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Denke ich an Chelsea, dann denke ich zuerst an das Halbfinale der Champions League 2009 gegen den FC Barcelona. Das Hinspiel in Spanien endete 0:0 und nachdem man im Rückspiel früh in Führung ging, schien es als hätten die Engländer, damals unter der Leitung von Guus Hiddink, gegen den Favoriten die Vorteile auf ihrer Seite.

Ich fieberte seinerzeit oft zumindest am TV mit Chelsea, was auch eine Nachwirkung der Mourinho-Ära war, denn den umstrittenen portugiesischen Trainer mochte ich ob seiner Ecken, Kanten und Erfolge doch recht gern. Und da zudem Michael Ballack seit 2006 zum Lineup bei den Blues zählte und Michael Ballacks sportlicher Teil seines Lebens bei mir schon immer große Bewunderung hervorrief, blieb ich beim Londoner Club irgendwie hängen.

Weswegen ich also Anfang Mai 2009 bei den Schwiegereltern ins spe auf der Couch hockte und ziemlich aufgeregt und fingernagelkauend televisionär mithelfen wollte, den Erfolg über die Runden zu bringen. Das Spiel war auch deswegen so hochspannend, weil es der norwegische Schiedsrichter Tom Henning Øvrebø dazu machte. Neben einer ungerechtfertigten roten Karte für die Gäste nach einer reichlichen Stunde verweigerte er Chelsea insgesamt gleich fünf(!) Elfmeter von der Marke ‘kann man vielleicht geben’ bis ‘muss man mit ziemlicher Sicherheit geben’. Es kam, wie es kommen musste und Barcelona erzielte in der Nachspielzeit den Ausgleich und ‘schummelte’ sich ins Finale. (Mit den Fußballrobotern aus Barcelona stehe ich seitdem auf dem Kriegsfuß, auch wenn sie nicht wirklich dafür können.)

Der gesamte Frust über die tiefe Ungerechtigkeit der Fußballwelt entlud sich bei Michael Ballack anschließend in der berühmten Szene als er nach dem letzten nicht gegebenen Elfmeter (meiner Meinung nach zurecht nicht gegebenen) wie von der Tarantel gestochen hinter Øvrebø herrannte und ihm mit verzerrtem Gesicht aus 20 Zentimeter Entfernung etwas in den Nacken schrie, was letztlich vermutlich keinerlei bekannte Buchstabenkombination ergab. Noch heute hat Ballack meine tiefste Bewunderung, dass er es tatsächlich geschafft hat, in dieser Situation nur gelb zu kassieren und den Schiedsrichter nicht umzureißen oder anderweitig anzugehen.

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Ich für meinen Teil hätte ob der tiefen fußballerischen Ungerechtigkeit des Spielergebnisses am liebsten irgendetwas zertrümmert, wäre gerne türenschlagend durch die Wohnung gestürmt und hätte das Schiedsrichterteam gerne lautstark mit allerlei albernen Schimpfworten überzogen. Aber auf der Couch auf der ich saß, brodelte ich als aufgewühltes, kleines Häufchen Elend im Angesicht meiner Schwiegereltern vor mich hin. Und sollte noch einige Tage lang an dieser Niederlage nagen.

Chelsea also, gewissermaßen auch logisch wird der eine oder die andere sicher denken, ist ja schließlich auch ein inhabergeführter Club wie es RB Leipzig – zumindest informell – ist. Wobei die jeweiligen Herrschaften diesen Vergleich wohl aus unterschiedlichen Gründen von sich weisen würden. Jedenfalls war es ein ziemlich schöner Zufall, dass anlässlich eines London-Kurztripps auch ein Chelsea-Heimspiel stattfand und ein Freund gleich zwei Eintrittskarten für ein Liga-Spiel besorgen konnte. Mit Chelsea gegen Stoke City nicht gerade ein Knüller, aber das war mir für meine Insel-Fußball-Premiere völlig egal. Und wenn man weiß, dass in der Zeit seit Abramovich bei Chelsea das Ruder übernahm, noch nie ein Liga-Spiel nicht ausverkauft war, dann weiß man zwei Sitzplätze mehr als sehr zu schätzen.

Rund um das Spiel

Auch sehr zu schätzen weiß ich nach dem Besuch bei Chelsea die Sitte, vor dem Spiel irgendwo im Umfeld des Stadions noch einen Pub zu besuchen und sich dort mit ein, zwei Pints und diversen Fanfachgesprächen auf das bevorstehende Spiel vorzubereiten. In dieser Richtung ist das Stadtteilstadion, das von Wohnhäusern umgeben ist, ein unschlagbarer Vorteil. Mindestens zwei Stunden vor dem Spiel sind die Straßen rund um das Stadion belebt von Fans, Händlern und Vorfreude. Das konnte ich sehr gut leiden, ist aber selbst beim Leipziger Innenstadtstadion so nicht denkbar, da die Entfernung zu belebten, sprich bekneipten Gegenden zu groß ist.

Und überhaupt relativieren sich die Leipziger Debatten um Verkehrskonzepte (bzw. die Forderungen danach) rund um die Red Bull Arena extrem, wenn man sieht, wie rund um die Stamford Bridge mal eben für ein paar Stunden das Alltagsleben eines Stadtviertels zum Erliegen kommt. Und das in einer 20er-Liga plus zwei nationale Cup-Wettbewerbe plus Champions League. Sprich handgeschätzte 30 Heimspiele pro Saison. Und alles wirkt trotzdem entspannt und machbar. Was vermutlich auch daran liegt, dass die Anwohner der anliegenden Häuser eben wissen, wo sie hingezogen sind. Im Leipziger Waldstraßenviertel hingegen hat man manchmal das Gefühl, dass viele Ansässige zwar innenstadt- und stadionnah wohnen, aber gleichzeitig nicht in ihrer Ruhe gestört werden wollen. Was natürlich einer Quadratur des Kreises gleichkommt.

Vom Pub aus ging es jedenfalls dann ins Stadion. Relativ früh sogar, weil mir sehr danach war, möglichst jede Faser rund um das Spiel einzuatmen. Spannend, dass es am Einlass keinerlei ernsthafte Kontrollen gab. Karte in den Leser, ab durchs Drehkreuz und drin im Stadion. Probleme mit Pyro scheint man bei Chelsea nicht zu haben..

Drin angekommen erwartete mich ein kleiner Kulturschock, denn man betrat quasi den Bauch des Stadions, der architektonisch den Charme einer alten Flughafenempfangshalle hatte und funktional als riesige Bierhalle eingerichtet war. Dort jedenfalls standen Unmengen an Anhängern, tranken ein weiteres Bier und guckten nebenbei auf einem der Dutzenden Monitore irgend ein anderes Spiel der Premier League. Sehr schräge, sehr ungewohnte Atmosphäre.

Man weiß nicht, was wofür verantwortlich ist, aber passend dazu, dass die Anhänger alle in der Bierhalle standen, passierte im Stadion bis fünf oder zehn Minuten vor dem Anpfiff praktisch nichts. Wenn man mal davon absieht, dass Rassismus, Antisemitismus und das permanente Stehen vor dem eigenen Sitzplatz als verboten deklariert wurden. Bis zehn Minuten vor Anpfiff war das Stadion praktisch leer oder vielleicht zu 10 Prozent gefüllt. Erst dann kamen alle Bierhallenbesucher – ohne dass dies zu Stress geführt hätte – relativ gleichzeitig ins Stadion. Noch schnell die Formation des Heimteams vorgelesen und freundlich beklatscht und schon ging es los. Keine Fanrituale, kein Vorprogramm, nichts. Auch schräg, aber da eh keiner im Stadion ist, auch verständlich.

Überhaupt ist die Fankultur zumindest bei Chelsea – wenn man deutsche Verhältnisse im Kopf hat – ein ziemlicher Schock. Aber ähnlich wie bei der Pubkultur durchaus ein angenehmer. Keine Capos, keine Trommel, sowieso nichts was man als organisierten Fanblock bezeichnen könnte. Klar, die etwas intensiveren und sangesfreudigeren Anhänger versammeln sich hinter den Toren. Letztlich ist es dort auch am lautesten, aber Stimmung entsteht eigentlich überall, wo jemand etwas anstimmt. Es gibt nicht einen zentralen Herd für Gesänge und Anfeuerungen, wie es ja in Deutschland mit seiner Fanblockkultur oft der Fall ist, sondern überall im Stadion entsteht während des Spiels irgendein Lied, irgendein Spruch.

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Und auch innerhalb der Blöcke, z.B. hinter den Toren ist es immer wieder eine andere Ecke, aus der ein Lied angestimmt wird. Ganz ohne zentralen Capo. Sehr individuell, sehr spielbezogen und alles in allem sehr angenehm. Es wirkt auf jeden Fall sehr viel entspannter, als es deutsche Ultrakultur mit seinen festen Ritualen, Dauergesängen und Hierarchien oft tut. Während ersteres den Eindruck macht, dass das Team und das Spiel über allem steht, hat man bei zweiterem oft den Eindruck, dass der Support eher Kollektiverlebnis und jugendkultureller Selbstzweck ist.

Schräg dann wiederum, dass ab Minute 40 große Teile des Stadions und so auch der junge Mann neben uns, der seine Liebe zu Chelsea vor dem Spiel noch mit einem Gebet betonte, wieder zurück in die Bierhallen hechteten. Wo sie vermutlich nicht mal aufs Spiel verzichten mussten, da dort wie gesagt, alle 5 Meter ein Bildschirm hing, wo sicherlich auch Chelsea übertragen wurde (ich weiß es nicht sicher, da ich während des Spiels kein Bedürfnis hatte, das zu überprüfen). Und auch nach dem Spiel war das Stadion in unglaublicher Geschwindigkeit – und ich bin da aus Leipzig eigentlich einiges gewöhnt – leer und ein freundlich, aber bestimmter Steward bat uns bereits kurz nach dem Spiel, nun doch endlich das Stadion zu verlassen. Was auch wirklich verlassen bedeutete, denn auch die Bierhalle hatte inzwischen ihren Dienst eingestellt.

Das Spiel

Wie auch immer, wir kauerten also während des Spiels in Reihe sieben auf zwei Sitzen, die zusammen so breit waren, wie es in Leipzig ein Sitz allein ist und harrten der Dinge. Man muss sich Reihe sieben leicht oberhalb der Grasnarbe vorstellen, denn die ersten zwei Reihen lagen sogar unterhalb des Grasnarbe. Von den Plätzen hatte man also ungefähr die Füße der Spieler auf Augenhöhe. Von unseren aus war man immerhin schon auf Augenhöhe. Für einen Eindruck davon, wie sich das taktische System von Chelsea auf dem Rasen zeigt, aber trotzdem viel zu niedrig.

So richtig viel überraschendes war es aber aus dieser Perspektive nicht, was es zu sehen gab. Ein recht klassisches 4-2-3-1 mit zwei sehr offensiven Außenverteidigern, das später noch offensiver zu einem 4-1-4-1 wurde. Mit Frank Lampard ein Spielmacher, dem man ein wenig anzumerken schien, dass er seine allerbesten Zeiten bereits hinter sich gebracht hat. Quasi der Michael Ballack von Chelsea. Nichts jedenfalls, das darauf hindeutete, dass der gescheiterte Coach und eine Woche vor dem Spiel entlassene, letztjährige Gewinner der Europa League André Villas-Boas dem Team während seiner Tätigkeit eine überzeugende Spielidee hat einimpfen können.

Und so war es ein eher grottiges Spiel eines Teams, das eigentlich – nimmt man nur die Namen – bis mindestens runter zur Nummer 18 europäische Spitzenklasse verkörpert. Viel Quergeschiebe, kaum mal Geschwindigkeit in den Kombinationen und wenn doch, dann viele Stockfehler. Kreativer Höhepunkt des Offensivspiels war der Pass auf den Flügel, von wo aus dann die Flanke aus dem Halbfeld in den Strafraum segelte, wo die langen Gästeverteidiger das meiste abräumten.

Ehrlicherweise muss man aber auch zugeben, dass der Gegner alles dafür tat, dass es nicht zu einem Fußballspiel kommen würde und mit Mann und Maus den eigenen Strafraum verteidigte. Mit dazu bei trug auch Robert Huth, inzwischen schon 27, der als Innenverteidiger startete und später auf die Linksverteidigerposition wechselte. Dieser Huth jedenfalls scheint in England einen sehr guten Ruf zu haben, denn bei der Präsentation der Aufstellungen wurde er auch von den Heimfans (als einziger Spieler der Gäste) sehr freundlich begrüßt.

Das Spiel der Gäste wurde dann noch defensiver und das Spiel insgesamt noch unansehnlicher, als Stoke-Angreifer Fuller nach einer knappen halben Stunde wegen einer Tätlichkeit vom Platz gestellt wurde. Danach verteidigten die Gäste die letzten 30 Meter des Feldes mit zwei Viererketten und stellten alles andere weitestgehend ein. Es war dann wie beim Handball. Immer schön herum mit dem Ball um den Strafraum. Von einer Seite zur anderen. Ein wenig besser wurde es mit der Einwechslung von Juan Mata, der an der Seite von Lampard Ansätze von Kreativtät ins Offensivspiel einfließen ließ.

Der Sieg der Blues war letztlich mehr als verdient, auch wenn das Spiel nicht gut war. Zu einfallslos präsentierte sich der Gast, auch wenn man sich nach dem Rückstand noch mal kurz aufbäumte. Drei Aluminium-Treffer (zwei nach Standard) verzeichnete Chelsea zusätzlich zum Siegtreffer durch Didier Drogba. Letztlich war es ein Spiel, das mich (auf höherem Niveau) an viele Auftritte von RB Leipzig erinnerte. 90 Minuten lang gegen einen mit Mann und Maus verteidigenden Gegner hoch überlegen, ohne wirklich zwingend zu sein. Und wenn man Pech hat, gerät man bei ein, zwei Defensivwacklern in Rückstand oder kassiert den Ausgleich.

Die Chelsea-Clique und die aktuellen Probleme der Blues

Das Spiel schien ein Paradebeispiel für die strukturellen Probleme bei Chelsea zu sein. Und die liegen nicht in der Person von Roman Abramovich begründet, sondern vor allem in dem, was man als Chelsea-Clique bezeichnen könnte, also die altgedienten Chelsea-Stars Lampard, Drogba, Cole, Terry und auch Cech und Mikel. Allesamt die Generation Ü30, die den Sprung in den modernen Fußball verpasst zu haben scheint. Zusammen aber eine Gruppe, an der kein Trainer vorbeikommt.

André Villas-Boas hat versucht unabhängig von Namen seine Idee von Fußball zu implementieren, quasi gleichzeitig einen Kader- und Systemumbruch mit dem aktuellen Kader durchzuführen. Wenn ich die Diskussionen rund um Chelsea richtig verstanden habe, dann ist er dabei psychologisch nicht sehr geschickt vorgegangen und deshalb grandios gescheitert. Was nicht zuletzt auch daran liegt, dass die Gruppe der Altstars – allen voran Lampard – von den Anhängern extrem verehrt wird und dem alten Trainer Respektlosigkeit vorgeworfen wurde, weil er Lampard im Laufe der Saison mehr oder weniger offen demontierte.

Bis zum Saisonende wurde der bisherige Assistent von Villas-Boas als sein Nachfolger implementiert. Roberto di Matteo, auf seinem neuen Posten ohne größere Erfahrung und Erfolge, scheint die Aufgabe zu haben, den aktuellen Kader und insbesondere die Chelsea-Clique bei Laune zu halten und so in der Liga noch auf Platz vier zu klettern, um die Teilnahme an der Champions League zu sichern. Derzeit steht man mit drei Punkten Rückstand auf Arsenal auf Platz fünf. Ich bin angesichts der Vorstellung gegen Stoke eher pessimistisch, was das Erreichen der Ziele angeht.

Witzigerweise wird die mögliche Nichtteilnahme von Chelsea an der Champions League in Fankreisen vor allem in Bezug auf die finanziellen Auswirkungen thematisiert. Man denkt ja gemeinhin, dass das Duo Chelsea-Abramovich alles hat, aber keine finanziellen Sorgen, doch offenbar generiert der Club trotz der Finanzspritzen des Inhabers den absolut größten Teil seiner immensen Ausgaben selbst durch weltweites Merchandising, Ticketverkäufe und eben auch die Champions League. Chelsea ist ein extrem erfolgreiches Wirtschaftsunternehmen und ein Fußballverein mit globaler Strahlkraft, auch ich vergesse das gelegentlich angesichts der Unterstützung von Roman Abramovich und aufgrund des Images, dass dieser den Verein finanziell erhalte und Chelsea mehr oder weniger ein Club von des Inhabers Gnaden sei. Was er aber in der Tat nicht ist.

Wie auch immer, der für die neue Saison zu verpflichtende Coach steht vor der selben Mammutaufgabe, an der Villas-Boas gescheitert ist und an der eigentlich alle Chelsea-Trainer seit Mourinho gescheitert sind. Er muss gleichzeitig einen Kaderumbruch beginnen, dem Team ein modernes, schnelles Spielsystem beibringen, Erfolg haben und gleichzeitig eventuell damit leben, dass er aufgrund der fehlenden Champions League nicht die Wunschspieler verpflichten kann, die er für einen Kaderumbruch bräuchte. Klingt nicht nur viel, ist auch viel.

Im Gespräch war dabei in den letzten Wochen der ehemalige Liverpool- und Inter-Coach Rafael Benitez, mit dem Chelsea bereits Gespräche geführt haben soll. Der ist aber bei den Fans offenbar nicht vermittelbar. Als Drohung stellen viele Fans die Rückgabe ihrer Dauerkarten in den Raum. Und in einem Transparent schleuderten sie dem potenziellen Neucoach ein herzliches „F*** Off“ entgegen mit dem Zusatz „We’d rather walk alone.“ Schwierige Zeiten.

Ein unabhängiges Chelsea-Fanmagazin, das ich mehr zufällig als bewusst auf dem Weg zum Stadion ergatterte, widmete sich auch der Trainerfrage und schloss Benitez mehr als vehement aus. Vielleicht passt es zum Selbstverständnis von Chelsea, dass der Artikel nach ein paar Wendungen und Ablehnungen bei niemand geringerem als Pep Guardiola als Wunschkandidat landete (ausgerechnet Guardiola, Mourinhos großer Rivale). Wobei dies eher dem Missverständnis geschuldet ist, dass Guardiola in Barcelona aus dem großen Nichts Gold gemacht habe. Dabei hat er dort Silber vorgefunden und dieses vergoldet. Chelsea steht aktuell in der sportlichen Vereinsstruktur nicht unbedingt für Silber..

Fazit

Es war ein sehr schicker Ausflug in eine mir bisher unbekannte Fußballwelt. Auch wenn das Spiel und die Regeln dieselben sind wie in Deutschland, ist die Einbettung manchmal doch komplett anders. Manches davon wie die Pub- und Fankultur fand ich auf Anhieb sehr sympathisch, manches wie die fehlende Moderation im Stadion vor dem Spiel eher gewöhnungsbedürftig. Großartig war es aber sowieso, z.B. eine Didier Drogba mit seiner unglaublichen körperlichen Präsenz einmal live Fußball spielen zu sehen. Ein ganz kleines Eckchen meines Fußballherzes jedenfalls bleibt nun wohl endgültig für Chelsea reserviert. Und heute Abend gegen Neapel möge ihnen sowieso eine Fußballsternstunde leuchten. Eine, die vielleicht die tiefe Ungerechtigkeit des Ausscheidens gegen Barcelona 2009 zu einem ganz, ganz kleinen Teil wieder wettmacht. In diesem Sinne: Chelsea, Chelsea, Chelsea, Chelsea..

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Tore: 1:0 Drogba (68.)

Rot: Fuller (27./ Tätlichkeit)

Aufstellung: Cech – Ivanovic (Luiz, 46.), Cahill, Terry, Cole – Mikel (Sturridge, 67.), Meireles (Mata, 37.), Ramires, Lampard, Kalou – Drogba

Zuschauer: 40.945

Link: Chelsea-Bericht, Stoke-Bericht, dailymail-Bericht

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10 Responses to “Premier League: Chelsea FC vs. Stoke City 1:0”

  1. Chaosblogger sagt:

    Großartiger und sehr anschaulicher Beitrag.
    Da macht sich ja direkt ein bisschen Neid breit, so ein Ground in England würde ich ja auch gern mal mitnehmen.

    Besonders Interessant, finde ich ja die Beschreibung der Stimmung, da sie im kern eigentlich genau das trifft was man über England so hört. Sicherlich einigen mag das gefallen, mir persönlich ist dann doch die Deutsche Ultrakultur lieber. Nicht umsonst hört man auch von vielen Englandexperten, dass die heutige Stimmung nicht mal annähernd mit der von damals vergleichbar sein soll.
    Das ist insgesamt etwas Schade, da Fußball nun mal von mehr als spielbezogenem Support lebt.

    Aber wie gesagt, da kann man ja geteilter Meinung sein. Nicht desto trotz, war der Artikel äußerst lesenswert.

  2. Zola Jesus sagt:

    Schöner Bericht.

    Die laschen Einlasskontrollen sind auch damit begründet, dass sie dich innerhalb des Stadions aufgrund der großflächigen Videoüberwachung sowieso erwischen. Als ich mal bei Queens Park Rangers war, hatte ein junger Herr in der Reihne vor mir eine Flasche Bier mit reingeschmuggelt. Es hat keine 2 Minuten gedauert, da stand auch schon der Steward neben ihm und bat ihn das Stadion zu verlassen. (Pech für ihn, das Spiel ging 5:2 aus)
    __________

    Deine Beobachtungen zur eher spielbezogenen Stimmung habe ich bei QPR und Fulham auch gemacht und fand es überraschend angenehm. Jedoch fand ich es auch irgendwie schade, weil bei den hohen Siegen die ich miterleben durfte, bei etwas organisierterem Support wohl das ganze Stadion gesungen hätte. Ich hatte das Gefühl, dass zwar jeder irgendwie Singen wollte, aber darauf wartete das was in seiner Ecke angestimmt wird.
    Außerdem tut die Ticketsituation wohl ihr übriges. Die zumeist relativen jungen Fans, die die Stimmung vorrantreiben, können sich zunehmends entweder kein Ticket leisten oder sitzen verstreut über das Stadion.

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    Der gute Ruf Robert Huths wird sich wohl nur auf Chelsea beschränken. Zu seiner Zeit an der Stamford Bridge war absoluter Publikumsliebling, da er zu der Zeit (Anfang der Ambramovich-Ära) der einzige Spieler aus der eigenen Jugend bei Chelsea war.

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    Chelsea ist zur Zeit alles andere als ein “ein extrem erfolgreiches Wirtschaftsunternehmen”. Die Nichtteilnahme an der Champions League würde auf jeden Fall die finanzielle Situation nochmal arg verschlechtern. Tausend mal ausführlicher erklärt steht das hier: http://swissramble.blogspot.de/2012/02/chelsea-look-good-in-blue.html

  3. rotebrauseblogger sagt:

    @Zola Ach ja, stimmt. Robert Huth und Chelsea, da war ja mal was. Das hatte ich bereits wieder vergessen. Das erklärt es natürlich sehr gut. Danke für den Hinweis.

    Erfolgreiches Wirtschaftsunternehmen dahingehend, dass es in Sachen Nichtsponsoren-Einnahmen, also Ticketing, TV und Merchandising zu den Top 5 oder 6 in Europa gehören. Deswegen kann man es sich natürlich trotzdem nicht leisten, 40 Millionen für Bankspieler Torres auszugeben oder einen Villas-Boas für 15 Millionen aus seinem Vertrag rauszukaufen. Aber der Verein hat eine sehr gute finanzielle Grundlage, die eben nicht aus Abramovich resultiert. Was mir aktuell nicht wirklich bewusst war. Ich glaube, das meinte ich ungefähr.

    @Chaosblogger Ja, das mit der Bewertung der Stimmung ist natürlich immer subjektiv und ich glaube, ich verstehe sogar die Faszination von Ultra-Atmosphäre, selbst wenn es nicht meins ist. Vermutlich ist das auch ein bisschen ein Sozialisationsding. Zu Zeiten als ich mich im Fanblock rumtrieb, war das alles höchst unorganisiert und ohne Capo und Co. Mir erscheint das, was bei Chelsea passierte einfach auf angenehme Art spontaner und freier und es entspricht eher meinen früheren Erfahrungen und meinen jetzigen Interessen. Klar, stimmt schon was @Zola sagt, dass dadurch auch manchmal Situationen entstehen, wo eigentlich alle Bock haben was zu singen, aber trotzdem nichts entsteht, weil alles durcheinander geht. Und es stimmt natürlich noch viel mehr, was @Zola sagt, dass das Ticketing bei Chelsea im speziellen und in England im allgemeinen preislich eine Katastrophe ist und dadurch bestimmte Zuschauerschichten per se ausgeschlossen werden.

  4. Leipziger sagt:

    Grossartig! Warum warst du nicht zur WM in Südafrika als rasender Blogger? Ich werde mich im April auf eine ähnliche Reise begeben- ich habe mir Arsenal ausgesucht;-)
    Nun bin ich noch viel gespannter darauf! Dank Dir!

  5. rotebrauseblogger sagt:

    Na cool, wenn das Deine Vorfreude steigert. Ist es bei Arsenal auch so schwierig an Karten zu kommen? Oder geht es schon wegen der Größe des Stadions alles etwas einfacher?

  6. An die beiden Spiele gegen Barcelona kann ich mich ebenfalls lebhaft erinnern. Vor allem deshalb, weil ich seither nie wieder eine Mannschaft gesehen habe, gegen die Barcelona im Grunde chancenlos war. Es war das pure Glück, inklusive der von dir geschilderten dramatischen Fehlleistung des Schiedsrichters im Rückspiel. Hiddink war zwar der Trainer der Blues, aber es war Mourinhos Mannschaft: diese seltsame, unverwechselbare Mischung aus Defensivgenialität und roher, zuweilen aber unwiderstehlicher Offensivraserei, für die vor allem Drogba und Frank Lampard standen (sie können es allerdings noch – wie der heutige Abend bewiesen hat).

    Sehr schöner Artikel.

  7. rotebrauseblogger sagt:

    Ich würde sagen, es ist im Kern des Spiels und in der Mentalität immer noch Mourinhos Mannschaft und wenn man die Leitwölfe in Watte packt und machen lässt, dann haben sie immer noch Top-Format. Nur trainier- und entwickelbar ist die Mannschaft so nicht. Ehrlich gesagt würde es mich freuen, wenn das Team mit seinem letzten Zucken noch einen großen Titel erringen könnte (was für Ballack wieder mal eine Ironie der Geschichte wäre). Aber trotz gestern bleibt das ziemlich unrealistisch.

    • Der Unterschied zu damals ist evident: Gestern benötigten sie gegen Neapel (und eben nicht gegen Barca) viel, viel Glück – vor allem in der ersten Halbzeit. Dieses brachiale Offensivvermögen, das war schon zu erkennen, aber im Abwehrverhalten ist die Mannschaft von heute Lichtjahre von den sensationellen 15 Gegentoren des ersten Mourinho-Meisterjahres 04/05 entfernt.
      Trotzdem: Die Mannschaft ist nominell nach wie vor erstklassig besetzt und wenn bei Torres mal wieder was geht – wer weiß … ?
      Die “Blues” gegen Bayern wäre eine prima Ansetzung für die nächste Runde.

    • rotebrauseblogger sagt:

      Ich würde mir ja die Blues gegen Bayern fürs Halbfinale aufheben wollen..

  8. [...] Premier League: Chelsea FC vs. Stoke City 1:0 (Rotebrauseblogger) [...]

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