Impulsive Kaderentscheidungen

Wenn man ein Barca-Ausscheiden überhaupt denken hätte wollen, dann konnte es nur so kommen, wie es gestern kam. Dass die tiefe Ungerechtigkeit des Chelsea-Ausscheidens gegen Barcelona vor drei Jahren, als man 180 Minuten lang das bessere Team war und im Rückspiel diverse Elfmeter nicht bekam nur durch eine – objektiv gesehen – ebenso große, sportliche Ungerechtigkeit wieder ausgeglichen werden konnte. Jenes Chelsea, das immer noch den Mourinho-Geist, aber auf sehr viel niedrigerem Niveau, ausstrahlt, war 180 Minuten lang das unterlegene Team und in Barcelona mit einer Vierer- bis Sechserkette und ab der Pause ohne Stürmer agierend eigentlich völlig überfordert.

Es war taktisch gesehen Anti-Fußball, wie man ihn seit Rehhagels Abwehrriegel-Euro-Gewinn 2004 nicht mehr gesehen hat. Und im Gegensatz zur Euro 2004 der eine seltene Moment, in dem ich sehr froh darüber war, dass der Antifußball mit seiner Taktik durchkam. Wegen 2009 eben. Schade, dass Michael Ballack dies als Spieler bei Bayer Leverkusen erleben muss und nicht noch das Trikot der Blues trägt.

Das aber eigentlich nur am Rande, denn auch wenn die Saison für RB Leipzig aufstiegstechnisch wohl ziemlich gelaufen ist und allseits bereits Kader- und Personalfragen für die kommende Saison diskutiert werden, bleibt die aktuelle Spielzeit und die Analyse dieser noch von einigem Interesse. Und da man davon ausgehen kann, dass die letzten vier Spiele die eine oder andere Statistik eher verzerren wird, macht manch Analyse wohl jetzt schon Sinn.

Eine davon besteht in der Beantwortung der Frage, inwieweit RB Leipzig nach der Winterpause auf eine Stammelf zurückgreifen konnte. Eine Analyse in der Winterpause bestätigte das Gefühl, dass RB Leipzig in Kaderfragen mit ähnlich ruhiger Hand wie der HFC agierte und auch deswegen damals an der Tabellenspitze stand. Für die 12 Spiele seit Februar besteht der subjektive Eindruck, dass man bei RB Leipzig viel von der vorhandenen Kaderbesetzungsruhe verloren hat. Was nicht nur an drei Neuzugängen, sondern vor allem am häufigem Rein- und Rauswerfen von Spielern in die Startelf gelegen hat.

Man nehme also für die Analyse die Einsatzzeiten der 11 meisteingesetzten Spieler der drei Top-Teams, addiere diese und setze diese ins Verhältnis zu der Zahl die man erhalten würde, wenn in jedem Spiel 90 Minuten lang die gleichen Spieler auf dem Platz gestanden hätten. Anders gesagt: Die 11 meisteingesetzten Spieler von RB Leipzig haben zusammen in der Rückrunde 9.316 Minuten absolviert, hätten aber im Optimalfall (11 Spieler mal 12 Spieler mal 90 Minuten) 11.880 Minuten absolvieren können. Macht eine Quote von 78,4 Prozent, die gewissermaßen ein Indiz für die Eingespieltheit eines Teams ist. Oder anders gesagt: Bei RB Leipzig  stand die Stammelf von 90 Minuten insgesamt 71 Minuten auf dem Platz. (Tabelle: Verein, Prozentquote Rückrunde, Minuten Top 11 Rückrunde [maximal möglich; 11.880], Prozentquote Hinrunde, Minuten Top 11 Hinrunde [maximal möglich: 17.820], Prozentquote gesamt, Minuten Top 11 gesamt [maximal möglich: 29.700) (Daten via transfermarkt.de):

Quote RRMin. RRQuote HRMin. HRQuote GesamtMin. Gesamt
HFC82,41%979085,99%1532479,95%23745
RBL78,41%931683,63%1490375,86%22529
KSV74,22%881782,82%1475974,74%22197

Auffällig, dass alle drei Topteams gegenüber der Hinrunde mit rückläufigen Quoten zu tun haben, sprich die meisteingesetzten 11 Spieler weniger Zeit zusammen auf dem grünen Rasen verbrachten. Was an einer bunten Mischung aus Neuzugängen, Gelbsperren und Verletzungen liegt. Besonders getroffen von Verletzungen wurde Holstein Kiel, die daraus resultierend ein erhebliches Problem hatten, in der Rückrunde eine gleichbleibende Formation aufzustellen. HFC und RBL hatten diesbezüglich nicht so viel Probleme, von kleineren Ausfällen abgesehen. Bei RB bspw. fällt vor allem Röttgers Abwesenheit und vor allem die Planlosigkeit bei der Bestzung seiner Nachfolge ins Gewicht. Umut Kocins Ausfall hingegen schlägt kaum zu Buche, da mit Tomasz Wisio ein konstanter Ersatz spielte.

Insgesamt hat der Hallesche FC das Team, das am längsten in einer Stammformation zusammenspielte. In Hin- und Rückrunde und auch insgesamt. Trotz des Neuzugangs Angelo Hauk im Winter und trotz einiger Verletzungen (Steven Ruprecht zuletzt z.B.). Wobei hier auch aus der Not eine Tugend gemacht wurde, denn der Kader des HFC ist wie schon letztes Jahr der des Chemnitzer FC sehr klein. Bzw. er umfasst zwar 23 Spieler, aber die Anzahl derer, die auf Regionalliga-Topniveau agieren können, dürfte sich auf etwa 18 belaufen. Womit die Formation oft fast von selbst steht und jedem seine Rolle klar ist.

Was bei RB Leipzig in der Hinrunde ähnlich war, als man den Stammelf-Wert von Halle auch fast erreichte, leider aber in der Rückrunde etwas zerbrach. Was wie gesagt partiell Verletzungen und Sperren geschuldet sein mag, aber auch eine direkte Folge der manchmal recht willkürlich erscheinenden Kaderpolitik sein dürfte. Vom Stammplatz auf die Bank oder gar auf die Tribüne und manchmal auch zurück ging es schnell (Watzka, Heidinger, Geißler, Wallner, Kutschke, Hoffmann). Es schien als hätte Peter Pacult in der Rückrunde seine doch eher ruhige Hand aus der Hinrunde verloren. Wo er in der Hinrunde an der Mannschaftszusammensetzung auch nach einem miesen Spiel im Kern festhielt, weil er einen Plan zu haben schien, wohin er mit seinem Team wolle, entschied er in der Rückrunde – so schien es – fast schon impulsiv, jedenfalls in den meisten Fällen ohne entsprechenden Erfolg (z.B. Zwickau, Hamburg). Eine klare Handschrift, welches Team welchen Fußball spielen soll, habe ich jedenfalls vermisst. Gerade in den für das 4-4-2 existenziell wichtigen Positionen des zentralen Mittelfelds und des zweiten Stürmers.

Zu Kiel kann man hingegen gar nicht mehr sagen, als dass sie in der Rückrunde einfach Pech mit den Verletzungen hatten. Aus meiner bisherigen Sicht sind sie in der Mischung aus Kaderqualität und spieltaktischer Klasse aktuell eigentlich die Nummer 1 der Regionalliga Nord. In der Tabelle der Stammelf-Werte hier aber nur auf Rang 3. Was dann zusammen Tabellenplatz 2 macht.

Fazit: In den 18 Spielen vor der Winterpause hatten alle drei Topteams gleichermaßen eine recht eingespielte Stammelf. Was sich auch in einem Kopf-an-Kopf-Rennen in der Tabelle äußerte. Nach der Winterpause besuchte Kiel das Verletzungspech und in Leipzig regierte eine eher unruhige Trainerhand. Beim HFC hingegen konnte man auf eine Stammelf zurückgreifen, die nun (folgerichtig?) auf Platz 1 der Tabelle steht und nach Lage der Dinge auch aufsteigen wird. Für die kommende Saison kann man sich für RB Leipzig nur wünschen, dass die ruhige Kaderbesetzungshand der diesjährigen Hinrunde wieder Einzug hält.

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16 Gedanken zu „Impulsive Kaderentscheidungen“

  1. Schöne Analyse.

    Eigentlich ist es wirklich extrem naheliegend, dass bei RB in der Rückrunde so wenig zusammenlief. Geißler wirkte noch am Ehesten wie die Nr. 1 im ZM (wurde aber dennoch immer wieder demontiert oder (zu) früh ausgewechselt), daneben gab’s fleißige Rotation. Der Linksaußen Rockenbach spielt auf einer falschen Position, der Rechtsaußen Röttger fiel einige Spiele verletzt aus. Wie soll’s da auch laufen?

  2. ..die impulsiven Kaderentscheidungen dürften auch dazu führen, das sich der Kader m.E. noch viel stärker verändern wird, als wir uns hier im Moment vorstellen können… Es stimmt nicht immer alles, was in der Zeitung steht, aber die grösste deutsche hat doch immer ein paar % Wahrheitsgehalt und was da in den letzten Tagen zum Thema mögliche Abgänge stand, ist erschreckend….

  3. @René: Ja, man kann die Misserfolgsgründe scheinbar relativ gut nachzeichnen (das hier ist ja nur ein Baustein), fragt sich nur wer damit was anstellen wird und ob überhaupt..

    @lakrue: Naja, BILD stochert ganz schön im Nebel finde ich. Es werden an den Rändern einige gehen, aber im Kern der Mannschaft wird es nicht viel Bewegung geben (glaube ich).

  4. Die BILD vermutet nur, hat meines Erachtens keine Informationen. Die Interpretation des Interviews von D. Frahn nach einem Spiel ist nicht aussagekräftig. Die Stimmung war emotional geladen, die Enttäuschung bezüglich des Spieles sehr groß. Auf diese Worte kann man nicht hören. Wichtig ist nun, ob nun ein sichtbares Konzept von P.P. gezeichnet wird. Hoffentlich begeht man nicht den gleichen Fehler zum 3. Mal und kauft eine „Horde“ zusammen, welche anfangs noch nicht eingespielt sein kann und später immer wieder unter Leistungs- und Rotationsdruck zusammenfällt.
    Ich würde das Mittelfeld kreativ ausstatten wollen, um einerseits nicht immer nur über die Flanken spielen zu „müssen“ udn auch mal einen Wallner mittig anspielen zu können, wo seine Stärken sind!

  5. Meiner Meinung nach, ist genau das, was Wallner oft schlecht bis gar nicht gut gemacht hat, zumindest in den letzten Partien…! Wallner, das ist für mich ein Vollstrecker, bekommt er den Ball im Strafraum zugespielt, macht er sie theoretisch rein, wohlgemerkt im Strafraum! Aber wir haben uns vom Gegenteil überzeugen lassen… Vieles ist sehr viel widersprüchlicher als wir es erwarten konnten…! Wallner ist für mich nicht der Typ Stürmer, der mit dem Rücken zum Tor 30m davor angespielt werden kann… Vielleicht täusche ich auch… Momentan weiß ich einfach nicht wohin mit Wallner, was nicht heißen soll, dass ich ihn nicht mehr bei RBL sehen möchte…! Er läuft viel, geht den Bällen nach… Das ist etwas ganz elemntares, gerade bei RBL…

    Und weil immer alle über das Flankenspiel schimpfen… Ich finde es ist nichts verwerfliches über die Außen zu spielen, nur dauert es oft Jahre ehe wir den Ball durch das Mittelfeld getragen haben, dann ist die Seite auch schon zu und Heidinger an der Außenlinie das ärmste Schwein im 1 gegen 1 => Loben wieder alle Röttger, weil er unverhofft aber oft genau solche Einzelaktionen löst… Ist das der Fussball, den wir sehen wollen, ich sage nein! (Wobei natürlich ab und an auch mal solche Aktionen hilfreich sein können…) Was kann helfen? Schnelle Spielverlagerung, ein 10er (das darf auch mal ein 6er sein) der sich auch mal zum Doppelpass Richtung Außenlinie anbietet! Zu oft sah ich, dass die Außenmittelfeldspieler alleine gelassen wurden…! Wirft natürlich am Ende ein schelchtes Bild auf selbige…! Und noch ein Widerspruch… Heidinger würde aus meiner Sicht verbannt…! (ACHTUNG: nicht persönlich sondern fussballerisch!!!)
    Wer so wenige Zweikämpfe, ob defensiv oder offensiv für sich entscheidet und viel zu oft ins AUS rennt, der kann uns nicht helfen… Das ist meine Meinung, die nicht jeder so teilen muss…!
    Rockenbach ist meiner Meinung nach genau so ein Spieler, mit dem man schnelle Kombis machen kann, dies kann er auf den Außen, genauso wie auf der 10, nur wenn sowas nicht zur Anwendung kommt, begibt man sich automatisch immer wieder in diese 1 gegen 1 Situation an der Außenlinie, die auch für ihn nicht leicht sind… usw. ..

    Ok ich hör jetzt auf…! Hatte gerade lockere Hände und irgendwie musste das auch mal raus…! Sorry, ist wohl auch bissl Frust dabei…!
    Wir hoffen einfach das beste für die neue Saison!

  6. Alle Achtung, Du hast momentan eine sehr kreative Phase! 3 z.t. sehr ausführliche Artikel in 4 Tagen…. Ist das eine Art Frustbewältigung? 😉
    Zum Artikel: Interessante Analyse!

    Obwohl ich die geringere Kontinuität im RB-Kader schon als (einen) Grund für die mittelmäßigen Rückrundenleistungen bei RB sehe (und damit letztlich auch für den Tabellenstand), kann man dies mit Deiner Statistik (m.M.n.) nicht so recht beweisen. Denn VOR dem Spiel in Kiel war die Rückrundenleistung (in Punkte / Spiel) gar nicht soviel schlechter als die der Hinrunde (2,17 Rück zu 2,29 Hin). Das ist gerade mal ein Sieg mehr statt eines Remis. Zumindest bis letzten Samstag spielte RBL in der Rückrunde (statistisch) somit kaum schlechter als in der 1. Saisonhälfte. Und gewinnt RB die folgenden 3 Spiele, hat man die Kiel-Schlappe -statistisch- fast wieder raus. Hängt also stark vom Betrachtungszeitpunkt ab, Deine Statistik…

    Der Abstand zum HFC lässt sich v.a. auch in der stabileren Rückrundenleistung des HFC begründen, der sich kaum noch diese Unentschieden in Spielen geleistet hat, wo man zwar die bessere Mannschaft war, aber keine oder zuwenig Tore für einen Sieg machte (Heimspiel gegen Lübeck; Wage verschießt in Wolfsburg Handelfmeter in der Nachspielzeit etc.). Beziehungsweise, wie zuletzt in Halberstadt, gegen einen fast gleichwertigen Gegner cleverer agiert und den Sieg nach Hause bringt. 2,62 Punkte/Spiel in der RR sprechen da eine deutliche Sprache.

    Was aber absolut stimmt, ist Deine Aussage, dass der Ausfall von Röttger (und der fehlende adäquate Ersatz für ihn) Deine Statistik doch sehr zu Ungunsten von RB ausfallen lässt. Und wohl auch ein wichtiger Grund für die selten überzeugenden RB-Leistungen der Rückrunde ist. Ein Spielertyp wie er ist sowohl für das Spielsystem als auch für die psychologische Wirkung -auf und neben dem Platz- bei RB momentan scheinbar nicht zu ersetzen. Erstaunlich angesichts des Etats, aber naja… Es gibt da ja die nette Statistik zu Röttger in einem früheren Artikel von Dir.

    Der HFC hatte hinsichtlich der Ausfälle von superwichtigen Spielern durch Verletzungen einfach etwas mehr Glück als RB und Kiel. Ich möchte mir nicht vorstellen, was gewesen wäre, hätte z.B. Wagefeld mehrere Spiele gefehlt.
    Was allerdings Ausfälle aus anderen Gründen (Sperren – auch eine interessante Statistik!) betrifft, hat der HFC sehr viel getan, möglichst wenig dadurch beeinträchtigt zu werden: Bisher nur 3 Sperren (5. Gelbe), sicherer Platz 1 der Fairplay-Tabelle. Auch ein Zeichen von Souveränität…

    Was Eure Spekulationen hinsichtlich der RB-Mannschaft der kommenden Saison betrifft: Noch ist die Saison nicht zuende. Ich würde also noch ein bisschen warten mit der Glaskugel, auch wenn es natürlich irgendwie auch Spaß macht. Mit solchen Spekulationen verdienen die Medien -gerade auch die B..D- ihre „Brötchen“. Klar, ein paar der Gerüchte stimmen hin und wieder, aber insgesamt scheint mir die Trefferquote bei solchen „Schüssen ins Blaue“ nicht sonderlich hoch, der Umsatz der Zeitungsfritzen dagegen umso mehr!
    Frahn ist ja spätestens seit dem Pokalspiel gegen Wolfsburg -wieder- ins Blickfeld einiger höherklassiger Vereine gerückt. Aber ob RB am Kasse machen interessiert ist? Kann ich mir nicht so recht vorstellen…

    1. …sicher ist RB nicht auf einen Verkauf angewiesen – ich frage mich nur, ob ein Spieler (egal ob Frahn oder jeder andere) der weiss, das es Angebote für Ihn aus höheren Ligen gibt, sich so reinhängt das es zum Aufstieg reicht… immerhin ist es dann sein 3. Jahr in der Regionalliga – dafür ist er bestimmt nicht zu uns gewechselt… Reisende soll mann nicht aufhalten.. 3,- ins Phrasenschwein…

      Auch andere im Kader sind entweder (zu) fürstlich entlohnt, das es sich lohnt am eigenen Marktwert zu feilen – der ist übrigens bei glaube ich bis auf Frahn und noch jemanden bei allen Spielern gefallen ist…- oder schon „satt“… nach 3 Jahren Nachwuchsarbeit könnte ich mir auch vorstellen, das so langsam die ersten aus der U19 oder U23 an die Türen klopfen… Hope so!!!

  7. @lakrue: Hmm, Du hast ja eine sehr nüchterne Einstellung zu Euren Spielern. Wenn Deine Meinung korrekt wäre, würde das übrigens bedeuten, dass das -von anderen unterstellte- „Söldnertum“ der RB-Spieler tatsächlich zutrifft. Zumindest für einige/viele von Ihnen…

    Bezüglich Frahn wäre es für die RB-Fans ziemlich bitter, solch eine Identifikationsfigur, die sich ziemlich glaubwürdig mit RBL identifiziert hat, immer zu 100% reinhaut und diese Saison zum Kapitän wurde, gehen zu sehen. Manch anderer wäre in der Tat entbehrlich.
    Also ich sehe es noch nicht als erwiesen an oder wenigstens zu 50% sicher, dass er gehen will. Sollte tatsächlich ein Bundesligist oder ambitionierter Zweitligist ernsthaft anfragen, kann es aber tatsächlich ganz schnell gehen. Dann wäre Wallner ja doch noch ein sinnvoller, weitsichtiger Transfer gewesen…

    Die Jugendmannschaften von RBL scheinen sich tatsächlich ganz gut zu schlagen und berechtigen sicher zu einiger Hoffnung. Ob da aber jetzt schon ‚was hochkommt oder erst in 1-2 Jahren? Und ob die dann auch eine Chance bekommen? Inklusive Rückschläge in der Entwicklung?

  8. @HFC-Sympathisant Dein Hinrunden-Rückrunden-Punktevergleich ist ganz interessant, allerdings hat er eine andere Basis als meine Rechnung. Du nimmst tatsächlich die formale Hinrunde (1-17), ich teile ja hier im Text zwischen 1-18 und 19-30. Und da ist die Differenz schon sehr viel deutlicher. Da fehlen dann nämlich schon fünf Punkte um auf den Schnitt von vor der Winterpause zu kommen. Zudem muss man ja auch bedenken, dass die Gegnerschaft in der Rückrunde eher schwächer und unmotivierter wurde als in der Hinrunde. Zudem hätte man erwarten dürfen, dass die Mannschaft (so wie der HFC) noch mal einen Schritt nach vorn macht. Und nicht zuletzt hätte man erwartet, dass die ausgegebene Parole ‚Nur noch Endspiele’ sich auch entsprechend auf dem Punktekonto niederschlägt. Nimmt man das alles zusammen, dann sind die Rückrundenergebnisse eben doch mittelmäßig.

    Was ich wirklich (ähnlich wie Du) erstaunlich finde, ist die Tatsache, dass der HFC mit seiner Mini-Kader-Taktik genau wie der CFC letztes Jahr durchzukommen scheint. Ich meine bei Kiel sieht man wo das hinführen kann und das Risiko ist ja beim HFC (und auch beim letztjährigen CFC) ein sehr viel höheres gewesen. Da passt dann wieder mal alles zusammen. Musste erst RB kommen, dass der HFC auch mal eine perfekte Regionalligaserie erwischt. 😉

    @HFC-Sympathisant und @Leipzscher: Eins noch zu Wallner: Das war aus meiner Sicht in der Idee ein absolut sinnvoller Transfer, der erst dann seinen Sinn verlor, als er nach und nach aus der Mannschaft herauskomplementiert und später gar auf rechts außen abgeschoben wurde. Wallner ist ein guter Stürmer, wenn man eine Idee hat, wie man ihn einsetzen kann. Und das ist tatsächlich die Zentrale, wo er Bälle sichert und querlegt, immer wieder auch nach außen arbeiten kann und drinnen quasi neben und hinter Frahn Bälle versenken könnte.. Sprich für mich ist Wallner sehr wohl ein Stürmer, den man auch 30 Meter vor dem Tor mit dem Rücken zu diesem anspielen kann. In den ersten Tests und den ersten Spielen wurde es auch gemacht, aber beim ersten Rückschlag der Versuch eingestellt.

    @Leipzscher: Ich sehe das ähnlich mit dem Flügelspiel. Die Idee ist nicht grundsätzlich schlecht. Sie wird erst dadurch leicht ausrechenbar, wie Du ja auch selber sagst, dass außen permanent Eins-gegen-Zwei-Situationen entstehen und der Ball schon an der Mittellinie auf die Außenbahnen befördert wird, wo dann der Platz naturgemäß eng wird. Es fehlt eine Möglichkeit des Spielaufbaus durch die Mitte. Es fehlen spielstarke Sechser, die immer mit nach Außen arbeiten und dort als Anspielstation Situationen auflösen und Räume schaffen. Eine Rolle, die wie gesagt ganz vorn auch Wallner spielen könnte, wenn er denn als zweiter Stürmer eingesetzt würde.

    1. @ HFC-Sympathisant. Ja, Frahn ist schon DER Kapitän bei RB. Aber zwingen kannst du auch ihn nicht, WENN dazu kommt. Wenn er über Bundesliga träumt, ist verständlich. Und, mal nebenbei, eurer Held Angelo Hauk war doch gerade mal weg, bei „SV 07 Elversberg“. NUR weil er dort mehr Kohle bekommen hat. Und dann, als dort ziemlich schief lief, kam er zurück. “Söldnertum” …kein Problem. Bloß, damit keiner denkt heiliger als der Papst zu sein. 😉

    2. @HFC Sympathisant – Ich sehe „Söldnertum“ nicht negativ – die Jungs haben 10 – 12 Jahre um maximale Kohle zu machen – so sei es – ist mir lieber als so ein „…bin mit dem Verein verwachsen usw…“ – alles Schnulli… Woher soll das denn kommen, bei 3 Jahren Vereinsgeschichte…? Andere Beispiele haben es doch auch gezeigt… M.Neuer lässt grüßen.. Ist trotzdem der beste deutsche Torwart und der Rest ist nachvollziehbar…
      Wenn also ein Verein aus der 2.Liga lockt, wird es schwer zu widerstehen und ohne die Gehaltsstruktur bei RB zu kennen – 2,50 € mehr dürften gute Leute im Monat in der 2. haben…
      Übrigens lese ich den Blog gerade deshalb so gern, weil es hier stets nüchtern und sachlich zugeht.. 😉

    3. @rotebrauseblogger: Vermutlich hast du Recht, deswegen darf ich wohl auch meine Aussage zwecks Wallner korrigieren! Die Ursache dafür, dass es Wallner in den letzten Spielen, so er denn mit Frahn in der Spitze kickte (z.B. Meuselwitz), nicht auf die Reihe bekommen hat, Bälle fest zumachen, ist sicherlich nicht, dass er es nicht kann oder nicht dafür geeignet ist, sondern liegt wo anders…! Man muss es eben auch irgendwie aus den Spielern auch herauskitzeln… Kohle hin oder her auch daran haben Trainer Anteil…! Am Ende hat jeder einen Kopf und muss es mit sich slebst ausmachen, wir können da nicht hinein gucken!

  9. @WladimiRB/lakrue: Nur zur Klarstellung: ICH werfe den RB-Spielern kein Söldnertum vor (schon gar nicht Frahn), sondern greife hier nur oft vorgebrachte Kritik auf, die durch Eure Aussagen/Einstellungen (scheinbar?) bestätigt wird. Insofern hätte ein “;-)” als Abschluss des betreffenden Absatzes meine Intention vermutlich besser dargestellt.

    Hätte ein Shala eingeschlagen, wäre Hauk vermutlich nicht wieder geholt worden. Man hatte noch einen Innenverteidiger im Auge, sah aber die Not im Sturm und die Gelegenheit ergab sich halt. Ich bin natürlich schon froh, dass jetzt mehr Tore fallen -auch durch Hauk- und man nicht mehr zittern muss, ob noch der Ausgleich fällt, aber ist er deswegen ein “Held“? OK, momentan hat er einen Lauf und steht etwas mehr im Fokus, auch medial, aber andere waren in letzter Zeit ebenso “Helden“: Ein Horvat in Halberstadt, gegen Kiel -neben Hauk- auch Mast und Lindenhahn. Mein persönlicher “Held” ist (schon die gesamte Saison) Wagefeld! Dass Hauk (auch) wegen des Geldes wegging, kann und will ich nicht bestreiten. Aber immerhin kam er zurück und hat dabei -vermutlich- auf Geld verzichtet. Und damit außerdem quasi eingestanden, dass es ein Fehler war, wegzugehen… Einen Fehler einzugestehen, kann auch ein Zeichen von Größe sein 😉

    Nur damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich bin auch kein Träumer und sehe die Realitäten im Geschäft. Allerdings stehe ich diesen kritisch gegenüber und finde ich die gezahlten Summen insgesamt (Transfer/Gehalt) doch schon extrem hoch im Vergleich zur “real world“. Nicht nur bei RB, sondern im gesamten bezahlten Fußball. Nirgendwo steht geschrieben, dass man mit seinem Gehalt aus 12-15 Jahren Fußballkarriere bis ans Lebensende im relativen Luxus leben können muss. Es gibt ein Leben nach der Karriere 😉
    Ich werfe auch keinem RB-Spieler konkret Söldnertum vor, gebe aber zu bedenken, dass die Art und Weise, wie mit Spielern dort umgegangen wird (Wechsel von Tribüne auf Startformation und zurück etc.) dieses fördern könnte. So nach dem Motto (’Wie mit mir hier umgegangen wird. Na wenigstens bekomme ich ordentlich Schmerzensgeld…’). Es klang im Blog ja auch schon öfter an (und ist eine Binsenweisheit), dass dies die Motivation nicht unbedingt fördert. Die Identifikation mit dem Verein wahrscheinlich auch nicht.
    In der Wirtschaft kommt man auch langsam auf den Trichter, dass man sein wertvolles, knappes “Humankapital” pfleglich behandeln sollte, wenn man konstante Spitzenleistungen sehen will. Klar geht es auch auf die andere Tour (so ala Felix Magath bei Schalke oder Wolfsburg), aber da braucht man halt einen großen Kader und viel (Schmerzens-)Geld.
    Es wird RBL ja auch oft vorgeworfen, dass der Ansatz (Vereinskonstruktion, -entwicklung und -ziele) dieses “Söldnertum” geradezu heranzieht. Also mit viel Geld schnell ‘was aus dem Boden zu stampfen und seine ambitionierten Ziele quasi im Nullkommanix erreichen zu wollen. Vllt. geht es wirklich nicht anders, wenn man schnell hochkommen will, aber man muss seine Kritiker nicht auch noch bestätigen, z.B. in dem man so mit seinen Spielern umspringt oder jede Saison die Hälfte des Kaders (und die komplette Führung) durchwürfelt.
    Wie gesagt, das kann man gerne so machen, aber wenn man sich wenigstens ein bisschen um seine Außenwirkung sorgt (also in Zukunft auch etwas Anerkennung und Respekt haben will), müsste man etwas anders agieren.
    Obwohl, RBL und Außenwirkung/Kommunikation! Wo ist das nächste Fettnäpfchen? 😉
    Ich will damit eigentlich nur etwas klarer darstellen, was Gründe sein könnten, warum RB “draußen” so gesehen wird, wie aktuell eben von der Mehrzahl der anderen Fans. Man kann natürlich eine Art Wagenburgmentalität entwickeln („kleines” gallisches Dorf im feindlichen Umfeld, “Wir sind halt so, wie wir sind“, “Der Erfolg gibt uns recht” ->das nun aktuell gerade nicht) oder aber versuchen, durch ein etwas anderes Agieren doch noch gewisse Sympathien zu gewinnen.

    Puh, jetzt bin ich aber weit abgeschweift! Das ist ja doch ein anderes, viel größeres Thema, zu dem man noch stundenlang diskutieren könnte.
    Ich fasse mal zusammen: Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Frahn geht, und es wäre ihm auch nicht vorzuwerfen. Wenn er wirklich gehen sollte, dann wohl mehr wg. den sportlichen Perspektiven. Geldmässig kann RB -so man denn will und es ins Konzept passt (Gehaltsstruktur!)- sicher locker mit den meisten Zweitligisten mithalten.

    Trotzdem hofft doch wohl ein Großteil der RB-Fans (und -bei allem Realismus- wohl auch die meisten hier im Blog), dass er bleibt. Eine Empathie zu einem Verein ergibt sich nunmal v.a. aus solchen Identifikationsfiguren. Auch bei RBL. Trotz oder gerade wegen der fehlenden Tradition!

    @all: Ja, die nüchterne und sachliche Art hier sagt mir auch sehr zu – sonst würde ich mich hier im “Feindesland” auch gar nicht äussern 😉

  10. Frahn ist jetzt nicht meine persönliche Identifikationsfigur Nummer 1, aber dass er hier bleibt, ist ja wohl klar..

    Und willkommen im „Feindesland“. Ich finde ja Ansichten immer sehr erfrischend, die nicht unbedingt RB-affin sind. Wobei ich behaupten würde, dass Du durchaus einiges an Stoff im Kopf hast, mit dem Du einen eigenen Blog füllen könntest. 😉

  11. Wenn es Frahn nicht ist, wer dann, wenn ich fragen darf? Mir gefällt im RB-Kader Röttger am besten, sowohl von der Spielweise als auch menschlich (was man als Außenstehender so mitbekommt). Frahn sagt mir nicht so zu, wobei ich mir meine Antipathie nicht so recht erklären kann, weil es dafür keinen -objektiven- Grund gibt. Ist halt so ein Gefühl. Trotzdem kann ich mitfühlen, wie es der Mehrzahl der RB-Fans ginge, sollte er RB verlassen…

    Und danke für den Willkommensgruß (und die Lorbeeeren)! Soviel im Kopf habe ich nun nicht, sondern werde eher durch Deine Artikel angeregt, mir Deine Thesen genauer anzuschauen, mit meinen Erfahrungen und Ansichten zu vergleichen und dann aus meiner Sichtweise zu kommentieren. Ich stütze mich da schon auf meine Erinnerungen, bin aber dankbar für jede Gedankenstütze im Web (Kicker, Transfermarkt, MZ usw.)
    Eigener Blog? In nächster Zeit wohl eher nicht. Ich hätte vermutlich auch nicht soviel Energie (und gute Ideen!) wie Du. Sich -konstruktiv- an Dir und Deinen Mitlesern zu reiben (oder auch nicht), passt momentan besser in mein Leben…

  12. Zu Wallner (@rotebrauseblogger&Leipzscher): Ich sehe ihn nicht als Fehleinkauf, auch wenn der Transfer in Anbetracht der Hinrunde nicht unbedingt sinnvoll erschien. Nur wird er jetzt im RB-Umfeld (Medien&Fans) halt stark kritisert, als Fehleinkauf abgestempelt, der bald wieder geht (gehen muss) usw.
    Er hat ja anfangs seine Tore gemacht (und auch sonst ordentlich gespielt – auf seiner angestammten Position!), aber vllt. war die Erwartungshaltung nach den 3 Toren gegen Wilhelmshaven zu hoch. Man hat ihm halt in einer kleinen Flaute keine Zeit und kein Vertrauen gegeben. Auf außen ist er verloren, aber das ist nicht seine Schuld, wenn er da eingesetzt wird! Man müsste in die Gedanken von P.P. blicken können, was der sich dabei denkt…
    Bezeichnend allerdings der Vorlauf zum 0:1 in Kiel: Sobald Röttger raus ist (und Wallner an seiner Stelle spielt), fällt auf jener Seite das Tor! Müller steht allein gegen 2, da kann er sich groß machen und die Arme ausbreiten, das hilft alles nichts, er wird ausgespielt und keiner hilft ihm. Wallner steht 15m davor und schaut sich das ganze aus sicherer Entfernung an. Auch wenn er kein gelernter Außen ist, zumindest aushelfen und etwas stören kann man in der Verteidigung schon. Jetzt vllt. kein Tackling im Strafraum, aber wenigstens die Räume eng machen, unbequem sein, soviel muss ein Spieler seines Niveaus hinkriegen! Kann mir nicht vorstellen, er hatte die taktische Anweisung, vorn zu bleiben…

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