Mission Verteidigung der Tabellenführung

Manchmal ist das mit der Wahrnehmung so eine Sache. Gerade in einem so hochgradig aufgeladenen und konstruierten Feld wie dem Schwärmen für einen Fußballverein. Wenn man mich gefragt hätte, wie oft denn RB Leipzig bisher in der Regionalliga Nord Spitzenreiter war, dann hätte ich wohl gesagt, dass das Team schon ein paar Mal Erster war, aber die Position nie länger als ein, zwei Spieltage einnahm und meist Verfolger war.

Wie immer helfen in solchen Fällen von ‚Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt‘ konkrete Daten. Und ich war tatsächlich ein wenig überrascht, dass RB Leipzig nicht nur am 5. und 9. Spieltag jeweils Kurzzeittabellenführer war, sondern zwischen den Nummern 13 und 16 sowie 18 und 20 sogar für längere Zeiträume ganz oben stand (wobei die letzte Strecke eher vorläufig ist, weil RB dort durch Nachholespiele die Tabellenführung für die Spieltage 19 und 20 noch nachträglich an Holstein Kiel abgeben könnte).

Das zerstört nicht nur meine These, die ich eigentlich formulieren wollte, dass es nun nämlich zur Abwechslung mal darum gehen müsse, die Tabellenführung über einen längeren Zeitraum als ein, zwei Spiele zu verteidigen, sondern bedeutet auch, dass die RasenBallsportler bisher am häufigsten auf Platz 1 standen (unter der gerade genannten Einschränkung):

  • RB Leipzig: 10 mal
  • Holstein Kiel: 6 mal
  • Hallescher FC: 3 mal
  • HSV II: 3 mal
  • Hannover 96 II: 1 mal

Was aber auch nichts daran ändert, dass es ab sofort und angesichts der Tatsache, dass RB Leipzig an den Spieltagen 30 und 34 noch zu den extrem heimstarken Konkurrenten aus Kiel und Halle reisen muss (jeweils erst ein Heimunentschieden, sonst nur Siege) um das ernsthafte Verfolgen der Mission Verteidigen der Tabellenführung geht. Wäre ja schön, wenn man vielleicht den einen oder anderen Punkt Polster mit nach Kiel und Halle nehmen könnte..

Teil 1 dieser Mission ist das Heimspiel gegen Hertha BSC II am Sonntag (13.30 Uhr) in heimischer Umgebung in der Red Bull Arena. Dort gab es in der Rückrunde bisher drei Spiele (inklusive Meppen) und drei Siege bei 12:4 Toren. Gewinnt man gegen die Hertha-‚Amateure‘, dann hätte man bereits nach vier Rückrundenheimspielen so viel Siege auf dem Konto, wie in der Hinrunde nach neun! Und wenn wir schon dabei sind: Statistisch gesehen wäre angesichts der bisherigen Rückrundenheimbilanz ein 4:1 gegen Hertha das wahrscheinlichste Resultat. Nun ja.

Wobei das Gegentor ein wenig gegen den Trend wäre, denn RB Leipzig gelang es zuletzt gegen Lübeck und in Magdeburg erstmals in dieser Saison zweimal hintereinander ohne Gegentor zu bleiben. Wobei andererseits bemerkt werden muss, dass der Eigenanteil an dieser Leistung gegen Lübeck nicht ganz so hoch war und Magdeburg wohl derzeit nur in der Trainingsform 11 gegen 0 ins Tor trifft.

Gegen die 0 spricht auch die sehr wahrscheinliche Teilnahme von Hertha-Stürmer Marco Djuricin am sonntäglichen Kick. Der erzielte bereits im Hinspiel das Führungstor. Ein Spiel, das RB Leipzig mit viel Kampf dann doch noch 2:1 gewinnen konnte. Djuricin wurde – unter Skibbe noch mit zwei Bundesligakurzeinsätzen – nach Otto Rehhagels Amtsantritt in Berlin wieder zur U23 geschickt. Wo er im Saisonverlauf bisher in 13 Spielen acht Treffer erzielen konnte. Der 19jährige Angreifer ist zudem österreichischer U21-Nationalspieler und gilt in Berlin als mit seiner Situation unzufrieden [broken Link]. Hat Pacult nicht in letzter Zeit einen besonderen Faible für Spieler mit österreichischem Background gezeigt? Aber wir haben ja jetzt (bzw. nächste Saison) Tom Nattermann (nach der Kobra Wegmann kommt nun die Natter).

Wen es bei RB Leipzig derzeit nicht gibt, ist Timo Röttger, der nach seinem Schlüsselbeinbruch in Magdeburg eventuell bis zum Saisonende zugucken muss. Das ist tragisch, aber kadertechnisch zumindest ansatzweise ausgleichbar. Ich würde spontan auf Sebastian Heidinger als Ersatz tippen, der wohl nur deswegen zuletzt nicht im Kader stand, weil RB die U23-Regel erfüllen muss (vier Spieler müssen unter 23 sein) und Heidinger schlichtweg wegen seines Alters den Konkurrenten Schinke und Kammlott unterlag. Letzterer hat auch sehr gute Chancen auf den Platz in der Startelf, während der hoffende Maximilian Watzka, Paul Schinke und erst recht Steven Lewerenz nur Außenseiterchancen haben dürften. Wer es auch immer wird: Der Kader von RB Leipzig ist genau deswegen bis jenseits der Nummer 20 ziemlich hochklassig besetzt, um solche Situationen meistern zu können.

Sei es alles wie es sei. Gegen Hertha BSC II muss – mal wieder könnte man sagen – ein Sieg her. Je nachdem, wie Halle heute personell geschwächt gegen den unbequemen HSV-Nachwuchs und Kiel morgen gegen ungefährliche Magdeburger abschneidet, braucht man die drei Punkte zum Ausbau oder zur Verteidigung der Tabellenführung. Je nachdem mit welcher Mannschaft Hertha II aufläuft (zuletzt wurde das Team mit einigen A-Junioren bestückt), dürfte das Unterfangen etwas leichter oder schwieriger werden. Zumindest kann man ein Team erwarten, das eventuell defensiv ein, zwei Lücken mehr lässt als man dies aus der Regionalliga vielleicht gewöhnt ist. Mit 36 Gegentreffern liegt Hertha in dieser Wertung jedenfalls nur auf Platz 13 der Tabelle, während man nach Punkten immerhin Sechster ist.

Angesichts des prognostizierten Frühlingswetters mit etwa 15 Grad und Trockenheit kann man auch davon ausgehen, dass die Marke von 6.000 Zuschauern purzelt, vielleicht ja sogar in deutlichem Ausmaß. Es ist also alles angerichtet für die Mission Verteidigung der Tabellenführung Teil 1 von hoffentlich 12. Auf geht’s.

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2 Gedanken zu „Mission Verteidigung der Tabellenführung“

  1. Ja, ich hoffe auch ganz stark, dass jetzt keine Punkte gegen die einfacheren Gegner mehr liegen gelassen werden. Das „dicke Ende“ wird wohl nur mit einem Polster zu bewältigen sein. Ich glaube auch das Kiel und Halle sich wenige Ausrutscher leisten und uns gönnen werden.
    PS: Vielen Dank für deinen Linkeintrag zu meinem „Projekt“ 😉
    Claudio grüßt und freut sich auf Sonntag

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