Testspiel: RB Leipzig vs. Blau-Weiß Linz 4:1

Letztes Testspiel von RB Leipzig vor Beginn der Rückrunde. Die soll ja nächsten Sonntag beim Nachwuchs des Hamburger SV beginnen. Soll wohlgemerkt. Ich glaube da angesichts der arktischen Kälte und der knochenharten Böden noch nicht dran. Zumal wohl kaum jemand geneigt ist, Himmel und Hölle (und somit auch Geld) in Bewegung zu setzen, um den Spielort in Norderstedt im Norden Hamburgs spieltauglich herzurichten. Aber eventuell ist ein Auftakt mit einem Heimspiel gegen Wilhelmshaven eine Woche später sowieso die sinnigere Option für RB Leipzig.

Dies gilt nicht zuletzt deswegen, weil man im letzten Test gegen Blau-Weiß Linz deutlich gesehen hat, dass die Neuzugänge durchaus noch die eine oder andere Einheit mit der Mannschaft brauchen, um halbwegs als integriert bezeichnet werden zu können. Was auch nicht weiter überraschend ist, angesichts dessen, dass sie erst kurze Zeit bei RB Leipzig weilen und Wallner und Hoheneder gar zum ersten Mal im RB-Trikot aufliefen.

Bei Roman Wallner hat man erahnen können, welch gewichtige Rolle er für die Mannschaft spielen kann. Viel unterwegs war er und rechts, links und in der Mitte permanent anspielbar. Zumindest potenziell. In der Praxis fehlte es dann doch noch ziemlich an der Abstimmung mit seinen Mitspielern. Viele Pässe, die nicht zu ihm gelangten, weil sie einfach ein, zwei Sekunden zu spät gespielt wurden. Oft wurde der Ball erst auf Zuruf gespielt. Anders gesagt, Wallner wusste noch nicht recht, wie seine Mitspieler passen und die Mitspieler wussten noch nicht recht, wie Wallner läuft. So etwas braucht natürlich Zeit. Eine Woche vor Punktspielstart hat man die aber nicht mehr wirklich. Trotzdem hat man in einigen Situation die Klasse Wallners auch auf dem wichtigen Feld der Ballbehauptung aufblitzen sehen.

Tomasz Wisio wiederum wirkte auf seiner Position links hinten noch sehr in der Luft hängend. Insbesondere das Zusammenspiel mit Thiago Rockenbach klappte noch nicht wirklich, was insbesondere dadurch auffiel, weil auf rechts das Duo Müller/ Röttger hervorragend eingespielt wirkt. Auch hier darf man festhalten, dass das Zusammenspiel eben noch Zeit braucht und Wisio zumindest zeigte, dass mit ihm ein solider Linksverteidiger im Kader steht.

Negativ überraschend empfand ich die mangelnde Präsenz der Doppelsechs Ernst/ Lagerblom in den ersten 45 Minuten. Während diese im Test gegen Trier (das allerdings im 4-2-3-1 gespielt wurde) permanent anspielbar waren und die Bälle verteilten, gingen sie in diesem Test eher unter, sodass der Spielfluss immer wieder stockte oder man zum nicht zielführenden Mittel langer Ball griff. Viel Luft nach oben und aus meiner Sicht ein Rückschritt gegenüber dem Stand der Vorbereitung von vor zwei, drei Wochen.

Dadurch, dass Ernst und Lagerblom eher untergingen, fiel die engagierte Leistung von Tom Geißler nach der Pause umso mehr auf. Viel unterwegs, immer mit dem Versuch, die Situation offensiv zu lösen. Es könnte ein Fingerzeig gewesen sein, dass die Besetzung des zentralen Mittelfelds sich bis zum Punktspielstart noch einmal ändern könnte. Je nachdem, ob Lagerbloms Auswechslung zur Halbzeit einen Verletzungshintergrund hatte, müsste sowieso umgestellt werden. Die Tatsache, dass RB Leipzig ein paar Minuten mit zehn Spielern spielte, weil Tom Geißler erst aus dem Kabinentrakt geholt werden musste, verweist zumindest darauf, dass der Wechsel zu diesem Zeitpunkt nicht geplant war.

Sonst noch so: Timo Röttger wieder mal sehr wichtig. Ein Tor geschossen, eins vorbereitet, viel Einsatz. Weiterhin der ‚Unterschiedsspieler‘. Positiv auffällig auch Christian Müller. Unheimlich schnell, sehr dynamisch. Die rechte Seite könnte in der Rückrunde noch sehr viel Freude machen. Auffällig auch das hohe Engagement der Einwechselspieler generell, von denen kaum einer abfiel. Vor allem Geißler (wie gesagt), aber auch Watzka und Kammlott wussten durchaus zu gefallen. Aber auch alle anderen zeigten, dass Auswechslungen bei RB Leipzig kaum Substanzverlust bedeuten.

Bliebe noch Neuzugang Niklas Hoheneder, der 45 Minuten lang für Fabian Franke innenverteidigen durfte. Und dort unauffällig, weil selten gefordert, agierte. Was weder für ihn, aber erst recht nicht gegen ihn spricht. Sondern nur heißt, dass ich es nicht einschätzen kann. Auffällig nur, dass die Abstimmung mit Tim Sebastian, der ab der 63. Minute neben Hoheneder den Linksverteidiger spielen durfte (musste?) in einigen Situation gar nicht passte. Wird es wohl als Duo so auch nicht wirklich oft geben..

Aussagekräftig ja auch meistens, wer so alles nicht mitspielte. Dass Bastian Schulz erst ab der 61. Minute mitspielen durfte, zeigt beispielsweise, dass er derzeit von der Stammelf ein Stück weg ist. Dass Timo Rost nicht mal im Kader stand, lässt sich eigentlich nur durch eine Verletzung erklären. Dass Umut Kocin (verletzt), Paul Schinke und Steven Lewerenz auch nicht mitspielten, durfte man hingegen von vornherein erwarten.

Insgesamt erstaunlich, dass Peter Pacult doch derart stark durchwechselte. Aber auch ein Zeichen, dass die 19 Spieler, die da gestern zum Einsatz kamen, allesamt Chancen auf Einsatzzeiten haben. Manche bessere, manche schlechtere. Die, die am Anfang auf dem Platz standen, dürften jedenfalls auch in einer Woche in Hamburg oder falls es ausfällt in zwei Wochen gegen Wilhelmshaven auf dem Platz stehen. Wacklig ist nur die Besetzung des zentralen Mittelfelds und die Besetzung der zweiten Manndeckerposition neben Marcus Hoffmann. Der Rest der Plätze scheint vorerst vergeben und alles in allem macht es – nimmt man das 4-4-2 von Pacult als gegeben – auch Sinn.

Fazit: Es war verdammt kalt bei diesem letzten Test. Trotzdem hat das Zusehen Spaß gemacht, weil es insgesamt ein recht munteres und ansprechendes Spielchen auf schwierigem, weil rutschigem Boden war. Trotzdem bereitet die (natürlich) noch nicht vollzogene Integration der Neuzugänge und die mangelnde Spielkunst im defensiven Mittelfeld ein wenig Sorgen. Bleibt zu hoffen, dass die Baustellen in der Kürze der Zeit bis zum Rückrundenstart zumindest ansatzweise beseitigt werden.

Randbemerkung 1: Held des Tages sicher Pascal Borel, der in kurzen(!) Hosen seinen Kasten bewachte und sich auch nicht viel mehr bewegte als ich mit meinen vier Lagen Stoff.. Die Linzer spielten übrigens allesamt mit Jogginghosen..

Randbemerkung 2: Während der Verein auf seiner Homepage die Zuschauerzahl mit 562 angab, hatte die LVZ beim gleichen Spiel 250 gesehen. Während erstere den Kuriositätenpreis bekommen, war bei zweiteren die Optik eventuell ein wenig eingefrostet. Ich jedenfalls hätte etwa 400 geschätzt, wanke aber ein wenig, weil die 562 natürlich suggerieren, dass da jemand fleißig gezählt hätte..

———————————————————————-

Tore: 1:0 Röttger (41.), 2:0 Geißler (63.), 3:0 Kutschke (65.), 3:1 Hassler (70.), 4:1 Watzka (76.)

Aufstellung: Borel – Müller, Hoffmann, Franke (46. Hoheneder), Wisio (63. Sebastian) – Röttger (63. Watzka), Ernst (61. Schulz), Lagerblom (46. Geißler), Rockenbach (56. Heidinger) – Wallner (56. Kammlott), Frahn (56. Kutschke)

Zuschauer: 400

Links: RBL-Bericht [broken Link], RBL-Liveticker [broken Link], Linz-Bericht

Flattr this!

3 Gedanken zu „Testspiel: RB Leipzig vs. Blau-Weiß Linz 4:1“

  1. Deine Prognose für die Startelf in Hamburg oder gegen W’haven würde ich mal so unterschreiben, auch wenn ich mich nur auf Augenzeugenberichte anderer und die Kenntnis über die jeweiligen Testspielaufstellungen berufen kann. Franke/Hohenende je 45 Minuten neben Hoffmann 90 Minuten war sicher ein Zeichen, dass Hoffmann gesetzt ist und zwischen den beiden anderen eine Entscheidung fallen wird. Auf links würde ich auch eine enge Kiste zwischen Wisio und Kocin sehen, wenn letzterer nicht gerade verletzt wäre.

    Wenn ich deinen Einschätzungen zum zentralen Mittelfeld mal Glauben schenken darf, kann man da wohl auch gespannt sein, wer aus dem Kreise Geißler/Lagerblom/Ernst den Kürzeren zieht. Rost war zwar wegen der Roten Karte im Test zuvor gesperrt und nicht aus Leistungsgründen nicht dabei, dennoch schätze ich, dass er genau wie Schulz momentan kein Startelfkandidat ist. Ernst erscheint mir irgendwie auch gesetzt, also fällt die Entscheidung vermutlich zwischen Lagerblom und Geißler und da werden dann wohl die letzten Trainingseindrücke entscheiden oder die Frage, wer gegen eine spielstarke zweite Mannschaft, die sich nicht wie so viele andere nur hinten reinstellen wird, die bessere Option ist.

    Auf den restlichen Positionen ist alles klar. Spannend wird dann eher sein, wer es nicht auf die Bank schafft, denn ich sehe für die Rückrunde 20 Feldspieler (Schinke, Lewerenz, Laas, Buszkowiak, Rosin ohne Chance oder Gesundheit), die sich um zehn Start- und sechs Bankplätze streiten. Das dürfte sehr sehr interessant werden.

  2. Ah ok, dass Test-Rot auch Test-Sperre bedeutet war mir entgangen. Bei Ernst bin ich mir nach gestern gar nicht mehr sicher. Hat mir keinen sehr sicheren Eindruck gemacht. Ich hielte sogar ein Duo Schulz/ Geißler für denkbar. Sogar einen Innenverteidiger Ernst neben Hoffmann halte ich nicht für unmöglich. Mal gucken..

  3. Ernst war in der Hinrunde halt mehr oder weniger gesetzt, kann mir deswegen nicht so recht vorstellen, dass diese Testspiele für PP da schwerer wiegen als seine Eindrücke aus den wichtigen Spielen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.