Regionalliga: Holstein Kiel vs. RB Leipzig 1:0

Irrgendwie befällt einen dann doch diese wehmütige Leere, wenn das Saisonziel dann endgültig verpasst wurde und der Traum vom sich positiv zuspitzenden Finale zerplatzt. Auch wenn man im Fall von RB Leipzig durchaus bereits vor der Partie in Kiel zu einer gewissen Wahrscheinlichkeit damit rechnen musste, dass genau dies passieren würde.

Ehrlich gesagt fällt es schon schwer überhaupt nachzuvollziehen, wo dieses Hoffen auf die Wende in Form von fünf Siegen aus fünf Spielen vor dem Kiel-Spiel eigentlich herkam, nachdem RB Leipzig zuvor in 10 Partien seit dem Wilhelmshaven-Auftakt nur sechs mal gewonnen hatte. Havelse, Hamburg II, Cottbus II, Meuselwitz. Die Desaster-Liste war bereits vor dem Kiel-Ausflug mehr als gut gefüllt. Und trotzdem gab es da trotz 5:3-Toren aus den letzten vier Spielen noch dieses Fünkchen Hoffnung auf eine Aufholjagd. Eine die in Kiel auf fast schon prototypische RB-Art weggepustet wurde.

Eigentlich gilt auch weiterhin das meiste von dem, was ich schon zum Spiel gegen den ZFC Meuselwitz gesagt habe. RB Leipzig ist taktisch viel zu unflexibel und disziplinlos und personell in der Rückrunde eine gewöhnungsbedürftige Rotationsmaschine, sodass vieles von dem, was auf dem grünen Rasen passiert, wenig überraschend ist. Aber eines kann man der Mannschaft bei all dem tatsächlich nicht vorwerfen, auch nicht in Kiel, nämlich mangelnden Einsatz. In das Spiel in Kiel ist man nach einer Auftaktviertelstunde, in der spielerisch nichts ging und die Henrik Ernst als Innenverteidiger bezeichnenderweise mit einem haarsträubenden Fehlpass einleitete, der zu einer Großchance der Gastgeber führte, nur durch Kampf und Leidenschaft hineingewachsen. Beidseitig war das Spiel vor allem in Hälfte 1 ein hochintensiver, teils ruppiger Schlagabtausch, das leichte Vorteile für die RasenBallsportler zeigte. Leider köpfte Daniel Frahn seinen Kopfball nur gegen den Pfosten.

Daniel Frahn ist vermutlich das beste Beispiel für die angesprochene Kampfeslust. Je länger das Spiel dauerte, desto weiter wurden seine Wege, holte er sich den Ball und versuchte ihn vorne wieder zu versenken. Worin sich gleichzeitig die fehlende taktische Kompetenz bzw. die taktische Undiszipliniertheit zeigte, denn dass sich ein Daniel Frahn den Ball an der Mittellinie holt oder rechtsaußen versucht, zwei Gegenspieler zu umkurven, ist genaugenommen Irrsinn, denn das kann nie und nimmer die Aufgabe des Stürmers in der taktischen Formation von RB sein. Wenn man so will, zeigt sich darin auch, dass die Spielidee von RB Leipzig entweder nicht funktioniert oder von den Spielern nicht zu 100% umgesetzt wird. Beides kann nicht gut sein.

Ansonsten kann ich spieltaktisch zur Analyse der Partie nur wenig beitragen, denn von meinem Standort hinter dem Tor aus, war eine sinnvolle Analyse kaum möglich (zumal wenn man wie ich eine leichte 3D-Schwäche hat. Gästeblöcke sind für einen tiefergehenden Eindruck vom Spiel tatsächlich der reinste Horror. Gesehen glaube ich zu haben, dass das Spiel in der zweiten Halbzeit nicht zuletzt wegen der bärenstarken Vorstellung des Sechsers der Kieler Deran Toksöz, der im Mittelfeld alles abräumte, was es abzuräumen gab und dazu sogar den einen oder anderen offensiven Stich setzte, zugunsten der Gastgeber kippte. Großartiger Spieler (den ich schon beim Spiel der Kieler in Cottbus positiv auffällig fand), der einem schmerzlich vor Augen führt, was für einen Spielertyp man bei RB Leipzig auf der Sechs vermisst.

Letztlich ist in den zweiten 45 Minuten das passiert, was RB Leipzig dringend hätte vermeiden sollen, nämlich ein Rückstand. Der kam zwar nicht ganz aus dem Nichts, aber war ein ordentlicher Bruch vor allem im Defensivspiel (das Offensivspiel war zu der Zeit bereits eingestellt). Und es war vor allem ein völlig vermeidbarer Treffer in Folge einer ganzen Serie von Defensivpannen, deren krönendes Ende die Situation war, in der Christian Müller gleich gegen zwei Kieler verteidigen musste (weil Roman Wallner sehr weit weg steht) und dies naturgemäß nicht kann, weswegen der eigentlich nicht extrem offensivstarke Fabian Wetter links den Führungstreffer mustergültig vorbereiten kann.

Einmal tief durchatmen bitte - Der Nichtaufstieg in der Verarbeitung bei Tom Geißler | © GEPA pictures/ Roger Petzsche

Danach gab es eigentlich nur noch auf Kieler Seite Großchancen zu verzeichnen. Einige. Hundertprozentige. Weil sie das machen konnten, was sie in Perfektion beherrschen. Im Mittelfeld dicht machen und Bälle erobern und dann schnell (und auf flexiblen Wegen) gen gegnerischem Kasten zu kontern. In dem Fall muss man (wenn auch nicht neidlos) anerkennen, dass Kiel die reifere Spielanlage hatte und diese gegen RB durchsetzen konnte. Was freilich auch damit zusammenhing, dass RB Leipzig in der zweiten Hälfte überhaupt gar keine Idee mehr hatte, wie man denn eigentlich einen Torerfolg bewerkstelligen solle. Weder im geordneten Spielaufbau, noch im direkten Spiel, noch via Standard. Anlass für viel Hoffnung auf den Ausgleich gab es eigentlich nie.

Dazu mag die eine oder andere Personalentscheidung beigetragen haben. Gegen die Kieler Innenverteidigungskanten Steil und Jürgensen mit Kutschke als zweiten Stürmer auch eine Kante zu bringen, hatte ich als gewagt empfunden. Dass Sebastian Heidinger nach seinem starken Auftritt letzte Woche in Hannover nicht mal im Kader stand (ich hätte ihn sogar gerne spielen sehen), lässt sich nur dadurch erklären, dass man Steven Lewerenz und Carsten Kammlott zur Erfüllung der U23-Regel im Kader brauchte. Und dass Hoheneder links in der Mitte verteidigen durfte, war wohl der Tatsache geschuldet, dass Pacult Marcus Hoffmann nicht auf der linken Innenverteidigerposition sehen wollte. Wobei man zugeben muss, dass die beiden Linken in der Defensivviererkette Wisio und Hoheneder überhaupt nicht unter dem Mannschaftsschnitt spielten (weswegen diese Entscheidung im Nachhinein auch ok ging).

Womit ich persönlich gar nicht klar kam, war die Einwechslung von Roman Wallner für Timo Röttger. Klar Röttger hatte keinen großen Tag erwischt und war nach 60 Minuten vielleicht auch platt. Und klar, ganz viele (starke) Alternativen gab es für Röttger auf der Bank auch nicht, aber Wallner ist auf Rechtsaußen dermaßen verschenkt und falsch eingesetzt, dass es schon fast weh tut beim Zusehen. Defensiv ist er keine Hilfe und offensiv ist er schlicht kein Flankengott, der die Köpfe von Frahn und Kutschke bedient. Dass er sich in Eins-gegen-Zwei-Situationen auf dem Flügel nur schwerlich behauptet, sollte man ihm nicht anlasten. Wallner ist ein hängender Stürmer mit schnellem (und gutem) Torabschluss, wenn er irgendwo im und rund um den Strafraum den Ball bekommt. Wenn man sich ihn ins Team kauft, dann sollte man ihn auch so einsetzen. Meine Meinung.

Letztlich war es aber für die Einwechselspieler ganz generell schwer, in diesem Spiel noch die Kastanien aus dem Feuer holen zu müssen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Kiel schon dermaßen Oberwasser, dass dem nur beizukommen gewesen wäre, wenn man zusätzlich zum Kamfeswillen auch eine irgendwie geartete, funktionierende Spielidee gehabt hätte. Hatte man aber nicht.

Ich persönlich finde es zu früh nach dieser bitteren Niederlage und dem (realistisch gesehen) abzuschreibenden Aufstieg (Halle müsste in den nächsten drei Spielen zweimal patzen und RB dreimal gewinnen, Kiel müsste auch noch mal patzen und dann müsste RB noch in Halle gewinnen) bereits die möglichen (personellen) Konsequenzen zu diskutieren oder gar zu fordern. Ich glaube, man sollte alles erst mal sacken lassen und dann findet sich sicherlich dafür auch noch Zeit.

Aktuell jedenfalls ist die Enttäuschung doch ziemlich groß. Wobei es im Fußball eben so ist, dass man an manchen Tagen verliert und an manchen gewinnt. Klar, die Saison hat einen Bogen genommen, der nicht hätte sein sollen und neben taktischen Fragen liegt es wohl auch daran, dass in Leipzig die Versagensangst oft die Aufstiegslust dominiert, aber das Fußball-Leben wird in ein paar Tagen weitergehen, sodass man die letzten Saisonspiele auch noch vernünftig über die Bühne bringen kann.

Insgesamt würde ich behaupten, dass die Fraktion, die nach dem gestrigen Spiel ein „Scheiß egal, dann greifen wir nächstes Jahr aufs neue an“ auf den Lippen trug, zahlenmäßig deutlich jene überwog, die mit Mannschaft und Verein ins finale Gericht gehen wollten. Wobei es letztere durchaus auch gab. Was aber vermutlich auch normal ist.

Mir schien auch die Wut-Fraktion mit erhöhtem Alkoholkonsum zu korrelieren, dessen Ausmaß ich insgesamt als eher übertrieben und stellenweise unangenehm empfand. Klar Bier gehört wohl für die meisten dazu, aber das Ausmaß an Leuten, die (schon vor Spielbeginn) tatsächlich die Kontrolle über Zunge und andere koordinative Fähigkeiten verloren hatten, war schon ziemlich heftig. Der Sonderzug mit seinen knapp 500 Insassen hatte etwas von einer Mischung aus Männertag und Klassenfahrt und wenn der Veranstalter (also der KSV Holstein) seine Stadionordnung ernst genommen hätte, dann wären wohl gut ein paar Leute draußen geblieben. Das Liveerlebnis Sonderzug kann man jedenfalls guten Gewissens als ambivalentes bezeichnen. Versucht man sich nicht in Verbesserungen (Familienwagen bspw.), dann wird man sich vereinsseitig für zukünftige Fahrten ein sehr homogenes Bierpublikum heranerziehen.

Fazit: Der Aufstieg wurde natürlich nicht in Kiel verspielt, aber es war bezeichnend, auf welche Art man ihn in Kiel endgültig abschreiben musste. In der jetzigen Situation von Verein und Anhang wirft das wohl sehr viele Fragen auf, die sicherlich alle in den nächsten reichlich drei Monaten zu beantworten sein werden. Und dann wird es unter anderem nach Auerbach, Rathenow, Neustrelitz und vielleicht Torgelow gehen (keine Ahnung, ob überhaupt alle in die Regionalliga wollen/ dürfen). Es gibt sicherlich schöneres, aber es gibt auch wesentlich schlimmeres. Keinen Fußball mehr zum Beispiel. In diesem Sinne auf ein neues.

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Randbemerkung: Ich fand es sehr gut, dass die Fans nach dem Spiel dafür sorgten, dass die Spieler nach einigem Zögern noch zum Abklatschen in die Kurve kamen. Das Spiel mag schlecht gewesen sein und der eine oder andere wütend, aber in diesem Moment, in dem der Aufstieg gegessen war, war es ein großartige Reaktion, zu signalisieren, dass das Leben weitergeht und dass man auch schwere Momente gemeinsam aushalten kann. Keine Pfiffe, nur ein kleiner, schimpfender Teil, das tat allseits ein wenig gut. Auf dem Weg in die Kurve mussten die RasenBallsportler dabei direkt an einer Kieler Pöbel-Fraktion vorbei. Die offenbar verabreichten Verbalinjurien konterten die Herren Daniel Frahn und Stefan Kutschke mit offensivem Logo-Küssen und immer wieder mit der Hand drauf verweisen: „Schaut her, für wen ich spiele und ich bin stolz drauf.“ Was die Kieler Pöbeler komplett aus der Fassung brachte und wodurch die Ordnungskräfte viel Mühe beim Zurückhalten der Menge hatten. Ich für meinen Teil war hin- und hergerissen zwischen „Kann man in der Situation nicht bringen“ (weil zu provokativ) und „Geil“ (weil es so gut zum oben beschriebenen Moment des Erlebens einer verbindenden, schweren Situation passte). Ob die Gesten bedeuteten, dass Frahn und Kutschke zur nächsten Saison weg sind oder ewigwährend beflügelte Bullen sein möchten, ist nicht überliefert.

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Tore: 1:0 Sykora (56.)

Aufstellung: Borel – Müller, Ernst, Hoheneder, Wisio – Röttger (56. Wallner), Lagerblom (68. Geißler), Rost, Rockenbach (78. Kammlott) – Kutschke, Frahn

Zuschauer: 6165 (davon 500 Leipziger)

Links: RBL-Bericht [broken Link], RBL-Liveticker [broken Link], RB-Fans-Bericht, MDR-Bericht [broken Link], KSV-Bericht [broken Link]

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

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14 Gedanken zu „Regionalliga: Holstein Kiel vs. RB Leipzig 1:0“

  1. Man kann wohl froh sein, dass es ein Auswärtsspiel war. Sonst hätte es die versöhnlichen Szenen zwischen Spielern und Anhang nach Schlusspfiff wohl eher nicht gegeben und eine andere Art der „Meinungsäußerung“ hätte dominiert.

  2. in deiner aufstellung findet sich der herr frahn garnicht. dafür der doppelte wallner, wobei der doch eigentlich nicht ganz so auffällig gespielt hat.
    netter bericht, nur weiß ich nicht, ob du das mit dem familienwaggon im sonderzug ernst meinst?
    eigentlich ja eine sehr coole vorstellung, aber doch etwas weltfremd wirkend, wenn man mal ein paar jahre mit einem team regelmäßig auswärts unterwegs war…
    by the way, lass uns auf einen trainer und damit einhergehend ein neues konzept hoffen. neuzugänge brauch es imo nicht, die größte verstärkung wären sicher 8 abgänge um ruhe in den laden zu bringen und ein system zu etablieren.

  3. Und trotz des Frustes den ich jetzt habe muss ich sagen, dass ich mich nicht erinnern kann eine Saison so intensiv durchlebt zu haben. Mit all den Höhen (Wolfsburg, Wilhelmshaven, Kiel) und allem Leid (Halle, Cottbus, Meuselwitz).
    Es macht mir wieder richtig Spass in Leipzig zum Fussball zugehen, zusehen, wie die Fans mitwachsen oder im Forum zu diskutieren. Hab die Saison bisher sehr genossen.

    Das einzige was mich ärgert: Es noch so ewig hin bis zum 1.Spieltag der Saison 2012/13.

  4. Angenehmer, recht sachlicher Bericht. Schön, daß es so etwas in allen Vereinen (noch) gibt. Ich bin Holstein Kiel-Fan und stand in dem Block direkt neben dem Gäste-Fanblock, deshalb möchte ich (bei aller Freude über den Holstein-Sieg) doch kurz einiges kurz anmerken: ich hatte schon den Eindruck, daß ein paar übermotivierte Holstein-Fans sich den Block bewußt ausgesucht haben, um ihre Fangesänge gegen RB Leipzig loszuwerden. Da die Leipziger Fans entsprechend konterten, geht das schon in Ordnung. Was ich persönlich absolut daneben fand waren die Pöbeleien aus diesen Block gegen die RB-Spieler, die am Schluß des Spieles sich noch bei den mitgereisten Fans bedanken wollten. Das waren einige wenige Provokateure, aber die bestimmen offensichtlich immer mehr die öffentliche Wahrnehmung.

  5. @René: Da hast Du wohl recht..

    @Max Goldt: Familienwaggon ist vielleicht übertrieben, aber etwas in der Art. Irgendwas, was die Heterogenität der Zuschauer bei RB Leipzig widerspiegelt. Und an einen neuen Trainer glaub ich noch nicht. Aktuell sollte man davon ausgehen, dass Pacult noch einen Versuch hat. Aber das zu bewerten, bleibt nach der Saison sicher noch ein wenig Zeit.

    @Crank: Ich meinte mit meiner Bemerkung, dass es schlimmer wäre, keinen Fußball mehr zu haben, etwas ähnliches. Ich geh gerne regelmäßig in die Schüssel und spicke das ganze mit ein paar Auswärtsrosinen. Das wird sich auch im neuen Spieljah kaum ändern.

    @Elisabeth: Danke für den Beitrag. Ich finde es immer sehr angenehm, wenn hier auch RB-fremde Sichtweisen mit auftauchen, die den Blick auf das Geschehen abrunden.

  6. „…neben taktischen Fragen liegt es wohl auch daran, dass in Leipzig die Versagensangst oft die Aufstiegslust dominiert…“

    Welch ware Worte – ist auch mein Empfinden schon die ganze Saison über – also beginn erstes Spiel gegen Meppen und manifestiert in der kompletten Hinrunde nach dem Havelse Desaster…naja hoffen wir mal das – sollte nicht doch noch ein riesen Wunder passieren – Halle statt Kiel aufsteigt, damit nächstes Jahr neben Jena und vielleicht Babelsberg noch eine Mannschaft über dem Durchschnitt mitspielt…es wird so schon schwer werden.

    Ich hoffe auch das die Verantwortlichen auch deinen Blog lesen, der doch schon sehr gut Widerspeigelt was genau schief gelaufen ist dieses Jahr in der Spieltaktischen Komponente, in der (Über?)Motivation und in der Mannschaftszusammensetzung.

    Dann bis zum We in der RB-Arena 🙂

  7. Guter Bericht, deckt sich fast komplett mit meiner Wahrnehmung.
    Betrifft auch die Sache mit dem Familienwaggon. Ich war mit meinem Sohn im Zug. Und über fünf Stunden bierseeliges Geseier und Gesaufe (nur auf der Hinfahrt) sind trotz guter (positiver) Stimmung echt heavy. Nun weiß auch ich, dass Bier und Fußball irgendwie zusammengehören. Und mich persönlich stören derartige Vorgänge kaum. Trotzdem will ich mein Kind dem nicht über Gebühr aussetzen. Zumal sein Bild vom Fußball alles andere als bereits geprägt ist. Es ist wirklich eine schwierige Sache, zumal ich auch sonst kein Fan von Aussortierung bin und auch nicht fünf Stunden umringt von Muttis verbringen will.

    Es war auch meine erste richtige Auswärtsfahrt mit RB. Normalerweise sehe ich die Spiele immer von der Pressetribüne, auf der logischerweise nicht ansatzweise so viel Stimmung herrscht. Nach dem Kiel-Spiel weiß ich die gute Übersicht aber noch mehr zu schätzen. Ich werde künftig also nicht mehr so viel darüber meckern, dass ich von da oben keine Nummern erkennen kann und so ziemlich alle Spieler gleich aussehen.

    Sehr angenehm fand ich das Verhalten im Fanblock. Als sich eine vierköpfige Gruppe von Vollpfosten direkt vor mir aufschwang, die Kieler alle als homosexuell zu bezeichnen, kam sofort von hinten ein entsprechender Kommentar. Noch bevor ich mich todesmutig in den Verbalkampf schmeißen konnte oder musste.
    Auch auf Facebook steht immer wieder die Frage, wie man denn RB-Fan sein könne. Das Kiel-Spiel gab eine gute Antwort. Die Stimmung und nicht zuletzt die Kieler Tribünen-Ecke mit ein paar ein paar Möchtegern-Ultras (die vom Spiel nichts mitbekommen haben, weil sie immer nur in unseren Fanblock geschaut haben), deren Sprüche, unsere Antworten und die bereits beschriebene Reaktion von Daniel Frahn machen es tatsächlich sehr attraktiv, RB-Fan zu sein.

    Und noch etwas wurde mir klarer denn je. Immer wieder wird man darauf hingewiesen, dass RB die unbeliebteste Mannschaft Deutschlands sei. Mal abgesehen davon, dass das noch nicht endgültig bewiesen ist – wer will denn vom Gegner unbedingt geliebt werden? Nee, das muss ich nicht haben.

  8. Moin aus Kiel,
    auch ich fand die Kieler gesânge wie bei fast jedem heimspiel lächerlich… Immer das selbe nur beleidigungen blabla… Ich wünsch RB für die nâchste saison alles gute und hoffe auch ein wiedersehen in liga 3 2013/2014 … Evtl steigen wir ja in der nächsten saison gemeinsam auf 😉

    Lg

  9. …auch wenn auf der offiziellen Bullenseite noch keinerlei Statement zum (99,99%) verpassten Aufstieg zu finden ist, lohnt es sich doch, denke ich, den Ausblick nur noch auf die neue (erneute) Regionalligasaison zu richten…..

    Variante 1: …wir lassen alles so wie es ist…
    Vorteil: …die Mannschaft ist dann eingespielt und nutzt nächstes Jahr den „Halle Faktor“…
    Nachteil: …wir bleiben taktisch leicht durchschaubar, haben keinen Druck durch die Mitte, es fehlt das überraschende Moment, warum sollte der selbe Kader es diesmal schaffen, usw… siehe oben….
    Was ist mit den Spielern, welche aus ganz anderen Beweggründen nach Leipzig kamen und nun die besten jahre Ihrer Karriere hier in der RL verbringen (müssen)…?? steigender Altersschnitt….!!

    Variante2: …wir rüsten Kadertechnisch nochmal auf….
    Vorteil: …hier und heute schwer zu sagen…
    Nachteil: …dito…

    Variante 3: …neuer Trainer…
    Vorteil: … ich sage mal „Favre Effekt“ – selber Kader – ganz andere Spielweise und damit verbundener Erfolg…
    Nachteil: …3 Trainer in 3 Jahren gibts eigentlich nur in Berlin und Köln….

    Freue mich schon auf deine Betrachtungen und Statistiken (kann es sein, dass wir immer in Q1 unsere schwächsten Spiele machen??)…

    Vorteil für 2012/13 – Preise für die Dauerkarte werden wohl nicht steigen….

    Was bleibt als Ziel der letzten 4 Spiele? Kiel zur Not mit einem Sieg in Halle helfen (falls möglich)?? Halle aufsteigen lassen und Ihnen bei einem direkten Wiederabstieg (sorry HFC) so aus dem Weg zu gehen?

  10. also ich denke schon das da am Kader noch nachgebessert werden muss auch hier ist immer wieder zu lesen das wir zu leicht auszurechnen sind und dem ist auch so. im Zentralen Mittelfeld sollte sich da schon noch was tun mit Leuten wie Rost wird es auch nächstes Jahr schwer uns fehlt einfach der Typische 10er der auch mal was außergewöhnliches macht bzw. mal die Spitzen mit brauchbaren Pässen füttert nur Zerstörer alias Rost bringen uns da nicht weiter wir brauch offensive Leute im Mittelfeld da wir zu 99% das Spiel machen müssen.

    1. folgendes stammt aus Brausebloggers Beitrag „Kaderschmiede RB Leipzig 2012“

      „Defensives, zentrales Mittelfeld: Henrik Ernst (25 Jahre), Pekka Lagerblom (29), Tom Geißler (28), Bastian Schulz (26), Timo Rost (33), (Tim Sebastian, 28), (Daniel Rosin, 31)“

      „Offensives, zentrales Mittelfeld: Thiago Rockenbach (27 Jahre), Tom Geißler (28), (Maximilian Watzka, 25), (Steven Lewerenz, 20)
      Eigentlich eine Position, die im Pacultschen 4-4-2 nicht gebraucht wird… “

      Damit erklärt sich das Dilemma von selbst……

  11. Traurig. Ja, alles richtig gesagt, dass Trainer und Mannschaft zusammen zu wenig Können entwickelt haben. Jetzt könnte RB entspannt die letzten Spiele nutzen und die neuen taktischen Varianten ausprobieren. Mal nicht 4-4-2. Vielleicht Bellot im Tor… Wallner als hängende Spitze… Und noch mal ein ordentliches Spielaufbau üben!

  12. Also ich bin in Sachen Ausblick noch nicht so weit, schon die nächste Saison im Auge zu haben. Von daher halte ich mich in Sachen Trainer- und Kaderfragen vorerst und noch zurück. Zumal ja noch vier Spieltage auf dem Programm stehen, die – und da hat @WladimirRB Recht – eventuell schon erste Hinweise geben, wie es weitergehen soll.

  13. Schöner Bericht, der auch das wiedergab, was man im Livespiel im Fernsehen zu sehen bekam. Der aber auch eindeutig zeigt, dass RB es diese Saison einfach nicht verdient hat aufzusteigen. Und wenn sie es doch täten, erschiene mir sofort die Horrorvision:
    Pacult und seinen Mannen würde auf die Schulter geklopft, man würde daraufhin erklären, dass die Regionalliga ja ach so stark besetzt gewesen wäre, wo angeblich jeder jeden schlagen hätte können … naja das ganze beknackte gekasper halt. Ende vom Lied wäre wohl, alle könnten weitermachen wie bisher und fänden sich alsbald im Tabellenkeller der 3. Liga wieder!
    Also kam diese bittere reale Erfahrung genau zum richtigen Zeitpunkt. Ich glaube das gerade das Meuselwitzspiel sowie das Kielspiel spiegelten die eklatantesten Schwächen wider:
    Da wurde zwar mit absoluter Disziplin aber stoischer Sturheit immer und immerwieder daran gearbeitet, die stets gleichen Fehler nochmal und nochmal zu wiederholen. Ständiges Spiel über die Aussenbahnen nach dem immer gleichen Muster. Sorry, aber leichter kann ichs meinen Gegenspielern wirklich nicht machen.
    Das zeigt aber auch einmal mehr, dass tatsächlich der sogenannte Führungsspieler diese Saison einfach nicht auzumachen war. Es durfte zwar immer mal jemand glänzen, aber Kontinuität eines Spielers ist nicht zu erkennen. Die Kreativleistung des Mittelfeldes gleicht der Auswahl der Themen für „Mitten im Leben“. Zu allem Überfluss kommen dann noch Auswechslungen bzw. eher Einwechslungen zustande, die eine Kristallkugel hinter der Trainerbank vermuten lassen.
    Diese Punkte sind nach meiner Ansicht zu allererst Aufgaben des Trainers! Und hier hat Pacult es eben nicht geschafft, überhaupt ein erkennbares System zu etablieren, auf das sich auch noch nach dieser oder nächster Saison aufbauen lässt … oder er hat eben doch eine Vision (Zitat Peter Pacult kurz vor dem Abstieg mit Dresden).
    Hrmmm… na dann hoffen ich mal auf die Kraft der besagten Kugel 🙂

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