Transfers: Roman Wallner, Tomasz Wisio, Niklas Hoheneder

Seit gestern abend 18 Uhr ist in Deutschland das Transferfenster wieder geschlossen. Transfers von Spielern, die anderswo noch einen Vertrag haben, sind demnach nicht mehr möglich. Was bedeutet, dass der Kader von RB Leipzig für die Rückrunde nun komplett sein dürfte. Dass man noch einen vertragslosen Spieler verpflichtet, glaube ich nicht und dass man heute oder morgen noch einen bereits abgeschlossenen Transfer verkündet, ist eher unwahrscheinlich.

Mit Roman Wallner, Tomasz Wisio und Niklas Hoheneder hat RB Leipzig viel nominelle Qualität verpflichtet und einige Lücken im Kader geschlossen. Nichts wurde es dagegen mit den ehemaligen Testspielern Andreas Dober und Nejc Skubic und mit den Gerüchten Maik Kegel und Christoph Kröpfl. Und Carsten Kammlott wird trotz Wallner-Verpflichtung auch in der Rückrunde für RB antreten bzw. vermutlich noch weniger antreten als schon in der Hinrunde.

Die spektakulärste der drei Neuverpflichtungen ist natürlich Roman Wallner. Marktwert 1.000.000 Euro. Ehemaliger östereichischer Nationalspieler (und ehemalig ist mit Mai 2010 noch nicht lange her). Für Red Bull Salzburg in zwei Jahren in 59 Spielen 26 Tore erzielt.

Ich habe zu Roman Wallner bereits fast alles geschrieben, was es zu schrieben gibt, als das Gerücht aufkam und bleibe dabei, dass Wallner eigentlich für die Regionalliga mit seiner Klasse überdimensioniert ist. Dass er trotzdem gekommen ist und laut Krone [broken Link] auf eine ursprünglich verlangte Ausstiegsklause bei Nichtaufstieg zu verzichten, spricht für ihn (und auch für den verzichtfordernden Peter Pacult), wenngleich ein Wallner natürlich auch andere Wege hat, aus einem laufenden Vertrag herauszukommen, als eine Ausstiegsklausel.

Roman Wallner macht für RB Leipzig genaugenommen sehr viel Sinn, da die ursprünglich mal vergerüchtete Idee einer Verpflichtung eines Spielmachers (Maik Kegel) offenbar gestorben ist. Wallner wird in einem 4-4-2 an der Seite Daniel Frahns das Offensivradikal sein, das in der Lage ist, die Lücke zu den beiden Sechsern ein wenig zu stopfen (als Spielmacherersatz ohne Spielmacher sein zu müssen). Er ist quasi die individuell bessere Variante zum Spielertyp Kammlott, den Pacult in der Vorbereitung getestet und einige Male an der Seite Frahns hat spielen lassen. Mit der Verpflichtung Wallners sind demnach nicht nur Carsten Kammlotts (und Stefan Kutschkes) Chancen auf Einsatzzeiten deutlich gesunken, auch die Idee Tom Geißler im 4-5-1 den Spielmacher geben zu lassen, kann man als abgehakt betrachten.

Wallner ist ein Puzzlestück, das für das offensive Zusammenspiel der RasenBallsportler ein entscheidendes werden könnte, irgendwo als eher hängende Spitze und Anspielstation in alle Richtungen. Inklusive eingebauter Torgefaht. Ehrlich, ich freue mich auf seine Klasse und bin gespannt, wie er sein Potenzial mit RB Leipzig auch auf den Rasen bekommt.

Es ist natürlich müßig, darüber zu diskutieren, warum Wallner kommt und auf die Europa League mit Salzburg verzichtet (auch wenn er dort vermutlich nur von der Bank aus zugesehen hätte). Mit (fast) 30 noch einmal einen langfristigen Vertrag zu unterschreiben (die LVZ kolportiert bis 2015) und dabei sicherlich ähnlich viel wie in Salzburg zu verdienen, dürfte sicherlich ein gewichtiges Argument gewesen sein, dass sich dann in den Ausspruch „Froh, dass ich in der Red-Bull-Familie bleiben kann“ (Homepage [broken Link]) übersetzt .

Egal wie, Wallner ist da und rein sportlich ist das überragend. Das einzige Problem, das ich sehe (außer der verpassten Vorbereitung), könnte darin liegen, dass Wallner mit seinem Gehalt, seiner Klasse und daraus resultierend dem Star-Status den eigentlich gut besetzten Kader von RB Leipzig ein Stückchen sprengt. Was eventuell dazu führt, dass ein paar andere Mitspieler nun ein, zwei Prozent nachlassen, ‚weil der Wallner ja da ist‘. Gruppenprozesse halt. Es kommt eine Art Star und unterbewusst schiebt der eine oder andere diesem die Verantwortung nach dem Motto ‚mit Wallner kann uns nichts mehr passieren‘ zu. Passiert das, dann verpufft der Transfer oder kippt ins Negative. Kriegt die Mannschaft den Wallner in der täglichen Arbeit von der Höhe eines medialen Stars herunter geholt, dann wird er ein Hauptgewinn.

Fazit: Die Verpflichtung von Roman Wallner ist sportlich betrachtet großartig und passt spieltaktisch hervorragend in das von Pacult präferierte 4-4-2. Ich freue mich auf eine Offensivabteilung mit ihm (Röttger, Rockenbach, Frahn, Wallner!), die vermutlich mancher Zweitligist gern hätte.

Neuzugang Nummer Zwei, der genaugenommen Neuzugang Nummer Eins, weil vor Wallner verpflichtet, war, heißt Tomasz Wisio, ist 30 Jahre alt und Linksverteidiger. In einer ersten, unreflektierten Reaktion drüben bei Twitter hatte ich mich ein wenig kritisch gezeigt, da bei einem Dreißigjährigen, der im Januar keinen Vertrag hat, meine Skepsis durchkam. Es klang auf Anhieb nicht nach einer Karriere, die ihren Höhepunkt noch vor sich hat.

Bei Tomasz Wisio ist das aber dann doch ein bisschen anders, hat er doch seinen Vertrag beim griechischen Erstligisten Diethnis Enosis Ergotelis im Januar wegen unregelmäßiger Gehaltszahlungen und weil er näher an der Familie (die derzeit noch in Österreich wohnt) wohnen wollte, aufgelöst. Vorher spielte er jahrelang in Österreichs und Griechenlands höchster Spielklasse und war in letzterer zuletzt Stammspieler.

Nach allem was man hört, sieht und liest, ist Wisio ein mindestens solider Linksverteidiger. Aufgrund der Tatsache, dass RB Leipzig für ihn eine Chance auf Rückkehr und Neuanfang ist, dürfte die ablösefreie Verpflichtung absolut Sinn machen. Zumal die Linksverteidigerposition zuletzt nur mit Umut Kocin und damit dünn besetzt war. Dass nun gleich ein Mann der Klasse Wisisos kommen musste, dürfte für Umut Kocin, der die Vorbereitung weitgehend verpasste, ein ziemliches Pech sein, da sein Stammplatz erst mal (und eventuell auf länger) futsch scheint. Wisio zu verpflichten, war wohl aufgrund der Umstände eine einmalige Gelegenheit, an der die sportliche Leitung von RB Leipzig nicht vorbeigehen wollte. Womit sie natürlich recht hat.

Fazit: Tomasz Wisio ist auf seiner Position für Regionalliga-Verhältnisse ein Topmann, der eine bestehende Kader-Lücke mehr als schließt. Auch auf Wisio darf man sich sicherlich sehr freuen.

Bleibt als letztes noch Niklas Hoheneder, ein 25jähriger Innenverteidiger mit österreichischem Pass. Eine Verpflichtung, die zuletzt (sprich gestern) erfolgte und die umstrittendste der Neuverpflichtungen sein dürfte. Hoheneder kommt vom Karlsruher SC und hat dort eine auf den ersten Blick recht ordentliche Leistungsbilanz. 13 Spiele, davon 12 von Beginn an klingen super. Dazu Champions League Quali und Europa League mit Sparta Prag und eine Menge Erfahrung aus Österreichs Bundesliga.

Ein Topmann würde man angesichts dessen sagen und irgendeine Qualität muss ihn auch dahin geführt haben. Die unrepräsentativen Stimmen im Karlsruher Forum und anderswo scheinen das aber ganz anders zu sehen. Insgesamt bekommt man den Eindruck als sei die Verbindung KSC – Hoheneder ein einziges Missverständnis gewesen. Was aber auch an der dürften Leistung der Gesamtmannschaft liegen könnte (das ja meist einzelnen Spielern angelastet wird). Neu-Coach Andersen jedenfalls hat für Hoheneder keine Verwendung mehr. Was für RB Leipzig – knüpft Hoheneder an alte Leistungsstärke an – ein Glücksfall sein könnte.

Fraglich natürlich, ob man bei RB Leipzig tatsächlich ausgerechnet einen Innenverteidiger brauchte. Zumindest hatte man nicht unbedingt mit einem solchen Spieler gerechnet (eher mit einem Rechtsverteidiger). Mit Hoffmann, Ernst, Franke und Sebastian hatte man eigentlich vier Innenverteidiger. Aber bei Henrik Ernst ist immer noch nicht klar, ob ihn Pacult nicht eher als Sechser sieht und bei Tim Sebastian könnte es darauf hinauslaufen, dass er wie in der Hinrunde eher den Rechtsverteidiger-Backup spielt. Was auch erklären würde, warum RB auf dieser Position trotz Probespielern (Dober, Skubic) keine Verpflichtung vornahm. Aus dieser Perspektive wäre Hoheneder neben Hoffmann, Franke und eventuell Ernst Innenverteidiger Nummer Drei bis Vier. Was keine Überbesetzung des Kaders auf dieser Position darstellen würde.

Vermutlich ist der Transfer von Hoheneder mit relativ geringem Risiko verbunden. Sein Vertrag läuft nur bis 2013, eine Ablöse dürfte nicht geflossen sein und das Gehaltsgefüge wird er auch nicht sprengen. Also versucht man es mit Hoheneder und wenn es nicht hinhaut, dann haut es eben nicht hin.

Fazit: Die Verpflichtung Hoheneders war überraschend, weil sie aus dem Nichts kam und weil man nicht mit einem Innenverteidiger gerechnet hatte. Sportliche Prognosen abzugeben, wäre wie in eine Glaskugel zu gucken. Alles scheint möglich. Nach oben wie nach unten.

Insgesamt muss man sagen, dass die drei Neuverpflichtungen den Kader von RB Leipzig in der Breite wie in der Spitze deutlich verbessert haben und die verbleibenden Lücken im Kader hochwertig geschlossen wurden. Der Marktwert – auch wenn dies ein unzureichender Beweis ist – der Mannschaft erhöhte sich mal eben um fast 2 Millionen Euro. Wohl dem, der das kann. Ob es auch sportlich funktioniert, muss sich dann trotzdem erst in der Praxis erweisen. Dass alle drei erst relativ spät verpflichtet wurden und das Trainingslager verpassten (einzig Wisio durfte ein paar Tage in der Türkei mitverbringen), darf man getrost als kleinen Wermutstropfen empfinden. Dass ein scheinbar herausragender Star wie Wallner das funktionierende Mannschaftsgefüge durcheinander bringt, könnte sich als einer herausstellen. Insgesamt darf man aber auch mal festhalten, dass die Wintertransferperiode mindestens zwei, vielleicht sogar drei absolut sinnige und nachvollziehbare Transfers gebracht hat, die bei schneller Integration die Chancen auf den Aufstieg deutlich verbessert haben.

Wie sagte Ex-Keeper Neuhaus mal? RB Leipzig ist eine nach oben weisende Treppe, die man aber aus eigener Kraft besteigen müsse, wenn man nicht unten stehen bleiben will? Mit dem Kader ist das so ähnlich. Der Kader und seine Besetzung weisen ausschließlich nach oben. Umsetzen müssen es die Beteiligten aber auf dem grünen Eckigen. Mit eigner, voller Kraft. Und natürlich mit der Unterstützung von ein paar Tausend Zuschauern drumherum. Klingt doch nach guten Voraussetzungen..

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