Auf den Spuren des FC Sachsen Leipzig?

Nach den statistischen Betrachtungen zum Sturmduo Frahn/ Kutschke nun also wieder zurück zum Kerngeschäft. Und das ist der Fußball. Der drittletzte Spieltag steht am Sonntag (06.05., 13.30 Uhr) auf dem Programm und der Gegner heißt im vorletzten Auswärtsspiel Germania Halberstadt. Was auch Anlass sein dürfte, allseits die Geschichte der 3:2-Wiederauferstehung aus dem Hinspiel wieder und wieder zu erzählen. Fast schon so als würde man von früher erzählen.

Und ein bisschen fühlt es sich tatsächlich so an, denn irgendwie lag das Hinspiel noch in einer Zeit, in der vieles, trotz der damals schon limitierten spielerischen Mittel, noch zu funtionieren schien und als der tiefe Riss im Selbstverständnis, der durch das Halle-Spiel zwei Wochen später folgen sollte, noch nicht erahnbar war. Das 3:2 im Hinspiel war genaugenommen schon ein Signal, dass nicht alles prima funktioniert, denn Halberstadt war mit seinem variablen, sehr ansehnlichen 4-1-4-1 spieltaktisch einfach mal besser und die RasenBallsportler drehten den 0:2-Rückstand vor allem mit einer großen Portion Willen und Moral und dank der Einwechsler Marcus Hoffmann und Carsten Kammlott.

Nun also wieder Halberstadt. Denen aber inzwischen der langjährige Chefcoach Andreas Petersen fehlt. Der hat sich vor kurzem für das Traineramt beim 1.FC Magdeburg ab der kommenden Saison entschieden, was zu einer sofortigen Vertragsauflösung in Halberstadt führte. Keine Ahnung, ob das jetzt gut oder schlecht für RB Leipzig ist. So ein Wechsel kann bei einer taktisch eingespielten und funktionierenden Mannschaft auch noch mal ein paar Prozente Energie freisetzen, weil man sich ja dem neuen Coach (der der alte Co-Trainer ist) zeigen will. Andererseits ging das erste Spiel unter Enrico Gerlach beim ZFC Meuselwitz mit 0:2 verloren.

Und auch generell ist die Rückrunde keine wirkliche Erfolgsstory. 3 Siege, 4 Unentschieden und 6 Niederlagen nach der Winterpause sind ok, aber mehr auch nicht. Interessanterweise errang Halberstadt zwei der drei Siege auswärts (Lübeck und Hertha II) und nur einen zu Hause (im letzten Heimspiel gegen St. Pauli II). Aktuell reicht das für Platz 12. Sollte dies am Ende auch herausspringen, würde das beim Aufsteiger sicherlich als Erfolg gelten.

Ich sehe Halberstadt ein bisschen als sachsen-anhaltinisches Pendant zum thüringischen ZFC Meuselwitz. Irgendwie nirgends so richtig gut, aber auch nirgends so richtig schlecht. Immer ein bisschen auch eine Wundertüte, in welche Richtung das Pendel am Spieltag ausschlägt. Was auch normal ist, wenn die Mannschaft individuell nicht ganz so gut besetzt ist, aber als Team und spieltaktisch gut eingespielt ist. An guten Tagen versetzt man damit Bäume, an schlechten bricht man auch mal auseinander. Trotzdem, weder im Sturm, noch in der Abwehr stehen furchterregende Gegner. Wenn dann noch am ehesten im Mittelfeld, wenn man an die Herren Georgi und Wijks denkt.

Aber egal, wie der Gegner was macht, für RB Leipzig gibt es gar nichts anderes als drei Punkte. Bei fünf Punkten Rückstand auf Platz 1 und noch drei ausstehenden Spieln ein Pflichtprogramm zum Erhalt der Resthoffnung. Ob Peter Pacult dafür wieder mal die Mannschaft umstellt oder doch auf die Spieler aus dem BAK-Spiel zurückgreift, weiß noch nicht mal der Wind. Man weiß aber [broken Link], dass derzeit unklar ist, ob Daniel Frahn (Probleme mit dem Sprunggelenk) wird auflaufen können. Was dazu führen könnte, dass das Duo Wallner/ Kutschke, über dessen Einsatzchancen ich mich erst gestern in der Kutschke-Analyse gewundert hatte, schneller ins Wasser geworfen wird, als gedacht. [Update: Wenn man sich mal auf Twitter-Liveberichte verlässt. Wo dann mal schnell aus Franke Frahn gemacht wird. Also Kommando zurück: offenbar kein Frahn-Ausfall!]

Unabhängig davon ist es sowieso nicht unwahrscheinlich, dass Stefan Kutschke nach seinem engagierten Auftritt letzte Woche wieder in die Startelf rutscht und dort Roman Wallner verdrängen würde. Gut möglich auch, dass der zuletzt etwas untergetauchte Timo Röttger in diesem Spiel nur von der Bank kommt. Was Chancen ließe für Sebastian Heidinger oder wiederum Roman Wallner.

Ein kleineres Fragezeichen könnte man auch hinter Tomasz Wisio setzen, dessen Linksverteidigerposition an Fabian Franke gehen könnte (so der dabei ist), sodass in der Mitte Niklas Hoheneder zum Zug käme. Und auch Marcus Hoffmann und den von Pacult gern mal auf die Bank gesetzten Tom Geißler muss man nicht zu 100% als gesetzt sehen. Aber immerhin kann man bei fünf bis sechs Spielern (Borel, Müller, [Franke], Ernst, Rockenbach, Frahn) sehr sicher davon ausgehen, dass sie zum Anpfiff ohne Trainingsanzug das Spielfeld betreten.

Es wird sicherlich ein nicht unspektakulärer Spieltag, da die Aufstiegskonkurrenz (die derzeit die bei weitem besseren Karten hat) zeitgleich zu RB agiert (kann mich nicht erinnern, wann die drei das letzte Mal zeitgleich gespielt haben). Wer dem Spiel in Halberstadt nicht beiwohnt/ beiwohnen will/ beiwohnen kann, darf sich also auf eine spannende Liveticker-Konferenz einstellen. Sowohl Kiel als auch Halle haben es dabei nicht mit unlösbaren Aufgaben zu tun. Der Tabellenzweite Kiel muss beim Berliner AK antreten, die zu Hause nur eine mittelmäßige Bilanz aufweisen (sechs Siege, sechs Unentschieden). Im Normalfall für die aktuell sehr starken Kieler kein Stolperstein, aber es wird auch kein Selbstläufer.

Der Hallesche FC wird unterdessen gegen den FC St. Pauli II auf Tore- und Punktejagd gehen. Unwahrscheinlich, dass da was schief geht, denn die Hamburger haben zuletzt bei vier Niederlagen am Stück 14 Treffer kassiert und nur zwei geschossen. Nominell dürfte Halle also die leichteste aller Aufgaben vor der Brust haben. Dass das auch mal schief gehen kann, hat man vor einer Woche in Cottbus gesehen, als der HFC beim 0:0 völlig überraschend zwei Punkte liegengelassen hat. Nur sollten all jene, die daraus Hoffnung schöpfen, auch sehen, dass der HFC dabei nicht schlecht gespielt hat, sondern der Ball einfach nicht ins Tor wollte. Cottbus hat das gemacht, was sie auch gegen RB Leipzig in zwei Spielen gemacht haben, nämlich ausschließlich verteidigt. Und gegen RB und den HFC haben sie mit der Taktik und eigentlich chancenlosen Mannschaften jeweils einen Punkt erkämpft. Muss man auch erst mal schaffen.

Will nur sagen, dass ein Punktverlust der Hallenser wohl wesentlich überraschender wäre, als ein Punktverlust von RB Leipzig oder Holstein Kiel. Aber so richtig heißt das natürlich nichts in der der Endphase der Saison, in der von Nervenflattern bis hin zum beflügelnden Aufstiegstraum so ziemlich alles denkbar ist. Selbst, dass Holstein Kiel aufstiegt, was ich bis vor kurzem noch vehement bestritten hätte.

Aber das alles würde egal werden, wenn RB Leipzig in Halberstadt nicht drei Punkte mitnimmt. Was angesichts von nur 10 Punkten aus den letzten sechs Spielen bei einem Torverhältnis von 7:5 und der Tatsache, dass es aktuell keine Spielsicherheit und so auch keine Selbstläufer gibt, schon schwer genug wird. Man wird sich die drei Punkte mit einer Mischung aus Kampf und individueller Klasse wohl letztlich nur erzwingen können. Dass für Sonntag mittag in Halberstadt 12 Grad und Regen angesagt sind, passt da doch ganz gut dazu.

Und vielleicht noch als Mutmacher: Dem FC Sachsen gelang am Ende der (grottigen) Saison 2007/2008 das Kunststück, durch vier Siege am Stück noch sechs Punkte und sieben(!) Plätze Rückstand auf den vierten Platz aufzuholen und damals den Relegationsplatz für die Regionalliga (und später auch den Aufstieg aus der Oberliga in die Regionalliga) zu sichern. Durch die nicht mehr für möglich gehaltene Serie ging man damals auch dem ‚drohenden‘ Lokalderby gegen Lok aus dem Weg, die im selben Jahr in die Oberliga aufstiegen. Es wird Zeit, dass sich Geschichte wiederholt..

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3 Gedanken zu „Auf den Spuren des FC Sachsen Leipzig?“

  1. „Es wird Zeit, dass sich Geschichte wiederholt…“

    Bitte nicht. Denn dem „Aufstieg“ (genauer gesagt, war es nur die Qualifikation für die neu entstandene viertklassige Regionalliga) folgte der umgehende Abstieg inkl. Insolvenz und zwei Jahre später war das Licht komplett aus.

    Wenn du schon Vergleiche ziehen willst, dann nimm doch die Saison 2002/03. Da hatte Jena auch schon fünf Punkte Vorsprung auf den FCS, verlor dann 1:3 in Leutzsch und leiß beim 1:2 in Neugersdorf wichtige Punkte.
    Die Leutzscher feierten dann nach erfolgreicher Relegation gegen Schönberg einen richtigen Aufstieg in Liga 3.

  2. Die Kunst besteht darin, sich den richtigen Teil der Geschichte rauszusuchen, die sich wiederholen soll. 😉 Und auf 2003 folgte auch nur ein Abstieg. Im Leipziger Fußball gibt es in den letzten mindestens 10 Jahren nicht so viele Geschichten, an denen man sich in Gänze orientieren möchte..

  3. Das faszinierende am Fußball ist ja seine Unvorhersehbarkeit. Gerade an den letzten Spieltagen flattern oft die Nerven. RB Leipzig hat diese Saison nichts mehr zu verlieren. Der Druck liegt bei Halle und im Schatten davon natürlich auch bei Kiel.

    Noch im November war ich felsenfest von einem Aufstieg der Mannschaft von Pacult überzeugt. Ein Aufstieg in die 3. Liga für die Saison 2012/13 hielt ich für sehr realistisch und machbar. Ohne rosarote Brille. Rotebrauseblogger bloggte für mich ab Sommer 2012 selbstverständlich über einen sympathischen Drittligisten aus Leipzig mit Ambitionen nach oben. Schade. Irgendwie gab es dann immer wieder Sand im Getriebe. Punkteverluste stellten sich ein, so dass momentan fast ein Fernglas vonnöten ist die Hallenser am Gipfel der Tabelle zu sehen. Doch gerade der Fußball hat unglaubliche Abstürze unmittelbar vor der Ziellinie erlebt. Ich drücke die Daumen.

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