Hallescher Siegerminimalismus

Emotional ist die Enttäuschung über den verpassten Aufstieg inzwischen ein wenig abgeklungen. Dafür wird mit wachsendem Abstand die rationale Enttäuschung größer. Mir leuchtet ehrlich gesagt immer weniger ein, wie man ausgerechnet in dieser Spielzeit den Aufstieg verpassen konnte.

Klar Halle und Kiel waren gut, aber eben bei aller Liebe auch keine übermächtigen Kontrahenten. Im Vergleich zur vergangenen (Chemnitz) und wohl auch im Vergleich zur kommenden (Relegation) Saison war es in der aktuell abgelaufenen wohl eigentlich eher einfach, den Aufstieg in die dritte Liga zu bewerkstelligen. Ich hatte ja schon versucht, die möglichen Ursachen und Hintergründe (auch mir) in Form einer Saisonbilanz ein wenig zu erklären, aber so richtig rein in meinen Kopf will das Scheitern nicht.

Interessant ist in dem Zusammenhang der Blick auf die Spitzenspiele zwischen den drei Topclubs aus Leipzig, Halle und Kiel. Insgesamt fielen in den sechs entsprechenden Partien gerade einmal sechs Tore. Wobei gleich drei davon bei der Partie RB Leipzig gegen Holstein Kiel fielen. Bleiben für die restlichen fünf Spiele gerade einmal drei Treffer. Zum Vergleich: RB, HFC und KSV erzielten ingesamt im Laufe der Saison durchschnittlich jeder knapp zwei Treffer pro Spiel.

Das bezeichnendste Detail der Statistik sind aber die 0, in Worten Null, Gegentore, die der HFC in vier Spielen gegen Kiel und RB Leipzig zu verzeichnen hatte. Keiner aus den hochgelobten Offensivreihen der Verfolger war in der Lage, einen Ball an Darko Horvat vorbei ins Tor zu bugsieren. Eine irre Bilanz des Teams, das die mit Abstand beste Abwehr aller Mannschaften der ersten vier Ligen stellte. Ein klarer Verweis darauf, wie man in Halle mit lediglich zwei geschossenen Toren die Big Points trotzdem für sich verbuchte.

  • Hallescher FC: 8 Punkte, 2:0 Tore
  • Holstein Kiel: 4 Punkte, 2:3 Tore
  • RB Leipzig: 4 Punkte, 2:3 Tore

Die drei Treffer, die RB Leipzig in vier Spielen kassierte, nehmen sich noch nicht einmal besonders viel aus, aber wenn man noch weniger Tore schießt, dann verliert man eben die entscheidenden vier Punkte auf den letztlichen Aufsteiger. Mich hatte es beim Spiel in Leipzig gegen den HFC, als früh klar wurde, dass an dem Tag nur sehr wenig zusammen passt, sehr gewundert, dass man dann nicht wenigstens verstärkt das Naheliegende versucht, nämlich hinten die Null stehen zu lassen. Aber dazu war man bei RB Leipzig (und die insgesamt sieben Gegentore gegen den Siebtligisten Braunsbedra unterstreichen das) in dieser Spielzeit egal ob mit einer formal defensiveren oder offensiveren Ausrichtung nicht in der Lage. Da könnte man sicherlich die Schuld individuell verorten, aber den größeren Anteil an guter Defensivarbeit dürfte immer das System und die mannschaftliche Abstimmung haben.

Fazit: Die krassen Enttäuschungen der Saison hören aus Sicht von RB Leipzig sicher auf die Namen Meuselwitz, Cottbus II und Wolfsburg II. Aber letztlich lässt sich auch festhalten, dass Halle vor allem in den direkten Duellen mit Leipzig und Kiel wacher und besser war. Weil sie nichts, aber auch gar nichts zuließen und so aus genauso viel geschossenen Toren wie die Konkurrenz einfach mal vier Punkte Vorsprung zauberten.

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Ein Gedanke zu „Hallescher Siegerminimalismus“

  1. 2 Ehrenrunden in der REGIO, wenn das so weitergeht werden die Enkel von Mateschitz den Aufstieg in die BuLi miterleben.

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