Testspiel: RB Leipzig vs. Goslarer SC 3:1

Gestern dann also Testspiel Nummer 3 von RB Leipzig. Überlagert aber von den fünf Freistellungen, die Alexander Zorniger gestern auf einer Pressekonferenz zum Kaderumbau begründete. Was dazu führte, dass in der lokalen Presse das sportliche Ereignis ziemlich weit in den Hintergrund rückte, wenn man von der löblichen Ausnahme L-IZ [broken Link] absieht (jaja, ausgerechnet die L-IZ).

Dank der wieder einsatzbereiten Timo Röttger und Marcus Hoffmann (schön, dass sie wieder da sind) fuhr RB Leipzig mit 21 Kickern nach Lüttchendorf (es fehlen nun nur noch die weiterhin verletzten Umut Kocin und Andreas Kerner), wo man sich entschlossen hatte, sich von den dämlichen Attacken auf Rasen und andere Stadioneinrichtungen durch RB-Gegner nicht beeindrucken zu lassen und das Testspiel der beiden Regionalligisten aus Leipzig und Goslar nun erst recht auszutragen.

Nimmt man die aktuell überschaubare Kadergröße war klar, dass einer der Spieler 90 Minuten lang ran müssen/ dürfen würde. Keine Ahnung, ob das nach anstrengenden Trainingseinheiten und schweren Beinen eher Lust oder eher Frust produziert. Getroffen hat es jedenfalls Patrick Koronkiewicz, der eine Halbzeit lang Linksverteidiger und eine Halbzeit lang auf der angestammten Position als Rechtsverteidiger spielte.

Dazu spielte Paul Schinke auch eine Halbzeit lang den Linksverteidiger. Das tat er schon unter Peter Pacult in den Testspielen von Zeit zu Zeit. Allerdings dürften das eher schlechte Erinnerungen sein, denn in diesen Fällen tat Schinke dies nur als Kaderauffüller, weil man eben mit 11 Mann spielen musste. Ob Schinke tatsächlich als Linksverteidiger in Frage kommt oder ob dies nur der Idee Zornigers folgt, Spieler auf Positionen einzusetzen, die in der Nachbarschaft ihrer Stammposition liegen (um ein Verständnis für die Anforderungen dieser Positionen und der Laufwege dort zu bekommen), muss leider unbeantwortet bleiben. Die Personalien Koronkiewicz und Schinke links hinten könnten auch darauf verweisen, dass diese Position aktuell noch eine Baustelle ist und man am ehesten noch einen verteidigenden Linksfuß im Kader gebrauchen kann.

The one and only Timo Röttger ist zurück - Wie man ihn kennt im Infight mit einem Verteidiger. | © GEPA pictures/ Roger Petzsche

Wobei das natürlich auch davon abhängt, wo Alexander Zorniger mit Juri Judt plant. Der wurde noch von Pacult offenbar als Linksverteidiger verpflichtet, nannte aber kurz nach seiner Ankunft in Leipzig bereits das defensive Mittelfeld als seine Wunschposition. Wo er gestern gegen Goslar auch 45 Minuten lang spiete. Und auch Henrik Ernst durfte nach zwei Versuchen als Innenverteidiger wieder mal auf die Position der letzten Rückrunde im defensiven Mittelfeld rutschen. Geht man davon aus, dass in der Mittelfeldzentrale wohl auf jeden Fall noch jemand verpflichtet wird, darf man gespannt sein und wild spekulieren, wer da letztlich wo landet oder eventuell sogar noch aus dem Kader fliegt (Schulz, Ernst?).

Die letzte sehr interessante Aufstellungsvariante betrifft Stefan Kutschke, der laut Zorniger endgültig nicht nach Wolfsburg wechseln wird und gestern rechts außen spielte. Definitiv keine Position, auf der man den langen Kerl erwarten würde. Dem Vernehmen nach soll er sich aber recht gut geschlagen haben. Letztlich dürfte auch dies nur dem taktischen Lernprozess in Bezug auf die Nachbarpositionen gedient haben. Zur Folge hatte das jedenfalls, dass Kammlott und Nattermann erstmals zusammen stürmen durften. Auch ein spannendes Duo aus Talent und (fast schon) ewigem Talent.

Letztlich diente auch dieses Spiel nur dem Anwenden des vorläufig Erlernten. In den letzten Tagen übte man im Training vermehrt und ohne Ball das Verschieben auf dem Platz, ging es also um Positionsspiel im System Fußballmannschaft. Das ist trocken und dauert eine Weile bis man es intus hat. Und die Testspiele sind die Orte, an denen man das Erlernte testet und auf Fehleranfälligkeit prüft. Den Berichten aus Lüttchendorf zufolge führte dies zu vehementen Pressingversuchen, aber auch zu einigen Lücken in der Rückwärtsbewegung. Kinderkrankheiten halt.

Fazit: Insgesamt war es ein verdienter Testspielsieg bei weiter steigendem Spielverständnis. Trainer Zorniger sah einen „engagierten Auftritt, bei dem sich die Spieler sehr gut bewegt haben“, also das, was wohl so ziemlich jeder Trainer in so ziemlich jedem belanglosen Freundschaftsspiel so sieht. Wie weit das ganze tatsächlich schon ist, wird man sicherlich nach dem samstäglichen Test gegen den tschechischen Erstligisten FK Teplice in Grimma (17 Uhr) wissen. Könnte eine (für Testspielverhältnisse) kleine Völkerwanderung von Leipzig in die kleine Nachbarstadt geben.

[Update: Interessanter Hinweis im RB-Fans-Forum, dass das Spiel von RB Leipzig gegen Teplice eventuell gar nicht wie angenommen gegen die Profis, sondern gegen die U21 ausgetragen wird . Wäre schade und würde die sportliche Aussagekraft leicht dezimieren. Was aber für die aktuellen Ziele der Vorbereitung vielleicht auch egal ist.]

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Tore: 1:0 Wallner (36.), 1:1 Ridder (53.), 2:1 Kutschke (56.), 3:1 Heidinger (60.)

Aufstellung 1. Halbzeit: Coltorti – Müller, Sebastian, Hoffmann, Koronkiewicz – Röttger, Judt, Schulz, Rockenbach – Wallner, Frahn

Aufstellung 2. Halbzeit: Bellot – Koronkiewicz, Hoheneder, Franke, Schinke – Kutschke, Ernst, Karikari, Heidinger – Kammlott, Nattermann

Zuschauer: ca. 400

Links: RBL-Bericht [broken Link], RB-Fans-Bericht, Goslarer-SC-Bericht [broken Link]

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

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4 Gedanken zu „Testspiel: RB Leipzig vs. Goslarer SC 3:1“

  1. Wer weiß, wer da wem einen tschechischen Bären aufgebunden hat, aber wir spielen in Grimma gegen die U19 von Teplice. So weiß es jedenfalls deren Vereinsseite recht ausführlich zu berichten. Die erste Mannschaft spielt am Freitag gegen Hertha BSC, die Junioren spielen am Freitag gegen Bautzen und am Samstag gegen uns.

    1. Danke, hatte es auch gerade aus dem Forum, wo Du es zuerst gepostet hast, als Update hier rein editiert.

    2. Dann bleibt die Völkerwanderung (berechtigt) wohl aus, freuen wir uns um so mehr auf den 4. August, bin dann mit vielen zurückgewonnenen „Konsumenten“ auch vor Ort!

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