Dirk Zinglers Gegenbewegung

Wir wollen ganz klar Kante und Haltung zeigen. Wenn eine Firma wie Red Bull sich einen Verein kauft, um ihre Produkte besser verkaufen zu können, dann wird eine Grenze überschritten. Ich habe nichts dagegen, wenn vermögende Menschen sich in Vereinen engagieren. Ob dass Herr Hopp in Hoffenheim ist oder Herr Abramowitsch bei Chelsea. Wenn sich aber die Reihenfolge verschiebt, wenn erst ein Produkt da ist und dann der Fußballverein dazu gekauft wird, dann führt das den Sport ad Absurdum. Dem wollen wir bewusst etwas entgegensetzen.

Sagt Dirk Zingler, seines Zeichens Präsident bei Union Berlin in einem insgesamt aufschlussreichen Interview in der Berliner Zeitung. Derselbe Zingler, der in der ersten Hälfte des Jahres gegen den damaligen Sportdirektor Beeck bereits die Absage eines bereits vereinbarten Testspiels von Union gegen RB Leipzig durchdrückte. Nun ruft er also den aufrechten Gang des geneigten Unioners gegen den Fußballverein in Folge eines Produkts aus. Klingt kämpferisch und edel gut, der Kreuzzug gegen die Kapitalisierung der Welt.

Kante zeigen möchte Dirk Zingler mit seiner Idee, Anteile an der Stadiongesellschaft für die Alte Försterei in Höhe von 58 Prozent an Union-Mitglieder zu veräußern. Die Seele des Vereins, das Stadion gelte es in die Hände derer zu legen, die es beseelen. Heißt es. 10.000 Aktien sollen zu je 500 Euro vertrieben werden, sodass das Stammkapital der Stadiongesellschaft um 5.000.000 Euro erhöht werden könnte. Die Aktien dürfen verkauft und verschenkt werden, allerdings nur unter der Bedinung, dass keiner mehr als 10 dieser personalisierten Aktien besitzt. Haupteffekt der Geschichte: Eine Kommerzialisierung des Stadionnamens dürfte so unmöglich werden, da solch einem Schritt laut Gesellschafts-Satzung mindestens zwei Drittel aller Stimmberechtigten zustimmen müssten. „Geschütztes Kulturgut seit dem 1.1.2012“ frohlockt man beim textilvergehen drüben (wo auch schöne Tortendiagramme zur Darstellung der Sache gebastelt wurden) zumindest in Bezug auf den Erhalt des Stadionnamens völlig zurecht.

Soweit die Union-Perpsektive. Man kann das ganze, auch weil hier ja der Kampf einer schützenswerten Fußballkultur gegen die böse Fußballkultur ausgerufen wurde, aber auch etwas weniger unionerisch sehen. Dann bleibt ein kleiner Ost-Verein übrig, dessen Haupt-Kapital die Menschen sind, die ihn tragen und verehren. Und dieses Kapital nutzt der Verein. Nachdem die Fans bereits eine Tribüne für das Stadion beisteuerten (Update: eine Richtigstellung zu dieser offenbar falschen Behauptung in den Kommentaren), ist nun also die Stadiongesellschaft dran. Überspitzt und mit böser Zunge gesagt: Die Stadiongesellschaft nutzt die Weihnachtszeit für eine gelungene Marketingaktion zur Aktivierung und Anzapfung des Weihnachtsgeldes der Mitglieder.

Denn Stadionmitaktieneigner dürfen nur Mitglieder werden. Was den Effekt haben könnte, dass Union mal eben im Vorbeigehen ein paar neue, zahlende Mitglieder kriegt und diese Mitglieder sich wiederum gegenseitig Stadionanteile unter den Weihnachtsbaum legen und der Stadiongesellschaft so eine satte, auf anderem Wege gar nicht zu leistende Kapitalerhöhung bescheren. Union bittet also im Namen der Vereinsseele die Mitglieder für die eigene Wettbewerbsfähigkeit zur Kasse.

Das ist auch völlig ok und ich sehe darin nichts verwerfliches. Jeder Profi-Verein muss die Ressourcen nutzen, die ihm zur Verfügung stehen. Und die Aktion, die am 01.12. starten soll, würde wohl ein Flop werden, wenn die zahlenden Mitglieder darin nicht einen ideellen Wert sehen würden. Finanziell jedenfalls klingt es unwahrscheinlich, dass die 500-Euro-Aktie beim Weiterverkauf Gewinn abwerfen wird. Aber das ist wohl auch kaum der Grund, weswegen das Anteilspapier in Masse gekauft werden wird.

Es geht (und an der Stelle wird es absurd) neben dem Bezug auf die eigene Identitätskonstruktion als besonderen Verein auch um die Ablehnung des Prinzips Red Bull. Das Prinzip stünde dafür, dass sich hier ein Produkt einen Verein gekauft habe. Mal so rum gesagt: Red Bull hat eine Vereinshülle gegründet, mit der Profifußball organisiert werden soll. Und ehrlich gesagt, ist es mir ziemlich wurscht, ob Trainer Pacult und Sportdirektor Loos unter Leipziger/ Salzburger Bedingungen die sportlichen Entscheidungen treffen oder unter der Fuchtel eines Clemens Tönnies oder eines Dirk Zinglers. Sprich, mir ist die Art und Weise, wie sich der Club rein organisatorisch aufstellt ziemlich schnuppe. Wichtig ist es, mit welchen Menschen, Gesichtern und Geschichten die Hülle ausgefüllt wird und wie es der Verein schafft mit seinem Umfeld zusammenzuwachsen.

Ich finde es tatsächlich erstaunlich, es als erstrebenswerte Fußballkultur zu verkaufen, dass die Fans mal eben einen kleinen Anteil ihres Stadions für eine respektable Summe erwerben, weil der Verein nicht in der Lage ist (und nicht in der Lage sein kann), Sponsorenerlöse in einem Rahmen zu erlösen, der die Vereinsinfrastruktur dauerhaft auf Profifußball-Niveau bringen würde. Sprich, es wird letztlich den Fans über Sonderaktionen neben dem Karten- und Fanartikel-Erwerb aufgelastet, dass der Verein weiterhin Spieler beschäftigen kann, die bei ihrem Beruf sehr gut verdienen.

Und nein, mir geht es nicht um Neid, ich habe nicht viel dagegen, dass Profi-Fußballer marktentsprechende Löhne verlangen. Aber ich habe etwas dagegen, wenn mir kultige Präsidenten erklären wollen, dass die zentrale Fußballkultur darin bestünde, die hohen Vereinskosten zu vergemeinschaften. Und nein, mir geht es auch nicht darum, die Anteilsverkaufsidee bescheuert zu finden, ganz im Gegenteil glaube ich tatsächlich, dass es gut zu dem passt, wie sich Union und die Union-Fans wahrnehmen. Dass man aber eine Idee, die im Bezug auf sich selbst richtig ist und die das in Bares umsetzt, was der Verein hat (nämlich fest verbundene Fans) nun unbedingt als das im Vergleich zu Red Bull und RB Leipzig fußball-ethisch bessere Modell abfeiern muss, erschließt sich mir nicht.

Ich kann ‚mein‘ Stadion auch sehr gut leiden, sitze, zapple oder stehe dort gerne und soweit möglich in jedem Heimspiel und habe trotzdem kein Bedürfnis, 500 Euro dafür abzudrücken, dass ich die Garantie habe, dass sich der Stadionname nicht ändert. Ehrlich gesagt bin ich sogar ziemlich froh, dass die Zeche für ein Profi-Fußballteam jemand zahlt, der das Geld vorher mit irgendwas verdienen musste und nicht die Stadt oder (über Eintritt und Fanartikel hinaus) der Fußballanhänger. Ja, das mag nicht im Sinne der Union-Seele sein, aber ich kann das Zentralstadion/ die Red Bull Arena auch als authentischen Ort ohne sponsor-präsentierte Ecken und Auswechslungen erleben, ohne dafür identitär begründet finanziell am Gebäude beteiligt sein zu müssen. Setzen Sie, lieber Dirk Zingler bei Union ruhig auf Familie, denn das ist tatsächlich – das meine ich gar nicht böse – ihre Karte, aber lassen Sie andere, die dieser Idee in der Form nicht nachhängen und trotzdem dem Fußball leidenschaftlich oder zumindest gewogen gegenüberstehen, die Wege gehen, die sie gehen wollen.

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27 Gedanken zu „Dirk Zinglers Gegenbewegung“

  1. Auch bei diesem Artikel stimme ich im Gesamttenor zu, würde aber zu bedenken geben, dass man Gleiches nicht mit Gleichem vergelten kann. Klar ist es nicht schön, wenn andere Clubs unmittelbar den eigenen angreifen. Dennoch wäre es aber eine Unterstellung zu behaupten, dass Dirk Zingler die eigenen Fans „erntet“ statt es mit zahlungskräftigeren Sponsoren zu versuchen. Eventuell liegt die Ausgangssituation ja wirklich so, dass ihm sehr viel daran liegt und er die „letzte Karte“ spielen muss – die eigenen Fans. Seine Meinung darf er ja äußern, auch wenn diese ein paar Ecken hat.

  2. Ehrlich gesagt wäre es mir auch lieber, Union wäre wie viele andere Profiklubs in der Lage, seine Kosten komplett zu vergesellschaften, sprich den Steuerzahler zur Kasse zu bitten.
    Okay, etwas weniger Polemik: Mir ging schon die Spielabsage gegen RB Leipzig zu weit und mir sind die populistischen Anwandlungen von Dirk Zingler fremd. Doch dem Grundtenor möchte ich zustimmen. Die zweimal 45 Minuten Fußballspiel möchte ich persönlich „pur“ genießen. Da ist die AG mit (beschränkten) Namensaktien ein probates Mittel, um diese Art von Fußballkultur zu bewahren. Warum das unbedingt als „gallisches Dorf“ und nicht als eigenes „Feature“ verkauft wird, ist mir persönlich klar. Eine David gegen Goliath Geschichte verkauft sich besser, auch wenn es gar keinen Goliath gibt.
    Ich weiß, dass Du es auch nur polemisch meintest, doch wenn Du in Neufünfland plus Berlin einen potenten Großsponsor (nichtstaatlich) findest, gib mir Bescheid. Ich würde ihn nehmen 😉

  3. Gegen den Red-Bull-Fußball zu wettern, hat mindestens zwei Funktionen: Einmal zieht es eine Grenze zwischen verschiedenen Philosophien des Profifußballs, und ein andermal schweißt es die eigenen Reihen zusammen.

    Wenn ich dich richtig verstehe, unterstellst du eine Doppelmoral. Du sagst, Union Berlin sei kein besserer Entwurf des Profifußballs als RB Leipzig. Beide Ansätze seien unterschiedlich, aber keiner „moralisch besser“.

    Das sehe ich anders. Die Genossenschaftsidee ist etwas Schönes. Und sie kommt wieder, das ist so die gefühlte Wahrnehmung. Du beschwerst dich darüber, dass „hohe Vereinskosten“ „vergemeinschaftet“ würden. Das klingt irgendwie so, als würde Union seine Fans in jene unfreiwillige Pflicht nehmen, wie es DDR und LPG mit den Bauern nach 1945 taten.

    Ist es nicht vielmehr genau umgedreht? Geht es bei diesem Ansatz nicht etwa doch um Teilhabe und Mitbestimmung? Wer sich eine Stadionaktie kauft, kann sie sich über das Bett hängen. Ein ideeller Wert, eben keine Anlage im finanzkapitalistischen Sinn. Eine Gegenleistung, wenn auch nicht finanzieller Natur, gibt es dennoch: Im besten Fall hat der eigene Verein sportlichen Erfolg. Weil er sich ein moderneres Stadion leisten kann, ohne wie Arminia Bielefeld zu enden.

    So sehr ich deine – und ich wiederhole mich hier – scharfsinnigen, intelligenten Analysen schätze, so befremdlich finde ich auch deinen antimoralischen Fatalismus: Es ist halt so, was soll man machen. Du bist ein Pragmatiker vor dem Herrn, der Realist schlechthin. Das ist für jemanden wie mich, der sich als sehr rational begreift, etwas Bemerkenswertes.

    Ja, es macht sehr wohl einen Unterschied, ob die handelnden Personen deines Vereins sich verpflichtet fühlen, ein Fußballunternehmen zu führen, das eben nicht austauschbar an jedem anderen Ort der Welt stehen könnte. Red Bull macht das aber in Leipzig. Ich verstehe nicht, wie sich zu so einem Projekt eine Fan-Beziehung, also etwas hochgradig Irrationales, entwickeln kann. Red Bull würde auch an jedem anderen Fleck dieser Erde funktionieren. Es ist nichts, was man als einfacher Fan anfassen kann. Geschweige denn etwas, woran man auch nur in irgendeiner Form mitgestalten könnte.

    Kurzum: Ich stehe Partizipation, Teilhabe, Mitbestimmung – auch im Fußball. Denn auch RB ist ein „Verein“, etwas von seiner Grundanlage her Antiökonomisches.

    Und ist es nicht so, dass Red Bull seine Kosten auch vergemeinschaftet, wenngleich wesentlich subtiler? Nur, dass Red Bull nicht auf die Freiwilligkeit seiner Fans setzt, sondern auf das Kalkül, dass RB Leipzig langfristig Rendite bringen, zumindest jedoch den Markenwert weiter steigern muss?

    Für das P. S. etwas völlig anderes: Servus TV, ein großes Thema. Wann setzt du dich damit mal auseinander (sorry, falls ich es überlesen haben sollte)?

    1. Mit ein paar Anmerkungen zu diesem interessanten Kommentar würde ich gern an der fundierten Diskussion teilhaben.
      Ich habe eher den Eindruck, dass es neben Teilhabe vor allem um Zugehörigkeit geht. Und da ist eine klare Abgrenzung immer „wertsteigernd“. Vielleicht geht es sogar um eine Art von emotionaler Heimat. Auch wenn das dem einzelnen „Genossenschaftler“ nicht in jedem Fall bewusst wird. Mitbestimmung ist realistisch betrachtet für den „Genossenschaftler“ – mit nur einem kleinen Anteil am gemeinsamen Eigentum – eher ein ideeller Wert. Um so mehr, wenn man die Verteilung der Anteile der Stadionbetriebs AG betrachtet.
      Für die Mehrheit der Zuschauer eines RB Leipzig Spiels macht es vermutlich keinen Unterschied, ob der Fußballverein die Umsetzung einer Marketingidee eines erfolgreichen Unternehmens ist, die sich auch an anderen geeigneten Orten der Welt manifestiert. Die Wahl Leipzigs hat auf keinen Fall einen beliebigen Fleck dieser Erde getroffen sondern ist wohlkalkuliert. Den Beitrag von Red Bull zur weiteren Kommerzialisierung des Fußballs moralisch abzuwerten (im Vergleich zu den Aktivitäten vermeintlicher Wohltäter) hat viel ideologisches.
      Ist es des weiteren vorstellbar, dass es eine große Anzahl von Fußballinteressierten gibt, die mit der landläufigen Fußballfolklore nichts im Sinn haben? Sei es aus ästhetischen Gründen, oder weil sie außer der Zeit für das Zuschauen der Spiele keine weitere erübrigen können oder wollen. Eine Fan-Beziehung scheint sich trotzdem daraus zu entwickeln. Und das erscheint mir tatsächlich höchst irrational im positiven Sinn.

  4. Zwei Korrekturen:
    „Nachdem die Fans bereits eine Tribüne für das Stadion beisteuerten, ist nun also die Stadiongesellschaft dran.“
    Sachlich unkorrekt. Beim Neubau der drei Stehplatztribünen haben viele Fans geholfen, unentgeltlich. Aber weder war das nur eine Tribüne, noch wurden sie komplett von den Fans bezahlt / beigesteuert.

    „Es geht (und an der Stelle wird es absurd) neben dem Bezug auf die eigene Identitätskonstruktion als besonderen Verein auch um die Ablehnung des Prinzips Red Bull. “
    Ich glaube man kann sicher sein, dass die meisten Union-Fans Union nicht alos etwas besonderes sehen (also, schon, aber eben so wie jeder andere Fan seinen Verein als etwas besonderes sieht, aber nicht als ‚Kult‘, wie es das ‚besonders‘ hier wohl ausdrücken soll). Vielmehr ist es so, dass Union, das Stadion, das Miteinander als völlig normal angesehen wird, wie es halt immer war in und bei Fußballvereinen. Das drumherum, im großen, bunten Geschäft 1. Liga, in den Plastik- und Retortenclubs mittlerweile anderes als das normale üblich ist, macht Union nicht zu etwas besonderem – sondern die eckballpräsentierenden Eventprodukte. Das eine ist Fußball, das andere was anderes.

  5. Den Text unterschreib ich – wieder einmal – ohne Einspruch. Oder wie schon auf twitter gesagt: Was soll ein Union-Präsident (hier könnte übrigens auch Pauli, 1860 oder Chemie stehen, denn es geht ja nur um Abgrenzung von etwas anderem) sonst sagen?

    @chemieblogger: Zum Thema Red Bull & Servus TV, das ganze ist schon eine Nummer größer als „nur“ dieser Fernsehsender, ich empfehle dazu diesen Text: http://medienplanet.wordpress.com/2011/11/05/geflugelte-medien/

    1. Was soll denn der Müll?
      Soll denn die moderne Fußballarena leerstehen oder sollte es noch besser so bleiben (als Zentralstadion), wie meine Eltern das ohne Bezahlung im NAW mit aufgebaut haben?
      Oder sollen da besser die Manschaften spielen, die es in 20 Jahren nicht hinbekommen haben?

  6. Vielen Dank erst mal allen miteinander für die vielen anregenden Anmerkungen.

    @Stefan: Ich wollte gar nicht unterstellen, dass Zingler den einfacheren Weg geht und einfach die Fans anzapft. Es ist ein zusätzlicher Weg, der zu Union passt, weil beide Seiten (Verein und Fans) was davon haben, der aber trotzdem aufgrund seiner weihnachtlichen Platzierung durchaus auch einen kleinen Schachzug-Beigeschmack hat.

    @Sebastian: Was @Sebastian sagt.

    @Chemieblogger: Ganz grundsätzlich könnte jeder sich neu gründende Verein, der Profi-Fußball betreiben will, also nicht nur aus lokalen Sinn- und Freundeszusammenhängen besteht, an beliebigen Orten der Welt entstehen. Ein Verein ist erst mal nur eine (gemeinnützige) Hülle zum Zwecke der Förderung des Fußballsports. (Bei Union und RB dann eben in seiner professionellen Form – was ich ganz gern vom Amateursport abtrennen würde). Nichts was aufgeladen wäre durch irgendeine Identität oder Geschichte. Die Hülle kann unterschiedliche Farben haben, läuft aber im Kern auf das gleiche raus. Mannschaften, die in verschiedenen Altersklassen Fußball spielen und dabei für sich selbst eine sportliche Identität gewinnen. Der Rest und drumherum ist dann Ausgestaltung und Identitätsbildung. Bei Union die Familie mit den kurzen Wegen und der hohen Form von Verbundenheit, bei RB irgendwas (noch) diffuses, für verschiedene Beteiligte völlig unterschiedliches. In welche Richtung das läuft ist meinetwegen noch unklar, aber dass da bereits Nähe zum Verein entstanden ist, dass Menschen in Fanclubs und in Verbindung zum Verein und zu den Spielern begonnen haben RasenBallsport-Realitäten zu gestalten und so den Verein durchaus zu etwas machen können, das eben nicht mehr überall auf der Welt stehen könnte, ist aus meiner Sicht unübersehbar. Man mag das bei der professionellen Kühle im RB-Verantwortungsbereich eventuell nicht glauben, aber andererseits könnte man das Handeln Unions ausgerechnet zu Weihnachten eine Verkaufsaktion zu starten auch als professionelle Kühle interpretieren und trotzdem gibt es dort noch andere Ebenen des Vereinsmiteinanders. Klar als Anhänger von Mitbestimmung magst Du das RB-Modell sowieso absurd finden und das Union-Stadion-Modell klasse. Andererseits muss man mir erst noch nachweisen, welche Rolle Mitglieder(!)-Mitbestimmung (bei 10.000 Stadionaktien!) spielen kann, die aktive Interessensvertretung via Fanclubs, Blogs oder was auch immer nicht in der Lage wäre auch zu spielen.

    Und: Vielleicht ist es ein wenig so, wie Du sagst, dass ich nach dem Motto verfahre, dass es halt ist, wie es ist und man eben nichts machen könne (und ich aber trotzdem Fußball in der Schüssel, perspektivisch auch guten sehen möchte). Ich glaube eher, dass ich nach dem bekannteren Motto verfahre, dass es nichts Richtiges im Falschen gibt und mir die Unterschiede in der Erscheinungsform noch lange keinen Unterschied im Wesen des Ganzen machen. (antimoralischer Fatalismus ist übrigens eine schöne Wortschöpfung)

    ServusTV: Das ganze Themenfeld Red Bull Media mag spannend sein, aber da mir keines der verschiedensten Formate aus dem Hause Red Bull bekannt ist und man das Thema ja auch in Bezug setzen müsste zu dem, was öffentlich-rechtliche, aber auch privaten Medien leisten können (die ja ihre jeweiligen politischen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten haben), fühle ich mich außerstande das auch nur ansatzweise adäquat zu behandeln.

    @mars: Witzigerweise sind sich Union und RB in Bezug auf die Eventisierung des Fußballspiels an sich gar nicht unähnlich. Erstere wollen keinen Eckball-Firlefanz, zweitere haben es nicht nötig. Bei Lok schieß man in der Halbzeit Sponsorenbälle von der Mittellinie ins Tor, bei RB gibt es ein Halbzeit-Interview. Das verbindet wohl die Idealisten und die finanzstarken Institutionen. Dass sie sich auf das Wesentliche beschränken können..

    @Alex: Ein Stadion, das nie für die RasenBallsportler gebaut wurde, sondern für die WM und die Leipziger Konkurrenz-Teams welchen Namens in den letzten 10 Jahren auch immer (die freilich nie sonderlich glücklich damit waren). Mit den RasenBallsportlern ist zumindest mal ein Mieter(!) ins Zentralstadion gezogen, der dem Stadionbesitzer mehr Geld bringt als kostet.. Im übrigen kostete die Ruine Zentralstadion vor dem Umbau die Stadt jährlich auch einige Millionen (drei, wenn ich mich recht erinnere).

  7. „Witzigerweise sind sich Union und RB in Bezug auf die Eventisierung des Fußballspiels an sich gar nicht unähnlich.“
    Bitte? Diese These sollte dann vielleicht doch mit ein paar stärkeren Argumenten unterlegt werden.

    Was das Zentralstadion anbelangt: Sicher wurde es nicht für RB gebaut. Sicher wurde das Stadion aber auch nicht für die Leipziger Vereine gebaut, sondern aus sportpolitischer Motivation heraus. Ohne Stadion im Osten hätte es keine WM in Deutschland gegeben. Sicher erscheint mir aber auch, dass RB ohne dieses Stadion nicht in Leipzig investiert hätte. Vor diesem Hintergrund erscheint mit die Kritik gen Köpenick aus dem „gemachten Nest“ heraus doch etwas gewagt.

    1. Das Stadion wurde offensichtlich mit einer sportpolitischen Motivation für den Fussball gebaut und wird jetzt entsprechend von RB Leipzig genutzt. Für das „gemachte Nest“ wird Red Bull sicher marktübliche Mietpreise bezahlen. Welchen Einfluss das auf die Legitimation der Kritik des rotebrausebloggers hat, verstehe ich nicht. Er hinterfragt die Beweggründe, Motivationen und Absichten des Präsidenten von Union Berlin, wenn dieser die Ablehnung gegenüber der Aktivität von Red Bull im Leipziger Fußball instrumentalisiert.

  8. @Alex: Ich habe keine Kritik gen Köpenick geschickt. Ganz im Gegenteil habe ich klargestellt, dass ich die Aktion sinnig und schlüssig und zu Union passend finde, ich allerdings nicht verstehe, warum man das Verkaufen von Stadionanteilen gegen Red Bull in Stellung bringen muss.

    Meine These zur Eventisierung mag etwas steil sein. Starke Argumente gibt es dazu eh nicht. Die These ging nur von der Bemerkung aus, dass es bei Union noch 90 Minuten lang Fußball pur gibt. Und ich aus meiner Beobachtung heraus sagen würde, dass dem bei RB Leipzig auch so ist. Weil letztere auch keinen finanziellen Grund haben, auch noch die letzte Spielumfeldminute mit sponsorenpräsentierten Gewinnspielen zu verbringen. Kurz vor Anpfiff der Partie RB gegen Augsburg im Fanblock zu stehen und die ‚Deutschen Meister‘ im Poetry Slam zu interviewen, entspricht jedenfalls nicht dem, was ich als unsachgemäße Eventisierung bezeichnen würde. Aber natürlich setzt schon das Stadion mit all seinen Aspekten einen ganz anderen Rahmen als dies bei Union der Fall ist.

  9. Die Sache ist doch klar. Die wollen bloß „die Fußball – Robin Hoods“ sein. Dazu braucht man aber einen Gegenspieler, einen Bösewicht. RB passt doch dazu sehr gut. Die 1.FC Fans waren doch damals zufrieden mit der Absage des Testspiels. Also geht die PR Abteilung so auf den Plus-Punkten-Jagt. Keine schlechte Geschäftsidee, finde ich. Die Tatsache, dass RB mit dem Stadion nichts zu tun hat ist nebensächlich.

    1. @wladimir Genau so sehe ich es auch! Das Testspiel abzusagen war genau diese Polemik, die aus Sport Politik macht! Was hat es zu Zeiten der DDR gegeben wenn es schlecht stand, Mandarinen aus Cuba und Bananen aus Nicaragua!

      Was gibt es bei Union, wenn man sich sportlich und finanziell nicht weiterentwickelt- eine Stadion AG und Red Bull! Aber ehrlich, wen ausser Union Fans interessiert das!
      Das schlimmste was passieren wird ist- die Aktien gehen alle weg und RB Leipzig hat wiedermal kostenlose publicity.

      Getrennt im Geiste- vereint im marketing
      Danke 😀

  10. Ich erkenne in dem Zitat des Union-Präsidenten weder eine Instrumentalisierung seiner offensichtlichen RB-Abneigung, noch ein „In-Stellung-bringen“ des Stadionanteile-Verkaufs gegen RB.

    Und lest doch bitte einfach noch mal ganz genau die Frage, die der Redakteur der Berliner Zeitung gestellt hat, anschließend die Antwort von Zingler und dann hört auf mit unzulässigem Hineininterpretieren.

  11. @Alex: Mag sein, dass das ganze etwas überinterpretiert ist, aber das Zusammenwirken von Frage und Antwort lässt nun wirklich gar keinen Zweifel daran, dass Zingler hier die Stadionanteilsaktion als bewusstes Instrument gegen das Modell Red Bull versteht. (Ist es nur ein Trick? – Nein, klar Kante zeigen, was bewusst Red Bull entgegensetzen.) Ich habe das Interview im ganzen übrigens gerne, genau und interessiert gelesen.

  12. Naja, eine gemeinsame Linie erreichen wir bei diesem Thema wohl nicht mehr. Vor dem Hintergrund der jüngeren Union-Historie und Gesprächen mit Union-Fans bewundere ich einfach, wie es in der Wuhlheide gelungen ist, Profifußball zu etablieren und dass die Fans sich dabei nie als Bezahlvolk ausgrenzen ließen bzw. auch nie ausgegrenzt wurden. Letztendlich muss diese „Marketingaktion“ des Vereins ja auch noch auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung von den Fans abgesegnet werden. Sorry, aber Sätze wie „Und dieses Kapital nutzt der Verein.“ klingen vor diesem Hintergrund in meinen Ohren wie Hohn und Spott.

    1. @Alex. Bitte nicht so dünnhäutig. Beleidigungen, Hohn und Spott sind auf diesen Seiten nur sehr selten in den Kommentaren und beim rotebrauseblogger gar nicht anzutreffen. Das ist im übrigen auch der Grund, warum ich hier regelmäßig mit Genuß lese.
      Un jetzt nochmal ganz geschmeidig: Für den Verkauf der Stadionaktien hat man aus meiner Sicht eine sehr günstige Zeit gewählt. Das würde eine gute Marketingabteilung nicht anders machen. Und markige Sprüche gegen zukünftige Konkurenten heben nunmal auch den Wert der Zugehörigkeit.

  13. @Alex: Ein bisschen angenähert haben wir uns doch schon, oder?

    Ich finde es auch bewundernswert, was man sich in der Wuhlheide mit bescheidenen Mitteln und viel Manpower und Fanpower gebaut hat. Und ich finde auch, dass man sich dafür zurecht abfeiern darf. Nur wenn man es als den wahren Fußballkulturweg beschreibt, der etwas GEGEN andere bedeuten soll und nicht auch einfach feststellt, dass hier aus einer Not eine Tugend gemacht wird, biege ich (ziemlich scharf) ab.

    Und: Das Wort Marketingaktion habe ich in einem speziellen Kontext genutzt, nämlich dem, dass man die Aktion auch mit böser Zunge beschreiben könnte. Und weiterhin glaube ich (ohne dies kritisch zu sehen), dass die Aktion nicht ganz zufällig in der Weihnachtszeit landet.

  14. Sehr schöne Analyse, wie so oft.

    Über die Unterschiede zwischen den beiden Vereinen kann man sicherlich trefflich streiten, erst recht über eventuell vorhandene Parallelen (wird ja hier auch getan). Speziell zwischen Außenstehenden.

    Mich irritiert allerdings auch, dass der FC Union selbst so explizit die Herangehensweise eines anderen Vereins kritisiert, um nicht zu sagen angreift, nicht nur in Person von Dirk Zingler, sondern auch ganz offiziell im Rahmen der aktuellen Werbekampagne für besagte Stadionaktien. Das, und jetzt kommt ein fürchterlich altmodisches und nicht sehr objektives Argument, gehört sich meines Erachtens nicht.

  15. „[…]weil der Verein nicht in der Lage ist (und nicht in der Lage sein kann), Sponsorenerlöse in einem Rahmen zu erlösen, der die Vereinsinfrastruktur dauerhaft auf Profifußball-Niveau bringen würde.“

    Die neue Tribüne ist vollständig vorfinanziert, der Aktionkauf senkt nur den Fremdanteil bei der Finanzierung und senkt entsprechend die Zinslast. Niemand wird gezwungen die Aktie zu kaufen.
    Union stand mehr als einmal vor dem finanziellen Ruin. Inzwischen hat man zu 3/4 ein modernes Stadion, baut bald den Rest auf, spielt konstant zweite Liga und wirtschaftet seit mehreren Jahren ohne große Verlußte.
    Die Aussage, Union könne anscheinend nicht dauerhaft positiv wirtschaften, erschließt sich mir unter diesem Hintergrund nicht?!

  16. Es ist auch gar nicht böse gemeint, aber de facto ist es ja so, dass der Verein die Zuschauer 5 Millionen Euro erwirtschaften lässt, die er anderweitig (Sponsoren, Eigenleistung, Privat-Investoren) nicht erlösen kann. Der Verein wirtschaftet dauerhaft positiv, weil er quasi auch dauerhaft die Fans anzapft bzw. die Wechselbeziehung sowieso viel stärker ist. Das mag zu einem auch ohne Großsponsoren wirtschaftlich gesunden Verein führen, warum es die bessere Fußballwelt sein soll, erschließt sich mir nicht. Mehr wollte ich damit gar nicht sagen.

  17. Ich weiss das es nicht böse gemeint ist. Aber ich muss trotzdem nochmal nachfragen, woher hast du die falsche Information das der Verein die 5 Millionen Euro nicht hat? Alle Finanzen liegen fertig auf dem Tisch und auch wenn keine einzige Aktie ausgegeben wird, kann das Stadion gebaut werden. Die Finanzierung steht. Mit dem Verkauf spart man sich, schon ausgehandelte und zugesicherte, Kredite und dem entsprechend die Zinsen. Nicht mehr und nicht weniger.

    „Der Baubeginn des rund 3.500 Zuschauer fassenden Gebäudes soll voraussichtlich im Sommer 2012 sein. Die Finanzierung des Tribünenbaus steht, auch ohne die Erlöse aus der Aktienemission. Diese werden jedoch zur Senkung des Fremdkapitalanteils der Finanzierung verwendet.“

    http://www.fc-union-berlin.de/verein/aktuelle-meldungen/details/Fussballkultur-bewahren-Neue-Eigentuemer-fuer-das-Stadion-An-der-Alten-Foersterei-291n/

  18. Ok, vermutlich hast Du Recht und bei mir steckt immer noch das Sparbuch-Gen zu fest drin, sodass ich denke, dass wenn man sich 5 Millionen von den Mitgliedern holt und damit Kredite auslöst, man Geld auslöst, das man vorher nicht, weil nur auf Pump und Schulden hatte. Man spart sich ja durch die eingenommenen 5 Millionen nicht nur Zinsen, sondern auch die sicher nicht geringen Rückzahlungsraten..

    Grundsätzlich wirst Du mir aber wohl kaum widersprechen, dass die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Vereins begrenzt sind und Investitionen in Steine UND Beine gleichermaßen schwierig sind und bleiben, also die Mitgliederaktivierung wesentlicher Bestandteil für das Überleben des Vereins und die Herstellung professioneller Strukturen ist und somit die geringeren Sponsorenerlöse ausgleicht.

  19. Natürlich wird der Verein nie die finanziellen Möglichkeiten haben, wie andere. Wir werden immer ein kleines Stadion innerhalb der 1. / 2. Bundesliga haben. Große Investitionen in den Kader wurden lange nicht getan, oberste Priorität haben möglichst ausgeglichene Finanzen und das ist auch absolut richtig so. Aachen und Bielefeld sollten Warnung genug sein.
    Natürlich ist der Verkauf der Aktien ein normales Finanzierungsmodell. St.Pauli gibt für seine Anleihre Rendite, Union Mitspracherecht und ganz nebenbei verjagt man das Schreckgespenst des „Verkaufs vom Stadionnamen“. Was ist einmal wenn man keinen Präsidenten mehr hat, der so tief aus der eigenen Kurve stammt?

    Ich schlafe mit diesem Modell entschieden ruhiger und bin der Meinung das damit nötige Anpassungen an den Profifussball gelingen, ohne tiefgreifend in die Vereinskultur einzugreifen.

    Jeder Verein geht seinen Weg, Union probiert es so und die Fans gehen gerne mit. Was will man mehr? In diesem Sinne wünsche ich dem Standort Leipzig langfristig Erfolg im Fussball, auch wenn ich das Projekt „RB“ vom tiefstem Herzen ablehne. Wie gesagt, jeder geht seinen Weg. Wer am Ende mehr Erfolg hat wird sich zeigen 😉

  20. Habs ja oben auch schon erwähnt, dass es ein super Deal ist. Der Verein kriegt Geld, die Mitglieder den Stadionnamen. Dazu ein finanziell vernünftig geführter Verein und derzeit viel Ruhe. Bleibt zu hoffen, dass dem so bleibt. So etwas beweist sich ja meist erst, wenn es sportlich mal wieder bergab geht (was es natürlich nicht soll).

    Wer zum Schluss mehr Erfolg hat, dürfte – zumindest den Wahrscheinlichkeiten nach – vorgezeichnet sein. Vermutlich geht es eher darum, wer mit dem Weg seines Clubs gut leben kann. Ich vermute, dass sich da die RB-Anhänger und der geneigte Unioner mit ihrem jeweiligen Verein nicht viel nehmen (werden).

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