Kontinuität der Kontinuität wegen?

Nehmen wir mal die Fakten. Saisonziel Aufstieg? Nicht erreicht. Saisonziel Gewinn Sachsenpokal und damit Qualifikation DFB-Pokal? Nicht erreicht. Vergessen wir dabei nicht den durch Pacults Hand vor der Saison und in der Winterpause noch mal qualitativ ordentlich nach eigenen Wünschen aufgefrischten Kader. Lesen wir also vor diesem Hintergrund einmal das, was Peter Pacult letztes Jahr nach dem Sieg gegen Kiel (also als man Erster war) in der Dezember-Ausgabe des Kreuzers mit Seitenhieb auf Tomas Oral auf die Frage antwortete, ob man bei Red Bull bei Misserfolg nicht immer Gefahr laufe, ersetzt zu werden:

Ich kann mich schließlich als Trainer nicht hinstellen und behaupten, ich habe als Vierter mit 18 Punkten Rückstand alles richtig gemacht und dann enttäuscht sein, wenn etwas am Kader geändert wird. Natürlich reden wir immer von Kontinuität. Aber wenn man die gesetzten Ziele nicht erreicht, kann man nicht davon ausgehen, dass man nicht gefährdet ist, den Job zu verlieren. (Peter Pacult, Trainer bei RB Leipzig im Leipziger Stadtmagazin Kreuzer im Dezember 2011)

Nimmt man die Zahlen, dann hat RB Leipzig nach der Winterpause bisher in 15 Spielen 7 Punkte Rückstand auf Halle kassiert. Im schlimmsten Fall könnten es noch 10 werden. Und der dritte Platz. Rein zahlentechnisch wäre das ziemlich oralesk. Zumal letztes Jahr der Aufstieg schon sehr früh in der Rückrunde abgehakt war und sich die 18 Punkte Gesamt-Rückstand auch aus der damals trostlosen Situation und einiger Unruhe im Umfeld erklärten (inclusive der Geschichte um Pacult als Nachfolger selbst). Peter Pacult hat also nach seinen eigenen Maßstäben die sportlichen Ziele nicht erreicht.

Trotzdem wird es – so man entsprechenden LVZ-Berichten der vergangenen Wochen glauben darf (ich glaub nach dem Kiel-Spiel ging das los) – mit Pacult weitergehen. Das Zauberwort Kontinuität wurde ausgerufen. Mehr noch, Peter Pacult himself überraschte nach dem Unentschieden gegen Wolfsburg mit der Analyse, dass er „nicht unzufrieden“ mit der Saison sei, weil das Trainerteam genauso wie die halbe Mannschaft schließlich neu gewesen ist. Wie bei Tomas Oral letztes Jahr möchte man da gleich ausrufen (der es eher noch schwerer hatte, was den Kaderumbau anging). Und, dass es völlig unklar ist, wie sich 10 mögliche Punkte weniger als Halle in 16 als Endspielen deklarierten Partien halbwegs positiv erklären lassen können.

Um das gleich aufzuklären, das hier wird nicht in einer Forderung nach Pacults Entlassung münden, aber es verwundert mich schon, welch unterschiedliche Maßstäbe auch Pacult selbst an seine Situation im Vergleich zur absolut vergleichbaren Situation Orals letzte Saison, anzulegen scheint. Peter Pacult wird als erster Trainer in die RB-Geschichte eingehen, der eine Spielzeit ohne Titel abschließt. Mit einem Zweit- bis Drittligakader in der der vierten Liga und in einem Landespokal. Das ist, was bleibt.

Dass man trotzdem Kontinuität als neue Philosophie ausruft, erscheint mir nicht grundsätzlich verkehrt, nur der Weg dahin zeigt einmal mehr, dass die Strukturen bei RB Leipzig unter aller Sau sind und einer sauberen und sachlichen Analyse der Situation von oberhalb des Trainers aus absolut im Wege stehen. Denn die Entscheidung für Pacult wurde nicht von Fachleuten mit Einblick in die Mannschaft getroffen, sondern – so wiederum die LVZ-Version (die mir sehr belastbar scheint) – direkt bei Dietrich Mateschitz und dessen direktem Entscheidungsumfeld. Was klar macht, dass der Entscheidung keine umfassende Analyse von Spieltaktik, Kader, Kommunikation mit der Mannschaft etc. vorausging, sondern einfach nur Kontinuität der Kontinuität wegen gewählt wurde.

Aber wie sollte es auch anders sein, schließlich hat man im letzten Jahr die zwei Personen, die oberhalb von Pacult hätten für sportliche Expertise und Situationsanalyse stehen können, weggeekelt. Und man hat den Posten des Head of Global Soccer Beiersdorfer nicht mehr neu besetzt und den Posten des Sportdirektors bei RB Leipzig Linke hat man mit Wolfgang Loos mit jemandem besetzt, der von Pacult mitgebracht bzw. vorgeschlagen wurde. Klar, dass der jetzt nicht die Wortführerschaft und das Analyseschwert gegen seinen Trainer-Vorgesetzten führt bzw. schwingt. Und einen RB-Vorstandsvorsitzenden mit relevanter Ahnung vom Fußball hat man dank des Juristen Florian Müller auch nicht.

Es gibt oberhalb des Prinzips Pacult keine Kompetenz, die den Trainer und seine Konzepte/ Arbeit sachorientiert bewerten könnte. Es gibt oberhalb des Prinzips Pacult keinerlei Personen, die jenseits des Trainerpersonals für Kontinuität und eine Vereinsphilosophie stehen würden (wo es viel sinnvoller wäre als im Trainerteam). Weswegen man dem Prinzip Pacult nun die wünschenswerte Kontinuität anhängt, ohne dass man sich hätte zuerst einmal angucken können, ob es wirklich zielführend ist, dass in der Art und Weise Pacults weitergearbeitet wird (Thomas Linke hat sich da letztes Jahr mit Oral und der Mannschaft sehr viel ruhige Mühe gemacht).

Womit sich ein ganz fundamentales Organisationsproblem bei RB Leipzig offenbart. Nämlich, dass man aus Angst, dass man schon wieder alle Posten vom Sportdirektor über Trainer und Co bis hin zum Pressesprecher neu besetzen müsste, sich für Pacult entscheidet bzw. die Entscheidung pro Pacult begrüßt. Angst und Vermeidung statt Analyse sind denkbar schlechte Ratgeber für eine Entscheidung. Wobei man es sich andererseits auch einfach machen könnte, indem man feststellt, dass Tomas Oral eben einen Einjahresvertrag hatte, der sich nur bei Aufstieg verlängert hätte (ihm also nur ein Jahr zugestanden wurde) und Pacult von vornherein einen Zweijahresauftrag an die Hand bekam.. Womit wir aber wieder oben beim Eingangszitat wären.

Ich will gar nicht behaupten, dass man nach einer Analyse zwangsläufig dazu gekommen wäre, dass es mit Pacult nicht weitergehen kann und darf. Ich finde es ausschließlich bitter, dass sich RB Leipzig einer Struktur beraubt hat, die überhaupt erst jenseits des Trainers Analysemöglichkeiten und Kontinuitätsversprechen bereitgehalten hätte. An diesem von ganz oben verteilten Brocken darf weiter geschluckt werden. Währenddessen eben hier ein kleiner (aufgrund der Außenperspektive bescheidener) analytischer Blick auf den von der Kontinuität beschenkten Peter Pacult und sein Saisonwirken.

Peter Pacults Auftreten

Vor der Saison wurde viel geschrieben und geredet. Der Grantler Pacult. Redet nicht gern. Auch nicht mit Spielern. Die Story zu Pacult steht schon seit einigen österreichischen Tagen fest und wird auch in Leipzig immer weiter perpetuiert. Ich für meinen Teil war von Pacult eher positiv überrascht. Dass er auf Pressekonferenzen nach misslungenen Spielen einsilbig wird, finde ich nachvollziehbar und ist geschenkt. Dass er nach erfolgreichen Spielen schon gesprächiger wird, fällt in dasselbe Phänomen.

Grundsätzlich gilt aber, dass das meiste, was Peter Pacult öffentlich zu den verschiedenen Sachverhalten preisgibt, eine angenehme Ruhe und ein tiefes Verständnis fußballspezifischer Prozesse ausstrahlt. Gerade sein ruhiger Umgang mit Niederlagen genauso wie mit großen Siegen hat mir sehr imponiert. Kaum, dass er versucht, nach Siegen sich in der Sonne des Erfolgs zu aalen. Es gewinnt bei ihm meist die Mannschaft und nicht er selbst und nach Erfolgen geht der Blick auch immer sofort nach vorn. Angenehm ruhig bleibt Peter Pacult auch nach Niederlagen. Es gibt kein öffentliches Verreißen der Mannschaft (jenseits allgemeiner Spielkritik) und es gibt auch keinerlei öffentliche, individuelle Spielerschelte. Niederlagen sind Niederlagen und dazu da beim nächsten Mal wieder zu gewinnen.

Insgesamt schien er mit dieser Art der Kommunikation bei der Mannschaft gut anzukommen (auch wenn die öffentlichen Stimmen in diese Richtung im Laufe der Saison leiser wurden). Seine klare, ruhige Ansprache verknüpft mit der Idee, den Spielern viel an Freiheit und Verantwortung mitzugeben, schien eine gute Mischung, um dem Kader Spaß am Fußball mitzugeben. Insbesondere in der ersten Halbserie waren alle Spieler bis runter zur Nummer 18 hoch motiviert, was sich auch in entsprechenden Einwechslerstatistiken widerspiegelte.

So sehr mich das öffentliche Auftreten Peter Pacults positiv überraschte (wie gesagt, ich bin niemand, der jemandem öffentliche schlechte Laune bei miesen Ereignissen übel nimmt), so negativ überraschte mich die unzureichende Reaktion Pacults auf seinen verbalen ‚Schwule-Sau‘-Ausrutscher. Dass jemand, der sich sonst nicht für klare Worte zu schade ist (bspw. gegenüber dem Erfurter Trainer wegen dessen öffentlichen Kammlott-Aussagen und gegenüber Sven Neuhaus wegen dessen RB-Diss), gegenüber sich selbst in der Öffentlichkeit aber nicht über seinen Schatten springen und einen Fehler klar und ohne Relativierung richtigstellen und sich von Homophobie distanzieren kann, wirft für mich immer noch einen erheblichen Schatten auf den öffentlichen Menschen Peter Pacult (über alles andere als den öffentlichen Teil Pacults kann ich mir ja keine Meinung anmaßen).

Peter Pacults Kader

Peter Pacult hatte vor der Saison und in der Winterpause viel Raum, um auf Einkaufstour zu gehen und den Kader nach seinen Wünschen zu ergänzen und umzubauen. Kerner, Borel, Hoffmann, Hoheneder, Wisio, Kocin, Müller, Röttger, Heidinger, Lagerblom, Schulz, Ernst, Wallner. Eine von den Namen her größtenteils beeindruckende Liste. Einzig Röttger würde ich als 100prozentigen Erfolg betrachten. Ernst und Müller und eventuell auch Kocin gehören da aber sicher nah dran. Borel, Heidinger, Hoffmann und Wallner warteten aus unterschiedlichen Gründen insgesamt mit durchwachsenen Leistungen auf. Und Kerner, Hoheneder, Wisio, Lagerblom und Schulz spielten entweder eher enttäuschend oder gar keine Rolle. Man könnte sagen, dass die Transfers zu etwa 50% aufgingen. Was aus meiner Sicht so lala ist.

Insgesamt hatte Pacult zusammen mit den letztjährigen Rückrunden-Stammspielern (Franke, Rockenbach, Geißler, Kutschke, Frahn) einen Kader, nach dem sich zumindest jeder Drittligatrainer die Finger lecken würde. Klar auch einen komplett umgeschmissenen, aber eben auch einen selbstverantworteten und hochwertigen. Zwischen jungen Talenten, Spielern im Mittelalter und der 30+-Fraktion schien nun ein ausgewogenes Verhältnis zu herrschen, was vorher bei weitem nicht so war.

Während Peter Pacult in der ersten Halbserie noch klare Vorstellungen von der Besetzung der Stammelf zu haben schien und von dieser nur selten abwich, was sich auch darin widerspiegelte, wie viel Zeit die erste Elf auf dem Platz verbrachte, schien er in Halbserie zwei seine Ruhe etwas zu verlieren (wie wiederum die Zahlen zeigen). Pacult selbst erklärte die häufigen Umstellungen mit Verletzungen und Sperren. Das ist richtig, erklärt aber nur einen Teil. Zusätzlich gab es immer wieder Geeier um einzelne Positionen (z.B. Wallner, Geißler) und Spieler, die plötzlich von der Tribüne in der Startelf landeten und hinterher wieder zurück auf die Tribüne mussten (z.B. Heidinger, Watzka). Erwartungssicherheit stellte sich jedenfalls in der Breite des Kaders nicht ein. Gute Leistungen führten (aus meiner Sicht) nicht notwendig zu weiteren Chancen. Ich fand das nicht zielführend und ich fand, dass die gezeigten Leistungen, mich in meiner Unzufriedenheit bestätigten. Man könnte auch die in der Rückrunde komplett weggebrochene Bank als spielbeeinflussende Komponente als Indiz anbringen

Besonders irritiert hat mich der Umngang mit Roman Wallner. Den mehrfachen österreichischen Ex-Nationalspieler, der besonders in der Zone zwischen Elfmeterpunkt und Strafraumgrenze gefährlich zu sein scheint, wurde in der Winterpause extra nach Leipzig gelotst, um dann hier nach wenigen Spielen langsam ein wenig demontiert zu werden. Mit einer Mischung aus Auswechslungen und Abschieben auf die Außenbahn (wo er nie überzeugen konnte), später auch mit dem Verbannen auf die Bank. Ich sehe die Personalie Wallner ein wenig wie die von Ballack. Wenn man solch einen Spieler verpflichtet, dann weil man ihn einsetzen will und im Fall Wallner auch als Stürmer einsetzen will. Ihn zu holen und dann zwischen Bank, Außenbahn und Sturm hin- und herzuschieben, macht keinen Sinn. Tut dem Spieler nicht gut und auch der Mannschaft nicht, die vorher davon ausgegangen war, dass da eine Granate kommt und Wallner nun mitdemontiert und teilweise im Spiel ignoriert.

Pacults Taktik

Als Pacults Verpflichtung bekannt wurde, hatte ich bereits ein bisschen Angst:

Jetzt schon wieder jemanden kommen zu sehen, der scheinbar das 4-4-2 mit zwei Sechsern präferiert, lässt mich ein klein wenig zusammenzucken. (Mit Peter Pacult in eine völlig offene Zukunft)

Und ich sehe mich von der Saison ein wenig bestätigt. Dabei fing Pacult anfangs noch mit einem 4-2-3-1 an. Gegen Wolfsburg noch mit sehr viel Erfolg, startete Pacult auch in Meppen so, stellte aber schon dort während des Spiels auf ein 4-4-2 um und blieb (was auch der Schwäche des einkalkulierten Linksaußen Heidinger zu jener Zeit geschuldet war) in der Folge bei diesem System. Über die (aus meiner Sicht) Unzulänglichkeiten des Systems mit zwei Sechsen und der Idee der Spieleröffnung über die Außenverteidiger hatte ich schon an einigen Stellen (insbesondere nach dem Meuselwitz-Spiel) gemosert. Generell gilt, dass RB Leipzig in seiner taktischen Aufstellung viel zu unflexibel agierte. Rockenbach und Röttger waren zwar zeitweise in der Lage, die durch die Taktik entstehenden Duelle gegen zwei oder gar drei Gegenspieler zu lösen, aber seinen Erfolg auf solche Duelle aufzubauen, kann langfristig nicht gut gehen. Schon gar nicht, wenn der eine der beiden (Röttger) auch noch verletzt ausfällt und der andere (Rockenbach) in eine Art Formkrise gerät.

Das 4-4-2, das offensiv zu einem 2-4-4 wurde kann man sicherlich mit Erfolg spielen (auch wenn ich es nicht für das modernste System halten würde). Dazu braucht man aber zwei sehr flexible Sechser, die die Situationen auf den Außenbahnen als nachrückende Anspielstation mit auflösen helfen. Es erfordert gerade in der Mittelfeldzentrale und von einem möglichen hängenden Stürmer viel Laufarbeit und Spielverständnis. Nur so lassen sich durch Doppelpässe oder auch mal durch Seitenwechsel oder eigenes Ziehen zum Tor, überraschende Räume schaffen. So, wie es gespielt wurde, war es meist der Versuch irgendwie die Seite runter zu kommen und dann zu flanken. Und wenn das nicht klappte, probierte der Außenverteidiger den Seitenwechsel hintenrum über die Innenverteidiger oder (ähnlich wenig erfolgsversprechend) die Flanke aus dem Halbfeld.

Es gab viele Momente, in denen das Defizit des Spielsystems mehr als deutlich hervorstach. Unsinnig all die Spiele zu nennen, in denen man die Probleme erkennen konnte. Viele Trainer wussten, dass sie schon ziemlich viel gewonnen haben, wenn sie auf den Flanken sehr gut verteidigen und dass dann aus dem zentralen Mittelfeld nicht mehr viel kommt.

In den letzten zwei Spielen ging Peter Pacult dann dazu über, es mit einer Raute zu versuchen, was auch ein 4-4-2 ist, aber offensiv eher nach einem 2-3-1-4 aussieht. Ein System, das für die Flügelspieler mehr Defensivverantwortung bedeutet, da der Zehner Rockenbach auch in der Defensive auf der Zehn bleibt und somit ein nach außen mitarbeitender Sechser wegfällt. Das System hat natürlich gerade bei Ballverlust im Mittelfeld sehr arge Macken, aber für eine endgültige Bewertung war der Rauten-Versuch zu kurz. Generell würde ich behaupten, dass in einer Raute ein Spieler wie Tom Geißler, dessen Offensiv- und Defensiv-Fähigkeiten etwas ausgeglichener verteilt sind, die bessere Variante wäre im Vergleich zum puren Zehner Thiago Rockenbach, weil Geißler defensiv auf die Acht zurückrutschen könnte.

Wenn ich nicht ganz grundsätzlich unzufrieden mit der 4-4-2 gewesen wäre, dann hätte ich Peter Pacults Festhalten am System sicherlich sehr gut gefunden, denn generell gilt natürlich, dass es gerade einer neu zusammengestellten Mannschaft ganz gut tut, wenn sie sich in ein Spielsystem einfinden und Spielsicherheit gewinnen kann. Und sowieso macht es die Kadergestaltung seit der Rückrunde praktisch unmöglich vom Zweistürmersystem abzurücken, denn vom Trio Frahn, Kutschke, Wallner kann man eigentlich unmöglich zwei Spieler auf der Bank lassen. Und dann ist mir glaube ich das 4-4-2 mit Doppelsechs und Geißler eigentlich lieber als das 4-4-2 mit Raute. Aber das ist natürlich Ansichtssache.

Festhalten würde ich, dass sich Pacult seinen Kader zur Rückrunde hin noch mal auf ein 4-4-2 zugeschnitten verstärkt hat. Weswegen es natürlich absolut nachvollziehbar ist, wenn er dann auch an seiner Taktik festhält. Für mich gilt aber trotzdem, dass an der Stelle Taktik UND Kaderzusammenstellung nicht optimal sind.

Fazit

Es ist natürlich wie immer sehr subjektiv, aber trotz aller Kritik an Spieltaktik und fehlender Flexibilität, fand ich Peter Pacult doch immer (entgegen meiner Befürchtungen vor der Saison und mal ganz abgesehen von meiner ganz grundsätzlichen Kritik an den aktuellen Organisationsstrukturen bei RB) eine passende und gute Besetzung der Trainerbank von RB Leipzig. Gerade die Hinrunden-Tatsache, dass er mit ruhiger Hand und mit scheinbar gutem Draht zum Team am Erfolg gearbeitet hat, mochte ich gern. Unaufgeregt und trotzdem voll bei der Sache. Jemand, der sich aufgrund seiner Art und Weise immer vor die Mannschaft stellen und für RB Leipzig stehen konnte. Einer, der auch Kritik am Verein schlucken oder zurückspucken konnte.

Das alles sehe ich positiv und das alles saugt auch ein Stück weit meine Kritik am konkreten sportlichen Output auf. Vermutlich wird die Abstimmung zwischen den Spielern und den Mannschaftsteilen (wenn man davon ausgeht, dass das Team-Gerüst stehen bleibt) nächste Saison besser funktionieren, sodass sich auch im 4-4-2 Automatismen und somit andere, flexiblere Möglichkeiten ergeben. Nimmt man das Gesamtpaket Peter Pacult, dann finde ich die Entscheidung für Kontinuität in Bezug auf seine Person trotz der ganz oben aufgelisteten Zahlen und Fakten und entgegen Pacults eigener Aussage, dass mit einer solchen Bilanz sein Stuhl wackeln sollte, zumindest tragbar. Aber eins sollte auch klar sein (auch wenn das nicht jedem gefällt): Wenn Pacult tatsächlich bleibt, dann hätte strenggenommen auch Oral letztes Jahr bleiben dürfen müssen. Denn die Bilanzen sind – bedenkt man die unterschiedlichen Kader-Möglichkeiten – ziemlich ähnlich. Möge sich dies nächste Saison ändern..

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9 Gedanken zu „Kontinuität der Kontinuität wegen?“

  1. Klasse Analyse ! Dazu auch ein paar eigene, ergänzende Anmerkungen:
    Der Leistungsabfall im Frühjahr wo das Gegenteil notwendig ( Halle Spiel in L.?; min. 80 Pkt. am Ende ) ) und auch zu erwarten ( Saisondauer, Verstärkungen ) war, ist mir unerklärlich.
    Das allein mit der Verunsicherung von Spielern erklären, ist mir zu wenig. Das nach meiner Auffassung zu lasche Warmmachprogramm als Spielvorbereitung ist eine Ursache für die Vielzahl an frühen Gegentoren ( Meuselwitz !! ). Es fehlte an der richtigen Betriebstemperatur, Leidenschaft und an Führungsfiguren mit Ideen, die die Mannschaft aus schlechten Phasen herausführt. Daniel Frahn ist ( noch ) keine solche Führungsfigur.
    Die positive Entwicklung der Spieler A. Laas im Paar mit T. Geisler und von P. Schinke im Frühjahr 2011 war ein Garant der damaligen Heimstärke von RB. Warum Laas bzw. Schinke heuer keine bzw. kaum Berücksichtigung finden, kann ich nicht verstehen, zumal auch keine überzeugenden Alternativen erkennbar sind. Kontinuität in der Spielerentwicklung ist das jedenfalls nicht.

  2. Schöner Beitrag, hat sicherlich viel Mühe gemacht, danke dafür.
    Aber, Feuer und Leidenschaft sowie der unbedingte Willen, den Sieg zu erzwingen (s. hierzu u.a. Relegationsspiele diese Woche) haben definitiv in der Rückrunde bei einigen Spielern gefehlt, und das ist Sache des Trainers.
    Wo waren die zu erhoffenden konditionellen Vorteile bei dem Trainerstab und den Rahmenbedingungen?
    Die Wallner-Demontage ab seinem 2. Spiel bleibt höchst kritikwürdig.
    Warum soll es im 3. Jahr Regio mit wahrscheinlich starkem Jena besser werden, wo wir uns eh nie nach den anderen richten, Pacult die Regio und die Videoanalyse nicht wirklich kennt?
    Seine Statements auf der jeweiligen PK nach dem Spiel sind überwiegend gruselig bis selbstgefällig.
    Nur einmal hat er Wort gehalten: Die Entscheidung ist vor dem Halle-Spiel gefallen!

  3. Pacult sagte auch einst in Bezug auf seine Machtfülle: Wenn es schiefgeht sei er der erste, der in der Verantwortung steht, sprich zu gehen hätte.

    Das Saisonziel dürfte nicht Platz 3 gewesen sein, sondern Aufstieg – welche Argumentation hat Pacult dennoch bleiben zu wollen, zu dürfen, zu müssen?

    Bleibt die Mannschaft wie sie ist oder kauft sich RBL groß ein mit deutschen Messis, egal wie hoch der Preis dafür ist?

  4. Ich halte das Festhalten an Pacult für so ziemlich den schlimmsten Fehler, den Mateschitz/RedBull machen konnten. Nach allem was ich gesehen, gelesen und gehört habe, war sicherlich nicht die Qualität des Kaders das Problem, auch eine funktionierende Mannschaft hätte man zum Rückrundenstart haben können. Stattdessen kam die große Geldkeule, Unruhe ins Team, kein Taktikkonzept das auf die Mannschaft abgestimmt war, überflüssigerweise auch noch mehrfacher Taktikwechsel mitten in der Saison und zu guter Letzt Rotation ohne Not. Wer bitte wenn nicht der Trainer ist schuld daran? Wenn dieser das im Nachhinein noch als Erfolg darstellen will und sein Geschwätz von gestern nicht so gemeint haben will, dann sehe ich schwarz für nächstes Jahr. Schade. Ich hatte ehrliche Hoffnung, dass DM bzw. RB aus seinen Salzburg-Fehlern lernt.

  5. Wenn man sieht, mit welcher Leichtigkeit Tomas Oral letztes Jahr gegangen wurde, dann hast Du sicherlich recht. Aber trotzdem bleibt die Frage, was eine Entlassung von Pacult bewirken würde. Ein neuerlicher Komplettumbau von sportlicher Leitung und spielerischem Personal, der die Chancen auf den sportlichen Erfolg nächstes Jahr schmälern würde. Für Pacult spricht vor allem, dass er weiterhin einen guten Draht zur Mannschaft zu haben scheint. Hätte er den nicht, dann wäre eine Weiterbeschäftigung sicher nicht zielführend. Dazu kann er nächste Saison auf ein Kadergerüst zurückgreifen, das nur noch punktuell ergänzt wird. Vielleicht wird Pacult auch taktisch noch mal neu denken. Und wenn nicht, dann wird der eingespieltere Kader vermutlich einiges verbessern. Als die LVZ die Entscheidung pro Pacult verkündete, war ich auch nicht extrem glücklich und ich habe weiter einiges an Kritik. Aber inzwischen kann ich mich mit einer zweiten Pacult-Saison gut anfreunden. Aber ich verstehe Dich schon, das Scheitern dieses Jahr erscheint vor allem auch als Trainerscheitern.

  6. Halle hat die Lizenz noch lange nicht sicher. Die derzeitige Krise deutet darauf hin, dass dort sehr viel im Argen liegt. Vielleicht wollen die sportlich scheitern, um sich die anschliessende Blamage der Lizenzverweigerung zu erparen. Nicht auszudenken, wenn Kiel am Samstag verliert, RB spielt unentschieden und Halle bekommt keine Lizenz.
    Es geht noch um was. Und keiner merkt es.

  7. Ein neuer Trainer wäre jetzt schlecht. Nicht weil PP so überzeugt hat. Bei so einem jungen Verein wieder alles umkrempeln ist sehr gefährlich. Ein Identitätsverlust kommt. Also „Kontinuität wegen“.
    P.S. Thorsten Gutzeit ist bei Holstein K bis 30.06.2013 verpflichtet. Passt. 🙂

  8. Sehr kleinteilige Analyse. Interessant. Ein paar Dinge sind aber recht banal und geraten in den Hintergrund. Da wäre das Verhalten von Pacult. Das ist unter aller Sau. Auch bei Siegen. Ich persönlich kenne alle Auftritte bei Heimspielen. Von den zwei Platzhirschen abgesehen traut sich kaum jemand eine Frage zu stellen, weil sie noch so vernünftig sein kann – man wird immer wie ein Blödmann behandelt. Nichts über Spieler sagen zu wollen, warum sie gespielt oder nicht gespielt haben, das führt leider auch ganz schnell dazu, dass gar nichts Sinnvolles gesagt wird.

    Dann wurde einmal die Schuldfrage gerne besonders kreativ beantwortet: Schuld war einer vom Fan-Radio, weil er vor dem Cottbus-Heimspiel (1:1) – also nach dem 5:1 in Plauen – einen hohen Sieg getippt hat. Assi Stohn blies ins selbe Horn. Der arme Kerl (der Tipper) war ein einziges Häufchen Elend, nachdem es laut und mehrfach über ihn hereingebrochen war. Das war absolut peinlich und unfair. Werde ich auch nicht so schnell vergessen.

    Völlig unverständlich ist mir das Festhalten an Rockenbach, der v.a. in der Rückrunde fast nix mehr gebracht hat. Sein völlig ertragloses Übersteiger-Festival gehörte auch zu den Peinlichkeiten der Saison. Ich hätte Stein und Bein schwören können, dass Pacult ihm diese Faxen persönlich austreiben würde. Zum Glück habe ich nicht gewettet.

    Und kommt es nur mir so vor, dass RB zur bei eigenen Freistößen ungefährlichsten Mannschaft geworden ist? Und dass RB bei Freistößen des Gegners die am meisten gefährdetste ist? Und dass aus der Distanz eigentlich kaum ein harter Schuss möglich ist? Ich erinnere mich in dieser Angelegenheit jedenfalls noch gut an Bick, der bei ruhenden und nicht ruhenden Bällen da gefährlicher war als der gesamte Rest der Mannschaft.

    Zu unguter Letzt fehlte mir zu oft der absolute Wille zum Sieg. Meist jedenfalls und bei den meisten Spielern. Klar, Kutschke MUSS man da rausnehmen. Frahn sicher auch. Aber sonst? Vielleicht kann ich die Körpersprache nur nicht richtig deuten.

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