„Fußball ist richtig geil und macht Spaß“

Ein Video (broken Link) hält derzeit Teile der Online-Welt in Trab. Na klar, eines das mit RB Leipzig zu tun hat. Peinlich, lachhaft, hohl, zum fremdschämen, etc. Die Begrifflichkeiten, die dem Filmchen angehangen werden, sind in der Wortwahl eindeutig.

Es geht in dem Beitrag um die Rentnerin Karin, die zum ersten Mal zum Fußball geht. Zu RB Leipzig. In die Red Bull Arena. Und zwar nicht allein oder mit Freunden, sondern mit einer Kamera. Weil: Karin ist das Aushängeschild von „Karin auf Zack“ [broken Link], ein Format in dessen Rahmen sie regelmäßig irgendwelche Sachen macht, die man beim ausstrahlenden MDR offenbar für renteruntypisch hält (wie zum Beispiel ins Fitnessstudio gehen oder skypen). Gesendet werden die Schnipsel dann in der MDR-Sendung „hier ab vier“ [broken Link]. „Karin auf Zack“ ist also eine Sendung von einer Rentnerin für eine Rentnerin, quasi um die ältere Zielgruppe über Karin an einer Welt teilnehmen zu lassen, die der Zielgruppe sonst anscheinend nicht zugänglich wäre.

Das wäre, so wie 95% der Beiträge bei „hier ab vier“, alles nicht weiter von Belang, wenn es nicht um RB Leipzig ginge und online veröffentlich worden wäre. So ergießt sich in leichter Verzögerung (die Sendung ist ja schließlich schon fünf Tage alt) via diverser Online-Kanäle der Spott über Sendung, Protagonisten und Verein, weil aus Zuschauersicht offenbar alle gleichermaßen von der Sachunkenntis einer Bisher-noch-nicht-Fußballbesucherin negativ bestrahlt werden. Und Fußball ist doch schließlich was für coole Bescheidwisser und schon seit mindestens 15 Jahren das Abseits Verstandenhaber.

Ich persönlich hätte einen solchen Beitrag auch lieber in Halle oder Erfurt produziert gehabt. Doch „hier ab vier“ wird in Leipzig produziert und aus irgendnem Grund dachte der MDR, dass man das nicht bei allen Menschen und Fußballanhängern optimale Image von RB Leipzig durchaus mit einem Filmchen belasten kann, das gängige Ressentiments (keine echten Fans, Konsumenten) befriedigen kann. Mal abgesehen davon, dass die Szene mit Timo Rost und seiner Dose peinlich, weil konstruiert wirkt (was sie wahrscheinlich nicht mal ist, zumindest habe ich ihn an selber Stelle auch schon ohne Kameras aus Dosen trinken sehen, wenn er denn nicht mitspielte), darf man aber gerne einmal folgendes Gedankenspiel mitmachen:

Was wäre, wenn dieser Film vom MDR nicht mit einer unwissend staunenden Rentnerin und einer nicht sehr glücklich wirkenden Fanbeauftragten, sondern mit einem fünfjährigen und folglich auch unwissend staunenden Kind und einer glücklich wirkenden Fanbeauftragten gedreht hätte? Was wäre, wenn das Kind in Analogie zu Rentnerin Karin am Ende des Films mit voller Überzeugung „Fußball ist richtig geil und macht Spaß“ gerufen hätte? Und, um es auf die Spitze zu treiben: Was wäre gewesen, wenn das fünfjährige Kind im Stadionneubau in Halle gegen den ZFC Meuselwitz auf der Tribüne gestanden hätte? Wahrscheinlich wäre von der Zugkraft des Traditionsfußballs die Rede gewesen und davon, dass leuchtende Kinderaugen großartig sind..

Leuchtende Rentneraugen will dagegen niemand sehen. Und wenn sie im Zusammenhang mit RB Leipzig leuchten, kann es sich offenbar, so die coole Fußballfan-Fraktion, nur um Vollpfosten handeln. Der MDR-Film ist in seiner Machart nicht meins, aber ich toleriere und anerkenne Lebenswelten, die sich von den meinen pseudofußballcoolen Lebenswelten unterscheiden. Letztlich sagen die hämisch-coolen Reaktionen auf den Film sowieso mehr (und nicht viel gutes) über die Reagierenden aus als über den Film und die darin handelnden Personen.

(PS: Leider sperrt sich das Youtube-Video (broken Link) aufgrund der Einstellungen des Uploaders gegen das Eigebettetwerden. Da die Videos auf der MDR-Seite aber erfahrungsgemäß nach einer Woche, also sehr bald, vom Netz genommen werden, sei hier trotzdem auf Youtube und nicht auf den MDR selbst verwiesen.)

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16 Gedanken zu „„Fußball ist richtig geil und macht Spaß““

  1. Ein schöner Kommentar, der einen guten Gegenpunkt zu den in der Tat vielfach hämischen Reaktionen auf das Video bietet. Grundsätzlich pflichte ich Dir und Deinem Gedankenspiel bei; auch ich könnte mir vorstellen, dass das ganze bei einem kleinen Kind durchaus andere Reaktionen hervorgerufen hätte.
    Das Problem, was ich jedoch habe: Das in dem Video sind für mich keine ehrlichen, leuchtenden Rentneraugen. Das ganze erscheint von vorne bis hinten gescriptet, die Dialoge hölzern und wie vorher eingeprobt. An der Reaktion der Dame scheint mir nur weniges spontan, nicht nur die Begegnung mit Timo Rost. Wahre Begeisterung sieht für mich anders aus.

  2. Ich verstehe, worauf Du hinaus willst. Vielleicht liegt ja das Hölznerne auch ein Stückweit daran, dass wir es hier offenbar nicht mit einem jahrelangen Medienprofi, sondern mit einer aktiven Rentnerin zu tun haben, die die Kamera eventuell auch immer (noch) mitdenkt. Zudem kam mir „Karin“ (zumal im Vergleich mit der Fanbeauftragten) beim zweiten Mal angucken schon gar nicht mehr so hölzern vor, wie es beim ersten Mal wirkte. Klar werden da konkrete Szenen (Fanclub, VIP-Bereich, Abgang) auch in ihrer Art geplant gewesen sein, aber nun ja, dafür ist es dann eben auch Nachmittags-Regionalfernsehen..

  3. Inszeniert, klar. Aber mehr noch: Die Fanbeauftrage wirkt auf mich – da widerspreche ich dir -, als würde sie sich nicht wohl fühlen. Ist es tatsächlich etwas Besonderes, dass „Rentner“ zum Fußball gehen? Ich denke da an Opa Materne. Oder den Chemie-Opa, der seit 1951 auf der Tribüne sitzt. Sorry, vermutlich liegt es an dem ganzen Format: Es ist einfach nur peinlich.

  4. „Was wäre, wenn dieser Film vom MDR nicht mit einer unwissend staunenden Rentnerin und einer nicht sehr glücklich wirkenden Fanbeauftragten, sondern mit einem fünfjährigen und folglich auch unwissend staunenden Kind und einer glücklich wirkenden Fanbeauftragten gedreht hätte? Was wäre, wenn das Kind in Analogie zu Rentnerin Karin am Ende des Films mit voller Überzeugung “Fußball ist richtig geil und macht Spaß” gerufen hätte? Und, um es auf die Spitze zu treiben: Was wäre gewesen, wenn das fünfjährige Kind im Stadionneubau in Halle gegen den ZFC Meuselwitz auf der Tribüne gestanden hätte? Wahrscheinlich wäre von der Zugkraft des Traditionsfußballs die Rede gewesen und davon, dass leuchtende Kinderaugen großartig sind.“

    …und was wäre, wenn dieser Film vom MDR nicht mit einer unwissend staunenden Rentnerin und einer nicht sehr glücklich wirkenden Fanbeauftragten, sondern mit Bruce Willis und Julia Roberts gedreht worden wäre?

    Ich verstehe wirklich nicht, was Du mir/uns damit sagen willst. Dieser Beitrag spielt nun mal in Leipzig und nicht in Halle, ist nun mal albern und nicht besonders clever. Genau das – nicht mehr, nicht weniger – wird moniert.

    Kritikern per se Intoleranz vorzuwerfen, ist profan und durchschaubar.

    PS: Ich fand die Szene mit Timo Rost übrigens durchaus nett. Zwei sehr unterschiedliche Menschen, die sich für einen kurzen Moment locker und auf Augenhöhe begegnet sind. Das war dann aber auch die einzige, bei der ich mich nicht fremdgeschämt habe.

  5. Also auf mich wirkt das ganze Ding total inszeniert. Ich muss auch deiner These widersprechen, dass leuchtende Rentneraugen niemand sehen will.
    Ungeachtet dessen, dass sie nun gerade ein Spiel von RB besucht, ist das alles einfach zu schlecht gemacht!
    Ich denke das nahezu jeder weiß wie sich die 11 Mann im Fußball zusammensetzen, 10 Spieler, ein Torwart oder wenigstens alle auf dem Feld befindlichen Spieler, zählen würde.
    Auch die Begrüßung von einige Fans, das Treffen auf Timo Rost, die Reaktion nach dem Apfiff und die Dialoge an sich wirken doch sehr gekünstelt. Ich denke das da auch der MDR in der Lage ist bessere Dokumentationen zu drehen und so ein ehrliches Interesse am Fußballsport, dieser Karin, projezieren könnte.

    Die Fanbeauftragte wirkte in dem Film durchgehend sehr unglücklich, wie es Bastian bereits sagte, als würde sie sich nicht wohlfühlen. Mit der Frage was machts du als Fanbeauftragte und ihrer Antwort wurde es nur noch unglücklicher, vorallem der Satz die Fans sind ja so lieb, wirkte auf mich unpassend.
    Überhaupt das die Fanbeauftragte diese Karin begleitete und Zugang zu allen Bereichen des Stadions hat, finde ich unglücklich gewählt, da dies – meiner Meinung nach – das Aufgabenbild eines Fanbeauftragten arg verzerrt.
    Ich denke diese Begleitung hätte eher ein Pressebeauftragter des Vereines übernehmen sollen.

    Dies alles ungachtet dessen, das es sich um ein Spiel von RB dreht. Das war wirklich nicht gut, eher schlecht, das dann noch RB dazu kommt, heizt es natürlich noch zusätzlich an. Aber ich sage es nochmal, selbiges Format in der selben Umsätzung bei einem anderem Verein und ich wäre genau so entrüstet gewesen.

  6. @Stadioncheck @chaosblogger Vielleicht sollen wir noch über die Regie in den ZDF Hitparade und Musikantenstadl unterhalten? Weiß du genau, dass deine Kinder nicht über dich lustig machen werden, wenn du in dem Alter bist? Noch mal, das ist keine Sendung von RB oder für RB.

  7. Oder, um meine bisher noch nicht ausformulierten Bedenken mal zu konkretisieren: Mir geht es nicht darum, dass Oma Katrin jetzt mal für zwei Stunden ins Fußballstadion geht, statt ihrer üblichen Samstagnachmittagsbeschäftigung nachzugehen. Das ist mir doch völlig, naja, brause.
    Kritisch und peinlich ist vor allem die Tatsache, wie sich hier ein von öffentlichen Geldern finanziertes Organ vor den Karren eines Konzerns spannen lässt, so tut, als sei es Journalismus und vermutlich auch noch dafür kassiert (das ganze dann, natürlich, als „Produktionskostenhilfe“).

  8. Die MDR- Kamerateams sind bei allen Klubs unterwegs, nicht nur bei RB. Dass die Rentnerin lächerlich gemacht wird, gehört wohl zur Idee der Sendung. Ja, du hast den guten Dieter Bohlen, und die Rentner eben die Karin. Was wirklich peinlich ist, dass die Kommentare bei youtube. Es wird am meisten über die Leute bzw. die Aussprache lustig gemacht.
    Wenn du eine richtige RedBull Sendung sehen möchtest, dann bitte hier:
    https://www.youtube.com/user/redbull?blend=1&ob=4
    oder mal hier
    [broken Link]
    Und mal ganz ehrlich – das Alles hier ist so was von Schaum. RB soll gut spielen, die Sicherheit im Stadion gewährleisten und am Ende aufsteigen. Punkt.

  9. @Stadioncheck:
    „Kritikern per se Intoleranz vorzuwerfen, ist profan und durchschaubar.“

    Klingt natürlich super, aber habe ich (hoffentlich) nicht gemacht. Es geht eher um die Kritik einer bestimmten Art, nämlich solcher Art, dass man sich über Fußballunwissen lustig macht und entsprechende Personen aus einer komischen Bescheidwisserattitüde heraus als hohl oder doof oder lächerlich oder was auch immer beschimpft.

    „Kritisch und peinlich ist vor allem die Tatsache, wie sich hier ein von öffentlichen Geldern finanziertes Organ vor den Karren eines Konzerns spannen lässt, so tut, als sei es Journalismus und vermutlich auch noch dafür kassiert (das ganze dann, natürlich, als “Produktionskostenhilfe”).“

    Ein bisschen ideologisches Trallala aufgepeppt durch Verschwörungstheorie (wie schon beim Freikartenthema im Übrigen). Vorgetragen von jemandem, der einem Verein anhängt, dessen wurstproduzierender Aufsichtsratsvorsitzender sich darüber freut, dass Putin über den Verein in der Wir-Form spricht und auf deren Trikots das Wort gazprom prangt, was ordentliche Sümmchen an Geld einbringen dürfte. Kritik aus dem einen Konzern heraus daran, dass es anderswo auch Konzerne gibt. Und ja: RB Leipzig ist mit dem Background Red Bull sicherlich anders, aber ausschließlich in der Erscheinungsform, nicht im Wesen (um es mit ein bissel Wiki-Marxismus zu beschreiben). Oder anders gesagt: der MDR ist ein Regionalsender, der in den Lebenswelten seiner (vornehmlich älteren) Zuschauer in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen agiert. RB Leipzig gehört zu dieser Lebenswelt, ganz egal wer da wie die Zeche bezahlt. Und genau deswegen ist das ein journalistisches Thema für den MDR (wobei sich die Qualität des Journalismus des Nachmittagsfernsehens gut an der Qualität von „hier ab vier“ und „Karin auf Zack“ ablesen lässt). Da kannst Du Dich auf den Kopp stellen, aber nichts daran ändern.

    „Ähm, natürlich ist das eine Sendung _für_ RB, was denn sonst?“

    Ah ja. Und das für RB Leipzig entworfene Konzept war welches? Finanziert von RB natürlich? Kommt wir drehen mal nen Fünfminutenbeitrag, den 90% der Seher peinlich oder albern oder schlecht finden? Wow, großartiges Konzept. Ein Freund, ein guter Freund..

    @Chaosblogger: Ja, ich weiß, dass „Karin auf Zack“ kein Highlight der Fernsehgeschichte ist, aber man sollte auch beachten, dass wir hier über die Sendung „hier ab vier“ reden und falls Du sie nicht kennst, dann guck mal rein und dann wünsch Dir noch mal in dem Rahmen eine bessere Fußballdokumentation. Bei „hier ab vier“ werden schnell und meist von externen Firmen produzierte Filmchen verwurstet. Da geht es weniger um Qualität, als um Wiedererkennung und Schlagworte. Und „Karin auf Zack“ ist wohl beides..
    Und ja, ich sehe das auch so, dass die Fanbeauftragte wenig glücklich wirkt mit ihrem Job. Aber vermutlich wollte es keiner der Kommunikationsexperten machen, die dann eben das Argument gebracht haben könnten: „Hey, Karin will doch Fan werden, das ist doch ein Fall für die Fanbetreuerin.“ Zack und den Job (ungewollt) geangelt und vor einer Kamera gelandet. Und dass sie die Fans als lieb bezeichnet, meint sie (glaube ich) ernst, auch wenn sie in der sechsteiligen MDR-Doku von vor nem knappen Jahr auch wusste, dass es diese liebe Fanszene nicht auf ewige Zeiten geben wird..

    Grundsätzlich geht es mir glaube ich um einen ziemlich unangenehmen Mix aus coolem Bescheidwisserfan, der sich darüber lustig macht, dass die Rentnerin nicht weiß, warum man Schals hochhält, wann es Elfmeter gibt und wann das Spiel aus ist und einer Ressentimentselbstbestätigung a la „Die sind so peinlich bei RB“, was dann beispielhaft beim twitternden Stadioncheck in einem höhnischen „RB Leipzig züchtet neue Anhänger und der MDR ist hautnah dabei“ zusammenfließt, ein Satz bei dem lediglich die Wörter RB Leipzig und MDR stimmen..

  10. „Ein bisschen ideologisches Trallala“ […].

    Wow, gute Besserung, wirklich.

    „Vorgetragen von jemandem, der einem Verein anhängt, dessen [„ideologisches Trallala“ bitte hier einfügen…].“

    Tschuldigung, aber Du weißt einen Scheiß über mich oder meine Vereinspräferenzen. Und mit diesem Thema hat das nichts aber auch gar nichts zu tun. Das gilt ebenfalls für Tweets, in deren 140 Zeichen Du irgendetwas Deine Argumentation Stützendes hineininterpretierst.
    Tu mir bitte einfach den Gefallen und konzentriere Dich auf das, was ich hier Schwarz auf Weiß geschrieben habe, wenn Du mit mir (gerne auch kontrovers oder als Streitgespräch) diskutieren und auch nur halbwegs ernst genommen werden möchtest.

    Auf den Rest Deines Beitrags möchte ich deshalb auch nicht mehr weiter eingehen. Nur noch soviel, die RB-Sache mal völlig außen vor gelassen: Der mdr inszeniert hier aktiv etwas und von daher kann so ein Filmchen niemals Journalismus sein. Nennen wir es Scripted Reality oder meinetwegen neutraler „Magazinbeitrag“.

  11. „Scripted Reality“, da wäre ich auch dabei. Der Beitrag ist mit Müh und Not journalistisch. Eine Reflexionsebene gibt es nicht. Das dritte Wort (gefühlt) lautet: „Red-Bull-Arena“. Toll! Schon das hätte man sich sparen können. Der Marketingname des Stadions ist einfach nicht wichtig, um das Thema (Wir erklären einer rüstigen Rentnerin die Welt. Heute: Fußball) rüberzubringen.

    Natürlich ist Red Bull nicht böse, wenn der MDR anklopft. Mach mal, Fanbetreuerin. Mach mal, Timo Rost. Das ist für unser Image und die Markenpflege. Dieser MDR-Beitrag ist der 485. verkrampfte Versuch, sich die Bundesliga-Vorvorfreude jetzt schon greifbar zu machen. Der MDR ist da immer vorne mit dabei – einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt ist diese kritiklose, anbiedernde Form der Hofberichterstattung schlichtweg unwürdig.

    Ich finde die Konzeption und Umsetzung dieses Formats peinlich – sicher auch, wenn Karin Plätzchen backt. Aber insbesondere dann, wenn Karin derart naiv (und damit meine ich nicht, dass sie nicht weiß, wie viele Spieler auf dem Platz stehen, das ist vollkommen egal – vermutlich wurde auch das durchgescriptet, wie der gesamte Beitrag) das Imperium Red Bull, Abteilung Leipzig, Einheit Fußball kennenlernt.

  12. Ich als totaler RB-Fan fühle mich mehr als veräppelt, dieses Video ist abartig hoch drei und keiner bei Red Bull Leipzig soll das bemerkt haben, es ist völlig Anti-RB!!!
    Ich bekomme manchmal Angst, was haben wir denn für „Spezis“ in der Vereinsführung?
    Der mdr ist ein Dynamo-lastiger Sender, welcher noch aus dem Zentralstadion berichtet, einfach nur traurig!

  13. @Chemieblogger @Stadioncheck Das Thema hier ist regionales Nachmittagsfernsehen(!), der MDR(!) und die Bepöbelung handelnder Personen, weil diese zu dusselig für den geliebten, traditionellen Fußball seien (wobei letzeres nicht unbedingt euer Thema sein muss).

    Dem MDR vorzuwerfen, er würde in seinem Nachmittagsprogramm nicht journalistisch arbeiten, ist quasi eine Tautologie. Das kann man natürlich exemplarisch an Karin abarbeiten, tatsächlich wirkt es aber bemüht, sich an einem Beitrag von 10.000 im Jahr hochzuziehen und darin den Medienverfall wahrzunehmen.

    Und böse, böse, der Beitrag ist „scripted“ (Meinetwegen einigen wir uns darauf, dass der Beitrag kein Journalismus ist, denn das ist tatsächlich eine plausible Annahme, schon weil es in dem Format alleinig um die Inszenierung von Karins Erleben geht). Aber „scripted“, das darf man doch nicht, jemanden in ein Stadion schicken mit einer Kamera und dann hier jemanden treffen und da jemanden treffen und so lustig sein, wie man es im Nachmittags-TV erwarten würde. Das muss doch natürlicher und so und natürlich auch mit Reflexionsebene. „Rentnerin Karin? Können wir kurz einmal über den Zusammenhang von Fußball und Kommerz reden?“ Und noch mal: Hier ab vier! Nein, Rentnerin Karin ist keine Reporterin, Rentnerin Karin geht zum Fußball und lässt sich dabei filmen, so wie sie sonst eben als Figur Rentnerin Karin ins Fitnessstudio oder zur Fahrschule geht. Rentnerin Karin ist in diesem Sinne ein künstliches Produkt, dem man nun aber nicht per se das Interesse am Gegenstand absprechen kann.

    Und ja ach. Böse, böse, der MDR (Herr „Haar in der Suppe“ beweist übrigens, dass den MDR im Dreiland in Bezug auf seine vermuteten fußballerischen Präferenzen von der überwiegenden Mehrheit gedisst wird, jeweils aus unterschiedlicher Perspektive und unterschiedlichem Grund..). Sagt Red Bull Arena. Aber wäre der alte Name nicht für den Beitrag auch unwichtig gewesen (schließlich keine historische Beschreibung)? Gibt es so etwas wie einen Marketingnamen, der nur wie ein Pflaster über dem echten, wirklichen, genetisch in die Steine, den Ort oder den Geist über dem Ort eingeschriebenen Namen klebt? (Viele Menschen klagen übrigens darüber, dass der MDR zu den Beschreibungen ehemaliges Zentralstadion und WM-Arena greift. Tatsächlich ist dies der normale Vorgang zumindest bei den Sportverantwortlichen des MDR.) Aber ja, böse ist er der MDR, weil er Markenpflege für RB Leipzig treibe, Hofberichterstatter sei und die Bundesligavorfreude greifbar mache. Das ist aus diversen Gründen schlicht Unsinn. Der einfachste (neben dem, dass es schon schwierig erscheint, den Karin-Beitrag als Markenpflege zu bezeichnen) ist der, dass der MDR in den letzten 2,5 Jahren von unteriridisch Anti-RB bis hin zu schmierig Pro-RB so ziemlich alles gemacht hat, was man mit und ohne Kamera machen kann.

    Und dass der MDR nicht unbedingt eure Imperiums- und Konzern-Begriffe nutzt, kann man ihm nun wirklich nicht verübeln, denn erstens ist sein Zielobjekt der Fußball(!)verein RB Leipzig (und auch Karin erlebt in dem Beitrag Fußball!) und zweitens ist die Art und Weise der Verwendung mit der Vereinfachung böser Fußball (Konzern) vs. guter Fußball (offenbar kein Konzern) selbst wenn man so etwas wie (Gesellschafts)kritik im Auge haben sollte, von einer projektiven Schlichtheit, die dem Gegenstand nun wirklich überhaupt nicht gerecht wird (wie ich mit meiner Bemerkung zu Wesen und Erscheinung oben schon mal andeutete). Ich würde mich auf jeden Fall dagegen verwahren wollen, dass der MDR plötzlich zu einem Vorkämpfer im Kampf gegen Konzerne und Großfirmen wird. Das könnte inhaltlich nur schief gehen (auch wenn es größeren Teilen des Publikums vermutlich gefallen würde, mal endlich Beiträge gegen die Geldsäcke da oben zu sehen).

  14. „Karin auf Zack“ ist mir egal, ich habe den Beitrag ohne Vorkenntnisse im Internet angeschaut und mir ist extrem übel, insbesondere deshalb, da RB aktiv mitgeholfen hat, sich letztendlich selbst in den Dreck zu ziehen.
    Wenn ich den mdr „dissen“ würde, so würde das aber nicht so gesittet ablaufen, insbesondere zwischen 19.00 und 19.50 Uhr ist es auch mein „Heimatsender“, welchen ich so übel dann auch nicht finde…
    Bezüglich Dynamo-Sympathie und Red Bull Leipzig-Antipathie erinnere ich nur an Reporter Gert Zimmermann, ein offener Gegner des „Brause-Konstrukts“, wäre bei meinen Mitarbeitern ein Entlassungsgrund nach vorausgegangener schriftlicher Abmahnung!

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