Drucksituationen

Von Druck und Nerven ist derzeit viel die Rede. Jede Woche aufs Neue wird der Druck von RB Leipzig zum Halleschen FC und zu Holstein Kiel und wieder zurück gereicht. Nach dem Sieg von RB in Plauen glaubt man allerseits, dass nun der Druck vornehmlich in Halle und Kiel läge.

Was stimmt, aber auch wieder nicht, denn auch in Halle und Kiel dürfte recht bald sacken, dass die Ausgangsposition tabellarisch exakt die ist, die man schon nach dem RB-Nachholer in Hamburg vor einer knappen Woche erwartet hätte. Alle drei Teams haben in dieser Woche (aus jeweils eigener Sicht ärgerlicherweise) drei Punkte liegen lassen. Was RB dank eines mehr gespielten Spiels zur Abwechslung mal in die angenehme Position bringt, dass man auch dann nicht von der Spitze verdrängt wird, wenn Holstein Kiel am Freitag gegen Plauen gewinnen sollte.

Was allgemein als eine Situation erachtet wird, die für RB automatisch mit weniger Druck verbunden wäre. Wohl, weil man annimmt, dass es dann am schwersten ist zu spielen, wenn der Tabellendruck am größten ist. Übersetzen wir das mal – wegen der empirischen Überprüfbarkeit – in die Situation, dass die Topteams nach Spielen, in denen sie nicht gewonnen haben, besonders unter Druck stehen und vergleichen mal, wie die Teams dann abschneiden. RB Leipzig und Holstein Kiel haben jeweils sieben, der HFC acht Spiele nicht gewonnen. Da Kiel und Halle ihre jeweils letzte Partie verloren haben, haben sie bisher erst sechs bzw. sieben Spiele nach Niederlagen oder Unentschieden absolviert. RB Leipzig hat derer sieben hinter sich. Abgeschnitten haben die drei Konkurrenten wie folgt:

  • RB Leipzig: 7 Siege, 18:6 Tore
  • Holstein Kiel: 6 Siege, 21:4 Tore
  • Hallescher FC: 4 Siege, 3 Unentschieden, 9 :1 Tore

Was bedeutet, dass RB Leipzig und Kiel gerade nach Niederlagen – also in der Interpretation gerade unter Druck – am stärksten sind. Imposant empfinde ich die 21 Treffer von Holstein Kiel, die den nicht gewonnenen Spielen folgten. Den Frust von der Seele ballern trifft es hier wohl am besten, da sich in diesen Spielen der Torschnitt von eigentlich 2,2 pro Spiel deutlich auf 3,5 erhöhte.

Das Gegenkonzept fährt offenbar der Hallesche FC, der nach nicht erfolgreichen Spielen vor allem die Defensive stärkt und in den sieben anschließenden Spielen nur ein einziges Gegentor kassierte. Im Spiel gegen den Berliner AK, welches der HFC gewann. Allerdings scheint die Defensiv-Taktik nicht ganz so erfolgreich wie die Offensivtaktik, denn die Hallenser gaben nach einem nicht siegreichen Spiel direkt im Anschluss bereits drei Mal wieder Punkte ab (jeweils 0:0). Interessant.

Makellos hingegen ist die Bilanz von RB Leipzig, die sich in sieben Spielen sieben Siege krallten. Bei relativ durchschnittlichem Torverhältnis. Was ein weiteres Indiz für mein Gefühl ist, dass die RasenBallsportler in dieser Saison auch dann relativ zuverlässig Punkte holen, wenn sie vermeintlich unter Druck stehen. Spiele, die eher dem Ausbau der Tabellenspitze und dem Enteilen der Konkurrenz dienen, können dagegen schon mal daneben gehen (Halle, Hamburger SV II). Was für die Endphase der Saison und die Spiele in Kiel und Halle durchaus ein beruhigendes Detail ist. Statistisch gesehen wäre die Idealsituation für den Fall, dass Halle und RB am letzten Spieltag den Aufstieg ausspielen, die, dass beide am vorletzten Spieltag patzen und Halle mit ein, zwei Punkten Vorsprung in die Partie geht. Ähm ja, statistisch gesehen eben..

Fazit: Die Daten legen zumindest nahe, dass es Unterschiede im taktischen Verarbeiten von Rückschlägen gibt (defensiv in Halle, offensiv in Kiel, normal weiter in Leipzig). Ob man daraus ablesen kann, dass der eine oder andere weniger druckresistent ist als der andere, soll jeder und jede selbst beurteilen. Fakt ist, dass sich bisher die Ausgangssituation fast wöchentlich geändert hat und dies durchaus auch weiterhin der Fall sein könnte (auch wenn ich guter Hoffnung bin, dass die RasenBallsportler die Tabellenspitze nicht mehr hergeben). Eine Situation, in der man dickes Fell und viel Unterstützung aus dem Umfeld braucht..

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3 Gedanken zu „Drucksituationen“

  1. Diese Statistik gefällt auch mir gut, da wir nach dieser Betrachtungsweise praktisch durch sind und die Aufstiegsfeier planen können.
    Mein Bauchgefühl sagt mir aber, daß es sehr, sehr eng wird und die Entscheidung erst in Halle fällt, ich bin jedenfalls dann dabei, damit ich nach dem Spiel auch kritisieren darf (oder hoffentlich auch nicht).
    Werde dann gern Abbitte bei „Peter dem Großem“ leisten…

  2. Wenn es doch so wäre…
    Die Analyse ist wieder mal absolut genial.
    Danke!
    1.000 RB-Fans in Kiel – wir sind dabei!
    Ich glaube nach Plauen und Meuselwitz (in MD war ich nicht mit) , dass die Anwesenheit von den
    Anhängern ebenso Flügel verleihen kann, wie laut Werbung das Produkt des Sponsors.
    Und diese braucht die Manschaft in dieser aberwitzigen Saison.

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