Versprechungen

Um von der hundsdämlichen Unkrautvernichterattacke [broken Link] in Lüttchendorf abzulenken, noch mal ein paar Takte zu Neu-Coach Alexander Zorniger. Dessen Erscheinen hat beim RasenBallsport-Teil von Leipzig eine Art Trainerkult ausgelöst, wie es ihn bei RB zuvor nun auf gar keinen Fall gab. Dazu beigetragen hat unter anderem die Art und Weise, wie Zorniger der Presse nach dem 2:0 von RB Leipzig gegen den VfL Halle Rede und Antwort gestanden hat [broken Link]. Drei Vorgänger hatte Zorniger (sodass er die vierte sportlich Verantwortliche im vierten Jahr ist). Drei Vorgänger mit jeweils anderen Problemfeldern:

  • Der größte Vorwurf, den man in Zusammenhang mit Tino Vogels Arbeit vernommen hat, war der, dass er zu lasch und zu wenig professionell fordernd trainieren lassen habe. Gewissermaßen war das aber auch ein wenig sein Erfolgsrezept, weil er seinen erfahrenen Kader aus ehemaligen Bundesligaprofis plus x einfach machen ließ und die ihm das mit einem entspannten Aufstieg dankten.
  • Von Tomas Oral blieb bei mir aus seiner öffentlichen Wahrnehmung negativ hängen, dass er es schaffte, seinen Spielern auf den Sack zu gehen, die Hierarchie innerhalb der Mannschaft ziemlich hemmungslos zu zerstören und nach Niederlagen einzelne Spieler (in wahllos erscheinender Folge) mit darauffolgender Nichtbeachtung in der Aufstellung zu strafen. Timo Rost kann von letzterem vor allem ein Lied singen (aber nicht nur er).
  • Peter Pacult wiederum wurde durch komplett fehlende spieltaktische Lernfähigkeit negativ auffällig. Dazukommend schien seine Personalpolitik der zweiten Halbserie auch eher auf die Demonatge einzelner Spieler abzuzielen.

Der Witz ist, dass Alexander Zorniger als Trainer das Versprechen zu sein scheint, gleich in allen drei Punkten nicht diesselben Fehler zu begehen. Spieltaktisch als modern verschrieen, steht er schon mal nicht im Verdacht, da unflexibel zu sein. In seiner Trainingsarbeit scheint er fordern und professionell zu sein und gleichzeitig aber den Spielern mit Kommunikation und Eingriffen in den Traininsgablauf nicht auf den Sack zu gehen. Schon jetzt vermittelt er den Eindruck als stünde er voll und ganz hinter seinem Kader. Der wird zwar kleiner werden, aber die Spieler die bleiben dürfen, werden sich vermutlich auch der vollständigen Rückendeckung durch den Trainer sicher sein können. Kurz Alexander Zorniger scheint die eierlegende Wollmilchsau, die es eigentlich gar nicht gibt.

Angebracht sicherlich da ein vorsichtiges Aber in den Raum zu werfen (zumal mit Oral und Pacult bisher zwei Trainer scheiterten, die in ihrer Karriere durchaus erfolgreich gearbeitet haben und denen man auch mit RB Leipzig Erfolge zugetraut hätte). Es ist sehr schön und sehr vielversprechend, dass der Umbruch eine Woche nach dem Trainingsstart von Pacult zu Zorniger relativ reibungslos verlief. Aber auch ein Alexander Zorniger ist kein Wunderheiler und muss sich nun den Mühen der Ebene stellen. Da sind dann nicht die ersten Tage, die sowieso von der Aura des Besonderen getragen werden, entscheidend, ob ein Trainer auch langfristig stilbildend und erfolgreich sein kann, sondern ziemlich unberechenbare fußballerische, aber auch psychologische Gruppenprozesse.

Die anstehenden Fragen der Kaderveränderung (ein paar sollen noch kommen, ein paar mehr noch gehen) dürften die Stimmung im Team schon mal verändern, weil es Unruhe hervorbringen wird und der eine oder andere eventuell nicht derselben Meinung ist, welcher Spieler denn nun von Bord gehen soll (und sowieso der eine oder andere, der gehen soll, mangels Angeboten nicht geht). Und auch wenn man das alles professionell nehmen muss, verändert jeder Eingriff in das System auch das ganze System, weil eben Menschen dran beteiligt sind. Nicht immer ist dabei von vornherein klar, in welche Richtung die Veränderung gehen wird.

Dazu kommt auch der besondere Druck der auf RB Leipzig lastet. Sportlich sowieso, weil das Saisonziel klar ist. Und damit verbunden die viel alltäglich drohendere öffentliche Häme bei Misserfolg. In den letzten zwei Jahren hatte man immer das Gefühl, der Aufstieg wäre für Spieler und Verein eine belastende Pflicht. Sich von diesem Rucksack mal zu befreien und die Lust am Aufstieg in den Vordergrund zu stellen, dürfte auch so eine spezielle Aufgabe fürs Trainerteam sein. Gerade nach Rückschlägen und Niederlagen.

Bei all dem darf man auch nicht vergessen, dass es keine perfekten Trainer gibt. Es gibt immer wieder Momente, in denen ein bestimmter Trainer zu 100% oder mehr zu einem Verein passt. Dieser Zustand ist aber im Normalfall nicht von extremer Dauer. Auch weil die einzelnen Menschen hinter der Trainerhülle auch Charaktere mit Eigenschaften und Macken sind, die sich im Laufe der Zeit abnutzen.

In diesem Sinne ist die Hauptfrage, was denn eigentlich Alexander Zornigers Macken sind (dazu darf man schon mal Arbeitshypothesen aufzustellen..) und ob sie für die kurz- bis mittelfristige Zukunft irrelevant sind, sprich ob sich die Versprechung, Zorniger sei zu mindestens 100% der richtige Mann für den Job bei RB Leipzig, auch auf mittlere Sicht und im problembeladenen Alltag erfüllen kann. Bisher stehen alle Ampeln auf Grün und ein guter Start macht sicherlich vieles einfacher, aber eine halbwegs ernsthafte Aussage, ob sich der Profibereich bei RB Leipzig in die richtige Richtung entwickelt, lässt sich wohl frühestens in einem halben Jahr, streng genommen gar erst nach der Saison treffen. Man darf gespannt sein.

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Ein Gedanke zu „Versprechungen“

  1. naja – zumindest ist nun schonmal klar wer da gehen muß – verwunderlich sind die ersten 5 Abgänge meiner Meinung nach nicht – die nächsten 1-3 die noch folgen werden vielleicht aber schon…nunja – es bleibt spannend zumal ja auch noch 1-3 Neue kommen sollen – vielleicht wissen wir heute Abend schon mehr.

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