Für den Erhalt der Serien

Wir wollen RB schlagen. Was sonst? (Ronny Thielemann, Coach beim 1. FC Magdeburg via LVZ vom 08.03.2012)

Ach, lieber Ronny Thielemann, was halten Sie denn von einem Deal? Ich meine, in Ihrer Situation beim 1.FC Magdeburg, verkorkste Saison, depremierende 0:2-Pleite unter der Woche bei Hertha BSC II, Drittletzter in der Tabelle. Eine Saison zum Abhaken. Fans, die gegen RB Leipzig mit dem schlimmsten rechnen und schon mit einer knappen Niederlage zufrieden wären. Was halten Sie davon, lieber Ronny Thielemann, wenn wir uns auf einen gefühlten Sieg ihrerseits einigen? Z.B. mit schnellem 0:1, in dessen Anschluss ihre Magdeburger 90 Minuten lang kämpfen und rennen, aber Pech beim Abschluss haben und dann kurz vor Schluss das zweite Tor kassieren. Danach machen Sie noch in der Nachspielzeit den Anschlusstreffer und alle sind zufrieden und Sie können in die Mikrofone sagen, dass man darauf aufbauen könne und dass man den Favoriten am Rand der Niederlage/ des Punktverlusts gehabt habe. Und Peter Pacult kann hinterher grummeln, dass es auch in diesem Spiel nur drei Punkte zu vergeben gab und dass man schon auf das nächste Spiel schaue. Na, wie wärs, lieber Ronny Thielemann? Deal?

Mal im Ernst, der eine oder andere möchte nicht unbedingt an die letztjährige Rückrunde erinnert werden, aber ich tu es trotzdem. Die Reise nach Magdeburg war damals wie heute für RB Leipzig das vierte Spiel der Rückrunde. Damals wie heute hatte man nach drei Spielen 2 Siege auf dem Konto. Im Unterschied zu heute hatte man damals aber mit dem 1:5 gegen Kiel schon die totale Ernüchterung in der Aufstiegsaufholjagd (Arbeitstitel: die kürzeste Aufholjagd der Fußballgeschichte) hinter sich. Doch die Fahrt nach Magdeburg setzte dem ganzen damals noch die Krone auf. Nach Frahn-Führung und kleinen Traumkeimen in Bezug auf die Tabellenspitze verlor man nach saftlosem Auftritt mit 1:2. Womit die Stimmung endgültig im Eimer war.

Die Situation des 1.FC Magdeburg war damals wie heute eine desaströse. Nachdem man in den ersten vier Saisonspielen unter Ruud Kaiser schon 10 Punkte gesammelt hatte, fuhr man mit Aufstiegsträumen zu RB Leipzig und verlor 1:2. 14 Spiele später und somit vor dem Rückspiel gegen RB Leipzig hatte man die Punktzahl auf 20 verdoppelt und stand zwei Punkte vor dem ersten Abstiegsrang. In diesen 14 Spielen konnte man nur zweimal gewinnen. Zu Hause holte man magere fünf Punkte. Bis eben RB Leipzig zum Punkte liefern kam. Und dieses Jahr? Dieses Jahr toppen die Magdeburger die Bilanz sogar noch. In 10 Heimspielen hat man noch keinen (!) Sieg erringen können. Der abgeschlagene Letzte der Heimtabelle der Regionalliga Nord trifft auf den ungeschlagenen Ersten der Auswärtstabelle. Der 16. der Tabelle auf den 2. 19 Punkte und -8 Tore auf 49 Punkte und +31 Tore. Wie im letzten Jahr, klare sportliche Vorzeichen eigentlich.

Eigentlich, denn uneigentlich ist alles ganz anders. Wie so ziemlich immer, wenn es gegen RB Leipzig geht, kommt beim Gegner Pokalatmosphäre auf, will man mit Zuschauerunterstützung dem Finanzkrösus und Favoriten ein Bein stellen. Und in Magdeburg hat man – bei aller negativer Bilanz – scheinbar auch die Möglichkeiten dazu. Keines der bisher drei Spiele gegen die Top 3 der Tabelle aus Halle, Kiel und Leipzig ging verloren. Zwar gewann man auch keins, aber bei zwei geschossenen Toren kämpfte man sich zu drei Unentschieden. Die Stärke der Magdeburger jedenfalls konnte man im Hinspiel beim leistungsgerechten 1:1 zwischen RB Leipzig und dem 1.FCM sehr gut beobachten, das Verhindern von Toren.

Timo Röttger - Torschütze des Ausgleichs gegen den 1.FC Magdeburg in der Hinrunde (© GEPA pictures/ Sven Sonntag)

Mit unheimlichem Laufaufwand und beeindruckender Organisation stellte man damals die Flügel zu und zog RB Leipzig damit den Zahn. Ganz so einfach dürften die RasenBallsportler inzwischen nicht mehr auzurechnen sein, dass sie aber anfällig sind für Mannschaften, die ein modernes Bollwerk errichten und dann Konternadelstiche setzen, ist weiterhin kein Geheimnis. Und dass das Toreschießen gegen Magdeburg auch unter dem inzwischen amtierenden Coach Ronny Thielemann nicht leichter geworden ist, zeigen die lediglich 23 Gegentreffer in 21 Spielen (viertbester Wert der Liga).

Klar, der 1.FC Magdeburg befindet sich im Umbruch und spielt eine grottige Saison. Und nimmt man alleinig die sportliche Situation als Indiz spricht alles für RB Leipzig. Wäre ich allerdings Sportwetter wäre dies ein Spiel, wo ich (bei sicher guter Quote) definitiv ein paar Euros auf den Außenseiter setzen würde. Weil dieser in diesem einen Spiel mit Pokalcharakter aufgrund seiner Defensivfähigkeiten, der hohen Eigenmotivation und wegen dem Gesetz, dass Negativserien (Magdeburger Heimserie) und Positivserien (Leipziger Auswärtsserie) meist reißen, wenn man sie nicht zu reißen erwartet, höhere Siegchancen hat als es die Wahrscheinlichkeitsrechnung vermuten lassen würde. Aber da ich kein Sportwetter bin, vergesse ich den Gedanken gleich wieder und hoffe darauf, dass die Serien beidseitig erhalten bleiben.

Denn überhaupt, nicht nur in der sachsen-anhaltinischen Landeshauptstadt ist dieses Spiel eines, das mit besonderer Motivation angegangen wird. Auch in Leipzig erfährt die Begegnung eine für RB-Auswärtsverhältnisse große Euphorie. Vier Busse wurden bereits Tage vor der Partie als komplett ausgebucht gemeldet. Auch der Individualverkehr auf der A14 wird sich spürbar erhöhen. Insgesamt kann man ziemlich zuverlässig von mindestens 600 Gästeanhängern ausgehen. Scheint als wäre in Leipzig trotz der Ergebnisdämpfer in Havelse und im Pokal in Zwickau so etwas wie Aufstiegseuphorie ausgebrochen. Wenn sich das jetzt noch auf die RasenBallsportler überträgt und alle miteinander drei sehr wichtige Punkte für die Tabelle mit nach Haus bringen, dann ist alles prima. Wäre trotz der sportlich klar erscheinenden Ausgangslage emotional ein echter Big Point.

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Bild: © GEPA pictures/ Sven Sonntag

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6 Gedanken zu „Für den Erhalt der Serien“

  1. Ach wäre es nur so! Alles was derzeit mit Überraschung und RB zu tun hat, tut weh und war eigentlich keine. Ich wünsche mir tatasächlich ein deutliches Zeichen pro Qualität und vorallem pro Aufstieg- mein Gefühl rumort kräftig dagegen! Weis gar nicht wie sich so ein echter Big Point in dieser Saison anfühlt, allerdings die „total überraschenden“ Niederlagen kenn ich in- und auswendig

  2. Ui, das klingt in einer Art pessimistisch, das kenne ich gar nicht von Dir. Lass Dein Gefühl zwei Tage ruhen, dafür ist im schlimmen Fall nächste Woche noch genug Zeit..

  3. Ab und an wette ich ja gern mal einen Euro, mal mit mehr mal mit weniger Erfolg.
    Bedeutet, den Euro auf den ruhmreichen 1.FCM werde ich mir nicht verkneifen, der steht!

    ;D Schauen wir mal!

    1. Ich bin ja auch nicht gerne schadenfroh, aber das fehlinvestierte Geld sei Dir gegönnt. 😉

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