Feed on
Posts
Comments

Ich gebe es zu, dass ich laut gelacht habe, als die LVZ vor zwei, drei Wochen in ihrer Online-Version in irgendeinem Artikel (den ich nicht mehr finde) davon sprach, dass Niklas Hoheneder sein Debüt bei RB Leipzig im defensiven Mittelfeld feiern könnte. Nicht nur mir kam das offenbar absurd vor, denn auch die LVZ-Redaktion änderte die Passage kurz danach in die Aussage um, dass er möglicherweise in der Viererkette der Abwehr Einsatzzeit bekomme.

Was mir dann wieder Sinn zu machen schien, denn alles andere als eine Verpflichtung von Hoheneder für die Innenverteidigung kam beim überaus üppig besetzten zentralen Mittelfeld doch eigentlich gar nicht in Frage. Lagerblom, Rost, Geißler, Schulz und Ernst balgten sich doch da schon um die Plätze. Daniel Rosin und Thiago Rockenbach spielten im Saisonverlauf auch schon dort. Und Tim Sebastian darf man die Rolle im Notfall auch noch zutrauen.

Doch da hatte man die Rechnung ohne Peter Pacult gemacht, der zeigte, dass die Online-LVZ mit ihrer ursprünglichen Behauptung absolut Recht hatte und Hoheneder im defensiven Mittelfeld einsetzte. Gegen den VfB Lübeck durfte ich mich vom scheinbar undenkbaren höchstpersönlich überzeugen.

Diese Maßnahme war aus meiner Sicht eine ziemliche Ohrfeige für die expliziten Wunschspieler von Pacult von vor der Saison Pekka Lagerblom und vor allem Bastian Schulz, die derzeit im besten Fall über einen Kurzeinsatz nicht hinauskommen. Im schlechten Fall (Lagerblom) reicht es oft nicht mal für einen Platz im Kader. Insbesondere bei Pekka Lagerblom kommt dies überraschend, durfte er doch über große Teile der Rückrundenvorbereitung mit der A-Elf in die Testspiele gehen.

Bei allem Respekt vor den Geheimnissen moderner Personalpolitik im Profifußball im allgemeinen und der Pacultschen Personalpolitik im besonderen, die den Anschein macht, meist relativ genau zu wissen, welche Spielertypen man bei RB Leipzig für das präferierte System braucht, der Verschleiß von Spielern auf der zentralen Mittelfeldposition ist fast schon magathesk. Zumindest erschließt es sich spontan nicht wirklich, warum man einem Lagerblom, Rost und Schulz unbedingt einen Hoheneder vor die Nase setzen muss, der im Vergleich zu den Dreien jetzt auch nicht unbedingt die Wunderwaffe auf der Position zu sein scheint. Mal ganz davon abgesehen, dass es nicht unbedingt für ein exzessives Scouting spricht, wenn mit Schulz und Lagerblom gleich zwei bundesligaerfahrene, absolute Wunschspieler binnen sechs Monaten aus der Startelf oder sogar aus dem Kader fallen.

Sei es drum, Fakt ist, dass Pacult bisher insgesamt acht Spieler im mehr oder weniger defensiven, vor allem aber zentralen Mittelfeld eingesetzt hat. Was summasummarum 28 mögliche Pärchen im Mittelfeld ergibt. Ignoriert sei an dieser Stelle der nur in den ersten beiden Spielen im 4-2-3-1 auftauchende, zusätzliche zentral-offensive Mittelfeldmann (Rockenbach). Von diesen 28 möglichen Pärchen wurden 15 auch eingesetzt. 15! Nicht schlecht. Spontan würde ich sagen, dass es in der Innenverteidigung nicht mehr als sechs gewesen sein dürften. Auch das ein Anzeichen dafür, dass man im zentralen Mittelfeld noch nicht zur Ruhe gekommen ist.

Die Zahlen für die Besetzung der Doppelsechs sehen jedenfalls wie folgt aus (Ignoriert sei an dieser Stelle auch, dass in manchen Spielen die Doppelsechs in Abhängigkeit ihrer Besetzung eher als Sechs und Acht oder im Extremfall bei Rückstand oder Unentschieden gar als Sechs und Zehn interpretiert wurde):

Spieler
Spielminuten
Spiele
Schulz/ Geißler5559
Schulz/ Rost4968
Geißler/ Ernst2575
Rost/ Lagerblom1483
Geißler/ Lagerblom982
Schulz/ Ernst764
Geißler/ Rost532
Schulz/ Rockenbach483
Ernst/ Rockenbach382
Geißler/ Rockenbach352
Ernst/ Hoheneder242
Rost/ Rockenbach181
Schulz/ Lagerblom121
Schulz/ Rosin111
Geißler/ Rosin51

Vorneweggesagt: Bastian Schulz und Tom Geißler hatten alle schon mal als Partner. Bis auf Niklas Hoheneder, mit dem sie in der Kürze der Rückrundenzeit noch nicht das Vergnügen hatten. Alle anderen Spieler agierten mit maximal vier Partnern.

Die Top-Mittelfeld-Duos laut Daten (die wie immer mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt wurden, aber ohne Gewähr sind) heißen Bastian Schulz/ Tom Geißler und Bastian Schulz/ Timo Rost. Gerade letztere hatte ich als prägendes Duo der Hinserie gar nicht mehr auf dem Schirm. Danach folgt mit großem Abstand das Duo der Stunde bestehend aus Tom Geißler und Henrik Ernst, die in der Rückrunde das Vertrauen bekommen haben. Und erst auf Platz vier kommen jene zwei Spieler, die im DFB-Pokal noch starten durften und die man (vor der Verpflichtung von Bastian Schulz) ein bisschen als Stammduo erwartete, die aber in der Regionalliga zusammen lediglich 148 Minuten gesammelt haben.

Ich persönlich finde es am erstaunlichsten, dass es eigentlich (noch) zu keinem Duo ein positives Aha-Gefühl gibt. Alle hatten so ihre Stärken und Schwächen und ihre jeweiligen Phasen. Bei keinem hat man aber das Gefühl (bzw. nicht mehr), dass es zu 100% (oder zumindest zu 95%) passt. Ob das nun daran liegt, dass die Position zu üppig besetzt ist oder daran, dass die Spielertypen nicht zusammenpassen oder daran, dass sie individuell nicht über einen längeren Zeitraum ihre Leistungen abrufen, weiß ich nicht. Ich vermute aber, dass die Personalpolitik einen zumindest kleinen Anteil an der unfertigen Situation im Mittelfeld hat.

Fazit: Mit Hoheneder gibt es im zentral-defensiven Mittelfeld einen neuen Konkurrenten, den man da nicht erwartet hatte und der verdeutlicht, dass die perfekte Besetzung der Mittelfeldschaltstellen noch immer nicht gefunden wurde. Ruhe dürfte angesichts des üppigen Kaders aber auch zukünftig nicht einkehren. Muss es ja aber vielleicht auch nicht.

flattr this!

2 Responses to “Mittelfeldgedränge”

  1. Ballsalat sagt:

    Ich gebe es zu, dass ich laut gelacht habe, als die LVZ vor zwei, drei Wochen in ihrer Online-Version in irgendeinem Artikel (den ich nicht mehr finde) davon sprach, dass Niklas Hoheneder sein Debüt bei RB Leipzig im defensiven Mittelfeld feiern könnte. Nicht nur mir kam das offenbar absurd vor, denn auch die LVZ-Redaktion änderte die Passage kurz danach in die Aussage um, dass er möglicherweise in der Viererkette der Abwehr Einsatzzeit bekomme.

    Wenn man einmal den Bloggern glaubt! Passiert denen nie wieder, wetten? (-:

  2. rotebrauseblogger sagt:

    Bei Wetten muss man immer die Gegenposition einnehmen, stimmts? Nein, dann möchte ich nicht wetten..

Leave a Reply

rotebrauseblogger unterstützen