Regionalliga: Germania Halberstadt vs. RB Leipzig 2:3

Und dann kommen sie doch diese Tage, an denen es einem tief und endgültig ins Bewusstsein dringt, dass in dieser Saison gleich zwei Mannschaften besser sind und den Aufstieg mehr verdient haben als die eigene. Dass die Gegner in der kommenden Saison wieder Berliner AK, Halberstadt und Meuselwitz und einiges an neuem heißen. Und dass diese verdammten Heimspiele gegen Cottbus II und Meuselwitz die Chance auf einen finalen Showdown völlig überflüssigerweise (man denke nur an den völlig talentfreien Auftritt der Cottbuser U23 in Leipzig) sehr wahrscheinlich zunichte gemacht haben.

Klar, der HFC muss trotz 5:0 gegen St. Pauli II am Samstag erst mal in Meuselwitz gewinnen, um sicher aufzusteigen und ein Aufstiegsendspiel gegen RB Leipzig eine Woche später zu verhindern. Und auch klar, dass ich, je näher der Samstag rückt, anfangen werde, doch noch auf eine Chance zu hoffen. Aber ganz nüchtern betrachtet, liegt dem HFC in Thüringen kein Stolperstein mehr im Weg, denn ich glaube nicht ernsthaft dran, dass der ZFC den Samstag mit seiner A-Elf bestreitet, da er vier Tage später gegen Carl Zeiss Jena im Thüringenpokal-Finale den DFB-Pokal-Einzug klar machen will. Nach der Erfahrung nach dem Sieg bei RB Leipzig, als man in einer englischen Woche vier Tage später saft- und kraftlos gegen Holstein Kiel verlor, würde ich als sportlich Verantwortlicher jedenfalls nicht mein Team in einem für mich wertlosen Spiel gegen den Tabellenführer verbrennen. Wobei noch dazu kommt, dass selbst ein Meuselwitzer A-Team nur sehr geringe Chancen hätte gegen den Lauf des HFC. Und sowieso ist da auch noch Holstein Kiel, die ja dank Siegesserie auch noch vor RB liegen..

Sei es wie es sei, denn die Sachen kommen eh wie sie kommen, aber im Nachhinein schmerzen die letzten Heimspiele (vier Punkte aus drei Spielen) extrem, daran kann auch das erkämpfte 3:2 von Halberstadt nichts ändern. Es war exakt das Ergebnis aus dem Hinspiel. Vier Gegentore in zwei Spielen gegen einen durchschnittlichen Regionalligisten. Gegen keinen anderen Gegner kassierte RB Leipzig mehr Treffer. Auch das ein wenig bezeichnend für die insgesamt nicht übermäßig gelungene Saison (bzw. insbesondere Rückrunde).

Der Sieg in Halberstadt war letztlich aufgrund des deutlichen Chancenverhältnisses ein völlig verdienter. Trotz wenig gelungenem Beginn. Trotz der diversen ausgelassenen Torchancen. Trotz eines nach Stefan Kutschkes Meinung unberechtigten Elfers zum 1:0 (ich würde ja sagen, dass ein Verteidiger, der im Straufraum seinen Gegenspieler einfach weggrätscht, bestraft gehört, auch wenn der Ball bereits weg war – Gelb und Elfer völlig ok). Trotz einiger Abwehrlücken. Also insgesamt auch ein Spiegelbild der letzten Wochen. Der Willen ist absolut da, aber um ganz oben zu landen, gibt es doch zu viele Baustellen im Spiel der RasenBallsportler. Weswegen der wahrscheinliche Nichtaufstieg auch den Leistungsstand völlig korrekt wiedergibt.

Interessant, dass es Pacult in Halberstadt mit einer Art Raute und Rockenbach auf der Zehn probierte. Wobei ich als nicht Anwesender natürlich nicht beurteilen kann, wie das ganze in der Defensivformation aussah. Bei Hertha II gab es mal für etwa 20 Minuten (in denen das Spiel gedreht wurde) das gleiche (erfolgreiche) Experiment (da allerdings mit Geißler statt Ernst), bei dem Rockenbach defensiv einen recht gewöhnlichen Sechser spielte, um offensiv hinter die Spitzen zu rücken. Auch damals durfte Heidinger parallel über links wirbeln.

Ohne wie gesagt die Praxis gesehen zu haben, kann ich doch sagen, dass ich ganz grundsätzlich kein Freund der Raute bin. Ich finde ein offensiv -zentrales, freies Radikal wichtig, aber nicht innerhalb einer Raute. Ich glaube, dass dadurch die taktischen Probleme von RB Leipzig, dass man bei Ballverlust aufgrund hoch stehender Außenverteidiger und zentraler Mittelfeldspieler ziemliche Probleme hat, schnell genug in Verteidigungsposition hinter den Ball zu kommen, nur noch größer werden.

Ich finde eine Reihe Heidinger-Rockenbach-Röttger weiter verlockend, aber der Preis einer Raute wäre mir persönlich zu hoch. Aber mir ist natürlich auch klar, dass es mit der aktuellen Kaderbesetzung im Sturm mit gleich drei Spielern, die man aus unterschiedlichen Gründen nur schwerlich draußen lassen kann, wohl kaum einen Weg weg vom Zweistürmersystem gibt. Kutschke UND Wallner auf die Bank zu setzen, wäre fast schon Irrsinn. Weswegen die Raute als logische Konsequenz erscheint, wenn man denn Offensivpower ins zentrale Mittelfeld bringen will. Warum dann aber nicht Tom Geißler hinter den Spitzen agiert (wie er es in der Vorbereitung zeitweise machte), wissen wohl nur die Sympathiewerte in Peter Pacults Kopf.

Unglücklicherweise wurde das Rauten-Experiment bereits nach 28 Minuten eingestellt. Unglücklicherweise, weil sich Timo Röttger schon wieder verletzte (Glück im Unglück für ihn, dass die Saison eh de facto gelaufen ist und er so nun Zeit zur Regeneration hat, bis die Vorbereitung auf die neue Saison losgeht.) und die Einwechslung von Tom Geißler eine Systemumstellung mit sich brachte, da Rockenbach nun wieder auf den linken Flügel wechselte, Sebastian Heidinger nach rechts auf die Röttger-Position wechselte und Tom Geißler nicht die Zehner-Position von Rockenbach besetzte, sondern seine übliche Sechser-Position.

Ohne Raute wird es dann also in das letzte Heimspiel gegen Wolfsburg II am Samstag gehen. Wie man hört, gehen diverse Freikarten-Angebote für die Partie durch die Stadt. Nun ja, das ist sicherlich legitim, aber viel mehr als auf Quantität hoffe ich trotz wohl allgegenwärtiger Enttäuschung persönlich auf einen qualitativ versöhnlichen Saisonheimabschluss zwischen Mannschaft und Kernanhängerschaft. Mal ganz unabhängig vom Spiel. Irgendwas, was ein für den wahrscheinlichen Fall der Fälle ‚Auf ein Neues‘-Gefühl vermittelt.

Fazit: Das Spiel in Halberstadt war sicherlich kein Optimum, aber unter den gegebenen Umständen und angesichts eines wieder mal extrem motivierten Gastgebers völlig ok. Ob es spieltaktisch (Raute) und in der individuellen Besetzung (Wallner erst auf der Bank, dann auf rechts) das Wahre war, sei an dieser Stelle einmal dahingestellt. Freuen wir uns auf das Saisonfinale und blenden die drohende Sommerpause noch ein wenig aus.

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Tore: 0:1 Frahn (20./FE), 1:1 Scheidler (24.), 1:2 Frahn (45.), 1:3 Sebastian (82.), 2:3 Georgi (83.)

Aufstellung: Borel – Müller, Sebastian, Franke, Wisio – Röttger (28. Geißler), Ernst, Rockenbach (89. Hoheneder), Heidinger (70. Wallner) – Kutschke, Frahn

Zuschauer: 864 (davon 300 Leipziger)

Links: RBL-Bericht [broken Link], RBL-Liveticker [broken Link], RB-Fans-Bericht, MDR-Bericht [broken Link], Halberstadt-Bericht

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