Fan(streit)kultur

„Fans im Clinch“ titelte die LVZ letzte Woche Freitag. Womit man ein Thema aufgriff, welches bei rb-fans.de unter dem Titel „Fanblock -adé“ [broken Link] angesprochen wurde. Grundtenor: es gibt einen Konflikt zwischen den offiziellen Fanclubs (Fanclubs, die vom Verein anerkannt wurden und deshalb ein paar Privilegien genießen) und vereinsunabhänigen Fanclubs, die aus ersteren entstanden seien, aber ein weniger an Vereinskontrolle wünschten. Man habe unterschiedliche Ansichten zum Thema Fankultur bei RB. Der eine distanziere sich vom anderen, der andere fühle sich ungerecht behandelt, etc. Man möge doch bitte seine Streitigkeiten zumindest während der Spiele beiseite wischen und gemeinsam die Mannschaft unterstützen, so die Aufforderung des rb-fans-Beitrags.

Wer es genauer wissen will, der lese den oben verlinkten Text. Ich jedenfalls habe dazu inhaltlich nichts beizutragen, da ich vom Innenleben der Fanclubs und der Fankultur essenziell keine Ahnung habe. Grundsätzlich gesprochen wundert mich der publizierte Streit aber nun wirklich nicht, noch finde ich ihn sonderlich schlimm. Nicht nur, dass ich sowieso ein Anhänger von offener, inhaltlich begründeter Streitkultur bin, vielmehr noch finde ich es wenig überraschend, dass ein etwas über zwei Jahre alter Verein in Bezug auf seine Fankultur noch nicht ausgewachsen ist. Wenn man ehrlich ist funktionierte die Fan-Werdung gerade in der Anfangszeit (also vor der möglichen Entwicklung von Emotionen und Leidenschaft) doch höchst rational: für die einen war es das Ziel Bundesliga, für den nächsten gewaltfreier Fußball, für den anderen Fußball jenseits des Leipziger Dualismus, für einige Red-Bull-Sport-Populärkultur, für die allernächsten Leipzig. Ein buntes Potpourri an Gründen, sich RB Leipzig zuzuwenden. Und damit auch ein guter Ausgangspunkt für einen potenziellen Kampf um die Definitionsmacht in der Kurve. Also der Kampf darum, wie Fankultur aussehen sollte, was sie ausmacht, wie man sie lebt oder ganz banal, was man in der Kurve singt.

Guckt man sich ältere Vereine an, dann funktioniert die Zuwendung zum Verein anders: man sei interessiert, gehe mal hin, schaue sich die Fankultur und den Fußball an und lasse sich mitreißen oder nicht. In jedem Fall passt man sich ein ganzes Stück dem Bestehenden an (was natürlich nicht heißt, dass ältere Vereine ohne Fanstreit bleiben, wie das Thema Neuer in München beispielhaft beweist). Bei RB Leipzig bestand ersteinmal nichts, es musste neu definiert und besetzt werden. Und muss es vermutlich immer noch. Und weil da verschiedene Konzepte aufeinanderprallen, gibt es eben Streit. Und den wird es vermutlich auch in den nächsten Jahren mit einer wachsenden Fanszene weiterhin geben. Und ehrlich gesagt vermute ich, dass man in der Kurve mit einem sehr bunten Sammelsurium an Ideen, Meinungen und Leidenschaftsgründen wird leben und der Redbullist und der Rasenballist als extreme Pole der Fankultur werden gucken müssen, wie sie es miteinander aushalten.

Wie gesagt, ich find das nicht schlimm, solange der Streit argumentativ bleibt und nicht sinnlos aggressiv oder gar körperlich wird. Ich finde auch einen intern bockenden Fanblock nicht schlimm (wenn auch leicht albern), solange es kein Dauerzustand ist. Support ist doch schließlich kein Leistungssport, sondern immer noch Spaß und als solcher macht Support manchem an manchen Tagen eben keinen Spaß. Na und? Nicht so richtig was anzufangen weiß ich hingegen mit der Kritik im Forum von rb-fans.de, dass man so ein Thema doch nicht öffentlich diskutieren dürfe. Nur hinter den verschlossenen Türen der (offiziellen oder nicht offiziellen) Fanclubs solle darüber gesprochen werden, weil nur die Bescheid wüssten. Mir ist das zu männderbündisch, dieses heimliche ‚Wir klären das unter uns‘ und ‚Wir wollen uns nicht zum Heinz machen‘. Ich persönlich fände es in Abgrenzung zur meist recht konspirativen Ultra-Fankultur zur Abwechslung ja mal sauangenehm, entstünde ein Fankultur, der der (möglichst harte Wettbewerbs-)Ruf bei anderen Fans eher egal ist und die ihre Streits öffentlich und im Sinne des Streitinhalts austragen (jaja, ich weiß, als Kurven-Außenstehender habe ich leicht reden). Hart in der Sache, mit Respekt gegenüber anderen. Egal ob man von anderen Fangruppierungen dafür schräg angeguckt wird. Ist doch eh wurscht, weil man das sowieso wird.

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Ein Gedanke zu „Fan(streit)kultur“

  1. Um die Diskussionsaussagen zu dem Thema auf twitter hier auch nochmal zusammenzufassen: Kindergarten auf der einen Seite, aber auch ganz normale Prozesse der Fanwerdung auf der anderen Seite. Ein anderes Wort wäre „Streitkultur“ – sowas muss sich erst entwickeln. Irgendwann gibt es auch bei RBL ne Schickeria und Supporters oder so ähnlich.
    Was mir in diesem Zusammenhang leider immer wieder negativ auffällt, ist die eher bescheidene Kommunikation der Fanclubs, insbesondere im Social-Media-Bereich. Was aber auch noch meilenweit von der verschlossenen Auster namens Geschäftsstelle entfernt ist, die nur reden, mit wem sie wollen.

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