalen Nachbarn in den städtischen Nebenstraßen berauben.

In diesem Zusammenhang fehlte mir dann nach dem Derby tatsächlich eine laute, öffentliche Reaktion, in der die „normalen“ Kräfte des Vereins aufstehen und bspw. den Schulterschluss mit den „normalen“ Kräften von RB Leipzig üben oder zumindest öffentlich erkennbar, bestimmten Verhaltensweisen im eigenen Umfeld eine Absage erteilen. Man hat es – soweit ich dies nachvollziehen kann – bei Lok verpasst, die Ereignisse nach dem Derby dazu zu nutzen, sich aus dem Vereinsumfeld heraus, klar zu positionieren. Meinetwegen nicht pro RB, aber kontra der Gewalt der Straße.

Meine Lieblingsvision von einer Reaktion nach diesem Derby wäre z.B. ein von Lok-Fans ausgerufener gemeinsamer Fanmarsch zum nächsten Derby. Motto: Getrennt in Farben und Sache, vereint in der Liebe zum gewaltfreien Spiel. Oder meinetwegen auch: Leipzig geht gemeinsam zum Fußball. Oder was auch immer. Irgendwas was klar macht, dass eine andere Identität als die von RB vor allem auf die interne Organisation, die Arbeit im Verein und z.B. die Mitgliedereinbindung bezogen ist und nicht auf eine aggressive Außenwirkung abzielt. Irgendwas was klar macht, dass man die 90 Minuten im Stadion einander heftig gegenüberstehen und vorher und hinterher trotzdem gemeinsam durch die Stadt spazieren kann. Irgendetwas was das repräsentiert, was dann doch (hoffentlich) die Mehrheitsmeinung bei Lok ist.

Als ob das alles nicht schon reichen würde, haben sich dann auch noch die rb-fans zum diskursiven und weithin positiv rezipierten Wort gemeldet. „Keine Zugeständnisse mehr an engstirnige „Traditions-Clubs““ heißt der Titel des virtuellen Papiers, ein Titel, der auch nicht viel klüger ist als das bekannte andersseitige „Gegen den Kommerz im Fußball“ und hinter dem sich der entsprechende Inhalt verbirgt. Lässt man das mitverhandelte Testspielthema, das für mich tatsächlich nicht mit in denselben Topf gehört, außen vor, bleibt in der Kurzfassung ein „Kein Kuscheln mit Lok wegen derer Fans“.

Ich sag mal so, ich verstehe die Emotionalität hinter diesem Papier, die aus den Ereignissen des Derby-Sonntags und den darauffolgenden mangelhaften Reaktionen resultiert. Aber vier Tage nach dem Derby – also nicht aus dem Affekt heraus – ein Papier zu veröffentlichen, das nur geeignet ist die Spirale der Hardliner weiter anzutreiben, erscheint ziemlich deplatziert. Mal abgesehen von einigen komischen Thesen (Was ist am „Bull-Out-Syndrom“ eigentlich genau moralisch verwerflich?) und Forderungen (In einem nicht ausverkauften Stadion in Leipzig das Gästekontingent des Stadtrivalen beschränken zu wollen, kann nicht mehr als ein Scherz sein?) ist die ganze Grundintention des Kante-Ziehens und Abgrenzens nicht meins.

Es gibt in dieser Stadt eine jahre- und jahrzehntelange Tradition des Nichtverhältnisses. Grün-weiße und blau-gelbe Präsidien und Anhängerschaften, die nur als Feinde miteinander verkehrten. In diese Falle kann man reintappsen, weil man an ihr vielleicht nicht vorbei kommt, aber nicht weil man sie noch selbst mit auslegt. Es kann im Verhältnis mit Lok gar keinen anderen Versuch geben, als auf offizieller, halboffizieller und gern auch auf (gesetzter) Fanebene ein normales Verhältnis zu führen. Und auf administrativer Ebene und auf der Ebene der Sportler und Trainer ist das Verhältnis eh ein weitestgehend normales. Hier den kommunikativen Hardliner zu spielen und das normale Verhältnis aufkündigen wollen, weil sich Teile derer, die sich Lok als ihr Fanobjekt ausgesucht haben, daneben benehmen, ist kurzsichtig und der hässliche Bruder des Selbstbewusstseins, der sich Scharfmacher nennt.

Mir jedenfalls kann niemand erklären, warum Lokfans nicht einen in eigener Identitätslogik gestalteten Fanmarsch gegen Kommerz machen sollten (auch wenn ich die Argumente albern finden würde) und man trotzdem von ihnen erwarten darf, dass sie sich gegenüber anderen Menschen gewaltfrei verhalten. Mir kann man auch nicht erklären, wie tatsächliche Individualtaten (wie die Gewalt gegen Jugendspieler oder die drei Leute, die aus dem Oberrang von Sektor C den RB-Block in B mit Bier bespritzt haben) das Brechen mit Lok als Fußballsport betreibenden Verein begründen sollten. Mir erschließt sich auch nicht, wie man verbale Schmähungen in einem Derby(!) als Anlass nehmen könnte, um im Nachhinein zu finden, dass der Heimrechttausch eine schlechte Idee war.

Man begibt sich mit seinen Argumenten und Forderungen in eine Logik der Separierung nach grün-weißer vs. blau-gelber Art. In ewiger Leipziger Tradition ist die einzige denkbare Konsequenz offenbar, dass man den ganzen Verein jetzt nicht mehr mit dem Arsch anguckt und sich auf jeden Fall weigert, auf Sachebene Dinge zu tun, die Lok als Unterstützung dienen könnten. Denn wer den Fußballsport bei Lok (indirekt durch Heimrechttausch) mit Geld unterstützt, der unterstützt die Gewalt gegen RB ganz direkt. So das Argument offenbar.

Könnte es eigentlich auch sein, dass ein normales Verhältnis zwischen den Vereinen langfristig auch ein halbwegs normales Umgehen vielleicht auch auf weniger offiziellen Ebenen miteinander in der Stadt ermöglichen kann? Könnte es eigentlich sein, dass dieses ewige Leipziger Freund-Feind-Schema genau das ist, weswegen im Leipziger Fußball in den letzten Jahren so viel im Argen lag und was man als RB-Anhängender eventuell gar nicht braucht? Könnte es eigentlich sein, dass die Geschichte von RB ohne die Geschichte von Lok (und auch Chemie) nicht denkbar ist und jeder Distanzierungsversuch von vornherein scheitert?

Man muss sich den partnerschaftlichen Umgang miteinander sicherlich nicht durch permanente kleine Geschenke erkaufen. Und als RB Leipzig sollte man tatsächlich langsam in einer Situation sein, die eigene Identität als Leipziger Verein mit Selbstbewusstsein zu tragen und nicht jedem Stöckchen der Hilfeanfrage hinterherzuspringen. Trotzdem führt am Weg normaler Vereinsbeziehungen inklusive entsprechender Kommunikation nichts vorbei, denn als größte Leipziger Vereine sollte man zumindest in der Lage sein, sich gegenseitig auf Augenhöhe zu begegnen. Außer man will RB eh nur als Verein, der die alte Chemie-Widersacherrolle übernimmt und es dem Konkurrenten nun sportlich mal so richtig gibt. Finde ich persönlich aber mühselig und langweilig.

Es ist ja so, viele der Anforderungen, die die Welt an einen stellt, sind schwierig. Manche findet man geradezu anmaßend. In einer solchen Situation in das Schema zu verfallen, sich von der schwierigen Welt („die“) einfach distanzieren zu wollen, mag psychologisch sogar nachvollziehbar sein, ein halbwegs adäquater Lösungsansatz für soziale Akteure wie es Fußballvereine mit egal wie vielen Mitgliedern nun mal sind, ist es aber nicht. Es geht mir dabei nicht darum zu fordern, auch noch schweigend die andere Backe hinzuhalten, es geht mir darum, wie ich mir den Verein wünsche, dem ich anhänge. Und ich wünsche ihn mir als einen Verein, der im Bruch mit Leipziger Fußballtradition seine Existenz in der Stadt nicht als Schlacht begreift, sondern als soziales Mit- oder zumindest Nebeneinander. Das mag an manchen Stellen, wenn es um Kampfbegriffe wie Tradition oder Kommerz geht und nach Tagen wie dem letzten Derbysonntag manchmal nicht ganz einfach sein, aber trotzdem führt kein Weg daran vorbei.

Fazit: Eigentlich ist nach dem Derby alles falsch gelaufen, was falsch laufen kann. Die Ereignisse auf den Straßen waren inakzeptabel, die Medienberichterstattung unangemessen, die Vereins- und Fanreaktionen in blau-gelb nicht ausreichend und die rot-weiße Teilantwort ziemlich daneben. Was ein Beleg der These von vor der Saison ist, dass dieses Derby nun wirklich keiner braucht. Aber egal wie und auf welcher Seite wünschte ich mir, dass nicht die Hardliner den diskursiven Sieg davon tragen und helfen, die Linien in den jeweiligen Vereinen (bzw. um sie herum) straffer zu ziehen, sondern sich eher die Vermittler durchsetzen. Aber ich vermute, dass mein Wunsch schon längst von der Realität torpediert wurde.

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21 Gedanken zu „Diskursive Randbemerkungen“

  1. Grundsätzlich sehr guter Artikel. Ich hoffe der ganze Aufwand ist irgendwie vertretbar. 😉

    Zwei Sachen sehe ich völlig anders:

    1. Gemeinsamer Fanmarsch, völlig undenkbar. Bei Lok würdest du evt. zehn Leute finden, die mitmachen würden.

    2. Bull-out ist definitiv verwerflich, weil es sich auf eine schwere Krankheit bezieht, genauso widerlich wie z.B. Leute, die den HSV-Fans, HIV hinterherrufen.

    Auf der offiziellen Ebene gibt es ja einen normalen Umgang, auf der Fanebene wird es spätestens nach dem Derby keinen (mehr) geben, das ist völlig unrealistisch. Die Kluft ist zu groß (finanzielle Voraussetzungen, Einstellung zum Erlebnis Fußball, Einstellung zur Gesellschaft allgemein).

  2. Das mit dem Burn Out stimmt eben nicht. Burn Out ist eben keine (psychische) Krankheit wie Depression, sondern ein Effekt eines bestimmten (Arbeits-)Alltags und nicht zu verwechseln mit einer Depression, die lebensgefährlich und tatsächlich eine Krankheit ist. Burn Out und Depression haben teilweise ähnliche Symptomatiken, aber völlig unterschiedliche Ursachen und während Burn Out vor allem als Folge von Dauerstress gut durch eine Lebensumstellung ausmerzbar ist, muss man eine Depression tatsächlich lebenslang medikamentös behandeln (so man den Schritt schafft und nicht vorher aufgibt). Das Plakat Bull Out Syndrom nimmt wie ich finde auf witzige Art auf eine bestimmte Arbeits- und Lebenskrise Rangnicks Bezug und prognostiziert ihm eine neue Krise durch Red Bull und eine mögliche Entlassung 2013. Das ist nicht verwerflich (schon gar nicht moralisch), sondern angesichts der permanenten Personalrotation eine zutreffende Spitze.

    PS zum Aufwand: es musste raus, von daher lohnte sich der Aufwand schon intrinsisch.

    1. Auch wenn ich kein Fachmensch der Psychologie/Psychiatrie bin, halte ich es für gewagt, das Burn-Out-Syndrom als harmlos einzustufen. Die Symptome, welche du bereits erwähnt hat, sind für die meisten psychischen Erkrankungen zutreffend, was oftmals eine genaue Diagnose erschwert. Burn-Out ist für mein Verständnis das unvermeidliche Ziel eines Workoholic: Im Vergleich zum Alkoholiker oder eines Essgestörten handelt es sich um eine SUCHT… eine SUCHE nach etwas, das man nicht haben kann, aber mit Arbeit, Alkohol, Essen oder Nichtessen (Kaufen etc.) zu kompensieren oder eben zu verdrängen verSUCHT. Das Verhalten gegenüber der eigenen Selbstwahrnehmung ist gestört, „krankhaft“ im Sinne einer nicht „gesunden“ Reaktion der Psyche (bspw. durch Verdrängung eines traumatischen Erlebnisses), was früher oder später neben psychischen auch physische Folgen hat (Kreislauf, Organschäden etc.) und das alltägliche Leben beruflich und privat (soziale Kontakte!) einschränkt.
      Nebenbei: Das „Bull-Out“-Banner kann ich locker verknusen und ist eigentlich überhaupt kein Thema für mich: Rangnick muss selbst wissen, was er schaffen kann ohne in alte Muster zu verfallen (ich habe da noch einen O-Ton von ihm auf eine diesbezügliche Frage im Ohr… leider ohne Quelle, aber sinngemäß, er hätte genug Leute, die ihren Job machen und er weiß darum auf persönliche Freiräume zu achten). Er hat sich „behandeln“ lassen… mir scheint, es ist nicht allzu lange Zeit her… aber es ist die Entscheidung des Patienten (in Absprache mit dem Arzt oder des Therapeuten) eigene Wege zu gehen. Der eine braucht länger, der andere weniger… vertrauen wir einfach auf ihn. Möglicherweise konnte er selbst grinsen bei dem Plakat.

    2. PS: Die Behandlung mit Medikamenten sagt für mich nicht viel aus über die Schwere einer Erkrankung, da gerade in der Psychiatrie pro forma Antidepressiva verabreicht werden ohne Aussicht auf gezielten Erfolg. Lebensumstellung ja, bedeutet aber u.U. einen langen Lernprozess und die menschliche Psyche ist zudem immer (!) stressanfällig und Stress schwankt ja bekanntlich.

  3. Gut, also ich verbinde Burn-Out mit schwerer Depression. Bei Rangnick war das ja auch nicht harmlos. Aber das genaue Fachwissen habe ich allerdings nicht.

  4. Da wurde damals relativ viel in einen Topf geworfen. Richtig ist, dass ein Burn Out mit den typischen Symptomen einer Depression einhergehen kann (keine Energie mehr, alles fühlt sich schwarz, schwer und gleich an). Selbstgefährdung (Tötungsabsicht) kann zwar die Extremfolge sein, gehört allerdings nicht zum zentralen Bild des Burn Outs. Und bei allem was Rangnick nach seiner Rückkehr erzählt hat, lag bei ihm keine Selbstgefährdung vor (Da lasse ich mich aber gern eines besseren belehren.)

  5. Ich für meinen Teil stand mit den Lokis am Bierstand in einer Reihe und alles war gut. Er mit seinem Sohn, ich mit meinem Sohn.
    Block A, Loki zum roten Bullen: …wir sind die Macht in der Stadt und ihr nur die Ratten…, roter Bulle: …hier darfst du alles sagen, dass unterscheidet uns, bei Euch müsste ich um mein Leben fürchten…
    Zwei Erlebnisse die mich schmunzeln lassen.
    Da wusste ich noch nicht was nach dem Spiel geschehen ist.

  6. Ich als Lokist lese deinen Blog immer mal sehr gerne, da er, für einen Fußballfan erstaunlich frei von Emotionen, ziemlich gut die Fussballsituation in der Stadt darstellt.
    Aber Deine Einschätzung oder besser Hoffnung, man könnte in der Zukunft einen messbaren Teil der Lokfans zu einer positiven Meinung zu RB bewegen, halte ich dann doch schon für sehr gewagt. Mit diesem Spiel haben die RB Fans ihren Welpenschutz verloren.
    Wenn man selber merkt, das der eigene Verein alles andere als Perfekt ist, jede Bemühung etwas zu Verbessern aber von der eigenen Stadt und der „Heimatzeitung“ bei jeder sich bietenden Gelegenheit torpediert, sowie ein zugereister Investor dem Heimatverein bevorzugt wird, was erwartest Du denn dann von uns Urleipzigern?
    Eure Fans fangen gerade an, mit einzustimmen, in die uralte Leipziger Fußball-Derby-Tradition. Und das wird eurem Besitzer Dietrich Mateschitz irgendwann gar nicht mehr gefallen!

  7. also ehrlich gesagt hatten und haben der Großteil der RB Anhänger kein Problem mit Lok – mir persönlich ist Lok einfach nur egal…und weil die meisten eben auch keinen Bock auf diese ewige Rivalität haben, kommt es von RB Seite auch kaum zu Ausschreitungen…für mich ist die Empörung über die immer wiederkehrende Gewalt gegenüber anderen Fans mehr als verständlich – und auch das hier und da immer noch emotionale Reaktionen passieren auf die Geschehnisse vom Sonntag und das was sich mitlerweile daraus entwickelt hat. Ich weiß nicht warum aber irgendwie ist das Gefühl da – wie du auch schon beschrieben hast – das bei Lok alle Dicht machen anstatt die Vorkommnisse aufzuarbeiten wird einfach nur gesagt die hacken doch eh alle nur immer auf uns rum…ich finde dies höchst traurig und beunruhigend, da hier eben auch das gemäßigte Lok Forum eigentlich keine Chance hat sich durchzusetzen…Schade eigentlich

    1. Bezüglich des Dicht-Machens: Forumsnutzer sind keine Sozialarbeiter. Und da jeder schon mal einen Gerichtskintopp gesehen hat weiss man halt wie Verfälschungen von Zeugen (siehe Frahn und LVZ) von Anwälten und Richtern gewertet werden. Dadurch tritt eine Jetzt-erst-Recht Stimmung auf und man lässt alles an sich abprallen.
      Und mal ganz ehrlich: wie soll denn eine Aufarbeitung aussehen? So wie im rb-fans.de Forum, wo der grösste Blödfön erstmal Klarnamen und Bild eines Förderkreismitglieders von Lok veröffentlicht und nur ne Ermahnung bekommt (nebenbei fand ich die Aktion mindestens genauso unterirrdisch wie das Gesafte gegen Frahn)? Nahezu gleichzeitig wird eben dieses Förderkreismitglied gekickt. Diskussion ist halt keine Einbahnstrasse.

  8. Vieles richtig analysiert, deshalb nur ein paar Ergänzungen:
    Das Thema Zocken von Fanutensilien und das zugehörige Auflauern in den Nebenstrassen wurde seitens der Presse noch nie aufgearbeitet. Dabei gehört es schon seit den 60er Jahren (und evtl. sogar davor) zur Leipziger „Tradition“. Ursprünglich kam die „Idee“ aus dem grün/weissen lager, erst seit 1983 ist die Stadt blau/gelb zu den Derbys, infolge der Ausschreitungen nach dem Spiel im Stadion des Friedens. Durch die Nichtaufarbeitung ist es leider zur Normalität geworden das einige Vollpfosten meinen diesen Blödsinn auf ewig weiterzuführen.
    Dem Frahn sollte vielleicht einmal jemand den Umgang mit Internet Medien beibringen, der ursprüngliche Post war unter aller Kanone – Vollbetroffenheit mimen und mit nem Derbysieger – hey, hey unterschreiben passt dann doch nicht richtig zusammen. Man muss ihm aber zugute halten das er die Aussage richtig gestellt hat und der Shitstorm, richtigerweise schrieb er ja von gegenseitigen Beleidigungen, war spätestens nach der Klarstellung unnötig. Inwieweit die Konstruktion eines zweiten Falls Pezzoni seitens der LVZ eine Retourkutsche auf den in möchtegern-Bildblog Manier geschrieben L-IZ Artikel von Hoffmann war, dürfte diskussionswürdig sein.
    Dem Fazit stimme ich ausdrücklich zu, das liegt halt auch daran das ein gewisser Teil schon früher Lok nicht mal den Dreck unter den Fingernägeln gönnte und ich behaupte Mal das es darunter auch welche gibt, die die Ereignisse mit klammheimlicher Freude zur Kenntnis genommen haben.
    Vielleicht bringt ja die Tatsache das Lok jetzt aufs Fanprojekt zugehen will etwas Ruhe rein – soll heissen das wieder aktive Fanarbeit stattfindet. Inwieweit kurzfristige Verbesserungen eintreten bleibt abzuwarten.

  9. Sehr gut, dass hier mal aufgegriffen wird, daß es viele Übergriffe gab, von denen sonst nichts in den Medien war. Völlig daneben solches Verhalten. Leider begünstigt durch amateurhaftes, blauäugiges Vorgehen der Verantworlichen (Bierausschank, nicht vorhandene Fantrennung).

    Von Lok zu erwarten RB zu mögen ist schon rein sportlich absurd. Es würde für den Lok Anhänger schließlich bedeuten, einzugestehen, daß RB zurecht hier ist und eine Position einnimmt, die Lok eben nicht erreichen konnte. Und wer lässt sich schon gern seine Position wegnehmen?

    Hätte man bei Lok wirklich nur eine andere Auffassung vom Vereinsleben und eine Anti Kommerz-Haltung, dann wäre RB sogar ein Segen für Lok. Könnte man genau diese doch im großen Schatten viel besser ausleben. Es gäbe keinen Erfolgsdruck, der dazu zwingt jeden Sponsor zu gewinnen oder den Stadionnamen zu verkaufen. Man könnte einen schwierigen, aber sportlich für höhere Aufgaben nötigen Spieler einfach nicht verpflichten. (siehe koan Neuer…) Man könnte den Verein klein und familiär halten – was im Profibereich mit Ambitionen nicht möglich ist. Kurz – das ganze „ehrlicher“ halten. Natürlich alles Blödsinn. Ein Verein will Erfolg haben. Mit RB in der Stadt bleibt für Lok nur die zweite Geige. Das anzuerkennen z.B. mit der Nachwuchskooperation ist im Moment nicht möglich. Wäre in ein paar Jahren, wenn RB mal in höheren Sphären spielt sicher anders. (Tatsächlich profitiert Lok ja schon vom stets sympatischen Underdog Image und nun auch direkt finanziell durch die Derbys.)

    Ausführungen in Richtung „Vereinsleben, Tradition, Kultur, Mitbestimmung“ usw. sind lediglich Schutzbehauptungen. Übergriffe gab es schließlich auch vorher gegen Chemie. Nein es ist einfach nur der (ins Leere laufende) Versuch der Rechtfertigung, die es ohnehin für Gewalt nie geben wird.

    Die Reaktion auf rbfans ist in der Tat leider auch daneben. Ein verständlicher Ausdruck der Verärgerung – sicher. Mehr aber noch der Hilflosigkeit. Alle Ansätze sind untauglich. Verträge für Testspiele? Damit man etwas Geld bekommt im Fall der Absage? Geld brauchen wir nicht. Die folgende schlechte Presse schon gar nicht. So wie es bisher war haben diese Vereine den schwarzen Peter, nicht wir. Auch wenn es in der Außenwahrnehmung anders rüberkommt. Genau da ist auch der Ansatzpunkt. RBL ist kein abstraktes Kommerzkonstrukt sondern lebendig durch seine stets wachsende Fanschar. Diesen Menschen und mit ihnen dem Sport an sich wird mit solchen Absagen am meisten geschadet. Das muss gelingen in die Öffentlichkeit zu bringen. Es kann doch nicht sein, dass Vereine, die anderen Klubs durch grundlose Spielabsagen Ärger machen, noch hochgejubelt werden!

    Auch „harte“ Positionen gegen diese anderen Klubs zu beziehen ist Käse. Wie soll das helfen? Mit den Vereinen muss ganz selbstverständlich ein normales, wenn schon nicht freundschaftliches, dann aber doch zumindest professionelles Verhältnis gepflegt werden. Die Protest- und Gewalt-„Fans“ kann man eh nicht erreichen. Im Gegenteil ist zurückkommende Ablehnung genau das was sie wollen. Diese Befriedigung darf es für sie nicht geben! Im Gegenteil – wenn wieder ein klammer Verein unsere Hilfe braucht und wir sie einfach geben können, dann soll er sie bekommen. Wie Trier ein günstiges Trainingslager, Jena ein sportlich sinnvolles Testspiel trotz Winter auf prima Platz oder eben Lok das getauschte Heimrecht. Das sind gute und selbstverständliche Gesten, mit denen man viel eher die Beziehungen normalisieren kann. Klar werden die Antis es als „kaufen“ auslegen. Denen kann man es aber eh nicht Recht machen. Im Gegensatz zur großen Masse aller Fussballinteressierten, die das sehr wohl wahrnehmen. Nur eben nicht seitenweise Foren damit füllen.

    Im übrigen hat RB das Derby auf jeder Strecke gewonnen.
    Sportlich endlich mal überzeugt, Fantechnisch auf Augenhöhe mit Lok obwohl sie von überallher Unterstützer rangekarrt haben.
    Moralisch durch das Verhalten der Fanlager abseits des Platzes und eben auch durch den Heimspieltausch. Hinzu kommt der vor rechter Propaganda triefende Anti Kommerz Marsch, der in nicht zu übertreffender Peinlichkeit durch die Goldgas Werbeveranstaltung in der Pause noch negiert wurde.

    Lok hat keine Argumente. Deshalb zieht man sich ja auch so an Frahn hoch.

    So, das tat intrinsisch sehr gut 😉

    1. kann mich deines Resüme eigentlich nur anschließen – Rechte direkte Propaganda scheints nicht gegeben zu haben während des…naja…nennen wir es mal „Fan-Marsch“…die Tatsache das diese ganze marschiererei von Stadt/Landes weit bekannten Nazis organieseirt war hat dann aber schon einen schelchten Beigeschmack…wie kann man denn als sogenannter Fan sich ohne drüber nachzudenken anschließen? Sorry – das hat nix mit Fantum zu tun das ist einfach nur dämlich…mal ganz davon abgesehen, das ich absolut keine Ahnung habe inwieweit RB Leipzig oder RB Salzburg in irgendeiner weise schlecht für den Fußball sind bzw diesen kaputt machen – also ganz im Gegenteil: im Gegensatz zu diversen Spanischen Englischen und was weiß ich Vereinen versucht man tatsächlich auch das Umfeld sportlich und wirtschaftlich mitzunehmen in Österreich kann man sogar direkt sagen das sie den Fußball dort erstmal auf die Europäische Bühne gebracht haben – Thema Jungendarbeit: wieviele Jugendmanschaften inklusive der entstehenden Sportschule wurden realisiert in Salzburg wie in Leipzig! Auf öffentliche Gelder ist man nicht angewiesen – das bringt der Stadt nur Geld, kostet sie aber nix – ja ich weiß hier und da gibts bestimmt Vorzüge die RBL auch nutzt aber im großen und ganzen bringt RB nur positives für dne Fußball hier in der Region! Das soll aber ausdrücklich nicht das Engengement der anderen Vereine schmälern nur aufzeigen das RB das macht was die anderen z.Z und auch in naher Zukunft, rein finanziell schonmal gar nicht stemmen können – von daher ist es nur ein „Zug aufgespringe“ derer die sowieso scheinbar nicht unbedingt wegen dem Fußball zum Fußball gehen und alle anderen die interssierts nicht die machen einfach mit – denn ein klares Feindbild lässt sich natürlich viel besser Vermarkten als eigenes Unvermögen…sorry aber so sehe ich das…vielleicht kann der rotebrauseblogger mal was zum Thema recherchieren? 🙂

  10. @roger: „Hinzu kommt der vor rechter Propaganda triefende Anti Kommerz Marsch[…]“. Da ich nicht mitmarschiert bin, bitte ich um Aufklärung bezüglich der rechten Propaganda. Zumindestens laut Polizeiangaben war es „sportlich und friedlich“.
    Und weil immer von Aufarbeitung die Rede ist muss auch die Frage erlaubt sein wie denn z.B. der Umgang mit rechtem Klientel aussehen soll. Meiner Meinung nach gibt es nur 3 Möglichkeiten:
    1) Stadionverbot deutschlandweit anhand Kriterien wie polizeilichem Führungszeugnis, Parteimitgliedschaft, Kleidung, Meinung (Hausverbote sind nicht zielführend, dann sind die nämlich bei den Auswärtsspielen und können den Verein noch mehr schädigen).
    2) Sozialarbeit (macht lieber ne Chroeo anstatt rechter Kacke, dafür dürft ihr auch auf dem Vereinsgelände die Folie kleben).
    3) Nichts machen bis es dauerhaft kracht.

    Ich entscheide mich für 2) weiss aber auch das es ein bisschen illusorisch ist, denn Absprachen wie keine Scheisse bei Spielen bauen mögen zwar funktionieren, werden allerdings auch ad adsurdum geführt wenn man so doof ist, mit Lok Klamotten in die Odermannstrasse zu gehen.

  11. Tja, unabhängig meines Gelabers bzgl. psychischer Krankheiten mag ich mich wenigstens kurz zum Thema äußern. Ja, es hat mich ziemlich erschrocken, dass meine Befürchtungen, es möge Stress zwischen Lok- und RBL-Fans geben (weswegen ich von vornherein auf das Derby-Feeling im Stadion verzichtet habe), sich leider bewahrheitet haben. Ich habe solche Hetzjagden bisher nie erlebt, aber genug davon gehört und weiß um diese Wut, die hassverzerrte (ja) Fratzen fabriziert. Ich mag mich wiederholen, aber ich verstehe nicht diese Aggressivität: Es geht um Fussball, NUR um Fussball. Traurig, traurig!
    Und: ich verstehe die Lok-Fans, die sich mit dem „Mob“ in einen Topf geworfen fühlen: Da kommen sie an, die RB-Fans mit dem fetten Sponsor/Investor und ihrem Sauber-Image, und wollen ihnen weis machen, sie seien alle Hools, das Bruno-Plache-Stadion eine Schlachtburg. Aber ich verstehe auch nicht die Lok-Fans, welche ihre „Anti-Kommerz“-Fahne raushängen lassen… Erinnere ich mich richtig, hatten sie doch 1963 ihre eigentliche Geburtsstunde aus lediglich einem Zipfelchen des früheren VfB und Spielern der BSG und sich damit den Hass sämtlicher Chemie-Fans aufgehalst, da sie allein die staatliche Förderung bekamen, (damals als „Bonzenverein“ verschrien)? Vgl. heute: RBL als „Kommerzverein“? Mir ist das eigentlich rille: Diese sinnlosen Debatten um Tradition und Kommerz sind doch schon längst abgehalfterte Kampffloskeln. Können nicht alle aufgebrachten Gemüter nicht einfach mal den Ball flach halten (außerhalb des Spiels natürlich)?
    Die Fussballvereine mögen das hinkriegen, deren Fans scheinen wohl doch unvereinbar (siehe z.B. Testspielabsagenreihe bzgl. RBL), obwohl sie im Länderspiel fein friedlich nebeneinander hocken, beim Tor aufspringen und das Liedchen grölen (tja, da fehlen wohl die bunten Farben).
    Ich hab‘ mich manchmal gefragt, ob RB eine andere, neue Fankultur gebären könnte… angesichts der Reaktion der „rb-fans“ auf das letzte Spiel, stirbt da ein Träumchen.
    Dennoch: Ich hoffe auf bessere Zeiten und freue mich auf das Rückspiel… im Stadion und ohne Stress davor/drumherum!

    1. Ich unterschreibe es nicht. Man kann es schon als Erfolg sehen, dass die RB-Fans bisher nicht gewalttätig waren und es auch keine Tendenzen gibt, dass es mal so sein wird. Insofern ist das schon ein Quantensprung in Leipzig. Übertriebene Foreneinträge würde ich nicht überbewerten.

  12. Es ist schon interessant, wie das Fussballspiel, das ja urspünglich mal der körperlichen Ertüchtigung und dem sportlichen Wettstreit dienen sollte, zu Gladiatorenspielen der Neuzeit mit unvorstellbarem finanziellem Aufwand verkommt, mittlerweile bis in den angeblichen Amateurbereich. Genau das ist doch aber das Ziel. Wer sich intensiv mit diesem kleingeistigen Unfug von hirnlosen Randalierern , angeblichem einseitigen Kommerz und ähnlichen Reizthemen beschäftigt, kümmert sich in der Regel weniger um die große Politik – panem et circenses.

  13. Danke allen Beteiligten für die insgesamt unaufgeregten und interessanten Rückmeldungen.. Aus Zeitgründen nur noch zwei kurze Anmerkungen:

    Zum Burn Out: Ich will den psychologischen Aspekt nicht weiter vertiefen, bin da auch kein Experte. Mir ging es nur darum festzuhalten, dass Burn Out eben nicht dieses eklige, immer wiederkehrende schwarze Loch ist, das sich nur schwerlich bekämpfen lässt, sondern so wie Armut oder Zeitschriftenlesesucht oder ähnliches, eine Folge einer bestimmten sozialen Praxis, die sich negativ auf die Person schlägt. Das kann extreme Folgen haben (Schulden, die einen in die Ausweglosigkeit treiben), ist und bleibt mit seinen sozialen Ursachen aber an der Wurzel bekämpfbar.

    @interpreter: Auf das Fanprojekt zu hoffen, könnte schwierig werden. Zu groß scheinen mir die (von außen wahrnehmbaren) Ablehnungen (Fanprojekt wird als Chemie-Fanprojekt angesehen) innerhalb der Fanszene. (Und nichts wäre wichtiger für die Zusammenarbeit mit dem Fanprojekt als Vertrauen.) Aber vielleicht täusche ich mich da auch.

  14. Zu den Medien: Ich will für sie mal eine kleine Lanze brechen – die vielen kleinen Überfälle sind schwer nachvollziehbar, tauchen im Polizeibericht nicht auf. Woher sollen die Infos kommen? Aus den Foren? Nee, das funktioniert nicht.

    Zu Burn Out: Ich verstehe die Diskussion nicht, zumal das hier keine Ärzteseite ist. Wenn Rangnick Depression oder HIV hatte, wäre sehr wahrscheinlich etwas damit als Spruch aufgetaucht. Glaubst Du tatsächlich, dass man im „Ruhm und .. ähm Stolz und Ehre“-Block vorher moralische Diskussionen geführt hat?

  15. @Irish Star: Sicher ist es für Medien schwer, Vorfälle zu thematisieren, die es im Polizeibericht praktisch nicht gibt, trotzdem greift man ja auch sonst gern auf Augenzeugen und das ganze Aus-erster-Hand-Gedöns zurück. Das ginge in dem Fall sicher auch.

    Die Diskussion um Burn Out mag müßig sein, aber das Argument der rb-fans war ja, dass es moralisch verwerflich sei. Es geht also um dieses Gegenargument, da ist es erstmal völlig egal, ob die Spruchersteller die Differenzierung selbst vorgenommen haben. Ich persönlich habe es vermutlich auch aufgegriffen, weil mich das Schmeißen von Burn Out und Depression in denselben Topf schon seit längerem ziemlich nervt. Kleb irgendwo den Stempel Burn Out ran und alles, was noch dazu gesagt wird, ist irgendein betroffenes Gestammel. Wir werden aber wohl nie erfahren, ob ein ähnlicher Spruch bei Krebs, Depression oder HIV auch gemacht worden wäre..

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