Witze ohne Pointe – Eine Fußballleipziger Diskursgroteske

In den Hauptrollen:

  • Guido Schäfer – Sportjournalist bei der LVZ; irgendwo zwischen Kult und Wahn
  • Eduard Geyer – (ehemaliger) Kult-Fußballtrainer (u.a. FC Sachsen Leipzig); irgendwo zwischen Kult und Wahn

In den Nebenrollen:

  • Wolfgang Loos – Geschäftsführer und Sportdirektor bei RB Leipzig, Kult und Wahn noch unbestimmt
  • Das Publikum – ohne definierbare Eigenschaften

Die Szene: Mitteldeutscher Unternehmertag. Hinter sich einen erdfarbenen Vorhang haben es sich die drei darstellenden Personen auf einer Bühne mit Barhockern an zwei Stehtischen gemütlich gemacht und plaudern unter dem Titel „Gewonnen wird im Kopf“ über Gott und die Welt. Ihnen gegenüber das Publikum.

Guido (in ernster Denkerpose): Herr Geyer, wenn sie so Jogi Löw beobachten mit seinem Assistenten; Flick heißt der glaube ich. Die haben beide so Kaschmirpullover an mit Rollkragen und kuscheln auch manchmal zusammen. (streicht Geyer über den Arm, um Kuscheln anzudeuten)

Publikum: (erheitert)

Geyer: (grinst)

Loos: (amüsiert)

Guido Schäfer (unbeirrt weiter): Sie sind ja nicht so der Kuscheltyp. Denken sie manchmal, was soll das? Sind die vielleicht dann doch vom anderen Ufer?

Loos: (weiter amüsiert)

Schäfer: Sie dürfen offen reden, wir sind hier unter uns.

Loos: Hahahahe.

Schäfer: (Guckt amüsiert auf Geyer)

Geyer: Naja, das ist jetzt nicht meine Frage. (Überlegt. Findet was.) Wie haben die gesagt: Unter 20 Meerschweinchen ist ein schwules (Guckt ernst.)

Schäfer: Haha.

Publikum: Hahahaha.

Loos: Hahahahahahaha.

Schäfer: (guckt triumphierend) Nein, unter 10. Unter 10 gibt es ein schwules. Im Osten sind es vielleicht 20, im Westen sind es 10. (amüsiert)

Publikum: Hahahahaha

Geyer: (mit wegwerfender Handbewegung) Naja, bei euch ja.

Loos: (guckt amüsiert ins Publikum)

Geyer: (unbeeindruckt weiter) Das kam im Fernsehen..

Schäfer: (sichtlich erfreut) Das kann man testen, ja..

Geyer: Das war beim Raab die Sendung. Da hat er welche rausgenommen und dann sollten die Zuschauer sagen, wie die heißen. Der eine hieß Olaf..

Loos: Haha.

Schäfer: Hahaha.

Geyer: Der eine hieß (überlegt).. Wie hieß der?

Schäfer: (amüsiert) Ja, Eduard hieß der nicht.

Geyer: Ja, kann ja nicht.. Wie hieß denn der zweite? (weiß es wieder) Detlef! Detlef, Olaf und Jogi. (zieht das o künstlich in die Länge)

Schäfer: Hahahahahahahahaha.

Loos: Haha.

Geyer: (ernst und gefasst, mit Zeigefinger) Hat er gesagt. Ich fand das natürlich nicht ganz in Ordnung und so weiter.

Publikum: Hahaha.

Schäfer: Haha.

Geyer: Ich wollte es nur mal sagen, es war eine lustige Sendung. (amüsiert sich)

Publikum, Geyer, Schäfer, Loos: (amüsieren sich in unterschiedlichem Ausmaß)

Die Moral von der Geschicht: Humor ist, wenn man auch ohne Pointe lachen kann. Und: Das Banner „Fußballfans gegen Homophobie“, das beim Spiel, über das nicht mehr gesprochen werden soll, vor dem RB-Fanblock hing [broken Link], war wohl in Fußballleipzig ziemlich treffsicher platziert.

PS: Der insgesamt einstündige Komplettmitschnitt der Dreierrunde findet sich bei der LVZ. Leider ohne Direktlink. Deshalb muss man auf deren Videoseite einfach den Namen Geyer ins Suchfeld eingeben und dann stößt man auf den Mitschnitt und einen zusätzlichen Kurzbericht. Update: Siehe Kommentar mit Direktlinks weiter unten. Die oben transkribierte Szene spielt etwa ab Minute 40.

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15 Gedanken zu „Witze ohne Pointe – Eine Fußballleipziger Diskursgroteske“

  1. Danke, das habe ich mal im KurzMitschnitt vor einiger Zeit in der LVZ-Online gesehen und mich schon immer gefragt, wie wohl diese Veranstaltung gesamthaft war.
    Werde ich heute abend mal „genießen“.

  2. Die Witze sind doof. Und die Anmache vom Guido Schäfer war schon mehr in der Richtung Wahn als Kult. Aber… allgemein zum Thema. Ich lege mal kurz das Political Correctness und die Regeln der deutschen Grammatik beiseite und sage was dazu.
    Keiner hindert einen Fußballer sich als schwul zu auten. Schwul zu sein ist kein Verbrechen und ist soweit OK. Das ist ein FREIES LAND. Aber, keiner soll mich daran verhindert so einen nicht als mein Vorbild oder Lieblingsspieler zu akzeptieren. Wenn ich so möchte. Aus dem gleichen Grund.

  3. Totales Contra:
    Ich finde das alles es sehr sympathisch/authentisch, das schreibt allerdings ein Fan vom Guido, der obige Kommentar sucht ja nun wirklich „das Haar in der Suppe“…

  4. Solange man sich über Witze über Schwule aufregt ist tatsächlich noch keine Normalität für diese Menschen erreicht.

  5. Ich frag mal ganz unbedarft…. Das hat so stattgefunden?

    Hab das dreimal gelesen, dachte erst Du verfasst jetzt auch absurde Stücke fürs Theater…..

    Gruß

  6. @Tom Read: Ja, hat es. Meine Theaterkarriere muss leider noch warten.

    @Wladimir: Du sagst im Kern, dass jemand für dich nicht „Vorbild oder Lieblingsspieler“ sein kann, nur weil sich sein Liebesleben danach ausrichtet, lieber mit Männern als mit Frauen rumknutschen zu wollen? Was hat das mit irgendwas zu tun, für was man sich Personen als Vorbilder aussucht?

    @Henne: Ehrlich gesagt suche ich die Suppe..

  7. @rotebrauseblogger. Wer mit wem knutscht ist sicherlich generell eine Privatsache. Ich denke aber, dass z.B. Franck Ribéry, Boris Becker oder Tiger Woods schon mal andere Erfahrungen gesammelt haben. Promi und die Vorbildfunktion eben. Ja, ich finde knutschende Männer nicht normal. Das ist nur meine Meinung. Darf ich aber auch haben. Konservativ? Ja! Und… im Land, wo der Außenminister mit seinem Freund auf die Auslandsreisen geht, kann man echt schwer über eine Homophobie reden.

  8. @Wladimir: In einem Sport, in dessen Umfeld ’schwul‘ vorwiegend als Schimpfwort verwendet wird und homosexuelle Sportler es tunlichst unterlassen, sich zu outen bzw. eventuell gar nicht erst den Weg bis in die Spitze des Profifußballs mitgehen (wollen), kann man aber auch nicht von einer homophobiefreien Zone sprechen.

  9. OK. Vielleicht kenne ich die Problematik nicht so genau. Das wusste ich eben nicht, dass die Sportler sich nicht outen dürfen. Das ist nicht in Ordnung.

  10. @Wladimir: Ich nehme an, dass Du das polemisch meinst, denn natürlich ist es nicht verboten, sich zu outen, doch angesichts dessen, dass die deinige Ansicht, dass knutschende Männer nicht normal sind, sicherlich rund um den Fußball (in den Vereinen und auch bei den Zuschauern) nicht wenig verbreitet ist und ein Fußballer nun mal in der Öffentlichkeit stehend von seinem Beruf, ergo von den Zuschauern und den Sponsoren leben muss, ist die Hürde doch eine heftige. Psychologisch (wegen dem öffentlichen Druck und der besonderen Beobachtung), beruflich (durch die Mitspieler) und finanziell (geringeres Ansehen = geringerer Marktwert = geringeres Auskommen).

  11. Vielleicht hast du Recht. Wenn einer bei RB sich traut, werde ich sehen was mein Bauch dazu sagt. Die Liebe kann man nicht erzwingen 🙂
    P.S. „Männer nicht normal“ ist sprachlich sehr unglücklich von mir gewesen.

  12. Diese Szene führt vor Augen, dass Homophobie bis weit in die Mitte der Gesellschaft verbreitet ist. Solange Homosexuelle nicht als „normale“ Mitglieder der Gesellschaft angesehen werden, laufen wir diesen ganzen netten Vorsätzen, die wir uns in den EU-Verträgen oder im Grundgesetz auferlegt haben, sehr weit hinterher. Die jeweilige sexuelle Orientierung der Menschen sollte in deren Bewertung ebenso wenig eine Rolle spielen wie deren regionale Herkunft, religiöse Bekenntnis oder geschlechtliche Identität.

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