Wege zur Krone: RB Leipzig vor dem Start der Rückrunde

Auch wenn ein enges Saisonfinale spannender wäre, glaube ich, dass RB Leipzig frühzeitig als Aufsteiger feststehen wird. (Leipziger Fußball 2011/2012/ 05.08.2011)

Klingt ein bisschen nach Pfeifen im Walde, was ich da vor der Saison fröhlich vor mich hinprognostizierte. Wenn man sich die aktuelle Tabelle nach Spieltag 18 in Erinnerung ruft, bleibt davon jedenfalls nicht mehr viel übrig. Drei Punkte trennen RB Leipzig aktuell vom Tabellendritten Hallescher FC.

Es dürfte angesichts der Tatsache, dass es in der Regionalliga Nord dank Nichtabstieg für 15 Mannschaften um nichts mehr geht und man gegen diese eher keine Punkte verlieren wird/ darf, ein ziemlich heftiges Hauen und Stechen des Toptrios um den Aufstiegsplatz geben. Nicht zuletzt, weil es das letzte Jahr ist, in dem man ohne zusätzliche Relegation aufsteigen kann. Halles Trainer Sven Köhler hat bereits verlauten lassen, dass man in der Rückrunde hart um den Aufstieg kämpfen wird. Und in Kiel hat man am Rande des DFB-Pokalviertelfinales keine Möglichkeit ausgelassen zu betonen, dass der Aufstieg in die dritte Liga sehr viel wichtiger sei als der Pokal.

Witzigerweise hatte der ARD-Fernsehkommentar zum DFB-Pokal in Sachunkenntnis sinngemäß behauptet, dass Holstein Kiel sowieso viel zu gut besetzt sei für die Regionalliga. Was tendenziell stimmen mag, aber mit der beiliegenden Konnontation, dass es nur bei ihnen liegt aufzusteigen, eben auch wieder falsch ist. Die Regionalliga Nord ist ein höchst undankbarer Kanten Brot mit drei Mannschaften, die mit ihren je eigenen Stärken ziemlich auf Augenhöhe agieren und dabei in jedem Fall schon jetzt allesamt drittligareif agieren. Aber es ist wie es ist, es kann nur einen geben. Und die zwei anderen müssen sich dann weiter Regionalligisten nennen.

Weswegen Peter Pacult und Co unter der Maßgabe viele Eventualitäten auszuschließen und die Chancen zu erhöhen, vor Rückrundenbeginn noch mal zugeschlagen haben und den Kader mit Roman Wallner, Niklas Hoheneder und Tomasz Wisio zielgerichtet, aber deutlich verstärkt haben. Das führt einerseits zu einem sehr ausgeglichen und bis mindestens runter zur Nummer 20 exzellent besetzten Kader. Andererseits besteht die nicht geringe Gefahr, dass die leicht veränderte Mannschaft wieder erst einmal vier, fünf Spiele braucht, bevor sie richtig loslegen kann. Könnte sein, dass man so viele Spiele Anlauf nicht kriegen wird.

Es bedeutet in jedem Fall, dass die Favoritenrolle noch deutlicher als schon vor der Saison bei RB Leipzig liegt. Holstein Kiel hat im Gegensatz zu RB nämlich komplett auf Neuverpflichtungen verzichtet (und musste mit dem langfristigen Ausfall von Offensivkraft Tim Siedschlag sogar einen herben Verlust hinnehmen) und beim Halleschen FC hat man mit Angelo Hauk lediglich einen alten Bekannten für den Sturm verpflichtet. Schlägt diese Verpflichtung ein und spielt er so, wie er dies schon vor einem Jahr in Halle tat, dann könnten die Hallenser als eingespielteste der drei Mannschaften ein ganz unangenehmer Gegner werden. Trotzdem, kadertechnisch ist RB Leipzig sicherlich noch konkurrenzloser als schon in der Hinserie.

Dass es aber nicht nur um den Kader, sondern auch um bspw. Psychologie, Spieltaktik, Eingespieltheit und das Quentchen Glück geht, dürfte allgemein bekannt sein. Psychologie (der Underdogs) und auch Eingespieltheit würde ich als Vorteile einfach mal nach Halle und Kiel weiterreichen. Und spieltaktisch muss man sehen, inwieweit RB durch die Verpflichtung Wallners flexibler geworden ist oder ob es weiterhin vorwiegend darauf hinausläuft, dass die Außen den Ball bekommen und man dann guckt, dass die sich durchsetzen und Bälle auf die Köpfe der Angreifer platzieren. Wird RB flexibler und weniger ausrechenbar, erhöhen sich die Chancen der RasenBallsportler, das Glück auf die eigene Seite zu ziehen, erheblich.

Aus den Vorbereitungsspielen kann man diesbezüglich noch wenig ablesen. In insgesamt acht Spielen blieb man zwar ohne Niederlage, gewann immerhin sechs und schoss stolze 30 Tore. Allerdings waren nur die Partien gegen Trier und Innsbruck von erhöhtem sportlichem Wert. Und beide endeten Unentschieden. Wobei der Test gegen Trier 45 Minuten lang sehr hochklassig aussah. Das abschließende Testspiel gegen Linz mit allen Neuzugängen war dagegen trotz Sieg eher ein kleiner Dämpfer für alle, die auf einen entscheidenden, spieltaktischen Durchbruch in der Winterpause hofften. Insgesamt war die Vorbereitung sicherlich eine gute, auch wenn sie angesichts der erst spät im Januar verpflichteten Neuzugänge noch ein, zwei Wochen länger hätte dauern dürfen. Was sie sportlich wert war, wird sich allerdings erst noch beweisen müssen.

Keine ganz unwichtige Rolle wird beim Unternehmen Aufstieg auch der Euphorie im Umfeld zukommen. In Halle und Kiel wird die Stimmung, solange man im Aufstiegsrennen bleibt, beflügelnd wirken. So wie sie das letztes Jahr schon in Chemnitz tat. Man kann das blöde finden, aber die öffentliche Erzählung vom Kampf der Davids gegen Goliath, der menschelnden Tradition gegen die unheimelige Moderne funktioniert ziemlich gut und ist ein motivierender und homogenisierender Faktor in Halle und Kiel. Leipzig ist im Gegensatz dazu eher für ein unruhiges (mediales) Umfeld bekannt. Womit man eventuell aber ganz gut leben kann, solange bei den Spielen selbst das Publikum seine Euphorie mit der Mannschaft zu teilen vermag. Dass zum Spiel nach Hamburg am Sonntag gleich zwei Busse geplant waren, ist ein recht gutes Zeichen dafür, dass die Unterstützung vom Spielfeldrand tragfähig sein könnte.

Letztlich sind die ganzen Prognosen und Vermutereinen natürlich auch egal. Was im Kern bleibt ist die langsam ansteigende Vorfreude auf die Rückrunde, auf einen spannenden Dreikampf und auf das Mitfiebern bei möglichst vielen Spielen. Die wird auch nicht weniger, wenn wie zu vermuten der Auftakt am Sonntag in Hamburg, beim HSV II einfach ins Wasser Eis fällt. Dann gibt es hoffentlich ein Ersatztestspiel zum weiteren Anheizen der Vorfreude hier in Leipzig und eine Woche später einen Heimauftakt gegen Wilhelmshaven. Könnte ich es mir aussuchen, dann würde ich diese Variante sogar bevorzugen.

Sei es wie es sei, es wartet eine großartige Rückrunde mit viel Spannung im Kampf um den Aufstieg. Läuft es ganz extrem, dann könnte die Entscheidung sogar erst am letzten Spieltag beim Auswärtsspiel in Halle treffen. Was nur bedingt optimal wäre, denn vor ausverkauftem Haus in Halle gegen hochmotivierte Gastgeber bestehen zu müssen, klingt schon eher ein wenig nach Lotterie. Könnte aber auch eine Situation sein, die Potenzial zum Vereinsmythos hat. Ich könnte trotzdem auf diese Zitterpartie verzichten.

Nicht vergessen soll hier auch der Sachsenpokal werden. Falls RB Leipzig am 29.02. den FSV Zwickau auswärts besiegen kann, wartet Anfang April das Duell der Duelle der jungen RB-Vereinsgeschichte gegen den Chemnitzer FC. Im Halbfinale. In der Red Bull Arena. Nur der Gewinner des Pokals darf im DFB-Pokal antreten. Großartiges Spiel. Chemnitz, Kiel, Halle. Ihre Eckpfeiler hat die Rückrunde schon. Jetzt gilt es nur noch, ihr auch Leben einzuhauchen und zum Schluss die Krone draufzusetzen. Schön wärs wirds.

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2 Gedanken zu „Wege zur Krone: RB Leipzig vor dem Start der Rückrunde“

  1. „In insgesamt acht Spielen blieb man zwar sechsmal sieglos und schoss stolze 30 Tore.“
    Kleiner Verschreiber…

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