Regionalliga: Hallescher FC vs. RB Leipzig 0:0

Da kam er also der letzte Spieltag der Regionalliga. Vor dem der Nichtaufstieg für RB Leipzig schon feststand. Wieder mal, wie im letzten Jahr eine fremde Party. Nur, ob man ihr live bewohnen müsse oder ob doch Kiel noch mal zuschlagen würde, war vor dem Spiel noch unklar. Am Vormittag waberten mir noch die Spiele und Punktverluste gegen Cottbus II, Meuselwitz und diese desaströse Nachspielzeit letzte Woche gegen Wolfsburg II durch den Kopf. Hätte und wenn und sowieso. Spätestens mit dem Eintreffen am Spielort war das aber Geschichte und kam glücklicherweise danach auch nicht wieder (trotz des Kieler Patzers nicht).

Wenn man den entscheidenden Unterschied zur vergangenen Saison festhalten will (im sportlichen sehe ich kaum einen), dann dürfte beim Betrachten des Gästeblocks der entscheidende Punkt auffallen. Während sich letzte Saison am vorletzten Spieltag zur Aufstiegsparty des Chemnitzer FC, abgehalten auch gegen RB Leipzig nur knapp 100 versprengte Gästeanhänger aufmachten, reisten dieses Jahr handgeschätzte 800 Zuschauer ins nur etwas näher gelegene Halle, zu einem aus Gästesicht ebenso unwichtigen wie überflüssigen Spiel wie dem letztjährigen in Chemnitz.

Man muss an der Stelle auch mal Komplimente machen, wo Komplimente mehr als angebracht sind. Denn dass sich der Anhang dieses letzte Spiel noch einmal nimmt, um trotz der sicheren Häme aus Halle, den Fußball im Allgemeinen und sich selbst im Speziellen zu feiern, war ziemlich schick. Dass die Fußballatmosphäre im weiten Rund eine großartige war, lag auch am gutgelaunten Gästeanhang. Wobei insbesondere der doppelte Boden, den man sich weiter bewahrt, sehr viel Spaß macht. Ob es das Mitschunkeln und Mitklatschen bei der ziemlich unerträglichen HFC-Vereinshymne(?) am Anfang war oder die „Zugabe, Zugabe“-Rufe als Antwort auf die klassischen „Red-Bull-Schw..“ oder der Wechselgesang mit den Gastgebern oder das Einstimmen in die „Red-Bull-Schw..-Gesänge“, das war teilweise sehr großes Kino und hat mich mehr als versöhnt mit der mir viel zu alkohollastigen Auswärtsfahrt nach Kiel (wozu kurze Anreisen und alkoholfreies Bier vor Ort doch alles gut sein können).

Auf der anderen Seite war es vor allem laut, wodurch eigentlich 90 Minuten lang Betrieb war im Stadion (ganz im Gegensatz zu dem auf dem Spielfeld). Klar könnte man mit Peter Pacult meckern, dass das Publikum sich nicht immer in feinster Weise äußert und ich würde das ungefähr zwanzigfache Anstimmen der „Red-Bull-Schw…“ jetzt nicht als kreativen Höhepunkt begreifen (zumal das bei den Gegenübern eher für Belustigung sorgt), aber ich persönlich finde das angesichts der gegenüber RB im Spiel befindlichen Emotionen harmlos und wenn es sich tatsächlich auf Verbalien beschränkt, dann gut. Ein Stückweit ist das ja auch die Geschichte der Saison, dass sich der HFC daran hoch zieht, RB ein Bein zu stellen. Das einzige, was ich in den 90 Minuten am Drumherum um das Spiel nicht verstanden habe, war der Kanonenschlag, der nach dem Spiel aus der HFC-Kurve quasi in Richtung der Spieler flog (lag aber natürlich noch genug Platz dazwischen; trotzdem werde ich den Spaß an dieser Feierform nie verstehen), die gerade Richtung Fankurve zu wollen schienen, aber dann noch mal stoppten.

Ansonsten war das 90 Minuten lang atmosphärisch großartig, weil in einem ausverkauften Stadion beide Seiten Spaß haben und laut sein wollten. Wenn nicht Hundertschaften von Polizei dafür sorgen müssten, dass es tatsächlich bei Verbalien bleibt, wäre es so wie gestern in Halle eigentlich perfekt. Auch weil ich – ganz ironiefrei – finde, dass das Stadion perfekt zum Verein und zur Stadt passt. Mit 15.000 Plätzen genau die richtige Größe, die bis hoch zur zweiten Liga völlig ausreichen würde. Und dazu dank Architektur eine ziemlich gute Akustik, die wohl auch bei 4.000 Zuschauern für einen schnell zündenden Funken sorgt. Und gegen die Wand, die die HFC-Kurve bildet, muss man eben auch erst mal anspielen. In einem Spiel, in dem es auch für RB noch um was gegangen wäre, hätte das durchaus zum Faktor werden können.

Das letztlich vieles entspannt blieb, lag auch daran, dass es auch für den Halleschen FC schon recht früh nicht mehr um viel ging. Die Kunde der Wolfsburger Führung drang schnell durchs Stadion. Bis zur Halbzeit stand es dort schon 3:0 und der Aufstieg pro HFC war dadurch unabhängig vom eigenen Spielergebnis de facto sicher, weswegen von dieser Seite viel Feuer aus der Partie wich.

In dieser Partie war der Hallesche FC in der ersten Halbzeit das klar bessere Team. Von der ersten Minute an setzten sie RB Leipzig unter Druck und sahen bis zum Strafraum zumindest auch ganz passabel aus. Danach kam dann freilich nicht mehr viel bzw. schob sich immer wieder ein Abwehrbein der guten Innenverteidigung dazwischen, sodass nur in zwei, drei Szenen direkte Torgefahr entstand. Trotzdem, das Spiel von RB Leipzig in der ersten Hälfte nah dran an Katastrophe. Was nicht unbedingt am neu und erstmals seit dem Saisonstart probierten 4-2-3-1 lag, mit dem potenziell enge Räume und Kompaktheit hergestellt und nach Ballgewinnen Konter gefahren werden sollten.

Nicht immer gut gespielt, aber meist ein Bein dazwischengebracht - Timo Rost und Fabian Franke für RB Leipzig in Aktion beim Halleschen FC | © GEPA pictures/ Roger Petzsche

Es lag eher daran, dass die eigene Spiel- und Passsicherheit mit dem Pressing der Hallenser nicht mal in Ansätzen mithalten konnte. Dazu hatte Tom Geißler auf der Zehn einen komplett gebrauchten Tag erwischt. Mehrmals fragte ich mich in der ersten Halbzeit, ob ihm jemand vor dem Spiel mitgeteilt hätte, dass er sich einen neuen Verein suchen kann, so sehr erinnerte es mich an das Saisonfinale vor zwei Jahren gegen den FC Sachsen, als auch einige Spieler ohne neuen Vertrag mit Motivationsproblemen zu kämpfen hatten.

Tom Geißler jedenfalls gelang offensiv nichts und defensiv sah ich ihn ausschließlich zu spät kommen oder hinterherlaufen. Davon ließ sich scheinbar auch Henrik Ernst anstecken, der irgendwo zwischen Sechs und Zehn aufgestellt schien und auch meist nur die ‚Rücklichter‘ der Gegenspieler beobachte. Einzig Timo Rost räumte in der Mittelfeldzentrale ab und verhinderte so schlimmeres. Folge der Unordnung in der Zentrale waren aber auch entsprechende Räume auf den Flügeln. Christian Müller wurde in der Anfangsphase der Partie mehrmals rechts hinten überlaufen, sodass Tim Sebastian fast schon fassungslos wirkte. Ergebnis der ersten Hälfte: null (!) Torchancen, glückliches 0:0, unzufriedene Spieler, abwinkende Handbewegungen.

Auf der anderen Seite zeigte der HFC viel von dem, was ihn in dieser Saison stark machte. Ein sehr gutes, laufintensives Pressing und eine eingespielte Mannschaft. Wie insbesondere immer wieder aus der Mitte (Hauk) auf die Außen abgelegt wurde, jeder zu wissen schien, wie er laufen muss und daraus oft im Ansatz gefährliche Situationen entstanden, war doch spielerischerseits sehr bemerkenswert. Und der HFC hatte noch nicht einmal einen besonders guten Tag erwischt, auch da gingen in der Aufstiegsaufregung einige Aktionen daneben.

Beeindruckend fand ich auch Darko Horvat, der mit seinen 39 Jahren jedem jungen Hüpfer demonstrieren könnte, wie modernes Torwartspiel aussehen kann. Die Präzision mit der er mit Hand und Fuß das Spiel schnell machte, war erstaunlich. Vor allem im Vergleich der zwei Keeper war der Unterschied schon recht deutlich (Borels Abschläge landeten eigentlich grundsätzlich eher im Nichts). Dazu ist Horvat natürlich auch auf der Linie ein Guter, auch wenn er das gestern nicht beweisen musste. Lediglich bei einer Flanke, die über ihn hinweg Daniel Frahn für eine Großchane auf den Kopf segelte, sah er nicht gut aus.

In der zweiten Halbzeit reagierte Peter Pacult mit einem mehr als nachvollziebaren Wechsel. Er erlöste Geißler und brachte Watzka, sodass nach entsprechenden Umstellungen nun Rockenbach im 4-2-3-1 auf der 10 landete. Die folgende Viertelstunde, war die aus meiner Sicht spielerisch stärkste Phase von RB Leipzig. Hinten stand man nun – bis auf eine Szene – sicher und fing viele Bälle früh ab, sodass sich über Rockenbach einige Spielsituationen mit Platz ergaben. Eine davon führte zur schon angesprochenen, von Maximilian Watzka geschlagenen Flanke, nach der der Kopfball von Frahn vor der Torlinie herumtänzelt. Und eine zweite zu einem herrlichen Tor von Frahn, das leider (vermutlich berechtigt) wegen Abseits abgepfiffen wurde. Sei es drum, in dieser Phase des Spiels schien ein wenig Ordnung im Spiel zu sein und der Spielaufbau durch die Mitte tat der Variabilität im Aufbau mehr als gut.

Dieses Experiment fortzusetzen, fehlte Pacult dann der Mut(?), denn offenbar wollte er gern Stefan Kutschke noch mal als Waffe bringen und seinen Kapitän Daniel Frahn würde er vermutlich nicht mal dann dafür opfern, wenn man ihm eine Gehaltsverdopplung verspräche. Zwei Stürmer auf dem Platz führten dann wieder zum 4-4-2. Und zwar eher einem mit zwei Sechsern und nicht wie letzte Woche noch mit Raute, denn auch wenn Rockenbach in der Mittelfeldzentrale blieb, rutschte er nun doch wieder etwas weiter zurück aus der Spielmacherposition. Meiner Meinung nach neben der Einwechslung von Wallner für links außen (Was soll er da? Und: Hat Kutschke eigentlich ein Problem mit Wallner oder warum spielt er ihn auch dann nicht an, wenn er völlig frei steht und schießt lieber aus 30 Metern den Gegenspieler an?) eine falsche, taktische Umstellung, die in der Folge vor allem defensiv für einige Unordnung und noch mal wachsende HFC-Gefahr sorgte. Doch auch hier wurden zwei Treffern (berechtigt) wegen Abseits die Anerkennung verweigert.

Insgesamt war es über 90 Minuten gesehen ein leistungsgerechtes 0:0. Der HFC sicherlich spielerisch als Team vor allem in Hälfte 1 die bessere Mannschaft. Aber ohne Durchschlagskraft und Chancen gewinnt man eben keine Fußballspiele und in der zweiten Hälfte begegneten sich die Teams auf Augenhöhe, die von Top-Niveau immer noch weit entfernt war. Und vom Gewinnen war RB Leipzig an dem Tag sowieso sehr weit weg, sieht man mal von der kurzen Phase nach der Pause ab.

Letztlich stieg dann also der HFC auf. Verdientermaßen würde man nach der alten Fußballplattitüde urteilen, denn wer zum Schluss ganz oben steht, muss alles richtig gemacht haben. In der dritten Liga dürfte es für den HFC aber ziemlich schwer werden, denn im Gegensatz zum Chemnitzer FC reißt mich das Gesamtpaket HFC nicht vom Hocker. Klar, die Mannschaft ist eingespielt und versteht sich blind. Aber da fehlt doch manches an individueller Klasse und Robustheit, die beim CFC letztes Jahr vorhanden war. Und vor allem dürfte dem HFC das punktuelle Verstärken, wie es der CFC in der dritten Liga gemacht hat, aufgrund fehlenden finanziellen Spielraums sehr schwer fallen. Aber letztlich stehe ich der weiteren Entwicklung des HFC emotionslos gegenüber. Den Abgang des Chemnitzer FC letzte Saison fand ich traurig, weil die Spiele prickelnde Duelle waren. Weswegen der Blick doch ab und zu nochmal nach Chemnitz geht. Mit Halle (und auch Kiel) bin ich da weder positiv noch negativ verbunden.

Fazit: Ein durchschnittliches Spiel, ein sportlich verdienter Aufsteiger (Glückwunsch) und eine großartige Fußballatmosphäre. Für Viertliga-Fußball und für eine Woche nach dem verspieltem Aufstieg war es ein ziemlich großartiger Fußball(nach)mittag. Hat bereits ziemlich viel Lust gemacht auf die nächste Saison.

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Tore: Fehlanzeige

Aufstellung: Borel – Müller, Sebastian, Franke, Wisio – Rost (61. Kutschke), Ernst – Heidinger (61. Wallner), Geißler (46. Watzka), Rockenbach – Frahn

Zuschauer: 14.003 (davon etwa 800 Leipziger)

Links: RBL-Bericht [broken Link], RBL-Liveticker*,RB-Fans-BerichtMDR-Bericht [broken Link], HFC-Bericht [broken Link]

*gab es nicht, wegen überlastetem Internet.

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

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Ein Gedanke zu „Regionalliga: Hallescher FC vs. RB Leipzig 0:0“

  1. Kein Kommentar bis jetzt, wie groß muß die Enttäuschung sein, der Stachel sitzt tief.
    Ungeachtet dessen, tausend Dank an den „rotebrauseblogger“ für den besten Blog der Welt, welcher meine Startseite ist und mich über die gesamte Saison toll begleitet hat!

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