Regionalliga: TSV Havelse vs. RB Leipzig 1:1

Es ist schon komisch. Da wird vor Rückrundenstart bei RB Leipzig die Story von den 16 Endspielen bemüht und nachdem bereits in Episode zwei ein Rückschlag zu verzeichnen ist, nimmt man das ganze mit einer Ruhe zur Kenntnis, die man nicht erwartet hätte. Mit dem 1:1 könne man letztlich gut leben, bemerkte bspw. Peter Pacult nach dem Spiel.

Mag sein, dass ein 1:1, das man sich durch ein Tor in der Nachspielzeit erkämpft, letztlich ein Punktgewinn für RB Leipzig ist. Mag sein, dass in Havelse zu spielen, unangenehm ist und man dort auch mal Punkte liegen lassen kann, wie schon der HFC in der Hinrunde beim 0:3 erkennen musste. Und auch Kiel kam dort nur mit Ach und Krach zu drei Punkten. Mag sein, dass man kämpferisch alles in die Waagschale geworfen hat und dass es auf miesem Boden für die spielerisch bessere Mannschaft immer auch schwierig ist.

Es mag also sein, dass ein 1:1 in Havelse in vielen Fällen ein durchaus annehmbares Ergebnis ist, mit dem sich leben lässt. Im konkreten Fall – Endspiel 2 von 16 – kann dem aber nicht ernsthaft so sein. Es ist eher unverständlich, dass man in einem sogenannten Aufstiegsendspiel bereits nach sechs Minuten zurück liegt und genaugenommen auch schon 0:2 zurückliegen könnte, also offenbar den Spielbeginn verpennt.

Viel schwerer wiegt allerdings, dass es RB Leipzig nach dem 8:2-Ausrufezeichen von letzte Woche verpasst hat, noch einmal nachzulegen und so auch gleich die Tabellenführung verspielt wurde. Klar, es sind noch 14 Spiele und die Abstände gering, aber das psychologische Momentum liegt nun erstmal bei der Gegnerschaft, die nach der letzten Woche kurz aufhorchten und sich eventuell schon fragten, ob RB in der Rückrunde von irgendjemandem zu stoppen sein würde. Nun weiß man in Kiel und Halle schon wieder genau, dass man mit der David-Goliath-Story im Rücken gegen einen Favoriten kämpft, der nicht unschlagbar ist. Und RB Leipzig läuft schon wieder mal hinterher.

Es wurde vor der Saison bei RB viel von Druck erzählt, den die Konkurrenz schon auch noch irgendwann verspüren und deswegen Punkte liegen lassen werde. Im Moment baut sich in Kiel und Halle gar kein Druck auf, nur große Lust. Druck hätte man gehabt, wenn man mal ein paar Wochen am Stück hinterher gelaufen wäre und trotz Siegen keine Punkte gut gemacht hätte. Aus diesem Grund ist das 1:1 ein Ergebnis, mit dem man eben nicht irgendwie zufrieden sein kann.

Das Spiel selbst sah wie gesagt ein schnelles 0:1, nach dem die RasenBallsportler permanent bemüht kämpften, aber ohne das letzte Quentchen Glück, Können und Durchsetzungsvermögen agierten. Schade, dass Marcus Hoffmann nicht eine seiner Großchancen (insbesondere gleich nach 10 Minuten) im Tor unterbringt. Das Spiel wäre, wenn die RasenBallsportler z.B. mit einem Unentschieden in die Pause gehen sicher anders gelaufen.

Schade auch, dass Stefan Kutschke sich nach 75 Minuten eine rote Karte nach Tätlichkeit einfing, die er selbst offenbar nicht so gesehen, sich aber laut Gegenspieler zu 100% verdient hatte. Wenn man Stefan Kutschke die letzten 18 Monate hat Fußball spielen sehen, dann wundert man sich jedenfalls nicht, dass ihn mal ein Schiedsrichter direkt vom Platz stellt. Und wer Stefan Kutschke beim Testspiel (!) gegen Schöneiche übermotiviert hat den Verteidiger ummähen sehen und ihn danach den pfeifenden Schiedsrichter hat anmotzen hören, konnte wohl so eine Geschichte wie gestern fast ahnen. Beim Stand von 0:1 im selbstausgerufenen Endspiel eher eine dusslige und komplett überflüssige Geschichte.

Bemerkenswert auch alle drei Wechsel. Zuerst mussten ausgerechnet Roman Wallner und Timo Röttger für Stefan Kutschke und Carsten Kammlott weichen. Auch wenn den Augenzeugen zufolge die Auswechslungen sportlich absolut nachvollziehbar waren, ist dies bemerkenswert. Denn mit Wallner und Röttger wurden zwei Spieler ausgewechselt, die immer – und so auch an schlechten Tagen – in der Lage sind, Offensivgefahr zu kreieren, den Ball mal gegen mehrere Gegenspieler zu behaupten und einem Mitspieler aufzulegen, Spieler mithin, die man als Unterschiedsspieler bezeichnen könnte. Spieler, die eventuell auch in den letzten 20 Minuten noch mal ein, zwei Highlights hätten setzen können. Dass beide 40 bzw. 30 Minuten lang auf der Bank schmoren mussten, halte ich ganz grundsätzlich für zu viel.

Peter Pacult entschied sich aber früh für den kampfstarken und den Bodenverhältnissen eventuell besser angepassten Kutschke, der aber die Sache mit dem Kämpfen übertrieb und für Carsten Kammlott, der wegen eigener schwacher Leistung, aber vor allem wegen der roten Karte von Stefan Kutschke vom Platz musste. Denn als Ersatz für den kopfballstarken Kutschke brauchte Peter Pacult in den letzten 10 Minuten den auch sehr großen Niklas Hoheneder, eigentlich Innenverteidiger. Stichwort alles in die Waagschale. Pech für Kammlott, der dann auch noch auf dem Weg nach draußen die ausgestreckte Hand von Hohenender ignorierte. Wie sagte es Uli Hoeneß so schön letzte Woche: „Hört doch auf mit eurem Scheiß-Handschlag.“ Recht hat er. Wer gefrustet vom Platz geht, sollte gefrustet sein dürfen.

In der 90. Minute dann verwandelte Daniel Frahn einen berechtigten Foulelfmeter nach eher weniger klugem Einsteigen eines Havelsers an der Torauslinie zum alles in allem gerechten Unentschieden. Die Havelser können sich vielleicht ärgern nicht vorher das 2:0 gemacht zu haben. Ein zweiter Treffer in der ersten Halbzeit wurde wegen Torwartbehinderung aber zurecht nicht gegeben. Die RasenBallsportler können sich ärgern, dass sie erst nach 10 Minuten im Spiel waren und nicht früher den Ausgleich gemacht haben.

Fazit: Man sollte nach dem 1:1 nicht den Fehler machen, alles in Grund und Boden zu reden. Nicht alles, was letzten Woche super war, ist diese Woche schlecht. Trotzdem sind die zwei verlorenen Punkte extrem ärgerlich, weil man sich nun wieder selbst extrem unter Zugzwang gesetzt hat. Klar kann man feststellen, dass man nach dem Spielverlauf gut mit dem Punkt leben kann. Stellt man das aber noch zwei, drei Mal fest, dann wird man auch bald feststellen, dass der Aufstiegszug nur noch die Konkurrenz befördert. Hoffentlich fährt das nun auch dem letzten ein. Schon zum Sachsenpokal-Viertelfinale am Mittwoch in Zwickau kann man sich wieder neu beweisen. Dürfte so ähnlich wie in Havelse sein, nur mit viel mehr Publikum. Ein Pokal-Fight mit völlig offenem Ausgang.

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Tore: 1:0 Beismann (6.), 1:1 Frahn (90./ FE)

Aufstellung: Borel – Müller, Hoffmann, Franke, Wisio – Röttger (61. Kammlott, 80. Hoheneder), Ernst, Geißler, Rockenbach – Wallner (52. Kutschke), Frahn

Zuschauer: 725 (150 Leipziger)

Links: RBL-Bericht [broken Link], RBL-Liveticker [broken Link], RB-Fans-Bericht, MDR-Bericht [broken Link], Havelse-Bericht

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7 Gedanken zu „Regionalliga: TSV Havelse vs. RB Leipzig 1:1“

  1. Na aber hallo,
    das klingt aber diesmal ziemlich angefressen im Unterschied zu den ansonsten sachlich- analytischen Kommentaren.
    Jeder, der selbst einmal ein solches Mannschftsspiel betrieben hat, weiß, dass es solche Tage eben gibt. Das ist doch aber genau das, was z.B. Fußball soooo spannend macht. Wenn es anders wäre, würde Brasilien immer Weltmeister und Bayern würde immer Meister.
    Übrigens schweißen solche Erlebnisse enger zusammen. Abgehobene Einzelkönner haben zum Glück bei P.P. nichts zu suchen.

  2. Naja, angefressen würde ich es nicht nennen. Und auch ich bin sehr, sehr weit davon entfernt zu behaupten, dass der hohe Etat den niedrigen Etat immer schlagen muss. Und ich bin auch sehr, sehr weit davon entfernt, die permanente Gala zu erwarten. Nur finde ich Diskrepanz zwischen Endspiel-Behauptung (es geht in jedem Spiel um alles) einerseits und relativ zufriedener Ruhe nach zwei verlorenen Punkten erstaunlich. Manchmal hat man das Gefühl, dass noch nicht ganz klar ist, worauf dieser Dreikampf hinauslaufen kann. Bei Chemnitz hat man letztes Jahr auch solange erklärt, dass die noch einbrechen werden, bis es zu spät war. Nun hat man gleich zwei Konkurrenten, die die Qualität haben, eine ziemlich lange Siegesserie hinzulegen und noch Heimspiele gegen RB haben. Klar, nach menschlichem Ermessen gewinnen sie auch nicht 14 Spiele am Stück, aber es ist auch nicht unrealistisch, dass sie nur sehr, sehr wenige Punktverluste kassieren werden. Es zählt in der Rückrunde jeder Punkt, von daher kann der aus Havelse auch noch was wert sein. Im Moment sind es nur zwei verlorene Punkte. Dass darüber (bis auf Marcus Hoffmann) kaum jemand richtig sauer zu sein scheint, stimmt mich etwas nachdenklich.

  3. Also ich denke schon das intern bei RBL alle angefressen sind – ob es nun die frühe Führung des TSV war oder die ungenauigkeit im Abschluß – Stichwort: was mache Rocke zur Zeit – schießt wie Flasche leer 😉 – also nach dem was ich so sehen lesen und hören konnte wäre hier auch ein 4:4 oder 4:5 drinne gewesen aber auch ein dreckiges 1:2 oder 2:3 – man sollte nicht alles so schlecht reden das Spiel selber war es laut Augenzeugen jedenfalls nicht nur eben der Abschluß – Hoffeman mit Zwei super Chancen hier alles klar zu machen – Rocke mit Gefühlten 10 Torschüssen die allesamt nicht im Tor untergebracht wurden sind da nur einige Augenmerke.
    Ich denke die Tatsache das Halle hier in einer Hochphase 0:3 verloren hat und Kiel mit viel Glück 1:2 gewann zeigt schon das es in Havelse nicht mit rechten Dingen zugeht – seis der Acker oder die kürze des Spielfeldes…
    Ich denke das insgesamt gesehen dies auch ein Grund war, warum Pacult relativ ruhig das ganze abgehakt hat ,als geradeso nochmal naja nicht gut gegangen aber auch kein Totalausfall.

    Und wenn man doch noch wenigstens etwas positives dem Abgewinnen will dann sind wir zumindest auf fremden Plätzen immer noch ungeschlagen! – das ist ja auch schon was 🙂

    in diesem Sinne: freuen wir uns auf ein besseres Spiel in der RBA gegen Lübeck und Haken den TSV ab, so dass sie am Wochenende sich Kiel genauso gegenüber stellen und auch ein paar Punkte klauen

  4. Mir geht es auch tatsächlich gar nicht darum, Spiel und Leistung und Mannschaft zu zerreißen und in Grund und Boden zu schreiben (könnte ich auch gar nicht aufgrund von unentschuldigtem Fehlen), aber ich ÄRGERE mich tatsächlich. Nicht weil ich als ‚Eventfan‘ jede Woche mindestens vier Tore erwarte, sondern weil mit dem Unentschieden eine sehr gute Ausgangsposition gegen ein sportlich gute, psychologisch aber schlechte Ausgangsposition eingetauscht wurde. Und tatsächlich glaube ich, dass Havelse über die Rückrunde hinweg nicht der größte Prüfstein sein wird..

  5. Ich möchte mal anmerken, daß auch wenn sie sich gerne hinter RB verstecken, für Kiel und Halle der gleiche, wenn nicht sogar größerer Druck besteht aufzusteigen. Klar können sie locker auf den Ligakrösus verweisen und es nimmt ihnen keiner krumm ein paar Punkte hinten dran zu sein, aber auch sie stünden bei Nichtaufstieg der nocheinmal schwereren Aufgabe nächste Saison gegenüber. Dazu kommen deutlich begrenztere finanzielle Möglichkeiten, die im Falle des Nichtaufstiegs leicht zum Verlust von Leistungsträgern führen könnten. Ist natürlich schwer in diese Kerbe reinzuhauen ohne angezählt, dünnhäutig oder so rüberzukommen. Klar ist RB Favorit. Ist auch richtig das so anzuerkennen und diese Rolle anzunehmen, aber Kiel und Halle können definitiv nicht einfach aus Spaß an der Freude im Schatten Goliaths drauflosspielen. Um so ärgerlicher, daß RBL immer wieder die Gelegenheit versäumt durch konstant gute Leistungen diesen Druck zu potenzieren.

    Ich meine das war jetzt der zehnte 0:1 Rückstand im 20. Spiel. Trotzdem ganz oben dabei zu sein zeigt wie überlegen RBL eigentlich ist. Zeigt aber auch wie viel man duch die dauernden Fehlstarts (wie offenbar auch in Havelse wieder – in der Tat unentschuldbar angesichts des Vorwissens über die Probleme von Halle und Kiel) verschenkt. Stellt man das nicht ab, steigt man auch nicht auf.

  6. Ich glaube man wird erst in ein paar Wochen erkennen, welche Auswirkungen dieses Unentschieden überhaupt hat (mal abgesehen von den zwei fehlenden Punkten) . Wie geht das Team zum Beispiel damit um, kommt jetzt die große Unsicherheit oder gibt es eine „Trotzreaktion“? Und wie spielt die Konkurrenz in den nächsten Wochen?

    Denn eines ist wohl sicher, die Damen und Herren in Fuschl am See erwarten für dieses Jahr garantiert den Aufstieg. Die Transfers im Winter haben wohl auch noch einmal gezeigt, welchen Stellenwert das Projekt im Hause Red Bull hat.
    Aber eines ist sicher, RB darf sich nicht zu viele Unentschieden leisten, sonst wird es eng.

  7. Die Art und Weise des Zustandekommens der gefühlten Niederlage nervt und insbesondere die Gleichgültigkeit von P.P. – dem „scheinbar Unantastbaren“. Wo ist der Gegenpol im Verein, welcher Pacult mal contra oder auch eine Empfehlung gibt?
    Die Auswechslung von Wallner ist unverzeihbar, wenn am Ende ein oder zwei Punkte fehlen sollten.
    Bei Nichtaufstieg ist Pacult definitiv diesen begehrten Job los, bei Mißerfolg ohne bedingungslosen Einsatz kennt auch D.M. keine Freunde.
    Ich bin also voller Übereinstimmung mit „rotebrauseblogger“, allerdings bin ich extrem angefressen, auch wenn ich nicht dabei war.
    Die Baupausen am Cottaweg und in der RBA (wo bleibt die vor langer Zeit angekündigte neue Bestuhlung?) beunruhigen mich etwas…

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