Regionalliga: 1.FC Magdeburg vs. RB Leipzig 0:3

Aus Gründen, die sich in den nächsten Tagen noch erhellen werden, erst heute ein, zwei Bemerkungen zu einem Spiel, von dessen Ergebnis ich erst gestern abend mit größter Freude Kenntnis erhalten habe. Witzigerweise wieder eine Partie, die wie schon das Duell der RasenBallsportler gegen Lübeck eine Woche zuvor unter dem Titel Arbeitssieg stand. Diesmal aber offensichtlich zu Recht.

Es gibt sie, diese Spiele vor denen man vorher viel Angst und Respekt hat, weil man vermutet, dass der Gegner ausgerechnet in diesem Spiel mit 120% Engagement seine schwarze Serie (bisher kein Heimsieg) beenden wird. Und dann passiert von Seiten des sportlichen Außenseiters nicht viel bis nichts und das Spiel endet so wie es die Wahrscheinlichkeit vorhersagen würde mit einem Pflichtsieg des auswärts ungeschlagenen Favoriten. Ich hätte vorher nicht gedacht, dass es schließlich so einfach wird, wie es in den meisten Berichten klingt.

Dass die Magdebuger ihre spielkulturelle Limitiertheit in eine Mischung aus Übereifer und mit zunehmender Spieldauer auch zunehmender, übertriebener Härte übersetzten, ist dabei eine ziemlich unschöne Randerscheinung. Wie man gleich mehrmals mit dem Ellenbogen in Kopfballduelle springen und sich dann auch noch über die gelb-rote Karte aufregen und den Gefoulten(!) beschimpfen kann, geht mir nicht in den Kopf. Das weitere Zusammentreten der Flügelspieler (die ja bereits im Hinspiel eine besondere Aufmerksamkeit bekamen) passt da ins traurige Bild, das mit Rockenbach einen Leichtverletzten und mit Timo Röttger einen Langzeitverletzten produziert hat.

Natürlich kann man jetzt sagen, dass gerade ein Kader wie der von RB Leipzig dazu da ist, jeden und wirklich auch jeden im Team nahezu gleichwertig ersetzbar zu machen. Was spielerisch auch für Timo Röttger gilt, für den mit Heidinger, Kammlott, Watzka, Schinke und sogar auch Lewerenz einige, teils hochwertige Lösungen parat stehen. Andererseits ist der Typ Röttger, der mit viel Energie immer und immer wieder den Zweikampf sucht, natürlich schwer zu ersetzen. Es ist ergo ziemlich bitter, dass Timo Röttger eventuell bis zum Saisonende ausfällt (vor allem auch für ihn selbst), aber es ist auch eine Chance für jemanden, der bisher nur hintendran stand, zu zeigen, dass er dort zu Unrecht stand.

Der Auswärtssieg in Magdeburg war jedenfalls ein sehr wichtiger. Sowieso für die Tabelle, denn nach zwei Spieltagen auf Platz zwei konnte man sich die Tabellenführung nach dem Ausrutscher des bisherigen Ersten Kiel beim Erzrivalen in Lübeck zurückerkämpfen. Was psychologisch ziemlich wichtig ist, denn wenn die Konkurrenz mal über Wochen den Druck verspüren sollte, einen Sieg zum dranbleiben zu brauchen, dann könnte das zum mitentscheidenden Vorteil für RB Leipzig werden.

Interessant daran, wie sich von einer Woche zur nächsten das Momentum ein wenig ändern kann. Halle nach dem 2:0 in Meppen und damit einem Auswärtssieg (von denen sie bisher nicht so viele feierten) sicherlich ein wenig obenauf und derzeit der erste RB-Verfolger, während Kiel nach drei eher schwachen Spielen hintereinander ein wenig aus der Favoritenrolle zu fallen scheint. Aber alles kann nach dem nächsten Spieltag schon wieder ganz anders aussehen und Platz 1 und Platz 3 trennen weiterhin nur zwei Punkte..

Jubel vor und im gut gefüllten Gästeblock nach dem Sieg in Magdeburg - (© GEPA pictures/ Roger Petzsche)

Wichtig war der Auswärtssieg auch emotional. Beim 1.FC Magdeburg mit 3:0 zu gewinnen, ist selbst in diesen Tagen, in denen es dort gar nicht läuft, nicht selbstverständlich. Man muss sich dort trotz allem erst einmal durchkämpfen. Das bescherte das erste herausragende Auswärtsereignis seit dem Sieg von RB Leipzig in Meuselwitz, was vor allem auch an den etwa 600 Gästeanhängern lag, die ihrem Team auf den diversesten Reisewegen nach Sachsen-Anhalt folgten. Meuselwitz war in Sachen Auswärtsunterstützung so etwas wie das Erweckungserlebnis. Magdeburg dürfte da in Sachen Support noch mal eine ganz andere Nummer gewesen sein. Sicher ist, dass man sich für den Fall, dass es im letzten Saisonspiel in Halle noch um etwas geht, frühzeitig um Karten für den Gästeblock wird bemühen müssen..

Fazit: Ein in vielen Belangen wichtiger und emotionaler Sieg mit unschönen (Verletzungs-)Randerscheinungen. Und jetzt, da die Tabellenführung wieder mal bei RB liegt, finde ich, dass es Zeit wäre, sich dem Projekt Verteidigung der Tabellenspitze mal über einen längeren Zeitraum zu widmen. Am besten wechselt die Tabellenführung einfach gar nicht mehr bis zum Saisonende. Wer die Tabellenspitze zuschauerseits mitverteidigen will, kann dies jedenfalls bereits am Sonntag gegen Hertha BSC II tun. Dürfte angenehm voll werden in der Red Bull Arena.

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Tore: 0:1 Franke (51.), 0:2 Wallner (67.), 0:3 Frahn (79./FE)

Gelb-Rot: Neumann (47., Magdeburg)

Aufstellung: Borel – Müller, Sebastian, Franke, Wisio – Röttger (72. Schinke), Ernst, Geißler (81. Schulz), Rockenbach (64. Kammlott) – Wallner, Frahn

Zuschauer: 5288 (davon 600 Leipziger)

Links: RBL-Bericht [broken Link], RBL-Liveticker [broken Link], RB-Fans-Bericht, MDR-Bericht [broken Link], FCM-Bericht [broken Link]

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

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3 Gedanken zu „Regionalliga: 1.FC Magdeburg vs. RB Leipzig 0:3“

  1. Schön, dass Du es doch noch einrichten konntest, ich habe mich schon an diesen blog gewöhnt und freue mich jeden Montag darauf.
    Es gab aber noch andere Überraschungen:
    Wer am 13. März den LVZ-Sportteil zu RB gelesen hat, wird sich sicher gewundert haben.
    Der Guido S. hat tatsächlich mal Herz gezeigt und für seine Verhältnisse „emotional-objektiv“ über die rüden Attacken gegen Timo Röttger geschrieben. Ich wollte es zunächst nicht glauben, dass der Artikel tatsächlich von Guido stammt.
    Dagegen liest sich die RB-Seite völlig anders. Als wenn Sharif Shoukry gerade von einem „De-Eskalations-Seminar“ gekommen wäre, wird auf der eigenen Web-Seite von „gesunder Härte“ gesprochen und der Timo hatte eben nur Pech …

  2. Da wäre ich auf Berichte von Mitfahrern gespannt. Bei G.Schäfer klingt es ja nach einer sich aufschaukelnden Anti-Röttger-Stimmung im Stadion (zu der die Magdeburger Spieler mit ihrem Schimpfen auf Röttger nach dem Platzverweis sicherlich erheblich beitrugen) und zunehmenden Attacken auf Röttger. Das Foul, das zum Schlüsselbeibruch führte war aber zwar robust, jedoch nicht brutal und der Bruch entsteht beim Fallen. Also eher ne Mischung aus Pech und Sündenbockfoul?

    1. Wenn das Schlüsselbein bricht, hat das natürlich nur mit indirekter Gegnereinwirkung zu tun. Insofern also tatsächlich Pech. Ich habe mit einem Mitfahrer gesprochen, der meinte, dass die Magdeburger bei jedem Zweikampf gegen Röttger sehr robust eingestiegen sind. Vielleicht hätte er sein Stirnband „METZGER“ nicht aufsetzen sollen; nun lag er selbst auf dem Metzgertisch.
      Zum Glück war der Sieg auch deutlich, denn sonst hätte sich das in dieser Liga noch rumgesprochen, dass man RB mit „etwas Härte“ die Punkte abnehmen kann.
      Aber wollen wir doch mal positiv festhalten ,dass G. Schäfer auch mal einen Bericht für die Fan-Seele schreiben kann.

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