Vorfreude

Da wartet es nun also das erste richtig aufregende Liga-Topspiel der Saison. Genaugenommen das erste richtig aufregende Liga-Topspiel seit knapp einem Jahr, als RB Leipzig zu Hause nur 1:1 gegen die schon zu diesem Zeitpunkt weit enteilten Chemnitzer spielte. Denkt man eine Nummer kleiner, dann war vielleicht auch das Heimspiel gegen Holstein Kiel im Februar so ein klein wenig ein aufregendes Liga-Topspiel, weil es damals für die RasenBallsportler darum ging, noch einmal eine Aufholjagd zu starten. Das ging bekanntermaßen drastisch schief.

Nun wartet wieder Holstein Kiel, aber unter völlig neuen Voraussetzungen. Nach Leipzig kommt kein Gegner, der irgendwo im Niemandsland der Tabelle steht, sondern der aktuelle Spitzenreiter der Regionalliga Nord, wenn auch nur mit einem Punkt Vorsprung. Nach Leipzig kommt demnach ein Team, das sich aktuell noch berechtigte Aufstiegshoffnungen macht. Man könnte auch sagen, im Gegensatz zum Februar kommt eine Kieler Mannschaft, die auch etwas zu verlieren hat.

Im Februar kam Holstein Kiel mit einer Menge Spaß im Gepäck angereist, erwischte einen optimalen Abend und reiste mit noch mehr Spaß und diversen Dosen Red Bull im Gepäck wieder zurück nach Hause. Sehr unwahrscheinlich, dass sich die Geschichte in der Form wiederholt. Nicht nur weil die RasenBallsportler im Unschalten auf die Defensive nicht mehr ganz so langsam agieren, wie noch im Februar, sondern auch, weil die Kieler Gäste diesmal selbst ein wenig Druck verspüren. Verlieren wird man jedenfalls nicht wollen und genau das war ihnen beim letzten Aufeinandertreffen vermutlich noch ziemlich egal.

Es ist unklar, was das fürs Spiel bedeuten wird. Kiel gilt ja gemeinhin als Kontermannschaft und ein Punkt aus Leipzig zu entführen dürfte ihnen als Ziel reichen. Von daher könnte man erwarten, dass sie kompakt-defensiv agieren. Andererseits ist eine knüppelharte Defensive jetzt auch nicht unbedingt die hervorstechende Qualität der Kieler (war es im Übrigen auch im Februar nicht). 14 Gegentore in 12 Spielen zeugen davon. Anfällig bei Standards sollen die Norddeutschen sein, heißt es (hochwertige Standards gehörten allerdings bisher auch nicht wirklich zum Repertoire der RasenBallsportler). Gut möglich also, dass die Kieler auch nach Leipzig kommen und ihr Heil in der Flucht und im Verbessern der Torausbeute von 33 in 12 Spielen suchen. Dann könnte das ganze ein höchst unterhaltsames Fußballspiel werden.

Höchst aufregend wird es sowieso. Auch wenn zwischen RB Leipzig und Holstein Kiel sicherlich nicht die Rivalität zu spüren ist, wie sie letztes Jahr in den Duellen mit dem Chemnitzer FC lebte. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass BILD in dieser Woche auf ziemlich durchsichtige Art und Weise versuchte, die Stimmung anzuheizen. Trotzdem herrscht allseits eine spürbare Vorfreude und sportliche Anspannung. Spieler und Verantwortliche beider Lager zeigen in ihren Statements ihre Fokussierung auf dieses eine Spiel. Mit Timo Röttger, Fiete Sykora und Marc Heider (broken Link) sind die herausragenden Köpfe beider Teams dabei in vorderster Front präsent gewesen. Bei all dem medialen Vorgeplänkel könnte fast schon denken, dass es den Halleschen FC (der sicherlich ein interessierter Beobachter des Spiels ist) als Konkurrenten um den Aufstieg gar nicht mehr gibt..

Sei es wie es sei. Ich persönlich finde, dass der DFB-Pokal ja eine nette Angelegenheit war und die Spiele gegen Wolfsburg und gegen Augsburg tolle Erlebnisse. Aber ehrlich gesagt steht die entspannte Vorfreude auf die Kür, die ich beim DFB-Pokal verspürte in keiner Relation zu der angespannten Aufregung, die sich langsam in mir breit macht, wenn ich an das Duell am Sonntag gegen Holstein Kiel denke. Medial ist alles vorbereitet. Erstmals werden bei einem Regionalliga-Spiel mit RB-Beteiligung alle Stadion-Sektoren geöffnet sein (gegen Hannover II war ja der Gästesektor geschlossen). Insgesamt werden wohl bis zu 15.000 Zuschauer dem ganzen beiwohnen und zum allergrößten Teil den RasenBallsportlern die Daumen drücken. Ob dreckiger, überragender oder unverdienter Sieg wäre mir letztendlich wurscht. Ich freu mich auf das erste sportliche Regionalliga-Highlight seit einem Jahr und ein intensives Spiel. Knisternd fühlt es sich an. Und gut.

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4 Gedanken zu „Vorfreude“

  1. „…Aber ehrlich gesagt steht die entspannte Vorfreude auf die Kür, die ich beim DFB-Pokal verspürte in keiner Relation zu der angespannten Aufregung, die sich langsam in mir breit macht, wenn ich an das Duell am Sonntag gegen Holstein Kiel denke…“

    Oh in diesem Zustand bin ich schon seit Tagen! Ist es breits eine psychologische Vorentscheidung?

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