Straflosigkeit

Warum sollte ich die Jungs bestrafen? Die sind gestraft genug. (Peter Pacult in der heutigen LVZ.)

Der Herr Chefcoach hat mit dieser Aussage nach dem Sachsenpokalaus in Zwickau – wie desöfteren – recht. Weil:

Natürlich wären wir gerne eine Runde weiter gekommen. Aber ich kann der Mannschaft nicht vorwerfen, dass sie nicht gewollt hat. Zwickau hat dreimal aufs Tor geschossen, wir haben sie zu zwei Toren eingeladen. Und dann kann ein Regionalligist beim Ersten der Oberliga ein Spiel verlieren.

Und genau dies macht die Niederlage (ähnlich wie das Unentschieden in Havelse) so bitter und ärgerlich (hoffentlich auch für die Spieler). Dass man sie sich durch zwei Nachlässigkeiten praktisch komplett selbst eingebrockt hat. Wäre das nicht passiert, dann hätte RB Leipzig sicherlich immer noch nicht überragend gespielt, aber man hätte das Spiel wohl als routinierten 1:0-Sieg abgehakt. Einmal in Fahrt lässt sich Peter Pacult dann aber noch zu einer kleinen Polemik hinreißen:

Warum hat RB 2011 den Cup gewonnen? Weil Dynamo Dresden im Halbfinale die zweite Mannschaft geschickt hat.

Nun ja, werter sportlicher Oberhirte von RB Leipzig oder in ihren Worten Red Bull Leipzig, das ist zwar polemisch, bleibt aber trotzdem falsch. Den Sachsenpokal hat man letzte Saison gewonnen, weil man – und dies in ganz offensichtlichem Widerspruch zum Zwickau-Auftritt – in fünf Spielen keine relevanten defensiven Nachlässigkeiten und Klopse eingebaut hat. Keines der Spiele war ein spielkultureller Leckerbissen, aber alle waren effektiver, körperlich-robuster, dem jeweiligen Gegner angepasster Fußball. Und von den Gegnern waren gleich drei Kompaktunderdogs aus derselben Oberliga, aus der auch Zwickau kommt. Nämlich Budissa Bautzen, FC Sachsen Leipzig und VfB Auerbach. Teams gegen die man (nicht nur) an schlechten Tagen immer verlieren kann. Teams, denen man aber die Siege nicht auch noch selbst auflegt. Wenn sie den Favoriten schlagen wollen, sollen sie das gefälligst aus eigener Kraft schaffen. Und genau das haben die Gegner letztes Jahr nicht geschafft. Bei nur einem Gegentor haben den RasenBallsportlern jeweils zwei selbst geschossene Treffer in insgesamt ausgeglichenen Spielen gereicht. Weswegen Daniel Frahn via BILD zurecht leicht genervt bemerkt:

Wir können nicht jedes mal vorne drei Tore schießen.

Und ganz nebenbei, auch Dynamo kann man natürlich nachträglich zu einer Zweitmannschaft abkanzeln, allerdings kamen sie damals mit einem Profiergänzungskader mit hohem Oberliga-U23-Anteil nach Leipzig. Eine Mannschaft mit schlechterem Regionalliganiveau. Eine Mannschaft, die man in einem Sachsenpokal-Halbfinale zu Hause zwar schlagen muss, die aber nun auch keine Thekenmannschaft ist. Eine Mannschaft mithin, die damals von Maik Wagefeld angeführt wurde, jenem Spieler, der nun in Halle zu einer ganz zentralen Figur geworden ist. Will nur sagen, dass man tunlichst vermeiden sollte, das Ausscheiden in diesem Jahr dadurch schönzureden, dass man den Pokalsieg letztes Jahr schlechtredet.

Ich vermute, dass man den RasenBallsportlern die zwei sieglosen Spiele in Folge am Sonntag gegen den VfB Lübeck anmerken wird. Ob sie sie abschütteln können, wird sich zeigen. Mir würde ein 1:0-Arbeitssieg jedenfalls auch völlig ausreichen. Denn es geht in diesem Spiel nicht um so nen Quatsch wie Wiedergutmachung und schon gar nicht darum durch eine Gala, die selbstverschuldeten Ergebnisse der zwei letzten Spiele vergessen zu lassen. Nein, es geht schlicht und einfach um drei für Tabelle und Ego ganz wichtige Punkte und um das dafür nötige Engagement – möglichst ohne Defensivaussetzer. Ich freu mich jedenfalls schon sehr darauf.

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3 Gedanken zu „Straflosigkeit“

  1. Mir reicht ein 1:0 am Sonntag definitiv nicht, im mdr-Tippspiel tippe ich zunächst gegen RB, damit der Tag überhaupt noch Sinn macht, so oder so.
    Lok im Nacken und die anderen (Kiel und Halle) voraus, wir werden es, so hoffe ich, trotzdem irgendwie packen.
    Sollten wir aufsteigen, so bin ich der Erste, der zu Kreuze kriecht, aktuell bin ich Anti-P.P., insbesondere wegen der PK in Zwickau, so schadet man dem Verein mehr als bei einer sportlichen Niederlage, welche immer möglich ist.
    Angefressen – „henne“.
    P.S.: Ich kann den Anpfiff kaum erwarten…

  2. Weitestgehende Zustimmung, aber die Chancenaufrechnung ist imho ein schlechter Einstieg. Soweit ich es gehört/gelesen habe war das Spiel doch eher ausgeglichen mit zeitweisen Drangphasen von beiden Mannschaften. Durch das Nichtnachfragen/Spielberichtsanalyse kommt der Eindruck auf das hier der Underdog aus drei Chancen zwei Tore macht und Rasenballsport trotz drückender Überlegenheit nur eins.

  3. Das mit der Chancenaufrechnung mag einen falschen Eindruck hinterlassen, aber dass das Spiel insgesamt ein nicht unverdientes Ende nahm, weil in der Partie beide Seiten ihre guten Phasen hatten, hatte ich ja schon im Spielbericht erwähnt. Trotzdem bleibt der Fakt, dass Zwickau offenbar nur drei mal aufs Tor geschossen hat. Sprich, eigentlich hat man als Mannschaft nicht so viel falsch gemacht, wenn man den Gegner 90 Minuten lang so gut vom eigenen Strafraum fernhält, dass er nicht zu Chancen kommt. Drangphasen hin oder her, aber das würde ich als Qualität sehen.

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