Wundertütenweisheiten

Können wir dann mal wieder? Uns nach dem emotionalen und diskussionsreichen Ausflug in die Welt von DFB, 50+1 und 11Freunden dem aktuellen Fußballgeschehen in der Regionalliga zuwenden, also dem am Sonntag (13.30 Uhr) wartenden Heimspiel gegen Energie Cottbus II? Ja? Super.

Denkt man an das Hinspiel bei der U23 von Energie Cottbus zurück, dann denkt man an einen ziemlich tristen, aber aus RB-Perspektive immerhin erfolgreichen Tag. 11 Cottbuser verteidigten 85 Minuten lang auf ziemlich altmodische Art ihr eigenes Tor. Etwa 45 Minuten davon sogar trotz Rückstands. Selten hat man das ‚Glück’, Fußball einer derart destruktiven Sorte zu bewundern, bei der der Gegner sich tatsächlich auf das Bespielen der 30 Meter vor dem eigenen Tor beschränkt. Und nachdem die Cottbuser in den letzten fünf Minuten, dann doch mal gen gegnerischem Strafraum unterwegs war, beschied man sich sogar nach dem Spiel noch selbst, dass man seine aufopferungsvolle Leistung hätte mit einem Punkt belohnen können. Dabei hätten sie sich statt einer Belohnung zur Strafe eine Dauerberieselung mit dem Spiel verdient gehabt.

Zuschauertechnisch waren das aus RB-Sicht noch die alten Zeiten, in denen etwa 50 Leute die leicht spärliche Gästeblockbesatzung bildeten. Ein Wochenendspiel in Cottbus würde wohl derzeit locker das Sechsfache, vermutlich eher das Zehnfache mobilisieren. Irgendwie fast ein wenig surreal die Entwicklung. Am Sonntag ab 13.30 Uhr warten aber auf RB Leipzig ein Heimspiel und vermutlich irgendwas um die 7.000 Zuschauer. Und dazu eine sportliche Pflichtaufgabe, da muss man gar nicht lang drum herum reden.

Für die Lausitzer ist das Spiel in Leipzig dank Nachholespielen aus den Wintermonaten bereits das siebte Spiel binnen vier Wochen (seit dem 04.03.). Für ein solch junges Team eine recht außergewöhnliche Belastung, die man ihnen am Ende einer englischen Woche, die am Mittwoch einen Ausflug nach Lübeck beinhaltete (0:0), anmerken könnte. Mit einem Sieg (gegen Havelse), zwei Unentschieden und drei Niederlagen ist die Bilanz bisher jedenfalls durchwachsen.

11 Mann auf 10 qm; 10 andere stehen im Hinspiel sicher gleich daneben - © GEPA pictures/ Roger Petzsche

Nicht nur deswegen kann es gar keinen anderen großen Favoriten als RB Leipzig geben. Denn die Cottbuser sind zudem – trotz gelegentlich erprobter Extremdefensive – das Team mit der schlechtesten Abwehr der Regionalliga. Allerdings kassierten sie 29 ihrer insgesamt 54 Gegentreffer in sechs Spielen. Zieht man die ab, kommt man für die restlichen 19 Spiele auf absolut ordentliche 25 Gegentreffer. Was auch bedeuten könnte, dass die jungen Wilden aus Cottbus gern mal einbrechen, wenn man ihre Gegenwehr einmal geknackt hat. Und es schwer wird, wenn man dies nicht tut.

Andererseits ging der Energie-Nachwuchs bereits in sechs Spielen nicht als Sieger vom Platz, in denen man das 1:0 erzielt hatte. Was bedeutet, dass eine eigene Führung auch nicht allzu viel Sicherheit verleiht. Was ein bisschen der These widersprechen würde, dass es schwer wird, die Cottbuser zu besiegen, wenn sie im Gegenwehrmodus agieren.

Trotzdem ist auch der Nachwuchs von Energie nicht das Team von Namenlosen als das man es sich spontan vorstellen würde. Rene Trehkopf kennt sicher der eine oder die andere noch aus den letztsaisonigen Duellen mit dem Chemnitzer FC. Vor der Winterpause wurde er dort aber als einer der Hauptschuldigen für die (damalige) Krise in der dritten Liga verantwortlich gemacht und aussortiert.

Gelandet ist er nun also in Cottbus, wo er gemeinsam mit dem relativ jungen (25), aber schon extrem regionalligaerfahrenen Kai Hempel (ehemaliger Grün-Weißer) die Jugend führen soll. Von denen sind eventuell noch Torjäger Andy Hebler (9 von 27 Energie-Toren, allerdings auch fünf Elfmeter) und Clemens Fandrich (letzte Saison mit einigen Zweitligaeinsätzen) ein größerer Begriff. Alles in allem sicherlich kein Team, vor dem man übermäßige Angst haben muss, aber wie jede Mannschaft haben auch die Cottbuser ihre Stärken, vor denen man Respekt haben sollte.

Andererseits, Respekt hin oder her, am bereits 26.Spieltag bleiben die Punkte natürlich zu Hause. Alles andere macht ja auch keinen Sinn, angesichts der engen Tabellenspitze. Kiel muss bereits am heutigen Freitag ersatzgeschwächt den VFC Plauen schlagen, der nach der Klatsche gegen RB sicherlich nicht noch mal eingehen will, aber statistisch gesehen genau dies tun wird. Und Halle muss sich parallel zu RB Leipzig am Sonntag mit dem TSV Havelse herumschlagen. Nimmt man die Tabelle als Maßstab, dann hat RB Leipzig den einfachsten Gegner, aber das hat ja auch wenig zu sagen.

Fazit: Viertletztes Heimspiel der Saison bereits. Also vielleicht (hoffentlich) eine der letzten Chancen auf ein Regionalligaspiel in der heimischen Arena. Mit Energie Cottbus wartet ein scheinbar leichter Gegner, der unter die Rubrik Wundertüte fallen dürfte. Was aber auch allen Beteiligten gleich sein kann, wenn denn der Bock auf den Sieg größer ist, als das mögliche Erstaunen über die Leistung des Gegners.

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

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2 Gedanken zu „Wundertütenweisheiten“

  1. Den Sieg heute fest eingeplant schauen wir einem schönen Sonntag entgegen. Mit einem Punktgewinn der Havelser in Halle ist eher nicht zu rechnen, bleibt aber erhoffbar. Auch wenn dies der Spannung im Kampf um den Aufstieg entgegen steht. Aber auf die Spannung kann ich als RB – Fan gern verzichten. 😉
    Somit schließe ich mich dem Tipp vom „Bulle“ an und werde gespannt vorm Live-Radio :((( zuhören.

    Ach ja, eins noch. Respekt für die bisher gezeigten Leistungen der Chemnitzer.

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