Spieler der Rückrunde: Fabian Franke

Dem einen oder anderen mag es seltsam vorkommenn, nach der ziemlich schwachen Rückrunde der RasenBallsportler trotzdem eine positive Auszeichnung wie den Spieler der Rückrunde zu verleihen. Und sicherlich ist die Wahl nicht ansatzweise mit so viel Klasse verbunden wie jene aus der Hinrunde als Timo Röttger zu einer ziemlich hohen Prozentzahl zu überzeugen wusste. Denn in dieser Rückrunde schwächelte jeder mal mehr, mal weniger.

So fällt es auch nicht wirklich leicht, sich für einen konkreten Spieler zu entscheiden. Stefan Kutschke könnte man auf jeden Fall in die engere Auswahl nehmen, weil er es unter starker Konkurrenz geschafft hat, sich mit Leidenschaft und Leistung ins Team zu kämpfen. Henrik Ernst wäre zu nennen, der sich in der Rückrunde ins defensive Mittelfeld spielte und dort, mal vom Ende der Saison abgesehen, sehr zu überzeugen wusste.

Meine ganz subjektive Wahl fällt aber auf den zentralen Mann auf der linken Seite der Innenverteidigung Fabian Franke. 2010 (als früherer Jugendspieler beim FC Sachsen Leipzig) vom HSV II zu RB Leipzig gewechselt, war ich mir damals nicht wirklich sicher, was ich von Franke halten soll:

Franke ist für mich ein unbeschriebenes Blatt, seine Leistungsdaten (kein Stammspieler mit 21 Jahren) deuten eher darauf hin, dass er eventuell nicht die Klasse hat, in der Regionalliga ein Stützpfeiler zu sein. (Transfergerüchte: Schinke, Franke, Hahne, Laas)

Und so saß er damals auch ein halbes Jahr (meist nicht mal) auf der Bank, bevor ausgerechnet beim 1:5-Desaster gegen Kiel nach 73 Minuten sein großer Augenblick und damit der erste Pflichtspieleinsatz kam. Am Anfang wurde er noch als Linksverteidiger probiert (der er wohl auch vorher war), doch relativ schnell wurde klar, dass er aufgrund seiner nicht optimalen Antrittsschnelligkeit auf dieser Position keine ideale Besetzung ist. Weswegen er ziemlich bald auf der Innenverteidigerposition landete. Wo er vergangene Saison nur noch ein Spiel verpasste, in der Hinrunde 2011/2012 keine einzige Minute und in der Rückrunde aufgrund von Kränkelei und Gelbsperre ganze zwei Spiele.

Ein seltenes Bild: Fabian Franke beim Torjubel für RB Leipzig | © GEPA pictures/ Roger Petzsche

Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass Fabian Franke seit 1,5 Jahren unumstrittener Stammspieler ist und sich gegen die Kläseners, Hertzsch’s, Sebastians, Hoffmanns, Rosins und wie sie nicht alle hießen dieser Welt durchgesetzt hat. Fabian Franke ist auch der Beweis dafür, wie wichtig Spielpraxis für die Entwicklung ist. Denn es ist beileibe nicht so, dass Franke anfangs fehlerlos agierte. Oftmals traf er im Stellungsspiel die falschen Entscheidungen und machte einen Schritt nach vorn, wenn das Stehenbleiben in der Kette angebrachter gewesen wäre oder blieb stehen, wenn das Raustreten und Zustellen erfolgsversprechender gewesen wäre. Was dann dazu führte, dass er sich Situationen ausgesetzt sah, in denen seine fehlende Grundschnelligkeit und Wendigkeit zum Tragen kamen.

Aus meiner Sicht hat Fabian Franke in der vergangenen Rückrunde aber noch mal einen großen Schritt nach vorn gemacht. Mit einem Zweikampfverhalten ausgestattet, bei dem ihm im englischen Fußball alle Herzen zufliegen würden, passierte es einige Male, dass ich in dieser Rückrunde staunend und begeistert beobachtete, wie er den Gegner im Eins-gegen-Eins erfolgreich stellte und so potenziell brenzlige Situationen löste. Was auch daran lag, dass sein Stellungsspiel inzwischen sehr, sehr viel besser geworden ist und er die Sicherheit gewonnen hat (auch in der Abstimmung mit den meisten seiner Nebenleute), wann er welchen Schritt machen kann.

Dazu ist Fabian Franke natürlich auch eher von kompakter Statur, einer den man nicht mal eben niederringen kann und der sich furchtlos in die Zweikämpfe wirft. Und auch im Luftkampf macht man ihm zumindest defensiv nicht so viel vor. Offensiv ist da allerdings durchaus noch Luft nach oben, wie gerade mal zwei Treffer in der abgelaufenen Spielzeit beweisen. Fünf, sechs Tore pro Saison sollten für ihn als Abwehrstammspieler mindestens drin sein.

Ausbaufähig ist auch noch das Aufbauspiel. Obwohl er da als gelernter Linksverteidiger doch auch einiges an Passsicherheit mitbringt, sind gerade die langen Flankenwechsel nach rechts, die oft des Gegners Beute werden, seine Sache nicht. Als zentrale Verteilerfigur im Kurzpassspiel gen Linksverteidiger, Linksaußen, Innenverteidiger oder defensivem Mittelfeld ja, alles was darüber hinausgeht, wird schwierig bzw. ausbaufähig.

Grundsätzlich fällt es mir schwer Fabian Frankes Potenzial einzuschätzen. Dass er sich bei RB Leipzig so durchsetzen konnte, hat mich bereits überrascht. Ob es mit RB Leipzig noch weit nach oben gehen kann, wage ich nicht zu beurteilen. Ich würde angesichts der beschriebenen körperlichen Grenzen in Bezug auf Schnelligkeit und Beweglichkeit behaupten, dass Franke auch recht bald bei möglichen Aufstiegen an seine Grenzen kommen könnte, aber er mag mich da gerne auch eines besseren belehren (falls er denn mal die Chance dazu bekommt).

Sei es wie es sei, für mich ist Fabian Franke der Spieler der Rückrunde, da er mich bei allen Defizitkleinigkeiten mit seinem Zweikampfverhalten und seiner allgemeinen Entwicklung begeistert hat und er ziemlich viel aus seinem Potenzial macht. Er mag nicht der Leadertyp schlechthin sein, aber man merkt ihm an, dass er auch langsam verbal auf und neben dem Feld die Verantwortung übernimmt, die einem Stammspieler zusteht. Insgesamt ein sehr positiver Typ, der sehr gut zu RB Leipzig passt und den ich auch gern nächste Saison in der Stammelf sehen würde.

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

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6 Gedanken zu „Spieler der Rückrunde: Fabian Franke“

  1. Da gehe ich voll und ganz mit. Er gewinnt fast jedes Kopfballduell und im
    eins-gegen-eins fast unschlagbar. Ich persönlich fühlte mich ziemlich unwohl,
    als er gelbgesperrt oder kränkelnd nicht aufgestellt wurde. In der Abwehr eine feste Größe und derzeit aus dem Stammkader nicht wegzudenken.

    „…Fabian Franke ist auch der Beweis dafür, wie wichtig Spielpraxis für die Entwicklung ist. …“
    Ein sehr wichtiger Satz, der meiner Meinung nach für die gesamte Mannschaft gilt. Bei diesem undurchsichtigen Pacult´schen Rotationsverfahren verliert der selbstbewusstetste Spieler seinen Glauben und es können sich keine Mechanismen einfahren. Das leider beste Beispiel ist da R. Wallner.

    Was mir auch sehr an F. Franke gefällt: Er wird zur Identifikationsfigur. Er kommt aus der Leipziger Jugend und man spürt, dass er sich in dem Verein wohlfühlt. Es ist wichtig, dass die RB-Fans und Zuschauer nicht das Gefühl haben, nur Söldnern beim Spielen beizuwohnen.
    F. gibt bei Heimspielen sehr oft noch Autogramme, ist auch oft einer der letzten auf dem Spielfeld nach Abpfiff. Er fördert somit zusätzlich auch die Nähe zum Publikum.

  2. Auch für mich ist er der Spieler der Rückrunde, gepatzt hat er selten, er ist definitiv einer, den ich sehen will, egal unter welchem Trainer.
    Bei seinen Aktionen stand ich zuletzt fast nie vor dem Herzinfarkt, Gegenbeispiele könnte ich fast ohne Ende nennen…

  3. @Smood: Ja finde ich auch, dass man so kleine Identifikations-Eckpfeiler setzen und pflegen muss. Ist ja auch ein bisschen das Bayern-Prinzip, die ebenfalls ein paar Stützen mit regionalem Stallgeruch haben, um die herum sie nationale bis globale Klasse herumbauen.

  4. Ich habe mich sehr gefreut, dass der Fabian beim Fan-Turnier am Wochenende aufgeschlagen (als einziger aus dem aktuellen Aufgebot) ist. Einfach ein sympathischer Bursche, dem ich alles Gute für die neue Saison wünsche.

  5. Verbringt er also seinen Urlaub in Leipzig. Das nenne ich mal echte Verbundenheit. 😉 Dafür sah er auf den Bildern ziemlich verkatert aus (was er natürlich nicht gewesen sein muss).

  6. Ne er ist den Tag nach dem Fanturnier in den Urlaub geflogen. Also nix mit Urlaub in Leipzig.
    Aber es kennen ihn eben einige Leute privat. Die haben ihn angequatscht und er kam vorbei 🙂

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